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Interviews & Artikel

ABSTÜRZENDE BRIEFTAUBEN

25 Jahre sind genug – ein Vierteljahrhundert Fun-Punk

So kann das dann auch mal gehen. Und wenn es nur die Zeit ist. „25 Jahre sind genug“, dachten sich da die ABSTÜRZENDEN BRIEFTAUBEN und veröffentlichten just unter diesem Titel eine opulente Doppel-DVD mit Film, Clips und Konzertmitschnitten. Leider ist es nur noch Micro Bogumil, der „Blaue“ von den beiden Fun-Punkern, der rückblickend Rede und Antwort über seine Zeit als Popstar und Bravo-Titelmodell Rede und Antwort stehen kann. Denn am 11. Mai 2006 verstarb Konrad Kittner, der „Pinke“, im Alter von gerade mal 44 Jahren. Und da die Tauben, wie sie von ihren Fans stets liebevoll genannt wurden, in einem Vierteljahrhundert viel erlebt haben – wie man auf der DVD eindrucksvoll erfahren kann –, hakte ich dann mal bei Micro nach.

Hallo, Micro. Wie fühlt man sich denn so, wenn man sein – immerhin ein Vierteljahrhundert umfassendes – Werk in Form einer so opulent aufgemachten DVD vor sich liegen hat?

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass meine Hosen immer dicker werden. Nein, mal ganz ehrlich, es ist schon ein schönes Gefühl, wenn man einen Teilabschnitt seines Lebens so schön dokumentiert im Regal hat. Das war ja auch eine Zeit mit vielen Höhen und Tiefen und diesen Abschnitt möchte ich ganz bestimmt nicht missen.

Was überwiegt denn da? Stolz oder Wehmut?

Wehmut sicherlich nicht. Ich denke, ich bin aus der Geschichte ja auch ein bisschen rausgewachsen mit meinen 42 Jahren. Ich bin eher überrascht, dass die Tauben nach so vielen Jahren anscheinend aus der Punk-Szene nicht mehr wegzudenken sind. Das ist doch mal was Großartiges.

Kann man bei der DVD auch von Konrads Vermächtnis sprechen?

Davon sprach ich bisweilen immer wieder. Inzwischen weiß ich, dass die DVD unser Vermächtnis ist. Es war so: Konrad musste mich, übrigens mit Unterstützung meiner Frau, dazu überreden, das Reunion-Konzert 2002 in der Glocksee in Hannover zu machen. Ich stand dem Ganzen ja eher distanziert gegenüber, aber gemeinsam haben sie es geschafft. Dann erst kam die Idee, um die daraus entstandenen Aufnahmen herum die Geschichte der Tauben zu erzählen. Damals sagte ich noch: „Macht das, aber haltet mich da raus.“ Ich war durchaus bereit und auch willens, ein Interview und auch einen Song aufzunehmen – aber mehr nicht! Durch Konrads Tod hat sich natürlich alles verändert. Ich habe eingesehen, dass ich weiterhin die Tauben bin und sie vertreten muss. Das mache ich mittlerweile gerne und meine, das Konrad auch schuldig zu sein – er hat es verdient!

Funpunk erlebte Ende der Achtziger eine kurze Blüte und war ein kommerziell erfolgreicher, aber von vielen älteren oder „ernsteren“ Punks auch richtig gehasster Musikstil. Wie kam das?

Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, warum das alles so gut gelaufen ist. Es war aber wohl doch einfach eine ehrliche Sache – ohne Plan und ohne einen Malcolm McLaren ...

Im Laufe des Films kommt ja deutlich zum Ausdruck, dass du dich – im Gegensatz zu Konrad – relativ früh aus dem engen Punk-Szene-Kontext zurückgezogen hast. Was trat für dich an dessen Stelle?

Grundsätzlich erst mal meine „kleine Familie“: Meine Frau und mein Stiefkind hatten für mich oberste Priorität. Über einen längeren Weg habe ich eine Umschulung zum Tischler gemacht und bin heute in einem Messebaubetrieb tätig. Ich fand das schon ziemlich wichtig, ein regelmäßiges Einkommen zu haben. Musik habe ich bis vor kurzem ja noch weiter gemacht, bin aber aus meiner letzten Band SMELLY CAPS ausgestiegen.

Und was denkst du über die Leute, die sich auch nach rund drei Jahrzehnten noch in diesem Umfeld bewegen? Einige davon kommen ja auch im Film zu Wort.

Ich finde es gut, wenn jemand bei einer Sache bleibt, die für ihn wichtig ist! Bei mir stellte es sich so dar, dass ich mich zwischen Musik und Handwerk entscheiden musste – womit ich meinen Arsch an die Wand bekomme. Mein Weg war das Handwerk. Jetzt bin ich ja beides: semiprofessioneller Musiker und suboptimaler Handwerker. Ist doch schön, wenn man statt Fachidiot ein Universaldilettant geworden ist. Ich sag immer: „Schuster bleib bei deinem Leisten, aber du musst dir das auch leisten können!“ Punk’s not dead!

Wenn man euch in dem Film über euren Durchbruch reden hört, klingt das Ganze wie zufällig und für euch überraschend. Steckte da wirklich wenig Kalkül hinter?

Ohne Kalkül läuft wohl anscheinend gar nichts. Für mich und Konrad galt das aber nicht, wir sind ausschließlich unserem eigenen Stern gefolgt. Der ging auf, und der ging wieder unter – und jetzt geht er wieder ein bisschen auf. Tatsächlich haben wir nicht damit gerechnet, so etwas Lebendiges wie die Tauben ins Leben zu rufen. Uns ging es nur darum, Musik zu machen, unseren Spaß zu haben und bis auf weiteres reich und berühmt zu werden, um der Welt unsere Meinung zu sagen.

Glaubst du, ein vergleichbarer Erfolg wäre heute für eine Band, wie ihr es damals wart, mit dem selben Aufwand möglich?

Nein!

Was war dein ganz persönlicher Höhepunkt in 25 Jahren DIE ABSTÜRZENDEN BRIEFTAUBEN?

Den Höhepunkt sehe ich heute. Wir haben damals immer gesagt, wir hören auf, wenn es am schönsten ist. Den Zenit haben wir etwas überschritten, aber der Zeitpunkt war gar nicht schlecht. Heute stehen die Tauben für einen Teil der Achtziger und Neunziger Jahre. Ich sehe das schon als einen Höhepunkt an.

Und wann dachtest du, der absolute Tiefpunkt ist erreicht?

Der Tiefpunkt lag, glaube ich, in der Zeit, als wir uns darauf eingelassen haben, uns Musik und Texte von anderen schreiben zu lassen. Wir waren dabei, eine neue Platte aufzunehmen, und unsere eigenen Ideen waren doch sehr dürftig. Da war die Luft ein wenig raus. Dass wir es damals überhaupt zugelassen haben, dass andere unsere Musik schreiben, war auch für mich der Auslöser, um zu sagen: „Das war es.“ Aus der Platte ist nichts geworden und das war gut so! Somit habe ich heute das Gefühl, zum richtigen Zeitpunkt aufgehört zu haben, um neue Wege zu gehen.

Hast du heute noch musikalische Ambitionen und ist deine Karriere mit den Brieftauben auch beendet?

Wie vorhin schon erwähnt ... Ich bin im November letzten Jahres aus meiner Band SMELLY CAPS ausgestiegen. Ich sage „meine“ Band, weil ich sie mitbegründet habe. Die SMELLY CAPS sind aus der Band NARBENGESICHT entstanden, in der ich kurz nach den Tauben mitgespielt habe. Jetzt mache ich erst mal nix, außer mich um das Tauben-DVD-Projekt zu kümmern. Und später – das wird sich zeigen. Ein Instrument will schließlich gespielt werden, sonst verliert es seine Daseinsberechtigung!

Abel Gebhardt

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #85 (August/September 2009)

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Das holländische Trio um Frontfrau Wick ist seit mehr als 20 Jahren in Sachen melodischem Punkrock unterwegs und immer noch so scharf wie ein Rasiermesser. Mit ihren mittlerweile sieben Alben haben sie ganz Europa schon mehrmals umrundet, waren auf ... mehr

 
 

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