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Interviews

AC4

Was macht eigentlich ... Dennis Lyxzén?

Im Oktober erschien das erste Album von AC4, der 2008 gegründeten neuen Band von Dennis Lyxzén, in der dieser mit seinem alten REFUSED-Bandkollegen David und zwei weiteren alten Umeå-Bandveteranen klassischen Achtziger-US-Hardcore spielt – schnell, kompakt, schnörkellos. Für die nächste Zeit auf Eis gelegt sind dagegen THE (INTERNATIONAL) NOISE CONSPIRACY und THE LOST PATROL BAND, wobei Letztere unter dem neuen Namen INVASIONEN mit schwedischen Texten fortgeführt wird. Darüber und auch über das Ny Vag-Label sprach ich mit Dennis.

Dennis, was hat es mit AC4 auf sich? Ist das der Versuch, im Alphabet zwischen ABBA und AC/DC aufzutauchen?

Ja, das ist der Plan, hahaha. Nein, AC ist der Code für die Provinz Västerbotten, in der Umeå liegt. Und dann sind wir zu viert, also AC4. So einfach ist es, und so simpel wie bei MC5.

Die spielten aber klassischen Rock beziehungsweise Rock’n’Roll – ihr macht aber Hardcore.

Na ja, aber heute ist Hardcore doch schon so was wie „Classic Rock“, oder? Ich kam 1987 zum Hardcore, und damals gründete ich mit Jens Nordén, dem Drummer von AC4, meine erste Band. 1989 gründeten wir dann die Hardcore-Band STEP FORWARD, das war in unserer Gegend die erste Straight-Edge-Hardcore-Band. David Sandström wiederum war ein großer Fan von STEP FORWARD, ebenso Karl Backman. Als STEP FORWARD sich dann auflösten, gründeten David und ich REFUSED, und Karl und Jens gründeten die VECTORS. Uns alle bei AC4 verbindet also eine gemeinsame musikalische Vergangenheit. Seit dem Ende von REFUSED hatten David und ich uns immer wieder darüber unterhalten, zusammen Musik zu machen, redeten darüber, eines Tages mal so eine richtige Hardcore-Band zu machen, fantasierten, wer in der Band sein sollte und was wir für Musik machen würden. Anfang 2008 traf ich dann Karl in einer Bar, er war ziemlich betrunken und erzählte mir, dass er und David zusammen eine Band hätten und auch schon eine ganze Menge Songs. Ich fragte, ob er er von der Band rede, in der ich singen wolle, und er stutzte und sagte: „Genau die!“. Ich ging dann zur Probe, und so kam es zu AC4.

Karl war betrunken, als du ihn trafst – es ist also wohl keine Straight-Edge-Band.

Haha, nein, davon ist die Band weit entfernt. Die anderen trinken für ihr Leben gerne Bier – ich habe da immer noch keine Lust darauf. Ich gleiche ihren Bierkonsum also wieder etwas aus.

Und was ist eure Agenda?

Einfach guten Hardcore zu spielen, eben die Musik, mit der wir aufgewachsen sind: Back to the basics!

Heißt das, dass du bei deinen anderen Bands irgendwas vermisst hast in den letzten Jahren?

Klar, AC4 ist was ganz anderes als THE LOST PATROL BAND und THE (INTERNATIONAL) NOISE CONSPIRACY, und die Motivation ist ganz einfach das Bedürfnis, Musik zu machen, kreativ zu sein. Es ist eben ein Projekt, von dem wir dachten, dass es uns allen Spaß machen wird, das war unsere einzige Motivation. Andererseits war es auch eine Herausforderung, denn Punkrock und Hardcore sind Jugendszenen, und wenn dann so alte Typen wie wir Musik machen, hat das oft was von einem Tribut an die eigene Jugend, nach dem Motto: „Hey, wir haben in den Achtzigern mal in einer guten Hardcore-Band gespielt, und jetzt sind wir auf Tour und spielen deren alte Songs.“

Ich habe im Sommer SNFU ertragen müssen, und es war jämmerlich.

Es ist eine Schande, denn die waren damals, als sie noch eine richtige Band waren, mal richtig gut. Für uns war es deshalb wichtig, eine Band zu sein, die im Hier und Jetzt existiert, die unser aktuelles Denken und unsere heutigen Gefühle zum Ausdruck bringt. Und wir wollten uns selbst beweisen, dass wir immer noch die nötige Intensität für so eine Art von Musik zustande bekommen, dass wir es schaffen, Songs zu schreiben, die uns was bedeuten. Hardcore hat ja auch eine Menge damit zu tun, Songs darüber zu schreiben, wie doof es in der Schule ist und wie dich deine Eltern nerven. Aber mit 37 hat das mit deinem Leben nicht mehr viel zu tun, da beschäftigt einen eher, wie man jeden Monat die Raten für seine Eigentumswohnung bezahlt bekommt. Darüber dann aber einen guten Text zu schreiben, ist eine echte Herausforderung, hahaha. Letzten Endes geht uns aber dann doch darum, einfach Spaß zu haben, wir sind keine ernste Band und haben auch nicht vor, zwei Monate lange Europatouren zu absolvieren und die Welt zu erobern. Wir treffen uns eben ab und zu, die anderen betrinken sich, und dann legen wir los.

Besteht dennoch die Chance, euch mal außerhalb von Schweden zu sehen?

Keine Ahnung. Wir haben die Band bisher nicht an die große Glocke gehängt, das hier ist eines der ersten Interviews überhaupt, aber das war Absicht. Keiner von uns kann seine Vergangenheit leugnen, aber wir wollen, dass die Band auf eigenen Füßen steht, und nicht, dass es heißt: „Hey, die Typen von REFUSED sind mit einer neuen Band am Start!“ Kurzum: Bislang kennt uns kaum jemand, und so spielen wir eben ein paar Wochenendkonzerte in Schweden und schauen dann mal, wie das Feedback ausfällt. Denn eines ist klar: Wer denkt, er bekommt von AC4 eine Neuauflage von REFUSED geboten, der täuscht sich. Wir spielen Konzerte von gerade mal knapp über zwanzig Minuten.

Erschienen ist das Album auf Ny Vag, deinem Label, auf dem auch diverse andere schöne Platten erschienen sind.

Bislang haben wir zwanzig Releases, und alle sind von Bands aus meiner Heimatstadt Umeå. Damit ist auch schon viel über die Labelpolitik gesagt, also: „Support your local scene!“ Die Bands bestehen teilweise aus den gleichen Leuten, und sie zeigen, dass es in Umeå Menschen gibt, die wirklich gute Musik machen. Geführt wird das Label wie so eine Art Verein oder Kollektiv: Wir sind zu zehnt, haben kein Büro, verdienen kein Geld damit, treffen uns jede Woche und besprechen, was so anliegt. Vor fünf Jahren erschien die erste Platte, von den REGULATIONS, und damals schien es in Umeå nur Crust-Bands zu geben, HIS HERO IS GONE waren die Götter schlechthin. Ich dagegen war der Punkrocker, hörte BUZZCOCKS und BLACK FLAG, und dann kamen die REGULATIONS daher und ich konnte mir vorstellen, wie damals BLACK FLAG live gewirkt haben. Und so habe ich versucht, ihnen zu helfen, versuchte sie an Burning Heart zu vermitteln, doch die hatten darauf keinen Bock. ich war frustriert, glaubte an die Band, wollte was mit ihnen machen, und so ging zu meiner Bank, lieh mir Geld, angeblich für eine neue Küche, und steckte das Geld in die Aufnahmen für die REGULATIONS-Platte. Tja, und seitdem existiert das Label, wobei wir da keinen großen Wind darum machen: Wir machen keine Promo, keine Anzeigen, sind einfach nur eine Plattform, auf der Platten erscheinen, damit die Bands was haben, was sie auf Tour verkaufen können. Mir gefällt das so, und um so schöner ist, wenn dennoch Leute auf Ny Vag stoßen und dann so begeistert sind, dass sie jede unserer Platten kaufen wollen. Aktuell läuft es für MASSHYSTERI sehr gut, vor allem in Schweden, ein größeres Label ist interessiert, aber wir werden auf jeden Fall weiterhin das Vinyl machen. Es hängt eben viel davon ab, dass sich eine Band richtig reinhängt.

Das ist aber alles ein starker Gegensatz zur Arbeit mit T(I)NC, wo du die üblichen Marketing- und Promotion-Spielchen des Musikgeschäfts mitmachst.

Bei Ny Vag ist das einfach anders, da wollen wir mit unserem Label zu unseren Bedingungen arbeiten. Klar, mit T(I)NC fliegen wir in die USA, nehmen mit Rick Rubin auf, machen Videodrehs und Fotoshootings mit und Promo-Tage in Deutschland. Aber ich fühle mich in der kleinen D.I.Y.-Punkszene einfach wohler als in der großen Rock-Welt. Doch wo steht geschrieben, dass man nur, weil man Teil der einen Welt ist, nicht auch Teil der anderen sein kann? Und so ist es der großartigste Job auf der Welt, mit T(I)NC auf Tour zu gehen. Das Label oder Konzerte mit AC4 sind dagegen wie ein Hobby, und sowieso habe ich ja auch noch ein Leben neben der Band. Wenn ich zu Hause bin, habe ich mit ganz normalen Leuten zu tun, das hat nichts vom coolen Rockstar-Leben, wie man sich das so backstage vorstellt. Meine Freunde spielen in kleinen Underground-D.I.Y.-Punkbands, und ich bin eben der Typ, der das Glück hat, auch in bekannteren Bands zu spielen und so von seiner Musik leben kann. Und so lebe ich eigentlich zwei Leben: Das eine zu Hause mit meinen Freunden, und dann das auf Tour. Aber ich mag beide, es ist ein interessanter Kontrast, zwischendurch mal für drei Festivals nach Deutschland zu fahren und vor tausenden Menschen zu spielen. Der Gegensatz dazu ist dann unser Labelmeeting heute Abend, wo wir beraten, wie wir uns es leisten können, die nächsten Releases zu veröffentlichen.

Apropos T(I)NC: Steht da in näherer Zukunft was an?

Nein, wir machen erst mal eine Pause von ein paar Monaten und ich konzentriere mich auf meine neue Band INVASIONEN und auch auf AC4. Wir sind mit T(I)NC seit elf Jahren aktiv, da kann man sich auch mal eine Auszeit gönnen und mit was anderem beschäftigen. Wobei INVASIONEN ja keine neue Band ist, sondern THE LOST PATROL BAND mit einem neuen Namen, aber den gleichen Leuten. Der große Unterschied: Wir singen da auf Schwedisch, und ein erstes Album gibt es auch schon, wobei das Vinyl auf NY VAG kommt.

Aber wieso der neue Name, warum schwedische Texte?

Ich mochte THE LOST PATROL BAND wirklich, es war eine großartige Power-Pop-Punk-Band, aber irgendwie interessierte sich niemand so wirklich für die Band. Es ist natürlich auch schwierig, neben einer Band wie T(I)NC noch Zeit für Konzerte einer Zweitband aufzubringen, und so konnten wir nie wirklich unsere Chancen nutzen. Deshalb jetzt also die längere Pause, so habe ich Zeit für INVASIONEN und AC4. Und ich finde das richtig spannend. Was nun die schwedischen Texte anbelangt, so war das eher Zufall: Im Dezember kommt auf Ny Vag eine Compilation raus mit Bands, deren Songs alle auf Schwedisch sind, auch wenn die Hälfte der Bands sonst englische Texte hat. Die Arbeit an der Compilation hat über anderthalb Jahre gedauert, denn wir stellten fest, dass es gar nicht so viele Bands mit schwedischen Texten gibt. Für diese Compilation nun nahmen wir mit THE LOST PATROL BAND zwei Songs auf Schwedisch auf, und bis dahin hatte ich nie einen Songtext auf Schwedisch geschrieben. Das war eine ganz seltsame, neue Erfahrung. Bei der Probe präsentierte ich meinen ersten schwedischen Song dann meinen Bandkollegen, und die sagten nur, das sei der beste Song, den ich je geschrieben hätte. Und dann rückte ich mit dem zweiten Song raus, und den fanden sie auch gut. Wir gingen bald darauf in Schweden auf Tour mit THE LOST PATROL BAND, und beim ersten Konzert hatten wir drei schwedische Stücke, beim zweiten vier, dann waren es fünf, und am letzten Tag der Tour sang ich nur schwedische Texte. Wir änderten auf der Tour zum Spaß jeden Abend unseren Namen, alle schwedisch, und das verwirrte die Leute ganz ordentlich, und das führte letztlich dazu, dass wir THE LOST PATROL BAND unter dem Namen INVASIONEN neu gründeten. Und ich muss sagen, das war eine sehr gute Entscheidung, denn nach zwanzig Jahren Songwriting in einer anderen Sprache war das wie ein kompletter Neuanfang.

Was macht den großen Unterschied aus?

Wenn du so viele Stücke schreibst, gibt es die Tendenz sich selbst zu wiederholen. Ich versuche bei T(I)NC immer wieder einen anderen Blickwinkel und neue Themen einzuführen, aber das grundsätzliche Problem bleibt bestehen: Englisch ist nicht meine Sprache, ich muss immer übersetzen, was ich eigentlich sagen will. Auf Schwedisch zu schreiben ist im Gegensatz dazu viel direkter, und viele Leute in Schweden, die INVASIONEN gesehen und gehört haben, sagten mir, die Texte kämen direkt auf den Punkt, hätten sie berührt. In seiner eigenen Sprache hört man Texte viel klarer als auf Englisch. Ich denke, mit deutschen Texten verhält es sich in der Hinsicht genauso, und wenn man auf Englisch schreibt, kann man viel leichter damit durchkommen, einfach irgendwelchen Bullshit zu singen, ohne dass einen jemand dafür zur Rechenschaft zieht. Man merkt bei englischen Texten nicht so schnell, wenn hinter ihnen eigentlich nicht viel steckt. Das ist mir einfach klargeworden, und so weiß ich jetzt, dass ich beim Schreiben schwedischer Texte nicht mit irgendwelchem Bullshit durchkomme. Irgendwelche Einzeiler, die auf Englisch irgendwie okay klingen, aber nicht viel sagen – das funktioniert auf Schwedisch nicht, da muss ich sagen, was Sache ist. Und ich mag diese neue Herausforderung.

Und du hast auch nur zwanzig Jahre gebraucht, um darauf zu kommen ...

Na ja, ich war einfach immer so beschäftigt, und ich war mir auch sicher, dass ich auf Schwedisch keine Songs schreiben kann, weil es wirklich schwer ist. Und außerdem hat man auch immer das Gefühl gehabt, es sei irgendwie doof, in seiner eigenen Sprache zu schreiben. Und das stimmt ja auch, denn wenn man darin nicht wirklich gut ist, ist das Ergebnis schlimm. Als ich mich das erste Mal hinsetzte, auf meiner Gitarre klimperte und dazu auf Schwedisch sang, klang das für mich wie Tomas Ledin, und das ist der schlechteste schwedische Popsänger überhaupt. Mit der Zeit verschwand dieses Gefühl jedoch und ich fand meinen eigenen Weg, mich auf Schwedisch auszudrücken. Und so bin ich jetzt wirklich zufrieden mit INVASIONEN und dem Album. Und natürlich mit AC4.

Joachim Hiller

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #87 (Dezember 2009/Januar 2010)

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