Interviews & Artikel : Andrew Ranken / POGUES :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

Andrew Ranken / POGUES

My Little Drummerboy, Teil 4

Es war 1985 in Hamburg, als ich die POGUES zum ersten Mal live sah. Obwohl die Band damals erst ihr Debütalbum „Red Roses For Me“ am Start hatte und weitestgehend unbekannt war, eilte ihr bereits der Ruf einer spektakulären Live-Band voraus und die Fabrik war fast bis zum letztem Platz gefüllt. Neben dem schon damals sturzbetrunkenen Sänger Shane MacGowan und der wundervollen Cait O’Riordan am Bass stach insbesondere der Trommler Andrew Ranken dem aufmerksamen Besucher ins Auge. Trotz des auf Floor Tom und Snare Drum reduzierten Drumsets war die Bühnenpräsenz des Stehtrommlers einfach großartig. In späteren Jahren stieg Andrew Ranken auf ein komplettes Drumset um, wobei jedoch die Wildheit der Anfangsjahre weitestgehend auf der Strecke blieb. Im Jahre 2010 gibt es die POGUES immer noch und sie kommen nach 15 Jahren zurück nach Deutschland. Gründe genug, mit Drummer Andrew zu telefonieren, der sich als sympathischer Zeitgenosse herausstellte, allen Fragen zu einem eventuellen Nachfolge-Album von „Pogue Mahone“ aus dem Jahr 1995 allerdings geschickt auswich.

Andrew, als die POGUES anfingen zu spielen, warst du schon 30 Jahre alt. Was hast du vorher getrieben und wann hast du mit dem Schlagzeug angefangen?

Also, ich habe schon mit 14 angefangen, Musik zu machen, und habe zunächst ganz typisch in Schülerbands getrommelt. Meine erste eigene Band war dann auf der Kunsthochschule LOLA COBRA mit Lene Lovich am Gesang. Als wir uns auflösten, war ich erst mal eine zeitlang per Anhalter kreuz und quer durch Europa unterwegs und hatte mit Musik nichts weiter am Hut. Als ich zurück in London war, war ich für kurze Zeit Sänger in der Band THE STICKERS, die sich aber bald auflöste. Mit vielen anderen zusammen gründete ich dann THE OPERATION, wo wir zeitweise mit bis zu 13 Leuten auf der Bühne standen und ich auch die Leadvocals übernommen hatte. Ich war also zunächst mal wieder der Sänger – für ungefähr zehn Jahre – und habe aber hin und wieder auch Schlagzeug gespielt.

Hast du jemals mit dem Gedanken gespielt, ein anderes Instrument zu lernen?

Tatsächlich hatte ich mal angefangen, Gitarre zu spielen. Aber meine Gitarre war so ein schreckliches Teil und jedes Mal, wenn ich gespielt habe, fingen meine Finger an zu bluten. Da habe ich mir gedacht, es müsse doch noch ein anderes Instrument geben, und dachte so bei mir, dass Trommeln vielleicht einfacher sein könnte. Das war natürlich Blödsinn, aber es war immerhin weniger schmerzhaft.

Hattest du jemals Schlagzeugunterricht, oder warst du Autodidakt?

Ich war von Anfang an Autodidakt, aber ich kannte schon in den Sechzigern jede Menge Typen, die auch getrommelt haben, und von denen habe ich mir dann Sachen abgeschaut. Wir haben damals auch viel zusammengespielt und uns gegenseitig ausgetauscht.

Was waren die wesentlichen Einflüsse auf deinen Stil?

Damals stand ich total auf Blues, und darauf stehe ich eigentlich auch heute noch. Ich mochte auch die ROLLING STONES, weil ich immer der Meinung war, dass Charlie Watts ein großartiger Drummer ist. Dann darf ich natürlich CREAM mit Ginger Baker nicht vergessen. Dann fuhr ich wirklich auf Modern Jazz ab und Elvin Jones war und ist mein Lieblings-Jazz-Drummer. Ich habe ziemlich viel Jazz gehört und kannte viele Leute aus der Londoner Improvisations-Jazz-Szene. In dem Viertel, in dem ich aufgewachsen bin, gab es sehr viel von diesem Impro-Jazz-Clubs und da hing ich halt häufig rum. Ein Club namens Vortex und auch das Café Otto waren damals sehr berühmt. Ein sehr guter Freund von mir ist der großartige Bassist John Edwards, über den ich viele neue Leute kennen gelernt habe.

Einen Folk-Hintergrund hattest du offensichtlich nicht?

Nein, eigentlich gar nicht. Als ich noch ein Teenager war, da war Blues in England – und ich glaube auch in Deutschland – total angesagt, und später bin ich eigentlich mit Punk auch nie richtig warm geworden. Folk-Musik lief immer so am Rande, ja, das schon, aber wirkliches Interesse für Folk kam doch erst sehr viel später auf.

Wie kam es dazu, dass du bei den POGUES dein Drumset auf Floor Tom und Snare Drum reduziert hast?

Als die POGUES anfingen, einen Drummer zu suchen, baten sie auch mich vorzuspielen. Nun waren da wirklich viele Typen, die zum Vorspielen eingeladen waren, aber die Band war mit keinem wirklich glücklich. Ich hatte eine ganze Zeit lang nichts von ihnen gehört und plötzlich meldeten sie sich und fragten, ob ich noch mal zum Vorspielen vorbei kommen könnte. Der Witz war, dass sie sich ausgedacht hatten, ich sollte nicht auf einem kompletten Drumset spielen. Sie sagten: „Spiel im Stehen und nur auf dem Floor Tom und der Snare Drum.“

Warst du da sehr überrascht?

Oh ja, das kannst du wirklich glauben. Es waren Shane und Jem, die sich das ausgedacht hatten, und ich fand das wirklich spannend, denn es war eine echte Herausforderung für mich. Sie wollen zwar einen großen, fetten Sound haben, aber dafür nur ein sehr reduziertes Equipment einsetzen. Was ich da gespielt habe, klang zwar immer recht simpel, war aber andererseits doch ziemlich schwer zu spielen. Mit der Zeit habe ich mich dann daran gewöhnt, so zu spielen, obwohl ich zugeben muss, dass ich nie wirklich glücklich mit dieser Art zu spielen war. Das lag wohl auch daran, dass ich immer Probleme mit dem Rücken hatte. Ich hatte dann später einen Unfall, der schlussendlich dafür sorgte, dass ich wieder im Sitzen spielen musste. Wir waren damals in Deutschland auf Tour und ich hatte mir meinen Finger am oberen Ring der Snare eingeklemmt. Das Ganze hatte sich dann entzündet, ich bekam eine ziemlich schlimme Blutvergiftung und musste ins Krankenhaus. Ich konnte auf jeden Fall danach nur noch mit einer Hand spielen und sagte zu den Jungs: „Okay, ich glaube, es wird gehen, wenn ihr mir eine Bassdrum und eine Hi-Hat gebt und ich mich hinsetzen kann.“ So haben wir es dann auch getan und es war okay. Hinterher stellten sie fest, dass sie den Sound der Bassdrum sehr mochten und dann hat der Rest der Band beschlossen, dass sie die Bass gern im Drumset behalten würden. So bin ich dann also wieder zu einem eher konventionellen Set zurückgekehrt.

Hattet ihr in den Anfangstagen eher ein Punk- oder ein typisches Folk-Publikum?

Das war schon ganz klar ein Punk-Publikum – Punks, viele Rockabillys und zu einem gewissen Grad sogar Country-Fans. Das war schon ein sehr gemischtes Publikum und anfangs haben die uns auch nicht wirklich ernst genommen. Damals war das Publikum ziemlich versnobt und viele trugen ihre Nasen ziemlich hoch, wenn sie irgendwie toll aufgetakelt zu Konzerten erschienen. Außerdem dachten wohl eine ganze Menge Leute, wir würden ja doch nur irische Musik massakrieren.

In deiner eigenen Band MYSTERIOUS WHEELS bist du der Sänger und stehst vorn am Bühnenrand. War das eine große Überwindung für dich?

Nach den vielen Jahren im Hintergrund bei den POGUES hat es sich sehr gut angefühlt, mal wieder aus dem Schutz des Drumsets herauszutreten und am Bühnenrand zu agieren. Hinter den Drums fühlt man sich zwar irgendwie nicht so nackt und kann sich gut verstecken, aber ich hatte schließlich früher schon gesungen und insofern war das jetzt nichts großartig Neues für mich. Ich habe mich dann schnell wieder an diese Situation gewöhnt und ich genieße das sehr.

Nach 15 Jahren Abstinenz kommt ihr nun Anfang August nach Deutschland zurück.

Darauf habe ich wirklich schon lange gewartet, denn in Deutschland hatten wir immer ein großartiges Publikum. Jetzt bin ich schon sehr gespannt, wie es nach so vielen Jahren wohl sein wird. Ich hoffe einige von unseren alten Freunden werden sich noch an uns erinnern und mal vorbeischauen.

Trifft sich die Band zur Vorbereitung auf die Tour regelmäßig im Übungsraum zum Proben?

Nein, wir spielen jetzt so viele Jahre zusammen, wir müssen uns da nicht mehr regelmäßig im Übungsraum treffen, um unserer Programm einzustudieren. Wir sind gut eingespielt und das Einzige, worum wir uns kümmern müssen, ist die körperliche Fitness. Ich mache heutzutage hauptsächlich ein regelmäßiges Fitnesstraining, das aus Staubsaugen, Bügeln und Wäschewaschen besteht.

Sind die POGUES immer noch dein Hauptjob?

Das hängt sehr von den anstehenden Tourneen ab und ändert sich eigentlich jedes Jahr. Mal sind die POGUES die Nummer eins und dann wieder ist mein Hauptaugenmerk auf MYSTERIOUS WHEELS fixiert. Letztes Jahr waren die POGUES lange in Amerika auf Tour und dann habe ich natürlich keine Zeit andere Dinge zu tun. Dieses Jahr ist es viel ruhiger, was ich – wenn ich ehrlich bin – auch total genieße. Diese Gigs in Deutschland sind tatsächlich der erste Job mit den POGUES dieses Jahr. Mit MYSTERIOUS WHEELS würde ich auch gern mal touren, aber das wäre sehr schwierig für uns, da außer mir alle anderen Bandmitglieder feste Jobs haben und keine Profimusiker sind. Mit einem professionellen Manager könnten wir es vielleicht machen, aber zur Zeit wohl eher nicht.

Wie fühlt es sich für dich an, immer wieder die alten Hits zu spielen. Hast du nicht Lust, mal neue Songs zu spielen?

Oh ja, das würde ich gerne machen und wir haben auch schon darüber gesprochen. Aber leider ist bisher nichts passiert. Andererseits kommen die Leute natürlich auch zu unseren Shows, um die alten Songs zu hören. Obwohl es schon schön wäre, auch ein paar neue Songs im Set zu haben. Es sieht aber so aus, als ob die Fans da noch länger drauf warten müssten.

Wirst du mit den POGUES spielen, bis ihr so alt wie die DUBLINERS seid, und wie sind deine Pläne für die Zukunft?

Das hoffe ich doch und wir werden sicherlich so lange zusammen spielen, wie es uns immer noch Spaß macht. Ich habe vor, in nächster Zeit ein Album mit MYSTERIOUS WHEELS zu machen, und das werde ich hoffentlich in diesem Leben noch auf die Reihe bekommen.

Christoph Lampert

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #91 (August/September 2010)

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