ROLLINGS

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Skamikaze!

Ich sitze hier, die aktuelle ROLLINGS-CD “I Got No Reason” auf Hobby De Luxe läuft, und ich fühle mich fünfzehn Jahre zurück versetzt – die BUSTERS, NO SPORTS, SPECIALS und die TOASTERS zusammengefasst in einem Album. Das japanische Boy/Girl-Oktett THE ROLLINGS ist endlich mal wieder eine Band, die sich nicht scheut, schnelle poppige Songs im Two Tone-Style zu schreiben. Vor der “Claus Ska Festival”-Tour im Dezember 2003 lieferte ich mir mit dem Bandleader Ace-K einen ziemlich chaotischen E-Mail-Schriftverkehr, der aber umso sympathischer war, da Japaner an Freundlichkeit kaum zu überbieten sind …

Zu den Fakten: In welcher Besetzung und mit welcher Musik begann die Geschichte der ROLLINGS im Jahr 1996?


„Wir waren damals zuerst nur zu viert: Ace-K, Gitarre, Gesang, Suzie am Bass, Takeshi am Schlagzeug und Com am Keyboard. Vorgestellt hatten wir uns eigentlich eine musikalische Mischung aus 2Tone- und 3rd-Wave-Ska, aber irgendwie wollte uns das nicht gelingen, so dass wir es erst mal mehr mit Original Ska-Style versuchten und nur etwas 2Tone spielten.“

Die derzeit populärste japanische Skaband ist TOKYO SKA PARADISE ORCHESTRA (TSPO), die 2003 auch in Deutschland einige beeindruckende Gigs absolvierte. Zu Hause sind sie ja so was wie Superstars mit Majordeal. Wie sieht das bei den ROLLINGS aus?

„TSPO sind eine große Nummer und haben einen fetten Plattenvertrag in Japan. Die gibt‘s ja auch schon über 15 Jahre, vergleichbar mit den BUSTERS hier in Deutschland. Die Leute kennen zwar TSPO, aber wissen nichts über Ska. TSPO decken den Skabedarf bei den Majors in Japan. Wir hingegen sind die Neo-Ska-Könige, da es wenige Bands dieser Art gibt. Die Szene an sich teilt sich auf in drei Bereiche: Den größten davon übernimmt die Ska-Punk-Fraktion, dicht gefolgt von der authentischen Liga und dann so Ausnahmen, wie wir eine sind.“

Was den japanischen Markt betrifft, habe ich als Europäer manchmal das Gefühl, wenn sich niemand mehr auf diesem Planeten für eine bestimmte Sache interessiert, in Japan boomt das garantiert.

„Stimmt! Wir Inselbewohner bekommen von aller Welt verschiedenste kulturelle Einflüsse vermittelt, und die japanische Regierung ist so was wie der Haushund des amerikanischen Präsidenten. Die großen Labels produzieren nur Chartspop, um Geld zu verdienen. Derzeit ist Trance ganz groß im Trend, und da die Preise für CDs in Japan extrem hoch sind, geben die Leute auch wenig Geld für Musik aus. Was ich damit sagen will ist, Japan hat im Prinzip keine eigene Musik zu bieten, ausgenommen ihrer traditionellen.“

Gib uns doch ein paar gute Tips, welche japanischen Bands in Sachen Punk, Hardcore oder Ska wir auf alle Fälle mal antesten sollten?

„Was Punk betrifft ganz klar die RYDERS. Hardcore-Freunden empfehle ich GAUZE. Für Ska-Freunde gibt es die JUMPIN‘ BOOTS oder SKA FLAMES. Willst du es etwas punkiger, solltest du dir mal CEASER SOZE antun, und für die Skacore-Fans gibt es STEP BY STEP oder die RUDE BONES.“

Warum, glaubst du, gibt es relativ wenig europäische Lizenzierungen japanischer Alben, die somit hier schwer erhältlich sind?

„Das Interesse an japanischen Künstlern ist in aller Welt gestiegen, aber wir sind wie die Hühner in einem Vogelkäfig, denn fast alle Japaner gackern so seltsames Englisch wie ich. Daran wird‘s wohl liegen.“

Hin und wieder touren japanische Hardcorebands in Deutschland. Wenn ich deren unvergleichliche musikalischen Wutausbrüche erlebe, frage ich mich immer, was bei euch da drüben so abgeht?

„Kann ich dir auch nicht sagen, ist mir auch unverständlich. Die meisten Japaner sind nicht an Politik interessiert. Manche haben Gefallen an Fußball, andere an den Sexspielzeugen, und die meisten hoffentlich an den ROLLINGS. Japan selbst ist ein friedliches und sicheres Land. Wir leben im behüteten, warmen Bettchen der USA.“

Wie gefällt es euch, wieder in Deutschland sein zu können?

„Großartig, nur werden wir den Reis vermissen. Essen die Deutschen keinen Reis? Das europäische Publikum ist deutlich besser als das japanische und versteht es zu feiern.“