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1917

Ein großer Fan des britischen Regisseurs und Oscarpreisträgers Sam Mendes war ich noch nie und werde es wohl auch nicht mehr werden. Bereits sein Kinodebüt „American Beauty“ von 1999 empfand ich als schmerzhaft überbewertet. Mit „Skyfall“ und „Spectre“ drehte er zuletzt zwei neue James Bond-Filme, die nur einmal mehr verdeutlichten, dass dieses Franchise bereits seit Mitte der 70er mausetot ist. Sein aktueller (Anti)-Kriegsfilm „1917“ dürfte hingegen einer seiner gelungensten Filme sein, allerdings mehr auf der formalen als auf der inhaltlichen Ebene. „1917“ spielt, wie der Titel schon sagt, im Jahr 1917 während des Ersten Weltkrieges im britischen Sektor der Westfront im Norden Frankreichs. Zwei britische Soldaten werden beauftragt, dem Colonel eines anderen Bataillons eine dringende Nachricht zu übermitteln. Denn der steht im Begriff, die sich im Rückzug befindlichen deutschen Truppen anzugreifen, was aber laut der britischen Luftaufklärung nur eine Finte ist, womit man den Gegner in eine Fall locken will. Also begeben sich die Lance Corporals Will Schofield und Tom Blake auf eine fast surreal anmutende Odyssee durch die Schützengräben und Schlachtfelder dieses unwirtlichen Niemandslandes, die aber nur einer von beiden überlebt. Mendes bezieht sich dabei auf Unternehmen Alberich der deutschen Armee, womit sich der Realismus des Films aber bereits erschöpft hat. Stattdessen jagt Mendes seine jungen und naiven Protagonisten ohne Verschnaufpause im Ego-Shooter-Modus (ohne direkte Egoperspektive) durch ein brutales Weltkriegs-Action-Szenario und gaukelt dem Zuschauer dabei auf durchaus eindrucksvolle Art vor, „1917“ wäre in einer einzigen Einstellung ohne Schnitte am Stück gedreht worden. Leider verwässert Mendes die visuelle Kraft seines Films immer wieder durch die hanebüchenen Hollywood-Klischees der Story.