PURK

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Auf Tour durch Indonesien

Wir, die bayerische Punkband PURK, flogen im März nach Indonesien, um dort ein paar Konzerte zu spielen. Hier nun ein paar Eindrücke von unserer ungewöhnlichen Reise. Mit dabei: Jürgen (Gesang), Urs (Gitarre), Delia (Bass), Robin (Drums) und Tina. Und: Nasigoreng kommt aus Indonesien und nicht aus China. Das ist eines der Dinge, die wir in den nächsten zwei Wochen erfahren sollten ...

8.03.05 Abflug von Deutschland

Es geht los: Um zehn Uhr aufstehen, die letzten Sachen zusammengekrallt und ab zum Münchner Flughafen. Rein ins Flugzeug und auf nach Jakarta.

19.03.05 Ankunft in Indonesien
Dort angekommen, sticht uns neben der Vegetation ein grelles, rot leuchtendes Schild in die Augen: „Willkommen in Indonesien – Todesstrafe für Drogenhändler!“. Doch leider bleibt keine Zeit, uns in der Hauptstadt genauer umzusehen, denn wir müssen uns sofort einen Flug nach Surabaya, der zweitgrößten Stadt Javas besorgen, um dort von unserer indonesischen Crew abgeholt zu werden. Endlich angekommen, empfängt uns Purnomo, der unsere Tour organisiert hat. Nach herzlicher Begrüßung bringen er und zwei seiner Freunde uns in die ca. 100 km entfernte Stadt Kediri, wo wir die erste Nacht in einem Hotel verbringen. Erst jetzt beginnen wir zu realisieren, dass wir uns nun wirklich in Indonesien befinden – über 10.000 km von Zuhause entfernt.

20.03.05 Gig in Kediri
Nach ein paar Stunden Schlaf und ersten Kämpfen mit den einheimischen Moskitos werden wir mit dem saunaartigen Klima und dem brennend scharfen Essen konfrontiert, das wir um sieben Uhr morgens Ortszeit zum Frühstück bekommen ... Mit Feuer im Hals lassen wir uns von den indonesischen Punks ein wenig von der Stadt Kediri zeigen, bis es dann um elf zum Soundcheck geht. In der Halle herrscht bereits eine gute Stimmung. Wir staunen nicht schlecht, als wir von etwa dreihundert asiatischen Punks frenetisch bejubelt werden. Für Außenstehende wie uns scheint es ziemlich verwirrend, zu dieser Uhrzeit bereits eine solche Menge vorzufinden, aber in Indonesien beginnen Punkkonzerte bereits zwischen neun und zehn Uhr morgens und enden meist vor acht Uhr abends. Den Grund dafür konnten wir allerdings während der gesamten Tour nicht herausfinden – andere Länder, andere Sitten. Nach dem Soundcheck nutzen wir die Zeit, um die einheimische Küche besser kennen zu lernen und uns auf den Gig vorzubereiten. Als wir dann schließlich um achtzehn Uhr die Bühne für den Auftritt betreten, stellen wir verwundert fest, dass sie nicht nur von für die Musiker, sondern auch für einen Teil der pogenden Meute benutzt wird. Das ist anfangs etwas ungewohnt, macht unsere Stimmung aber keinesfalls zunichte. Nach einem tollen Event mit über 500 Zuschauern geht es zu einem neuen Schlafplatz, im Haus eines Kumpels von Purnomo. Hier werden wir zum ersten Mal mit dem extremen Kontrast zwischen Reichen und Armen in diesem Land konfrontiert. Die Eltern dieses Kumpels haben ein Anwesen mit fünf Autos und eine hauseigene Moschee. Hier machen wir auch die erste Erfahrung mit dem beliebtesten Bier Indonesiens: Bintang.

21.03.05 Zugfahrt nach Malang
Heute geht es mit dem Zug nach Malang, der zweiten Station unserer Tournee. Nach ein bisschen Wodkakonsum auf dem Bahnsteig und dazugehöriger Jamsession, fährt mit vier Stunden Verspätung im Bahnhof von Kediri der Zug nach Malang ein. Diese Zugfahrt gleicht mehr einem Basar mit Händlern und Bands. Dennoch haben wir einen grandiosen Blick auf die heimischen Berge und Vulkane sowie die atemberaubende Flora. In Malang angekommen werden wir wieder bei einer wohlhabenden Familie untergebracht. Ein zweites Mal klingt der Abend mit Bintang aus.

22.03.05 Gig in Malang
An diesem Tag genießen wir bei einer Tempelbesichtigung auch ein wenig Kultur. Gleich darauf geht es mit Pferdekutschen für einen kurzen Soundcheck zum nächsten Veranstaltungsort. Die verbleibende Zeit bis zu unserem Gig verbringen in einem der vielen Tonstudios von Malang. Hier erfahren wir, dass diese Studios als Proberaum für viele verschiedene Bands dienen. Zudem genießen wir wieder einige der vielen kulinarischen Köstlichkeiten Indonesiens. Dann, kurz vor unserem Auftritt um achtzehn Uhr fünfzehn, passiert etwas, was uns den Rest der Tournee noch beschäftigen wird: Die Halle leert sich und fast alle der fünfhundert anwesenden Punks und Skins gehen zum gemeinsamen Gebet in die nahe gelegene Moschee. Hier wird uns richtig bewusst, wie verschieden Kulturen sein können, obwohl wir derselben Szene angehören. 20 Minuten später ist die gesamte Crowd wieder anwesend und das Konzert kann weitergehen, wie in Kediri mit Stimmung und guter Laune. Nach uns spielt noch eine der bekanntesten Skinhead-Bands Indonesiens namens NO MAN’S LAND. Nach zahlreichen Kontaktaufnahmen mit den einheimischen Skins und Punks wird wieder bis spät in die Nacht gefeiert mit Bintang. Zudem entdecken wir langsam unsere Liebe zu Nasigoreng, was wir dann jeden Tag zu uns nehmen.

23.-25.03.05 Aufenthalt in Pare mit abschließendem Unplugged-Konzert
Wir kommen der Einladung eines Freundes nach und besuchen seine Sprachschule für Englisch in Pare. Dort verbringen wir zwei Nächte, zu jeder Tag- und Nachtzeit umzingelt von mehr als 500 Studenten, die von uns wissen wollen, wie man am besten Englisch (?) oder Frauen kennen lernt. Es ist schwer, die Euphorie dieser jungen Menschen zu verstehen, aber für viele sind wir die ersten Fremdländer, die sie zu Gesicht bekommen. Dennoch will keiner von uns diese Erfahrung missen, da wir die ersten Europäer sind, die in dieser Schule übernachten. Auf Wunsch der Schüler und Lehrer geben wir dann am letzten Abend ein Konzert auf dem Schulhof. Trotz mangelndem Equipments ist die Stimmung toll. Und wir absolvieren das erste Unplugged-Konzert unserer Karriere. Den Abend beenden wir in einer Karaokebar, wo wir das beste Nasigoreng von ganz Indonesien essen.

26.03.05 Zugfahrt nach Jakarta
Wieder steht eine Zugfahrt bevor, diesmal nach Jakarta. Nach vierzehn Stunden erreichen wir unser Ziel und werden diesmal einquartiert im Music Store von Rusdie, einem weiteren Freund Purnomos. Bei den Autofahrten durch den Furcht einflößenden Verkehr wird uns die Größe Jakartas bewusst. Abends gibt es immer riesige Feste mit 20 bis 30 jungen Menschen, selbstgespielter Musik, reichlich Wodka und Bintang. Diese Leute können feiern, und wie!

27.03.05 Gig in Jakarta
Da wir noch etwas Zeit bis zum Gig haben, nehmen uns ein paar Leute mit auf eine kleine Tour durch Jakarta. Gegen Mittag erreichen wir die Konzerthalle und es bietet sich das gewohnte Bild aus Punks und Skins, wohin man blickt, die zum Teil mit Ukulele oder Gitarre bewaffnet vor der Halle Musik machen. Wieder schließen wir viele Bekanntschaften – von denen etliche jetzt Freundschaften sind. Um halb sechs beginnt dann unser letztes Konzert dieser Indonesientour. Schon jetzt kommt uns der traurige Gedanke an den Abschied am Dienstag. Dennoch möchten wir ihnen eine gute Show bieten. Dieser Gig kostet uns die letzten Kräfte, denn bei vierzig Grad und Saunaklima schwinden diese schneller, als uns lieb ist. Die vierzig Minuten Spielzeit können gerade so eingehalten werden. Trotzdem macht es wieder einen unglaublichen Spaß. Das Publikum in Jakarta ist einfach genial, es wird der krönende Abschluss unserer Tour! Später treffen wir noch viele Leute von dem Konzert, mit denen wir noch den Abend zelebrieren.

28.03.05 Abschiedsfeier in Jakarta
Der letzte Tag wird würdig gestaltet mit „Santai“ (indonesisch für Relaxen), Bintang und Nasigoreng.

29.03.05 Abflug von Jakarta
Und zurück geht es ins kalte und unfreundliche Deutschland. Am Flughafen verabschieden wir uns noch von unseren „Brüdern“, die uns die ganze Zeit über so großartig betreut haben. Alles in allem lässt sich sagen: Indonesien ist ein tolles Land. Neben der schönen Natur haben wir Menschen kennen gelernt, deren Warmherzigkeit und Hilfsbereitschaft so in Deutschland nur selten zu finden ist. Vor allem die Punk/Hardcore-Szene dort ist eine einzige große Familie, zu welcher wir uns nun mit Stolz dazugehörig fühlen dürfen. Und auch wenn wir uns erneut darauf einstellen müssen, dass das Essen zweimal brennt und so manches Konzert zum Beten unterbrochen wird – wir kommen wieder!