SHARK SOUP

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Vorsicht bissig!

Jeder Tag scheint neuerdings eine Überraschung für SHARK SOUP aus Erlangen parat zu haben. Erst bekommt das Trio für das neue Album „Fatlip Showbox“ per Post einen Vertrag mit BYO in den Staaten und dann übernimmt Kung Fu plötzlich auch noch die Labelarbeit in Europa. Dabei sollten die Aufnahmen anfangs eigentlich komplett in Eigenregie veröffentlicht werden. Trotz der Verträge ist die Band, die gekonnt Punk und Neo-Rockabilly kombiniert, aber immer noch in Jugendzentren zu sehen und spielt für Spritkohle. Die Frage ist nur, wie lange es dauert, bis die Bombe SHARK SOUP endgültig zündet.

Seit wann macht ihr Musik macht, und weshalb?

SHARK SOUP entstand aus der Frustration, die in unseren Ex-Bands herrschte. Wir wollten wieder etwas Cooles machen und der Spaß und die Leidenschaft mussten zurückkehren. Beides hatten wir nach sechs Jahren mit den anderen Bands verloren. Stephan, der unser Drummer ist, und ich trafen uns zu Zwei-Mann-Sessions, bei denen wir uralte Songs, die ich zwischen 1995 und ’98 geschrieben hatte, spielten und plötzlich war alles klar für den Beginn einer neuen Band. Zwei Lieder aus dieser Zeit, „Frustration“ und „Steakplanet“, sind auf unserer ersten 7-Track-Scheibe zu hören. Und „Brainwashed“ ist sogar auf dem Longplayer „Fatlip Showbox“. Am Anfang gab es weder ein Konzept noch einen Namen für die neue Sache. Wir spielten ziemlich schnell zwei Gigs, die so was von für den Arsch waren. Nach einem Besetzungswechsel zeichneten sich aber ziemlich schnell die neuen Strukturen ab und wir wussten, wohin die Reise gehen sollte. Ich selbst habe mit 14 Jahren angefangen Gitarre zu spielen, wollte aber ursprünglich Drummer werden. Nur der ehemalige Partner meiner Mutter, das dumme Arschloch, hat das, wie es eben in unserem Land Sitte ist, speziell in Bayern, mit extremem Nachdruck verboten. Die Anfänge an der Gitarre waren übel und ich war beschissen schlecht und wollte schon aufgeben. Da fiel mir die erste Scheibe der STRAY CATS in die Hände, von da an war alles anders. Stephan macht schon seit den späten 80ern Musik. Unsere erste gemeinsame Band waren die TEENAGE TOILETS, 1995. Die Songs, die ich oben schon erwähnt habe, stammen genau aus dieser Zeit. Seit damals sind wir zusammen unterwegs und somit der harte Kern von SHARK SOUP.

Ihr habt bei Knock Out veröffentlicht, jetzt seid ihr bei Kung Fu und BYO veröffentlicht ebenfalls euer Album. Seid ihr überrascht, oder habt ihr nur darauf gewartet, bis man eure Klasse erkennt? Und überhaupt, wie kommt man von Erlangen aus zu BYO?

Unsere erste Scheibe ist und war ein reines D.I.Y.-Produkt. Mosh von Knock Out hat uns angeboten, die Vinylversion davon zu übernehmen, was ein sehr cooler Zug war. Er hat uns auch sehr in Sachen Promo unterstützt. Das neue Album sollte auch wieder in totaler Eigenregie veröffentlicht werden. Es gab kein Interesse seitens deutscher Labels und wir hatten auch null Bock, Demos rumzuschicken, die ungehört in der Tonne landen. An dem Tag, an dem ich mich für den Alleingang entschied, flatterten drei Angebote aus den USA ins Haus. Eines davon war von BYO, welches wir dann auch unterschrieben haben. Gerechnet hat damit keiner und es ist immer noch seltsam und neu, ein Label zu haben. Kung Fu wurde von BYO an Land gezogen und für den europäischen Markt verpflichtet. Ich habe mich auch um den Vertrieb unseres Debütminialbums in den USA gekümmert und dadurch haben BYO wohl Wind von SHARK SOUP bekommen. Wie gesagt, wir haben niemals auch nur ein Demo an irgendein Label geschickt. Völlig irre, dass alles so kam.

Wie kommt man zu so einem Namen wie „Haifischsuppe“? Gibt es dazu eine Anekdote?

Die gibt es. Zuerst hatte ich immer diese Brillo-Kartons von Andy Warhol im Kopf, als ich einem Namen für die Band suchte. Das Logo sollte etwas von einer Verpackung haben. Irgendwann hatte ich ein paar Ideen und die coolste war SHARK SOUP, denn die Message hinter dem Namen ist folgende: Stellt euch einen Topf Suppe mit lebenden Haien vor. Jeder, der versucht daraus zu essen, wird gebissen. Unser Name ist somit auch ein Statement gegen das Killen von Haien und Walen, so wie es Norwegen und Japan wieder betreiben. Save Sharks – Kill Idiots! Viele Leute verstehen unseren Namen ziemlich schnell. Es gibt aber natürlich auch die Sorte „100% politisch korrekt“, die auf Teufel kommt raus die schlechte Laune an den Haaren hinter sich herziehen und sich ums Verrecken keine Mühe machen, hinter den Sinn zu kommen. Verblendet nennt man so was.

Dem Sound nach habt ihr das Album mit Kontrabass eingespielt, aber habt ihr den auch auf der Tour dabei?

Nein, Kontrabass ist für uns gestorben. Wir haben einfach nicht den geeigneten Typen dafür gefunden. SHARK SOUP ist keine Rockabilly- oder Psycho-Band. Wir finden beide Stile gut und ich habe da auch meine Lieblingsalben, aber Punkrock ist und bleibt unser Background. Wir sind nun wieder, wie ganz zu Beginn, mit E-Bass unterwegs, was sehr cool ist und mehr knallt. Ich persönlich finde den Upright-Bass und unsere Anfänge damit nach wie vor sehr geil, nur wachsen die Typen nicht auf der Wiese und jemanden zu finden, der auch vom Kopf her passt, ist ultra schwer. Slap-Bass ist dummerweise größtenteils ein „Szene-Instrument“, was echt scheiße ist.

Was ist die Essenz eurer Songs, was kann der Hörer von euch erwarten?


Wir scheuen uns nicht, unsere musikalischen Einflüsse deutlich hörbar zu machen. Der Hörer kriegt auf „Fatlip Showbox“ die volle Bandbreite Punk meets Neo-Rockabilly, aber auch Alternative Rock-Elemente sind vorhanden. Beim Songwriting mache ich mir keine Gedanken darüber, was die Leute davon halten und ob es „erlaubt“ ist, sich „feindlicher“ Elemente zu bedienen. Die Songs sprechen aus mir und ich verbiege mich nicht, um sie zu schreiben. Auf „Fatlip Showbox“ ist der Neo-Rockabilly-Einfluss nicht zu überhören, aber das kann sich auf dem nächsten Album wieder ganz anders anhören.

Wie würdet ihr selbst die Veränderung eurer Musik vom Anfang bis jetzt mit „Fatlip Showbox“ beurteilen?


Für die Aufnahmen der ersten Scheibe hatten wir nur drei Tage Zeit. Wir hatten sieben Songs parat und die sollten so schnell wie möglich auf Band. Bei „Fatlip Showbox“ hatten wir zwei Wochen Zeit und so konnten wir uns im Studio mehr auf die Songs konzentrieren. Das Songwriting und die Gitarrenarbeit wurden komplexer. Durch das viele Touren waren wir auch gelassener im Studio. Ich habe es diesmal sehr genossen, obwohl ich vor ein paar Jahren Studios noch zum Kotzen fand. Generell hat sich der Stil von SHARK SOUP aber nicht drastisch verändert.

Seid ihr stolz auf das Album, oder gibt es Passagen, die ihr noch gerne verbessert hättet? Welches ist eurer persönlicher Lieblingssong auf dem Album und weshalb?


In dem Album steckt verdammt viel Arbeit und auf das Endprodukt sind wir schon stolz. Auf jeden Fall gibt es einige Sachen, die wir in Zukunft anders machen werden. Verbessern möchte ich aber nichts, denn die Scheibe ist ein Zeitdokument und spiegelt den Standpunkt von SHARK SOUP zu eben dieser Zeit wieder. Mein persönlicher Lieblingssong ist „Riddle’n’Dead“, da er nur eine Minute lang ist und voll in die Fresse rotzt und eigentlich keiner weiß, was er damit anfangen soll.

Habt ihr den Eindruck, dass viele Leute gerade Punk sein wollen, sich so ähnlich anziehen, aber keine Alben im Schrank und keine Attitüde im Kopf haben?


Mit Sicherheit ist Punk zum Trademark geworden. Ich habe gestern in einem schwedischen Bekleidungshaus RAMONES-Shirts gesichtet. Da wird es mir ganz anders. Über das Thema Punk kann man sich endlos zoffen, aber du hast schon Recht mit deiner Feststellung.

Wie kann man diese Herrschaften mit den Ursprüngen der Musik konfrontieren, oder sind die in zwei Jahren mit BWL fertig und lassen sich eh nicht mehr auf Konzerten blicken?


Genauso sehe ich das. Schön studieren und Rebell sein wollen – nach der Uni dann ab in die Berufswelt und irgendwann seinen Kindern erzählen, was man doch für eine harte Sau war. Trifft natürlich nicht auf alle zu und pauschal sollte man die Dinge nicht sehen, aber es gibt sie noch immer, diese Herrschaften.

Ihr seid auf dem BLONDIE-Tribute drauf, eure Musik klingt angenehm nostalgisch – interessiert ihr euch für aktuelle Gruppen, oder seht ihr euch inzwischen allein auf weiter Flur?


Wir interessieren uns sehr für aktuelle Gruppen und diese Gitarrenwelle, die gerade ansteigt und endlich den Kampf gegen diesen ganzen Sonderschule-Hip-Hop aufnimmt, lässt uns hoffen. Zu sehr in der Vergangenheit rumzuhängen, frustet auf Dauer. Musiker brauchen immer neuen Input und es wäre fatal, sich nur auf seine alten Helden zu beschränken. Diese bilden die Basis und werden immer gegenwärtig sein. Für den BLONDIE-Song haben wir uns nicht wirklich viel Zeit genommen. Nach zwei Stunden war das Ding fertig und es hat einen ziemlich coolen Touch; und mal ehrlich, viel anders haben es die meisten 70er-Bands auch nicht gemacht.

Du hattest gesundheitliche Probleme, ist inzwischen wieder alles im Lot? Überanstrengung, Stimmbänder, wo lag das Problem denn, wenn man fragen darf?


Ich bin soweit wieder fit. Hatte Probleme mit der Niere. War echt übel und völlig überraschend. An Überanstrengung leide ich dauerhaft, aber das hat sich im Laufe der Jahre in Wahnsinn umgewandelt. Therapie?

Ihr habt mit „The soup is hot“ eine Ode ans Touren verfasst. Fährt da nicht manchmal die Angst vor Unfällen mit, habt ihr euch da schon Gedanken darüber gemacht, oder wie geht ihr damit um?


Oft bleibt nicht die Zeit, darüber nachzudenken. Unsere Kumpels von den TURBO A.C.’S hatten auch mal diesen Unfall on the road. Ab und zu gibt es schon verdammt knappe Aktionen, vor allem auf der deutschen Autobahn. Das ist der Ort, an dem man den wirklichen deutschen Charakter kennen lernt. Absolut peinlich!

„Fighting ’59“ behandelt Outsider und Gangleben auf eine Art, die sehr spooky ist. Wie nehmt ihr da solche realen Ereignisse wie in Frankreich wahr?


Der Song passiert in einer von David Lynch inspirierten unechten Kulisse. Was in Frankreich geschieht, ist die Antwort der Unterschicht auf die bisherige Züchtigung durch die Regierung. Ghettos zu bilden hat noch nie geklappt. Warum lernen Menschen nicht aus der Geschichte? Gewalt ist nun mal die Sprache eines verzweifelten Volkes. Es läuft immer darauf hinaus. Ich denke, das Militär wird bald drastische Maßnahmen ergreifen. Spätestens dann sieht man mal wieder, wie die Welt funktioniert. Drei Tage nachdem die Staatsgewalt dann alles plattgewalzt hat, juckt es schon keinen mehr, siehe Krieg im Irak. Mir fällt zu alledem nichts mehr ein.