COCOROSIE

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Im Haus der Träume

Ein dreiviertel Jahr nach dem Release des Debüts „La Maison De Mon Rêve“ erscheint mit „Noahs Ark“ nun das neue COCOROSIE-Album und knüpft an den unerwarteten Erfolg des Vorgängers an. Bianca und Sierra Casady verzaubern weiterhin mit ihren lieblich-anstrengenden Klängen. In meinem Interview mit den Geschwistern entpuppten sie sich als aufmerksame Gesprächspartner. Sie wussten aber auch, die Leute um sich herum durch ihre Albernheiten zu irritieren. Hier und da tuscheln sie sich gegenseitig was ins Ohr oder Sierra kommt auf die Idee, die Zuckerdose auf Ex zu leeren. Na dann Prost!

Wie kann ich mir eure Herangehensweise beim neuen Album „Noah’s Ark“ vorstellen?

Bianca: „Als wir unser Debüt aufnahmen, geschah das spontan; dieses Mal planten wir es natürlich.“

Während ihr für euer Debüt eure Songs ja hauptsächlich in der Badewanne aufgenommen habt, würde mich doch interessieren, welche Orte ihr dafür diesmal aufgesucht habt.

Bianca: „Wir haben so ziemlich überall dort aufgenommen, wo es uns möglich war. Meine Mutter arbeitet in Südfrankreich auf einem Bauernhof. Dort haben wir ein paar Songs aufgenommen, aber manchmal auch in Hotelzimmern – wir haben unser Aufnahme-Equiment immer dabei.“

Wer ist noch alles auf „Noah’s Ark“ zu hören?

Bianca: „Anthony von ANTHONY AND THE JOHNSONS sang mit uns zusammen bei ‚Beautiful boyz‘. Er ist ein einzigartiger Sänger, einfach total verrückt. Keiner kann ihn je ersetzen. Andere, die auf diesem Album zu hören sind, sind Freunde von uns und diverse Sänger und Songwriter aus New York.“

Gibt es irgendein Musikinstrument, das du mal gerne in deine Musik integrieren möchtest?

Bianca: „Ja, da gibt es dieses eine Instrument, das jemand immer in der New Yorker U-Bahn spielt. Es ist so eine große Metallschale, auf der man alle möglichen Melodien spielen kann.“

Ach, du meinst eine karibische Steeldrum. Wenn man deine Lyrics liest, kann man jeden Song eigentlich einem Gedicht gleichsetzen. Es ist nicht so, dass deine Lyrics ohne die Musik nicht funktionieren würden, und andersherum ist es genauso, denn eure Musik spricht auch getrennt von den Lyrics für sich selbst und ist sehr speziell. In diesem Zusammenhang frage ich mich, welche Kunstform bei COCOROSIE an erster Stelle steht?

Bianca: „Bei uns ist es so, dass ich schon immer gerne Texte geschrieben habe und Sierra mehr mit Musik zu tun hatte. Deshalb sind wir wohl einander die perfekten Gegenstücke.“

Könntest du dir jemals vorstellen, Filmmusik zu machen?

Bianca: „Oh ja. Wenn wir nämlich Musik zusammen spielen oder gerade aufnehmen, denken wir meist auch sehr filmisch. Eher aus der Perspektive, wie wir mit unserer Musik eine Umgebung, nämlich Kulisse oder Geräusche schaffen können, damit du außerhalb der Musik auch eine Art Erlebnis erfährst. Unser Ziel ist es, alle umgebenden Elemente in unsere Musik einfließen zu lassen. Etwa was in diesen Momenten um den Song herum geschah, welche Tageszeit oder welches Jahr es war. Damit wollen wir versuchen, aus unserer Musik ein vollständiges Erlebnis zu schaffen.“

Wie ist es eigentlich, wenn man zusammen mit seiner Schwester Musik macht? Würdet ihr es als einen Vorteil bezeichnen, weil ihr euch ja schließlich besser kennt als irgendjemand anderes, oder ist es auch anstrengend und ermüdend?

Sierra: „Es ist auf jeden Fall beides! Sofern die Kunst mit ins Spiel kommt, ist es schon ein Vorteil, da wir ein sehr ähnliches Verständnis für Ästhetik und Inspiration haben. Wenn es dann aber ans eigentliche Musikspielen oder Aufnehmen geht, entstehen die meisten Probleme in unserer Schwesternbeziehung. Alles andere läuft besser, als man es sich vorstellen kann. Wir können ja fast die Gedanken der anderen lesen. Das ist ein enormer Vorteil, wenn wir zusammen Musik kreieren.“

Wie ist es denn, wenn ihr mal mit jemand anderem arbeitet. Ist das ein sehr großer Unterschied für euch?

Sierra: „Oh ja, in diesen Momenten komme ich mir immer sehr verloren vor. Ich bin da echt verwöhnt. Mit Bianca zu arbeiten, ist wie alleine zu arbeiten. Seit kurzer Zeit habe ich auch ein Nebenprojekt, bei dem ich mit einem anderen Freund zusammenarbeite. Das Projekt heißt METALLIC FALCONS und wird auf unserem Label Voodoo-Eros rauskommen. Es ist wunderbar, aber sehr schwierig. Es ist überhaupt kein Vergleich zu der Arbeit mit Bianca und mir.“

Wo würdest du deine musikalischen Einflüsse sehen?

Sierra: „Das ist sehr schwer zu sagen. Ich mag leider nicht viel Musik bzw. erfahre nicht viel künstlerische Inspiration durch Musik. Musik, die mir etwas bedeutet, ist altertümliche, historische Musik, die hauptsächlich anonyme Komponisten hat. Musik aus der Zeit der Gregorianischen Gesänge zum Beispiel ist ein großer Einfluss für mich. Was man wahrscheinlich nicht aus unserer Musik heraushört, aber für mich persönlich eine sehr große Bedeutung hat.“

Glaubt ihr, eure Musik könnte von Männern gemacht werden? Oder anders gefragt: Findet ihr, dass eure Musik sehr feminin klingt?

Sierra: „Es ist lustig, dass du das sagst, denn wenn wir komponieren, fühlt sich das eher so an, als würden wir in eine maskuline Rolle schlüpfen.“

Bianca: „Das stimmt schon. Gerade in ‚Armageddon‘ und ‚Beautiful boyz‘ versetzen wir uns ja fiktiv in eine männliche Rolle. Aber generell neigt unsere Musik schon dazu, etwas weiblich zu klingen. Privat jedoch fühlen wir uns wahrscheinlich nicht ganz so weiblich, wie unsere Musik ist. Aber wenn ich sehr typisch männliche Musik höre, treibt mich das in den Wahnsinn.“

Welche Musik wäre das für dich?

Bianca: „Oh nein, das werde ich nicht sagen ...“