Interviews & Artikel : ANDY PARTRIDGE & XTC :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

ANDY PARTRIDGE & XTC

This Is Pop?

Über XTC kann man sicher eines sagen, was nicht auf jede Band zutrifft: Sie haben ihn ihrer jetzt gut 25 Jahre umspannenden Karriere nie eine wirklich schlechte Platte aufgenommen, auch wenn sich der Sound ihrer späteren Platten nur schwer mit ihren beiden Frühwerken „White Music“ (1978) und „Go 2“ (1979) vergleichen lässt. Mitte der 70er in Swindon gegründet, waren XTC – damals bestehend aus Colin Moulding, Andy Partridge, Barry Andrews und Terry Chambers – auch nicht unbedingt das, was man eine typische Punk/New Wave-Band nennen würde, eher eine exzentrische Popband mit einem brillanten Songwriter namens Andy Partridge, der gerne mal mit Leuten wie Elvis Costello, Ray Davies, John Lennon oder Paul Weller verglichen wurde.

Nach dem Ausstieg von Keyboarder Barry Andrews, der sich dann bei SHRIEKBACK verwirklichte und auf dem dritten XTC-Album „Drums & Wires“ (1979) durch Dave Gregory ersetzt wurde, zeichnete sich langsam der spätere Sound der Band ab, der mehr auf den Spuren der BEACH BOYS oder BEATLES zu sein schien und keine wirkliche Beziehung zu so genannter zeitgenössischer Musik besaß. Dieser fast schon archäologische Umgang mit der Musikgeschichte fand seinen Höhepunkt 1986 mit „Skylarking“, einer barocken Kammermusik-Popplatte, versehen mit Naturgeräuschen und einem generell sehr skurrilen Sound. Danach folgten noch 1989 „Oranges & Lemons“ und 1992 „Nonsuch“, zwei weitere Manifeste der musikalischen Größe dieser irgendwann zum Trio Moulding/Partridge/Gregory geschrumpften Band.
Nach einem längeren Rechtsstreit mit ihrer alten Firma Virgin kehrten XTC 1999 mit „Apple Venus, Pt. 1“ zurück, die aufgrund ihres akustischen und symphonischen Charakters neben „Skylarking“ zu ihren komplexesten und schönsten Platten gehört. Inzwischen hat Partridge ein eigenes Label namens Ape gegründet, wo er mit „Fuzzy Warbles 1-4“ anhand rarer Aufnahmen die XTC-Geschichte aufarbeitet. Am Telefon präsentierte sich Partridge als intelligenter und witziger Gesprächspartner mit einem immer noch stark ausgeprägten Hang zu leider schwer übersetzbaren Wortspielen.

Aufgrund des späteren Erscheinungsbildes von XTC hatte man immer das Gefühl, dass du ein sehr naturverbundener, etwas rustikaler Mensch bist. Ist das wirklich so?


Ja, ich glaube schon, ich bin ein ganz schön altmodisches Mädchen, haha. Wenn es um neue Technologie geht, bin ich wohl so eine Art Maschinenstürmer. Ich ziehe Pferde und Fahrräder Autos vor, und ich mag auch keine Flugzeuge. Ich fahre am liebsten mit dem Zug.

Ist denn Swindon, wo du ja schon immer gelebt hast, wirklich so ein idyllischer Ort?

Das war es mal, ein kleiner Marktplatz, wo Rinder und Schafe verkauft wurden. In der viktorianischen Zeit kam auch hier die Eisenbahn an, und es entstand eine Eisenbahn-Fabrik. Ein großer Teil von Swindon ist deshalb ziemlich hässlich, was sich leider auch in der Mentalität der Menschen hier zeigt. In den 70ern war es eigentlich ein ziemlich verschlafenes Städtchen, aber es hielten gigantische hässliche Bürogebäude Einzug, Ausdruck der generellen Entwicklung von englischer Architektur in den letzten 50 Jahren. Außerdem ist Swindon sehr beliebt in England, wenn man im Fernsehen einen billigen Lacher produzieren will. Es reicht meist schon die Erwähnung von Swindon. Aber es gibt immer noch ein kleines Fleckchen, wo man friedlich und glücklich leben kann, wo es viele alte Häuser und viel Natur gibt. Ich schätze mich glücklich, genau dort zu leben.

Also ist es nicht wie in einem Buch von Tolkien?

Nein, und wenn wäre es da, wo die Orks hausen, haha.

Zumindest scheint es ein guter Ort gewesen zu sein, um eine Band namens XTC zu gründen, die sich ja zuerst ZIP CODE & THE HELIUM KIDZ bzw. nur HELIUM KIDZ nannte.

Das stimmt. Ich hatte zuvor schon einige Bands, aber zu dieser Zeit war ich noch ziemlich schlecht und konnte nicht das umsetzen, was ich eigentlich umsetzen wollte. Als ich auf Colin Moulding und Terry Chambers traf, passierte plötzlich tatsächlich etwas, weil die beiden schon zuvor Musik gemacht hatten. Und weil wir aus derselben Gegend stammten, gab es eine grundsätzliche Verständigungsbasis. 1975 kam ich zu dem Entschluss, dass die Band eine feste Gestalt annehmen müsste. Ich wollte einen modernen, kurzen Namen und wählte XTC, was wie eine moderne Hieroglyphe wirkte. Ich war zu dieser Zeit sehr von Science Fiction fasziniert und zwang alle in der Band Overalls zu tragen, so dass jeder wie ein futuristischer Mechaniker aussah, wie bei DEVO. In dieser Zeit wurden die HELIUM KIDZ zu XTC. Die Musik sollte kurz, poppig und scharfkantig sein und auch irgendwie schockieren. Sozusagen musikalische Spikes, die bei den Leuten hängen bleiben. Denn wenn du Leute herausforderst, werden sich einige abwenden, aber andere werden es wirklich interessant finden und dich deswegen umso mehr lieben.

Obwohl XTC ihre ersten Platten zur Hochzeit des Punk-Booms in England veröffentlichten, kann man euch schwerlich als typische 77er Punkband bezeichnen.

Nein, zumal wir das schon gemacht haben, bevor die Punksache in London losging. Als wir in London häufiger auftraten, hatten die Leute allerdings das Gefühl, wir wollten auf den fahrenden Zug aufspringen, aber Tatsache war, dass wir unsere eigene kleine Szene in Swindon hatten. Wir hatten als HELIUM KIDZ schon ein paar Mal in London gespielt, aber kamen nicht so gut an und es gab viel Spott, als die Leute herausfanden, dass wir aus Englands ‚Witz-Stadt‘ stammen. Als wir mit XTC später wieder in London spielten, waren wir musikalisch auch viel besser. Die Songs waren kompakter, sie dauerten höchstens drei Minuten – die klassische Popsingle-Länge. Wir hatten nur ein paar kleine Bereiche in den Songs, wo wir etwas improvisieren konnten. Es war wie ein Uhrwerk, wo alle Teile genau zusammen passten, damit es funktionierte. Sicherlich passte es nicht richtig in die Punkszene. Viele Punks beäugten uns ziemlich misstrauisch, weil wir unsere Instrumente beherrschten, denn wir probten schon seit den frühen 70ern. Und unsere Texte bestanden vor allem aus Wortspielen und hatten nicht diese aufgesetzten politischen Inhalte anderer Punkbands. Ich empfand es als sehr scheinheilige Szene, diese pseudo-politischen Statements waren ziemlich dumm. Und die SEX PISTOLS waren auch nur die MONKEES mit Sicherheitsnadeln. Aber ich mochte die Energie der Punkszene und die Tatsache, dass jeder die Möglichkeit hatte, Musik zu machen, was immer noch wichtig ist. Jeder sollte seine Musik machen können, egal ob man gut oder schlecht ist. Ich glaube schon, dass Punk notwendig war. Es musste aggressiv genug sein, um die Türen aufzustoßen, die die egozentrische Musik der 70er verschlossen hatten. Denn in den 70ern existierten nur noch die verdorbenen Früchte der 60er. In den 60ern gab es viel neue Musik und gute Ideen, die aber zu nichts führten und zehn Jahre später fing es wirklich an zu stinken. Eine Revolution war nötig, und wie bei jeder Revolution mussten ein paar Opfer gebracht werden.

Dass ihr auf dem ersten Album „All along the watchtower“ von Bob Dylan gecovert habt, hätte jedenfalls keine „wahre“ Punkband gewagt.

Wir mochten einfach den Text und dieses ‚traumhafte‘ Qualität des Songs. Ansonsten hätten wir ‚Citadel‘ von den STONES genommen, der textlich eine ähnliche Qualität besitzt. Wir warfen also eine Münze, und die landete auf ‚All along the watchtower‘. Das war auch nie für ein Punk-Publikum bestimmt. Es war unsere Kunst, und wir bemühten uns nicht besonders, dass es irgendwelchen Erwartungen entsprach. Und wenn Leute ein Problem damit hatten, dass wir einen Bob Dylan-Song spielten, fanden wir das eher belustigend.

War der Song „This is pop?“ damals so eine Art Dogma für euch?

Ja, eine Art Dogma und ein Statement hinsichtlich der eigenen Unwichtigkeit, damit man aufhörte Musik zu gettoisieren. Alles ist Popmusik – Musik, die versucht populär zu sein. Ein besserer Titel wäre vielleicht ‚This is music‘. Die Leute suchen immer nach neuen Ghettos, um Musik einzuschließen und das empfinde ich als dumm, da es eben nur Musik ist. Entweder man mag Musik oder eben nicht. Entweder man mag Essen oder nicht ...

In den 90ern kam ja der Begriff Britpop auf, allerdings erwähnte den Namen XTC nie jemand in diesem Zusammenhang, obwohl es kaum eine Band gibt, die das besser verkörpern würde.

Dafür bin ich auch sehr dankbar, das hat verhindert, dass wir in ein weiteres Ghetto gesteckt werden. Wir entkamen dem Punk-Ghetto, dem Powerpop-Ghetto, dem New Wave-Ghetto und auch Britpop. The band that couldn‘t be caught, haha. Dahinter steckte wohl ein ziemlich dummer und verzweifelter Versuch, die glorreichen Tage der späten 60er wiederbeleben zu wollen und eine Szene entstehen zu lassen, die es überhaupt nicht gab.

In dieser Zeit wurde es auch zusehends ruhiger um XTC, nach „Nonsuch“ von 1992 gab es sieben Jahre kein neues Album.

Das hatte vor allem mit unserem Kampf mit Virgin zu tun, von denen wir uns befreien mussten. Wir hatten eine Periode von fünf Jahren, wo wir quasi im Streik waren und keine Musik gemacht haben, weil es ansonsten für immer Virgin gehört hätte. Um aus dem Vertrag rauszukommen, weigerten wir uns etwas aufzunehmen. In dieser Zeit habe ich zwar viele Songs geschrieben, aber ich wollte sie nicht für Virgin aufnehmen. Denn diese Sachen würden erst wieder in den Besitz meiner Kindeskinder übergehen – 70 Jahre nach meinem Tod.

Ihr wart fast 20 Jahre bei Virgin unter Vertrag, was denkst du rückblickend über diese Zeit?

Es war toll, dass wir so anfangen konnten, aber wir waren naiv, wir haben die Verträge nicht richtig gelesen und auch nicht verstanden, was da drin stand. Wir waren damals glücklich, überhaupt spielen zu können. Wir waren junge Menschen, die froh waren, die Welt zu sehen. Man verschwendet da keine Zeit mit dem Lesen von Verträgen und Treffen mit Rechtsanwälten. Wenn man älter wird, beginnt man sich allerdings zu fragen: Wo ist eigentlich unser Geld? Und wenn man dann die Verträge liest, erkennt man, dass man beraubt wurde. Von Leuten, bei denen man naiverweise angenommen hatte, sie wollten einem helfen. Aber das ist keine ganz neue Geschichte, das ist bei vielen Bands so passiert.

Und wann seid ihr euch darüber klar geworden?

Nachdem ich meine Valium-Abhängigkeit überwunden hatte, das muss ‘81 oder ‘82 gewesen sein. Ich wurde plötzlich brutal mit dem richtigen Leben konfrontiert. Ein unsanftes Erwachen.

Deine Valium-Abhängigkeit war damals ja wohl auch der Grund, warum ihr nicht mehr live auftreten konntet.

Meine Probleme fingen an, als ich aufhörte täglich Valium zu nehmen. Ich dachte damals, es wäre Lampenfieber. Ich hatte ziemliche Panikattacken auf der Bühne, aber wie ich jetzt weiß, hatte das mit meiner Valium-Abhängigkeit zu tun. Zu dieser Zeit dachte ich, ich würde verrückt werden. Ohne bestimmten Grund hat man vor der gesamten Welt Angst und will fliehen. Ich war 13 Jahre extrem von Valium abhängig und als ich es absetzte, brauchte ich ein Jahr, um völlig davon wegzukommen. Es war eine Zeit, in der ich das Gefühl hatte, die gesamte Welt würde sich in meinen Kopf drängen, was ich vorher betäubt hatte. Außerdem wurde ich plötzlich sehr depressiv wegen der Situation mit der Plattenfirma, den Managern und Rechtsanwälten. Und die Symptome dieses Kontrollverlustes waren die Panikattacken, die ich auf der Bühne hatte, was an sich verrückt war, weil es der einzige wirklich sichere Platz war. Jeder liebte dich, und du hast dich wie ein Gigant gefühlt. Vielleicht war ich einfach zu entspannt, so dass die Panik Zeit hatte hochzukommen.

Bereust du es, nie wieder live aufgetreten zu sein?

Nein, weil ich es auch unangebracht finde, in meinem Alter noch auf einer Bühne zu stehen. Ich muss mich nicht mehr auf der Bühne beweisen, das habe ich gemacht, als ich Anfang 20 war. Ich möchte auch nicht vorgeben müssen, dass es mir gefällt, auf einer Bühne zu stehen. Da muss man sich selbst gegenüber ehrlich sein. Der größere Kick für mich war auch im Studio zu sein. Ich war, bevor wir live spielten und danach, immer ziemlich einsam. Da sind auf einmal tausende von Leuten, die dich lieben und dann ist plötzlich Schluss, und du gehst zurück auf dein Hotelzimmer. Man fühlt sich dabei, als wenn man eine Gefängnisstrafe auf Rädern absitzen müsste, man sieht tagsüber außer der Band niemand, dann 10.000 Leute und wieder niemanden. Und so geht das über Monate.

Jemand hat mal über XTC geschrieben, die Band wäre Ende der 70er auf der Höhe der Zeit gewesen und hätte sich musikalisch dann stetig in der Zeit zurück bewegt.

Haha, wahrscheinlich. Zurück in dem Sinne, dass wir liebenswürdiger wurden. Und da alles immer gewalttätiger wurde, haben wir uns lieber zurückentwickelt. Aber nicht, um einen mystischen goldenen Pfad zu finden ... Ich würde es auch nicht ‚rückwärts‘ nennen, ich würde dazu ‚sich erweitern‘ sagen. Für mich ist Popmusik eine Leinwand in einer bestimmten Größe, an der ein Maler arbeitet und eine bestimmte Palette von Farben zur Verfügung hat. Als wir anfingen, waren auf unserer Palette nur zwei Farben, vielleicht schwarz und rot, und dann fügten wir etwas Gelb und Blau hinzu, und hier und da noch ein wenig Grün ...

Was denkst du heute über euren frühen Sound, der ja auch sehr durch Keyboarder Barry Andrews geprägt war?


Meine Leidenschaft war damals eine ‚Jetsons’-artige, 50er Jahre Version der Zukunft. Da gefiel mir natürlich der Sound von Barrys Sputnik-Weltraum-Orgel, und ich war froh, dass das Teil der Band war. Als Barry ging, fragten wir uns: Und was machen wir jetzt? Um es weniger schmerzhaft zu gestalten, mussten wir jemanden finden, der ein guter Musiker ist und zu uns passte, der aber dann dummerweise Gitarre spielte. So formte sich eher zufällig die nächste Phase von XTC. Wie in jeder Band kommt es immer auf die Spannungen zwischen den Leuten untereinander an. Wer an welcher Stelle an dem Baby zerrt, dadurch entwickelt sich seine Form. Was das Songwriting angeht, bin ich über die Jahre auch viel besser geworden. Ist es nicht auch für dich schmerzhaft, wenn du dir Bilder aus deiner Teenager-Zeit anschaust? Du trägst komische Klamotten und hast eine schreckliche Frisur. Und so ist das mit unserem alten Sound. Ich glaube, es ist schwierig, es als große Kunst anzusehen, haha. Die Songs besitzen eine gute Energie, aber alles ist sehr naiv. Ich würde die Sachen sicher mehr mögen, wenn nicht ich derjenige wäre, der sie gemacht hat. Wie kann ein Goldfisch, das Glas genießen, in dem er schwimmt? Und wenn man sich unsere Platten anhört, merkt man auch, wie es sich langsam veränderte. In eine erwachsenere, langsamere und musikalischere Richtung, nicht so aggressiv, nicht so dadaesk. Die Songs haben plötzlich eine Bedeutung, denn auf den ersten Platten war es überwiegend Blödsinn. Es ging nur um den Spaß am Klang der Wörter – keine Bedeutung, nur ein bestimmter Geschmack. Songs wie ‚Radios in motion‘, ‚I‘m bugged‘ und ‚Neon Shuffle‘ sind wie mit Wörtern gefüllte Gewehre, die plötzlich abgeschossen werden, aber sie haben keinen Sinn.

Inzwischen hast du mit Ape dein eigenes Label gegründet. Die ersten Releases „Fuzzy Warbles 1-4“ sind allerdings eher archäologische Fundstücke aus der XTC-Zeit.

Auf Ape will ich Sachen herausbringen, mit denen ich zu tun habe oder von Leuten, die ich persönlich gut finde. Es wäre schön, wenn Ape ein respektiertes Label würde, weil die Sachen darauf eine gewisse Qualität besitzen. Es wird von mir und Peter Blegvad ‚Orpheus, The Lowdown‘ erscheinen und die MILK AND HONEY BAND aus Brighton, die sehr schöne Songs schreiben. Und ich suche für die Zukunft nach anderen Musikern und Ideen. Ich werde jedem einen guten ‚Non-Rip-Off‘-Deal geben. Ich möchte nicht als konventionelles Label angesehen werden, aber ich verspüre das Bedürfnis, eine Pipeline zu sein, um gute Musik an den Mann zu bringen. Der Grund für ‚Fuzzy Warbles‘ waren die Bootlegger, weil ich sehe, wie überall auf der Welt unser Material kursiert. Das ist verrückt, ich werde da beraubt. Warum mache nicht ich, der die besten Quellen für dieses Material hat, meine eigenen Bootlegs?! Die Leute schicken mir Disks von unseren Demos, die von Kassetten in der 10. Generation stammen und dann auf CD gebrannt wurden, in der falschen Geschwindigkeit laufen und verrauscht sind. Das kann ich doch wohl besser machen.

Auf „Fuzzy Warbles“ finden sich auch Songs, die du für den Disney-Film „James & The Giant
Peach“ geschrieben hast. Warum sind die nie verwendet worden?


Ja, Disney ... Jetzt muss ich wohl meine Jiminy Cricket-Stimme aufsetzen, haha. Offensichtlich bin ich gescheitert, aber es war eine politische Entscheidung. Ich war die erste Wahl des Regisseurs Henry Selick, aber weil er bereits zwei Kämpfe mit Disney gewonnen hatte, um den Kinderstar seiner Wahl und den Designer seiner Wahl zu bekommen, beharrten Disney darauf, für den Soundtrack Randy Newman zu nehmen, weil er schon die Musik für ‚Toy Story‘ gemacht hatte. Sie wollten Selick nicht dreimal hintereinander gewinnen lassen. Aber ich glaube, dass meine Songs besser gewesen sind. Ich kenne auch Leute, die, wenn der Film an die betreffende Stelle kommt, meine Songs dazu abspielen, haha.

Thomas Kerpen

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #53 (Dezember 2003/Januar/Februar 2004)

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NO TRIGGER sind eine mythen-umrankte melodic Punk/Hardcore Band aus Worcester, Massachusetts. Keiner ist sich sicher, ob sie tatsächlich existieren. Einige behaupten, ein oder zwei Alben der Amerikaner gehört zu haben, Andere wiederum schwören, eine ... mehr

 
 

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