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Interviews & Artikel

UNDERTONES

In unserer heutigen nunmehr schon sechsten Nachhilfestunde (Kinder, wie die Zeit vergeht!) werden wir uns mit den neben den BUZZCOCKS exquisitesten und erhabensten Zauberern des Melodic Punk Rock beschäftigen, den UNDERTONES. Und damit möchte ich euch auch gleich hier zu Beginn fragen, wie ihr Feargal Sharkey in Erinnerung behalten wollt: als homosexueller (not PC!), schwanzloser, stromlinienförmiger Mainstreampopper, der 1985 mit dem grausigen Schmachtfetzen "A Good Heart" den Gipfel der Charts erklomm, oder als den Feargal, der nassgeschwitzt und mit freiem Oberkörper in seinen tollwütigen und energiegeladenen Bühnenshows das Publikum mit dem Jahrhundert-Punk-Rock-Smasher "Teenage Kicks" zum Orgasmus treibt?!! Okay, rhetorische Frage.

Die Wiege der UNDERTONES stand im nordirischen Derry (Londonderry), wo die Brüder John und Damian, genannt Dee, O´Neill, beide Gitarristen, Ende 1975 beschlossen, zusammen mit Michael Bradley (bass) und Billy Doherty (drums), mit denen sie seit ihrer gemeinsamen Schulzeit befreundet waren, "eher aus Spaß und Langeweile" (Damian O´Neill) eine Band zu gründen, um anschließend mit einem weiteren gemeinsamen Schulfreund, dem am 13. August 1958 geborenen Feargal Sharkey, die UNDERTONES zu komplettieren. Als im Frühsommer 1976 die ersten Punkrock-Klänge in die triste Bürgerkriegsstadt Nordirlands einschlugen, entschlossen sich die Fünf, völlig begeistert von dieser "neuen" harten und schnellen und doch melodischen Musik, ihrem bisherigen eher lockeren Banddasein, das aus sporadischen Auftritten in Pfadfinder-Clubs und Schulen bestand, den Rücken zu kehren und fortan intensivst an der vordersten Punkfront mitzukämpfen. Feargal Sharkey erinnert sich 1990: "Wir waren extrem wütende junge Männer, und es war eine Möglichkeit, diese Wut herauszulassen. Wir lebten in Nordirland und die Option war, zu gehen und der IRA beizutreten. Es war eine Option, die viele unserer Freunde nahmen. Ich wollte nicht zur IRA, weil ich einfach Angst hatte. Die UNDERTONES waren ein Weg, um aus dieser Situation herauszukommen."

Die UNDERTONES stürzten sich in den Gigging-Circuit und sammelten fleißig Cluberfahrungen, vor allem im Casbah-Club in ihrer Heimatstadt Derry und nahmen im Dezember in Dublin ein erstes Demo-Tape auf, das sie an die damals führenden Independent-Labels Stiff, Chiswick und Radar nach London schickten, von denen allerdings nur Absagen zurückkamen (Ignoranten, haha!). Erst als die UNDERTONES anlässlich eines Gigs beim 78er-"Battle Of Bands" im Mai in Belfast von der Existenz von Terri Hooleys Belfaster Indie-Label Good Vibrations erfuhren und die Band ihr Demo-Tape auch dort abgab, wendete sich das Blatt und die UNDERTONES erhielten endlich den wohlverdienten Plattenvertrag. Mitte Juni nahmen die UNDERTONES dann im Wizard Studio in Belfast ihre epochale 4-Track Debüt-EP "Teenage Kicks" auf, deren phantastischer Titel-Track, ein absoluter Punk-Überklassiker, ganz eindeutig zu den zehn besten Punkrock-Songs ever gehört und eine axiomatische Definition des Treminus PUNKROCK darstellt, und gleichzeitig hat "Teenage Kicks" die Ehre, das brillanteste Stück der UNDERTONES zu sein. Diese definitive Punkrock-Statement erregte selbstredend auch die Aufmerksamkeit von unser aller Lieblings-DJ John Peel, der "Teenage Kicks" das Prädikat "eine der großartigsten Singles, die ich je gehört habe" (und das waren ja mit Sicherheit schon mehr als zwei Singles!) verlieh und der dieses Meisterwerk in der Folgezeit massiv in seiner wöchentlichen Radio-Show "John Peel´s Music" rauf- und runterspielte, und so das amerikanische Sire-Label, bei dem zu dieser Zeit auch die göttlichen RAMONES ihre Punkrock-Juwelen herausbrachten, in allerhöchste Alarmstufe versetzte, die umgehend einen Emissär nach Belfast entsandten, mit dem Auftrag, die Good Vibrations-Rechte auf-zukaufen und den UNDERTONES einen Vertrag anzubieten. Die Band schlug ein und Sire Records brachte im Oktober das exzellente "Teenage Kicks" landesweit noch einmal als Single heraus, die umgehend auf Rang 31 in die UK Charts platzte. Anschließend verließ die Band zum ersten Mal ihre Heimat und startete als Support-Act der schottischen Science-Fiction-Punks REZILLOS eine 36 Städte Tour, die im Londoner Marquee eröffnet wurde.

Das Jahr 1979 weihten die UNDERTONES mit zwei weiteren exzellenten Ausnahmesingles, dem süperben, hymnischen "Get Over You", dem zweitbesten UNDERTONES-Song ever, sowie mit dem exzellenten "Jimmy Jimmy", im Februar respektive Anfang Mai gebührend ein, die beide wiederum steil in die Charts schossen, "Jimmy Jimmy" toppte gar auf Rang 16..., ja,... , ich weiß, unglaublich, aber damals vor zwanzig Jahren konnte man wirklich ab und zu tatsächlich absolut geniale Singles in den Charts finden, ein Phänomen, dass in den heutigen MTVIVA-verseuchten Zeiten völlig undenkbar ist. Ja, ja, früher war eben alles besser. Ich frage mich halt nur immer und immer wieder, welche tumben Intelligenzabstinenzler sich überhaupt das gehirnamputierte, harmlose und langweilige MTVIVA-Kommerzgeschisse ansehen?!!

Wie dem auch sei, weiter im Text. "Get Over You" und "Jimmy Jimmy" kündigten das langerwartete, absolut überragende Debütalbum "The Undertones" an, das im Juni auf die Punkwelt abgefeuert wurde und ausnahmslos nur aus absolut strammen, scharfen und treibenden Melodic-Punkrock-Knallern besteht, die sofort den Weg in dein Ohr finden, und anschließend nie mehr aus deinem Kopf herausgehen. So glänzt dieser von Roger Bechirian, dem ehemaligen Toningenieur von Elvis Costello und Nick Lowe produzierte Klassiker neben den drei vorangegangenen Single-Krachern durch jede Menge weiterer überragender Punk-Rocker wie "Family Entertainment", "Male Model", "True Confessions", "Girls Don´t Like It" und "Wrong Way" und haute uns zudem mit dem genialen und ultimativen Sommer-Hit "Here Comes The Summer", den neben dem süperben "Rockaway Beach" von den RAMONES brillantesten Sommer-Sonne-Meer-Knaller ins Ohr, der je geschrieben wurde. Dieser begnadete Evergreen wird uns wohl noch in tausend Jahren auf die geilste Zeit des Jahres gebührend einstimmen, die ja, Gott sei Dank, wieder vor der Haustür steht bzw. wenn ihr das lest, endlich da ist.

Das begnadete "The Undertones"-Album knallte im Juni in den UK Top 20 auf Rang 13 und verweilte insgesamt eindrucksvolle 21 Wochen in den Charts. John Peel, der in der Tat geweint haben soll, als er die UNDERTONES zum ersten Mal hörte, erklärte die Band unmittelbar nach diesem Geniestreich zu den "Rettern des Rock´n´Roll." Anfang Juli wurde dann "Here Comes The Summer" als weitere Single ausgekoppelt, und Anfang September gingen die UNDERTONES zusammen mit den Londoner Punk-Rock-Heroen THE CLASH auf eine ausgedehnte US-Tour.

Ein halbes Jahr später, im April 1980, schossen die UNDERTONES mit ihrem zweiten, nicht minder hervorragenden Album "Hypnotised", dass in den Niederlanden eingespielt wurde, abermals ein absolut phantastisches Melodic-Punkrock-Meisterwerk ab, das wie schon der Vorgänger durchweg nur aus begnadeten Ohrwürmern besteht. Bereits der stramme und programmatische Opener "More Songs About Chocolate And Girls" (TALKING HEADS lassen grüßen...) zeigt unmissverständlich, dass die UNDERTONES auch textlich bei diesem zweiten Output in die gleiche zynisch-spaßige Kerbe schlugen, wie schon beim Debütalbum: Mädchen, Mädels, Girls, und wenn diese Thematik mal gerade Pause hatte, vergriff man sich an höchst amüsanten Ärgernissen wie trotteligen Musterknaben oder verarschte zeitgenössische englische "Musiker" wie in dem süperben "My Perfect Cousin", "His mother bought him a synthesizer/she got the HUMAN LEAGUE in to advise her" und unterschieden sich so deutlich von ihren nicht weniger brillanten nordirischen Punk-Nachbarn STIFF LITTLE FINGERS, die im Gegensatz zu den UNDERTONES den Bürgerkrieg in ihrer Heimat zu ihrem zentralen Thema machten. Als weitere Oberhighlights dieses exzellenten Albums glänzen neben "My Perfect Cousin", das als Single-Auskopplung im Mai auf Rang 9 chartete, das zackige "There Goes Norman" sowie die famose Punkrock-Coverversion des alten DRIFTERS-Songs "Under The Boardwalk". Zum fehlenden politischen Engagement der UNDERTONES erinnerte sich Feargal Sharkey 1990: "Die Leute fragten uns anfangs immer wieder, warum wir nicht über die Unruhen in unserer Heimat sängen: Wir taten unser Bestes, um diesen zu entkommen!"

Im Anschluss an den Album-Release stürzten sich die UNDERTONES, nunmehr selbst als Headliner, heftigst in den Tour-Circuit und bereisten das europäische Festland und traten Anfang Juli ihre zweite US-Tour an. Bei diesen zahlreichen Live-Unternehmungen überzeugten die UNDERTONES ihre begeisterte Zuhörerschaft von ihren überragenden Bühnenqualitäten, die hoch energetischen Live-Shows wurden dabei vor allem vom schlaksig wirkenden Feargal "Fearless" Sharkey dominiert, der sich diesen Spitznamen völlig zu Recht wegen seiner abenteuerlichen und akrobatischen Bühnenshow redlich verdient hatte. Und obwohl es nach außen hin den Anschein hatte, als ob bei den UNDERTONES alles in bester Ordnung wäre, rumorte es hinter den Kulissen ganz gehörig. Zum einen wurde über einen möglichen Ausstieg Sharkeys spekuliert, zum anderen kam es zum Bruch mit ihrer Plattenfirma Sire. Der im September veröffentlichte zweite "Hypnotised"-Spin-Off "Wednesday Week", wiederum ein exzellenter Melodic-Punkrock-Ohrwurm (climbing to No. 11 in the fucking charts), stellte dann auch die letzte Veröffentlichung der Band auf dem Sire-Label dar, Sire kündigte einen Monat später den UNDERTONES den Vertrag, da die Band ihrer hirnlosen Meinung nach zu wenig Platten außerhalb des Vereinigten Königreiches verkaufte (Ihr wisst ja, Majors direkt an die Wand stellen und Feuer frei!!!). Unbeeindruckt vom kommerzverseuchten Verhalten des degenerierten und gehirnamputierten Plattenriesen gründeten die UNDERTONES konsequenterweise - wie es sich für eine großartige "Punk"-Band nun mal eben gehört - mit Ardeck ihr eigenes Label.

Leider bedeutete die Installation des eigenen Labels gleichzeitig auch das Ende ihrer besten Phase: die UNDERTONES schlossen ihre geniale Punkrock-Phase ab, um zukünftig Kurs auf wesentlich moderateres Pop-Fahrwasser zu nehmen. Im Januar 1981 gingen die UNDERTONES dann schließlich wieder mit dem Producer Roger Bechirian ins Studio, um ihren anvisierten Stilwechsel bei den Aufnahmen zu ihrem dritten Album "Positive Touch" in die Tat umzusetzen. "Positive Touch", das im Mai in die Läden kam, bestätigte dann leider vollends die vorher gehegten Befürchtungen bezüglich der stilistischen Neuorientierung und enttäuschte auf der ganzen Linie. Schon die Vorab-Single "It´s Going To Happen!" löste seinerzeit bei mir paroxysmales Vomieren aus, brach doch für mich damals innerhalb dieses Horrorjahres für Punkrock 1981 zum zweiten Mal seit der musikalischen Entgleisung der CLASH mit ihrem "Sandinista!"-Triple-Album die heile Punkrock-Welt zusammen. Zuerst "The Magnificent Seven", und dann "It´s Going To Happen!", das war zuviel für meine kleine, unverdorbene und wohlbehütete Punkrock-Idylle. Waren denn auf einmal alle großen Punk-Rock-Bands von allen guten Geistern verlassen?! Aber vielleicht ist es ja auch einfach nur ein ungeschriebenes Gesetz, dass jede einst brillante Überband so zwei bis drei, in seltensten Einzelfällen auch maximal vier exzellente Alben herausbringt (Rühmliche Ausnahmen wie die RAMONES, NOFX, ALL, DESCENDENTS und MOTÖRHEAD bestätigen hier wohl nur die Regel!), um dann aus welchen abstrusen Gründen auch immer im formatlosen, langweiligen und austauschbaren Mainstream-Einheitsbrei für immer zu versinken, gell, Herr John Rzeznik und deine GOO GOO DOLLS! Wahrscheinlich haben diese Herrschaften im vorgerückten Alter ganz einfach keinen guten Sex mehr, weil ihre Freundin schon zu alt ist, haha! (Soso, Herr Elm... der Chef)

UNDERTONES Drummer Billy Doherty erklärte kurz nach dem Release von "Positive Touch": "Wir wollten einfach einmal alles ausprobieren, bis hin zu Balladen mit Bläsern (Gastsaxofonist Dick Blewett) und Keyboards (Gastskeyboarder Paul Carrack von SQUEEZE). Geistig verwirrte Kritiker aus dem Sounds-, Melody Maker- und Musik Express-Sumpf attestierten den UNDERTONES mit "Positive Touch"-Album eine Entwicklung, welche die BEATLES erst mit ihrem "Sgt. Pepper´s"-Album erreicht hätten, de facto stellte "Positive Touch" das bis dahin schwächste und langweiligste Werk der Band dar und unterstrich deutlichst, dass die große Zeit der UNDERTONES vorüber war. Bezeichnenderweise verschaffte die blasse Single "It´s Going To Happen!", die wie das Album in die Top 20 schoss, den UNDERTONES endlich den erhofften kommerziellen Durchbruch auch außerhalb des Vereinigten Königreiches, die Band avancierte zu Topstars (würg!), wurde Dauergast in "Top Of The Pops", absolvierte umfangreiche Tours durch Finnland, Schweden, Belgien, Frankreich und Holland und spielte vor 25 Millionen Fernsehzuschauern in der "Rockpalast-Nacht" der ARD; kurz, die einstigen Punkrock-Helden UNDERTONES degenerierten zu gesichtslosen Stars ...böse formuliert. Na ja, das große Geld sei ihnen vergönnt, gehörten die UNDERTONES doch für gut drei satte Jahre zur absoluten Punk-Aristokratie. Musikalisch verließen die Fünf jedoch ein für alle Mal die begnadete Punk Rock Welt.

Die zahlreichen Konzertaktivitäten veranlassten die UNDERTONES im Winter 1981 zu einer kreativen Pause, während der die Band neue Songs schrieb und sich ein eigenes Tonstudio in Derry einrichtete. Nachdem sich die UNDERTONES 1982 mit der sehr bescheidenen, orgellastigen und balladesken Single "The Love Parade" (...) auf den Plattentellern zurück-gemeldet hatten, kündigte die farblose Single "Got To Have You Back" (mit Spinett-Einlagen !?!) im April das neue und zugleich letzte Album der Band an: "The Sin Of Pride" bestätigte dann leider nur allzu deutlich, dass die einstigen Melodic-Punk-Rock-Könige den bereits mit dem "Positive Touch"-Album neu eingeschlagenen formatlosen, belanglosen und unoriginellen Mainstream-Pop konsolidierte.

Während das Kommerztriumvirat Sounds, Melody Maker und Musik Express einmal mehr auf dieses neuerliche, lahmarschige UNDERTONES-Album heftigst onanierte, dachten die eingefleischten Fans wehmütig an die jungen UNDERTONES zurück. Und obgleich die UNDERTONES bei ihren Live-Gigs das Publikum immer noch magisch anzogen, kam es im Anschluss an die Albumveröffentlichung zu internen Dissonanzen bezüglich der weiteren musikalischen Entwicklung der Band, man fühlte sich vom begrenzten Erwartungsspektrum zu sehr eingeengt (ja, dann spielt doch einfach wieder geilen PUNKROCK wie früher!), die dazu führten, dass sich die Band im Juni auflöste. Zeitgleich mit dem Split der Band gab es ein Reissue ihrer ersten und besten Single "Teenage Kicks" auf ihrem eigenen Ardeck-Label, wo zudem gegen Jahresende das retrospektive Album "All Wrapped Up" herauskam, das sämtliche Singles plus deren B-Seiten zusammenfasst.

Die einzelnen Protagonisten der UNDERTONES widmeten sich nach deren Auflösung sofort und ohne längere Pause neuen - bisweilen höchst dubiosen - Projekten. Während die O´Neill-Brüder in Derry die Formation THAT PETROL EMOTION ins Leben riefen, die sich doch sehr am frühen UNDERTONES-Sound - wenn auch schon differenzierter - orientierten, schien Feargal Sharkey nach dem Ableben der UNDERTONES von allen guten Geistern verlassen zu sein und stürzte sich fortan von einer peinlichen Eskapade in die nächste und schaffte es so mühelos, sich bei seinen alten Fans für immer zu disqualifizieren. Den Reigen seiner geschmacklichen Fehltritte eröffnete Sharkey, der bis dahin nicht einen einzigen Song geschrieben hatte (!!!), bereits Ende 1983, als er sich für kurze Zeit mit der Ex-YAZOO/DEPECHE MODE-Schwuchtel (oops, not PC!) Vince Clarke zu dem grausigen Synthie-Pop-Abszess THE ASSEMBLY zusammentat, deren grottenschlechter Schmacht-fetzen "Never Never" - wie könnte es auch anders sein - flugs auf Rang 4 der Charts schoss. Dieser "Erfolg" machte die zu dieser Zeit mittlerweile völlig kommerzverseuchte Plattenfirma Virgin hellhörig, bei der Sharkey im Sommer 1984 einen Vertrag unterschrieb, um anschließend seine eigene Demontage konsequent mit unsäglicher Charts-Pop-Scheiße fortzusetzen. Am Bekanntesten dabei dürfte uns allen wohl seine musikalische Entgleisung von 1985, "A Good Heart" sein, die selbstredend den ersten Platz der Charts erklomm (Scheiße verkauft sich eben immer sehr gut!). Seinen alten Anhängern, die ihn sehnlichst auf seine alten Punk-Rock-Pfade zurückwünschten und ihm vollkommen zu Recht vorwarfen, alte Ideale zu verraten, entgegnete er im gleichen Jahr: "Ich bin nicht mehr 17 Jahre alt und singe nicht mehr "Teenage Kicks"." (Was für eine armselige und klägliche Retourkutsche, guter Feargal, oder fickst du etwa auch nicht mehr, nur weil du älter geworden bist!?!) Und so gelang es dem "erwachsen gewordenen" Feargal Sharkey drei völlig indiskutable und absolut langweilige Mainstream-Alben bis 1991 herauszubringen, um dann schließlich, ich meine Gott sei Dank, seine verdammt peinliche und höchst belanglose Solokarriere ad acta zu legen, um Anfang 1992 als A&R Manager bei einer großen Plattenfirma (deren Name mir glücklicherweise entfallen ist) im musikalischen und geistigen Niemandsland zu versinken.

Im deutlichen Gegensatz zu Sharkeys drastischer Selbstdisqualifizierung schlugen die O´Neill-Brüder - John, der als Zeichen des Neuanfangs seinen Vornamen ins irische Sean zurückübersetzte, und der jüngere Damian, der an den Bass wechselte -, nach dem Ende der UNDERTONES mit ihrer neuen Band THAT PETROL EMOTION einen völlig anderen, immer noch einigermaßen punkrocklastigen, überdurchschnittlich guten, strammen und schnörkellosen Gitarrenrock-Stil ein. Die Band, die von Cirian McLaughlin an den Drums, Reámann O´Gormain an der Gitarre sowie dem US-Amerikaner Steve Mack an den Vocals komplettiert wurde, veröffentlichte 1985 ihre Debüt-Single "Keen" auf dem kleinen Indie-Label Pink. Mit dem im Mai 1986 auf Demon Records releasten Debüt-Album "Manic Pop Thrill" bestätigten THAT PETRTOL EMOTION eindrucksvoll, dass sie sich mit satten Rockern haarscharf an der Grenze alten, großen UNDERTONES-Sound bewegten, textlich gingen sie allerdings dezidiert politisch zur Sache und attackierten die Verzerrung der Nordirlandproblematik in den britischen Medien, das Schicksal politischer Gefangener sowie den leider wohl nie totzukriegenden Rassismus. In den folgenden zwei Jahren brachte die Band mit dem ´87er-Werk "Babble" sowie "End Of The Millennium Psychosis Blues" von 1988 zwei weitere solide Alben heraus, wobei die satte Single "Big Decision" vom "Babble"-Album der Band sogar einen 42. Rang in den UK Single Charts bescherte. Müßig zu erwähnen, dass sich die übrigen Platten von THAT PETROL EMOTION nicht annähernd so gut verkauften wie der musikalische Dünnschiss von Feargal Sharkey, aber ihr wisst ja, nur Scheiße ver-kauft sich so richtig gut (Das Publikum bekommt eben immer genau das, was es verdient hat!!). Bei den Aufnahmen zu "End Of The Millennium Psychosis Blues" hatten THAT PETROL EMOTION zusätzlich die ehemaligen DEXY´S MIDNIGHT RUNNERS-Bläser Big Jimmy Patterson (Posaune) und Geoff Barrett (Saxophon) ins Studio geholt. Anfang 1989 verließ good old Sean O´Neill THAT PETROL EMOTION und zog aus familiären Gründen zurück nach Derry. Sein Bruder Damian tauschte anschließend den Bass wieder gegen seine angestammte Gitarre, als John Marchini als neues Bandmitglied den Bass übernahm. Mit diesem neuen Line-Up spielte THAT PETROL EMOTION, die inzwischen auch bei Virgin Records gelandet waren, ihr viertes und bis dato letztes Album "Chemicrazy" ein, ein wiederum gelungenes Werk, dessen Highlights wie "Another Day" mit ihren catchy Melodies doch sehr an die alten Hits der UNDERTONES erinnern.

Damit wären wir dann auch schon wieder am Ende unserer heutigen, wie immer exzellenten Nachhilfestunde über die großen UNDERTONES, deren heiliges Erbe von so brillanten Punkbands wie den DESCENDENTS, NOFX, ALL, SNUFF, SCREECHING WEASEL , HÜSKER DÜ, LEATHERFACE und den TEEN IDOLS höchst gebührend und adäquat verwaltet wird respektive verwaltet wurde.

In diesem Sinne wünsche ich euch in Anbetracht des (z. Z. jedenfalls) "Here Comes The Summer"-Wetters fröhliches Koitieren und immer schön dran denken, ADOLF MILOSEVIC, BILLY BOY CLINTON, MONICA CIGAR LEWINSKY, SKIN, MARILYN MANSON und den GUANO APES immer ordentlich auf die Schnauze hauen, das tut gut und verleiht eine feuchte Vagina respektive ein erigiertes Glied!

See you!

Euer Punk-Rock-Diktator

 


Sir Elm

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #35 (II 1999)

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SCHROTTGRENZE haben schon immer ihre eigenen Geschichten erzählt. Über Menschen und Gefühle und Hamburg, über 15 Jahre und sieben Alben, in den melancholischsten Ohrwürmern und den poppigsten Hymnen des Indierock. Nur dass es jetzt noch mehr ... mehr

 
 

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