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Interviews & Artikel

PUNK IN MÜNCHEN

Mia san dageng!

Wie war das doch gleich, damals mit dem Punk? Klar: Hamburg, Berlin und Düsseldorf, wissen ja alle. Doch auch in München knallte es jenseits von Weißwurst, CSU und Kir Royal. Und zwar gewaltig. Seit Jahren bereits graben die Macher des Münchner Kruzefix-Fanzines unermüdlich in der Punk-Vergangenheit ihrer Stadt und arbeiten an einem großen Dokumentationsprojekt über Punk in München: Olli (35) und Katz (39) sind ein Paar und leben beide für den Punkrock. Ganz nebenbei reaktivieren sie dabei legendäre Münchner Bands und bringen sie auf die Bühne. Erster Meilenstein des Projektes ist das zweitägige Festival "Mia san dageng!" am 15. und 16. April, bei dem unter anderem die UNITED BALLS, A+P und ZSD doch noch mal die Instrumente in die Hand nehmen.


Worum geht es bei "Punk in München"?


Olli: Seit mittlerweile über zwei Jahren arbeiten wir an dem Versuch einer artgerechten Dokumentation über die Ursprünge und Frühzeit der Punkszene, ganz speziell in München. Das Projekt beinhaltet ein Buch, einen Kinofilm, mehrere Tonträger, viele Aktionen, Veranstaltungen und mehr.

Klingt ein wenig wie die Punk-Doku "Verschwende deine Jugend" ...

Olli: Nur mal zur Info: Ich hab bereits 1996, also vor genau zehn Jahren, mit der Punk-in-München-Story im Kruzefix-Fanzine das gemacht, was Jürgen Teipel Jahre später in seinem Buch gemacht hat. Wir wollen aber keine Selbstdarstellung und Selbstbeweihräucherung à la "Verschwende deine Jugend" veröffentlichen, wo irgendwelche vermeintlich wichtigen, namhaften Promis von früher palavern. Unser Buch wird ein Mosaik aus vielen persönlichen Einzelgeschichten und Statements. Und da kommen neben bekannteren Leuten genauso ausführlich unbekannte Punks zu Wort, immer auch mit klarem Bezug zur Gegenwart. Uns stört es sehr, dass der Rest der Nation München fast immer völlig totschweigt, obwohl hier zeitweise wahnsinnig viel in Sachen Punk los war und ist - und das immer unter wesentlich härteren Bedingungen als in Berlin, Düsseldorf oder sonst wo. Wir leben im Law-and-Order-CSU-Staat Bayern, da bedeutet Punk-Sein noch mal etwas ganz anderes. Das werden wir richtigstellen. Und wie schon bei unserem Kruzefix-Projekt, das momentan aus Zeitmangel auf Eis gelegt wurde, geht es uns konkret darum, hier in München direkt etwas für Punk zu tun und gleichzeitig gegen den Mainstream und die totale Verblödung: Mia san dageng!

Welches Problem hat den eurer Meinung nach der Rest der Republik mit Münchens Punkszene?

Olli: Die üblichen Vorurteile gegen München: Schickimicki, Weicheier, keine bekannten Bands, nichts los, politisch unkorrekt und ähnlicher Schwachsinn. München hatte immer schon einen schlechten Szeneruf, wurde vom Rest der Republik entweder klein geredet oder gänzlich ignoriert, das war auch vor Punk schon so.

Wie sieht es zurzeit mir der Münchner Punkszene aus?

Katz: Momentan ist die Münchner Punkszene groß und bunt. Es gibt sehr viele junge und engagierte Punks, viele gute neue Bands, aber auch die alten Punks sind wieder recht aktiv. Letzteres ist schon auch unserem Projekt zu verdanken, denn wir haben jetzt jahrelang zur Motivation der Altpunks für unser Projekt monatliche Treffen mit einem interessanten Rahmenprogramm veranstaltet. Da gab es Ausstellungen, Lesungen, Live-Gigs, Performances und so weiter. Erst nur im kleineren Kreise, dann ganz bewusst auch offen für die jungen Punks, um diese dummen Berührungsängste abzubauen. Auch diese typischen Spaltergeschichten sind zum Glück bedeutungslos geworden. Wenn wir jetzt unser monatliches Treffen oder Konzerte veranstalten, ist der Laden gesteckt voll mit einer schönen Mischung aus alten und jungen Punks.

Und welche Münchner Bands brennen zurzeit?

Olli: Zurzeit gibt es wirklich viele neue und gute Münchner Punkbands, wie etwa SKULLEY, KOLLATERALSCHADEN, SCRAP HEAT, KACKEN UND ABWISCHEN, oder FRIENDLY FIRE. Die bringen frischen Wind in die Szene, bedienen nicht nur dumme Klischees, behandeln aktuelle Themen und verkörpern einfach auf positive Art und Weise die junge, jetzige Generation. Das ist echt schön anzusehen und anzuhören, und macht viel Laune und Hoffnung! Am 15. April lassen wir übrigens, sozusagen als Überraschungsband und Special Guest, FRIENDLY FIRE unser großes Punk-Festival eröffnen, damit alle neben den alten Legenden eben auch genau diesen frischen Münchner Wind live erleben können.

Ist denn das ganze Projekt für euch auch so etwas wie die Aufarbeitung eurer eigenen Jugend?

Olli: Nein, darum geht es uns überhaupt nicht.

Wie ist denn eure persönliche Punk-in-München-Geschichte?

Katz: Seit Herbst 1980 stecke ich drin im Münchner Punk, als ich damit anfing, war ich noch 14. Für mich war Punk die totale Wende im Leben und hat daher auch nie wieder aufgehört. Diese Erkenntnis, diese Wachsamkeit, dieses ständige Hinterfragen ist einfach nicht umkehrbar! Zwischendrin hab ich mal in Kanada und mal in Ecuador gelebt, mal ein bisschen mehr mit Nicht-Punks zu tun gehabt und vielleicht auch eine zeitlang weniger Punkmusik gehört, aber letztendlich war mein Umfeld immer Punk, meine besten Freunde waren und sind immer Punks und ich fühl mich mit Punk am wohlsten.

Olli: Ich versuche, es kurz zu machen: Meine persönliche Punk-in-München-Story begann 79/80, als meine beiden älteren Brüder Punks wurden und ich noch ein Kind war. Von da ab wurde Punk für mich kontinuierlich wichtiger, Schritt für Schritt, Schallplatte für Schallplatte, Jahr für Jahr. Und ab Mitte, Ende der 80er wurde ich dann vom bloßen Punk-Konsumenten, der gerne im stillen Kämmerlein Punkmusik anhört, zum Punk-Aktivisten, also "wild in the streets", provokativ und auffällig. Seitdem versuche ich, möglichst viel Sinnvolles hier in München auf die Beine zu stellen: ich hatte Bands, schrieb Texte, machte Zeitschriften und Fanzines, arbeitete im anarchistischen Infoladen Münchens mit, war Mitbegründer des Café Schädel, war an Hausbesetzungen und vielen anderen Aktionen beteiligt, organisierte Konzerte und Festivals, betätigte mich künstlerisch und politisch, hatte jede Menge Gaudi. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Ihr habt ja in den vergangenen Jahren eine Menge alter München-Bands wie FKK STRANDWIXER, DIE AUSGEBOMBTEN oder A+P wieder auf die Bühne gebracht, jetzt folgen bei eurem zweitägigen Festival unter anderem ZSD und UNITED BALLS ...

Olli: Da war zum Teil schon sehr, sehr viel Überzeugungsarbeit notwendig. Bereits bei DIE AUSGEBOMBTEN, THE JUNKS oder ROTE FRONT ging das zum Teil über Monate und Jahre. Und auch Gabriel, also der Drummer von UNITED BALLS, der ja ein Arbeitskollege von mir ist, liege ich schon seit einigen Jahren in den Ohren. Bei ZSD war es nicht anders, da war auch lange Vorarbeit notwendig, besonders da die Band untereinander leider ziemlich zerstritten war. Irgendwann hat dann diese Dynamik, die durch das Projekt, die vielen Treffen und Aktionen, Gespräche und guten Erinnerungen entsteht, aber genauso auch die Begeisterung und Power der jungen Punks, die da mitspielt, hier einfach alle mitgerissen.

Wer fehlt denn jetzt noch auf der Revival-Wunschliste?

Katz: Haha, wenn ihr wüsstet, was wir da schon alles wieder angeleiert haben. Wir sind ja keine Minute untätig. Jetzt nehmen wir erst einmal noch im Februar den Titelsong für unseren Film auf und machen einen schönen Clip dazu. Die dazugehörige Band ist schon wieder eine Legende für sich, da spielen unter anderem Jörg Evers von PACK an der Gitarre, Sigi Hümmer alias Sigi Pop (beziehungsweise MARIONETZ) am Bass und Dschango (von MARIONETZ und JÜRGEN UND DIE PISSWÜRFEL) an den Drums. Da ist der Grundstein gelegt, vielleicht wird da tatsächlich was draus, dass wir PACK und MARIONETZ irgendwann auf der Bühne präsentieren können. JÜRGEN UND DIE PISSWÜRFEL war auch eine ganz frühe Münchner Band, die haben sich jetzt extra wieder zusammengerauft, um einen Song für den aktuellen Teil unserer CD-Reihe zum Projekt aufzunehmen.

Hatte sich Sigi Pop nicht aus der Musikszene verabschiedet, um als Mönch auf dem Land zu leben?

Olli: Es ist richtig, dass Sigi aufs Land gezogen ist und dort seit Jahren als ordensfreier Mönch ein Eremitendasein führt. Trotzdem haben wir immer zu ihm den Kontakt gehalten und regelmäßig miteinander telefoniert. Erst letztes Jahr haben wir mit ihm ein tolles Interview für unseren Film gedreht und so langsam scheint ihn die Einsiedelei zu langweilen. Wir tun unser Bestes, ihn wieder nach München zu holen, denn wir können ihn hier sehr gut gebrauchen.

Wie weit ist denn die Dokumentation über den Münchner Punk fortgeschritten? Eigentlich wolltet ihr ja zum Festival euer Buch präsentieren ...

Katz: Da das ja ein absolutes No-Budget-Projekt ist und wir alles eigentlich zu zweit selbst machen - hin und wieder zwar mit tatkräftiger Unterstützung von ein paar lieben Menschen, die genauso verrückt sind wie wir, aber dennoch im Grunde genommen dann doch komplett alleine -, mussten wir irgendwann Prioritäten setzen, weil uns sonst das gesamte Projekt über den Kopf gewachsen wäre. Überleg mal: Film, Buch, CD-Reihe, Festivals, monatliche Motivationstreffen, Öffentlichkeitsarbeit. Also hieß es irgendwann, erst kommt der Film in den Schnitt und dann gehen wir in die heiße Phase mit dem Buch. Wir haben ja bereits über hundert Interviews geführt und abgetippt, wirklich Hunderte von Fotos sortiert, ausgewählt, eingescannt, rennen immer noch einigen Leuten hinterher, die ihre Texte nicht fertig redigiert, geschweige denn freigegeben haben und, und, und ... Beim Film kam es zu komplett unerwarteten Verzögerungen, jetzt muss das Buch ein wenig warten.

Worum wird es in dem Film gehen?

Olli: Natürlich um Punk in München, eingebettet in eine Art bayrische Gegen-Geschichte. Allerdings machen wir keine herkömmliche Dokumentation oder so, sondern wir wollen einen Punk-Film im besten Sinne. Sprich: Alles ist erlaubt. Wir haben viele Stunden altes, rares und tolles Material gesammelt und aufgetrieben und viele Stunden neues Material, Interviews, Konzerte und Aktionen gefilmt. Insgesamt unterstützen uns bei diesem Film inzwischen eine ganze Reihe fähiger und zum Teil namhafter Kameraleute, Filmemacher, Cutter. Vieles machen wir auch selber, ganz do-it-yourself. Da der Film "no budget" ist und uns die verschiedensten Leute in ihrer zum Teil raren und kostbaren Freizeit zur Seite stehen, dauert das Ganze entsprechend lange. Dafür wird das Ganze auch gut und einzigartig werden.

Katz: Alle Teile des Projektes sind voneinander unabhängig, die Interviews im Buch haben nichts mit den Interviews im Film zu tun, die CD-Reihe ist nicht der Soundtrack zum Film. Logischerweise gibt es Überschneidungen. Das ist auch kaum zu vermeiden, aber jeder Teil steht für sich und setzt bewusst andere Akzente.

Wie finanziert ihr das alles?

Katz: Wir haben das Punk-in-München-Projekt ohne einen öden Euro begonnen und sind mit Hilfe von vielen Unterstützern wirklich schon verdammt weit gekommen. Die Unterstützung kam zum Beispiel auch von Bands, die auf Gage verzichtet haben und ihren Auftritt als Benefiz-Beitrag fürs Projekt sahen. Bei A+P war das im Dezember 2004 zum Beispiel so, aber auch bei ein paar anderen. Oder von Leuten, die uns ihr Können, ihre Kontakte und ihre Leistung gratis oder gegen Materialkosten zur Verfügung stellten, wie etwa fast alle Kameraleute. Ansonsten stecken wir beide all unsere Freizeit rein und machen so viel wie möglich selbst. Unterstützen kann man unser Projekt aber auch, indem man zum Festival im April kommt, denn alle Erlöse gehen wieder direkt ins Projekt. Und wenn wir bis dahin nicht verhungert sind, gibt es noch unzählige Ideen und Projekte, die wir unbedingt verwirklichen wollen ...

Alex von Streit

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #65 (April/Mai 2006)

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