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1. MAI 87

Viecher im Leib

Als im Jahr 1994 die erste CD von 1. MAI 87 auf Vitaminepillen erschien, stach sie doch sehr aus den ganzen Deutschpunk-Veröffentlichungen hervor, die sich zu dieser Zeit tief im „Schlachtrufe“-Sumpf bewegten.

„Viecher im Leib“ war anders und anders als erwartet, wenn sich eine Band nach den legendären Krawallen in Berlin benannt hat – frickliger, abgedrehter, kopflastiger. Songs, die wie ein Stop-and-Go-Hardcore-Track beginnen, enden mit fulminanten Pogo-Punk-Attacken, hinter Songtiteln wie „Kirschbaumkuchen“ verbirgt sich Gesellschaftskritik.

Gerade diese auf den ersten Blick für die damalige Zeit ungewohnte Mischung sorgte für den einen oder anderen Hit wie den Opener „Crackhead“ gegen die aus den USA herüber schwappende Droge mit der klaren Aussage „Ihr Scheißdealer, verpisst euch!“.

Oder auch „Voll Proll“ über oder auch gegen die sogenannten Stumpfpunks, der Song ist ein echter Ohrwurm und hatte zumindest live den Erfolg, dass die darin Angesprochenen zu diesem Song am heftigsten abpogten.

Und auch ich ertappe mich beim Hören immer wieder dabei, das lyrische Du gegen ein „ich“ auszutauschen. Und so wird dann daraus: „Ich bin voll, voll Proll ... im Falle eines Falles ist Randale für mich alles“.

Im Rückblick stelle ich fest, dass ich das Album, das jetzt bei Mad Butcher erstmals auf Vinyl erscheint, eigentlich immer wieder gerne gehört habe und heute Parallelen zu den späten GRAUE ZELLEN ziehen kann.