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Interviews & Artikel

BLACK LIPS

Schluss mit dem Krawall

Nach Platten auf den renommierten Labels Alive/Bomp! und In The Red sind die BLACK LIPS mit ihrem neuen Album "Good Bad Not Evil" auf dem Label-Ableger des unerträglich debilen Vice-Magazins gelandet. Der Vierer aus Atlanta, Georgia, der live immer wieder für infantile Ferkeleien gut ist, überzeugt erneut durch den sehr eigenen Ansatz in Sachen Garage-Punk und behauptet, diesmal von den eigenen ersten beiden Platten beeinflusst worden zu sein. Für mich klingen sie wie immer: Ein wilder Mix aus alten Stones, THE FALL, COUNTRY TEASERS, CRAMPS, SWAMP RATS und was so alles dazwischen liegt, eine wunderbar obskure Reise durch vierzig Jahre Musikgeschichte. Ich sprach mit Schlagzeuger Joe Bradley.


Joe, ihr seid gerade auf Tour. Der Winter kann im Norden der USA aber auch eher unangenehme Straßenbedingungen mit sich bringen ...

Das haben wir auch gemerkt, als wir noch jünger und dümmer waren: Es macht nicht viel Spaß, durch Eis und Schnee zu fahren, weshalb wir jetzt im Winter im Süden und in Kalifornien touren. Den Norden sparen wir uns für den Sommer auf - in einem Blizzard unterwegs zu sein, ist nicht lustig.

Was für andere Fehler habt ihr gemacht, die ihr nicht wiederholen wollt?

Es ist nicht empfehlenswert, in grüne Plastikflaschen zu pinkeln, die mit "Green Tea" beschriftet sind, denn manche Menschen halten den Inhalt dann für Tee und trinken das ...

Schön, dass du selbst auf das Thema Körperflüssigkeiten zu sprechen kommst. Ihr habt ja auch dadurch von euch reden gemacht, dass ihr selbige auf der Bühne ausgeschieden habt ...

Ja, und wir haben gelernt, dass die Menschen, denen der Club, die Monitorboxen und die Mikrofone gehören, nicht wirklich begeistert sind, wenn ihnen Leute da überall drüberpissen. Das Publikum dagegen scheint damit weniger Probleme zu haben, haha. Außerdem haben wir das ja nicht jeden Abend gemacht, es ist nur ab und zu passiert, diente nur der Unterhaltung - und wir machen das jetzt schon seit einer ganzen Weile nicht mehr. Außerdem sind wir ja auch nicht GWAR, die ihre spezielle Bühnenshow brauchen, um interessant zu sein. Wir sind in erster Linie Musiker, aber natürlich auch Entertainer.

Und ihr seid ja auch älter geworden ...

Das kommt dazu! Ich bin in dieser Band, seit ich 15 war, und jetzt bin ich 24. Da wird man hoffentlich etwas reifer.

Apropos: Bei einem Blindtest hat man euer aktuelles Album auch schon für alte Aufnahmen aus den Sechzigern gehalten. Deine Erklärung?

Wir hören kaum moderne Musik, das allermeiste finden wir schrecklich. Also müssen wir uns alte Bands und Platten anhören. Man hat nun mal die Tendenz, immer weiter zur Quelle vordringen zu wollen, um etwas in seiner reinsten Form zu finden. Wenn Leute sich auf Bands aus den Achtzigern oder Neunzigern berufen, ist ihre Quelle aber nicht besonders rein, weshalb wir weiter zurückgehen. Okay, bei elektronischer Musik mag das anders sein, aber bei Rock'n'Roll geht das eben weiter zurück. Und wir versuchen, einen möglichst puren Sound zu machen.

Und was sind die grundlegenden Zutaten eurer Musik?

Das, was alle Musik repräsentieren sollte: ein Ausdruck grundlegender menschlicher Emotionen. Und wenn andere Menschen diese Gefühle nachvollziehen können, wenn sie deine Musik hören, dann hast du dein Ziel erreicht.

Im Rock'n'Roll gibt es so was wie eine Stunde Null, sowas wie den Urknall - ist das euer Ausgangspunkt?

Der kommerzielle Rock'n'Roll nahm seinen Anfang in den Fünfzigern, mit Chuck Berry und Co. Seit diesem Zeitpunkt wird Rock'n'Roll als Phänomen wahrgenommen, auch wenn er davor schon existierte. Beschäftigt man sich mal mit diversen noch älteren Blues-Musikern, stellt man fest, dass die schon mit den gleichen Gefühlen gespielt haben. Man kann also immer noch weiter zurückgehen, doch die späten Vierziger und frühen Fünfziger sind wohl die eigentliche Geburtsstunde dessen, was wir auch heute noch als Rock'n'Roll wahrnehmen.

Und wie hast du diese Musik entdeckt?

Bei meinen Eltern lief im Radio ständig ein Sender mit Musik aus den Fünfzigern und Sechzigern, und ich habe das schon als Kind gerne gehört. Als ich dann später meine Freunde kennen lernte, mit denen ich heute in dieser Band bin, stellten wir fest, dass wir alle diese Musik lieben. Und über die Jahre hat sich das dann nur noch verstärkt, wir lernen immer mehr Menschen kennen, die unseren Geschmack teilen, die uns mit noch mehr alter Musik vertraut machen. Wir sind wissbegierig, versuchen so viel Neues bzw. Altes wie möglich kennen zu lernen.

Ihr kommt alle aus dem tiefen Süden der USA.

Ja, drei von uns sind aus Atlanta, Ian kommt aus New Orleans.

Und, spielt die regionale Herkunft eine Rolle?

Oh ja, natürlich! Denk nur mal an die ganze großartige traditionelle amerikanische Musik - die kommt aus dem Süden: Country, Bluegrass, Jazz, Blues ... Fast all die Roots-Musik kommt von da. Klar, HipHop und Rap kommen aus New York, auch Jazz hat sich da weiterentwickelt, aber es nahm seinen Anfang im Süden. Deshalb sind wir stolz, von da zu kommen.

Kommst du denn aus einer Musikerfamilie?

Na ja, mein Bruder spielt Bass, aber er ist Metaller, der ist mehr an der technischen Seite der Musik interessiert. Meine Mutter hat im Kirchenchor gesungen und sie spielt Klavier, aber mehr ist da nicht.

Apropos New Orleans: Mit "Oh Katrina" habt ihr einen Song auf dem neuen Album, der sich mit dem "Untergang" der Stadt beschäftigt.

Wir waren damals gerade in Holland auf Tour und als wir den Fernseher einschalteten, sahen wir, dass New Orleans zerstört wurde. Es ist ein Song, in dem es um ein Mädchen names Katrina zu gehen scheint, aber man kann ihn auch ganz anders deuten. Wir sind eben keine politische Band, wir wollten da nichts Vordergründiges machen, auch wenn natürlich jeder von uns seine Meinung hat.

Via Munster Records ist unlängst eure Live-DVD erschienen, die zwar durchaus gelungen ist, aber von der viel zitierten Wildheit des spanischen Publikums nichts spüren und sehen lässt.

Das Konzert, bei dem die gefilmt wurde, war das, was wir als "Non-Event" bezeichnen: Bei uns ist eben nicht jede Show so ein totales "Balls to the wall"-Ereignis. Und meiner Meinung nach war das Konzert nicht unbedingt eines, das es wert war, auf DVD verewigt zu werden.

Und das schafft das Live-Album, das letztes Jahr erschienen ist?

Das hängt davon ab, was du erwartest: Unsere Konzerte unterscheiden sich schon deutlich von unseren Platten, und das ist auch Absicht. Ich finde es langweilig,wenn man auf ein Konzert geht und die Band dann live genauso klingt wie auf Platte. Wir geben den Leuten gerne etwas mehr. Wir haben die Live-Platte in Tijuana in Mexiko aufgenommen, weil uns das passend erschien - und außerdem aufregender klingt als "Live from Düsseldorf" oder so, haha.

Die Live-Platte war auch der erste Release auf Vice Records. Wie kamt ihr zu denen, nachdem die vorherigen Platten auf Alive/Bomp! und In The Red erschienen waren?

Wir sind jahrelang immer von Atlanta nach New York gefahren, nur um da am Wochenende zu spielen: 15 Stunden hin, drei Konzerte, 15 Stunden zurück nach Atlanta. Das war anstrengend, aber irgendwann haben uns die Leute wahrgenommen, und so sprachen uns Vice Records an und machten uns ein Angebot und wir kommen gut klar.

Schön für euch - und das heißt wohl, dass es einen Unterschied gibt zwischen dem Label Vice Records und dem furchtbaren Mode-Werbeblättchen, das unter dem Namen Vice veröffentlicht wird.

Na ja, was soll ich dazu sagen ...? Manchmal schicken die uns auch irgendwelche Fashion-Klamotten, aber das interessiert uns nicht, also verschenken wir die an unsere Freunde weiter oder verkaufen sie.

Apropos: bevorzugt ihr auf der Bühne bestimmte Kleidung?

Nee, wir lassen einfach das an, was wir schon den ganzen Tag im Van getragen haben. Wir sind auf der Bühne ganz wir selbst, wir brauchen da kein besonderes Styling. Da wurde in letzter Zeit auch sehr viel übertrieben. TURBONEGRO sind da eine Ausnahme, da ist das stimmig, während das bei den HIVES ja nur ein Outfit ist, da steckt nichts dahinter.

Ihr seid derzeit an zwei Filmprojekten beteiligt. Kannst du dazu was erzählen?

Also der eine ist eine Doku über die Szene in Atlanta namens "We Fun". Ein paar Typen aus Nashville stecken dahinter, die finden, es sei interessant, was in Atlanta derzeit so läuft, und so machen sie diesen Film. Der andere ist ein Film über eine Band namens "Let It Be". Die Dreharbeiten sollen im Juni beginnen, aber die Macher haben wohl noch nicht alles so am laufen, wie sie sich das erhoffen. Wir müssen also mal abwarten, was da passiert. Sollte da diesen Sommer nichts draus werden, wäre das aber auch nicht so schlimm, dann hätten wir Zeit wieder etwas aufzunehmen.

Ihr wart im Oktober letzten Jahres auch in der "Late Night"-Show von Conan O'Brien und habt "O Katrina" gespielt.

Das war großartig! Wir lieben Conan O'Brien, im Gegensatz zu David Letterman oder Jay Leno. Er hat häufiger mal coole Bands in der Show - okay, manchmal auch nicht so coole - und es war eine klasse Erfahrung. Wir hatten sogar richtig guten Sound, schön rauh, und wir haben auch nichts vermurkst, haha. Und wir haben dann auch ausnahmsweise mal Lob von der Verwandtschaft bekommen, die sonst eher der Meinung ist, wir würden mit der Band sowieso nur Zeit verschwenden. Wir hatten auch ein paar Artikel in den großen Tageszeitungen, so dass unsere Eltern allmählich kapieren, dass wir ja doch was Respektables tun.

Und kommen jetzt auch richtig viele Leute zu den Shows?

Also in den großen Städten kommen schon auch mal tausend Besucher. In anderen Städten spielen wir dann wieder viele kleinere Clubs, etwa in San Francisco oder Los Angeles, und da haben wir jeden Abend ein anderes Publikum: Spielst du nachmittags in einem Plattenladen, hast du die ganzen Kids, und abends dann in einem Club die älteren Fans und Trinker. Generell ist das Publikum in Europa dankbarer, da sind die Leute nicht so übersättigt wie oft in den USA. Ich hoffe, ich rede mich jetzt nicht in die Scheiße, aber ich habe generell den Eindruck, dass die Menschen in Europa aufgeschlossener und leidenschaftlicher sind.

Joachim Hiller

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #77 (April/Mai 2008)

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