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Interviews & Artikel

H2O

The Weight Of The Water

Wenn man Hardcore hört und auch noch eine Affinität für Punkrock besitzt, kommt man an H2O aus New York City nicht vorbei. Sie interpretierten New York Hardcore schon immer auf ihre ganz eigene Art und Weise, waren immer punkiger und melodischer als der harte, leicht metallische Sound, wie man ihn aus dem Big Apple gewohnt ist. Dazu kommt, dass Toby Morse, seines Zeichen Sänger bei H2O, dem Straight-Edge-Gedanken über die ganzen Jahre treu geblieben ist. Irgendwie gehört er seit Ende der Neunziger einfach zum New York Hardcore wie das Salz in der Suppe. Er begann als Roadie bei SICK OF IT ALL, gründete später seine eigene Band und ist Sänger bei HAZEN STREET. 2008 kam endlich eine neue Platte und 2010 sein neuestes Projekt, welches sich One Life One Chance nennt. Jedem, der jetzt denkt, das wäre eine neue Band, sei gesagt: er liegt falsch. In den nächsten Zeilen bekommt ihr einen Einblick über Tobys „Machenschaften“ und das Geheimnis der „One Life One Chance“-Geschichte wird gelüftet.

1995 hörte ich das erste Mal von der Band H2O, seit dieser Zeit plagt mich eine Frage: Wie kommen Typen darauf, ihre Band nach einem chemischen Element aus dem Periodensystem zu benennen?

Für mich steht der Begriff für Reinheit, Straight Edge und Wasser, was ich gern trinke. Es ist eher aus einem Witz heraus entstanden. Da ich Straight Edge bin, trinke ich im Allgemeinen viel Wasser. 15 Jahre später ist so was schwer zu erklären. Es hatte keine ernsthafte Bedeutung. Der Name klingt einfach gut für eine Band.

Was bedeutet Straight Edge für dich heute?

Edge ist mein Leben! Ich putze mir jeden Morgen die Zähne und ich trinke nicht. Das gehört beides zu meinem Leben und ich denke über beides nicht nach. Ich sage nicht jeden Tag: „Oh mein Gott, ich bin Straight Edge. Oh mein Gott, so ein Mist. Ich darf dieses und jenes nicht.“ Es ist einfach so. Ich habe niemals getrunken. Ich war 13 Jahre alt, als ich den Song „Straight Edge“ von MINOR THREAT hörte und ich dachte: „Cool, das ist schneller aggressiver Punkrock, so wie ich ihn durch meine Freunde kennengelernt hab.“ Es war kein Begriff für eine bestimmter Zuordnung wie zum Beispiel Punkrocker oder Skater. Es ist nur Straight Edge und es ist mein Leben. Nun bin ich 40 Jahre alt und es ist immer noch ein Teil von mir.

Was hat sich deiner Meinung nach in den letzten 27 Jahren an dem Begriff Straight Edge für dich persönlich verändert?

Ich sah den MINOR THREAT-Song vor allem auf einer persönlichen Ebene, aber es wurde eine riesige Sache daraus. Er hat eine gewaltige Bewegung ins Leben gerufen. Man muss sich das so vorstellen, als wenn wir einen Song wie „What happened“ oder „Sunday“ schreiben, so hat Ian halt einen Song geschrieben, wo er meint: „Don’t smoke, don’t drink, don’t fuck at least you can fucking think“. Aber keiner erwartete, dass es Leute gibt, die so eine große Sache daraus machen. Dass es sogar so weit geht, das eine Subkultur oder ähnliches daraus entsteht. Es ist ein Song, beziehungsweise Begriff, welcher sich vom Positiven ins Negative entwickelte, und ich denke, dass er sich heutzutage wieder ins Positive zurück verwandelt hat. Straight Edge wurde überschattet von Gewalt, Gangs und anderen verrückten Sachen in den Neunzigern. Sehr viele Typen von denen, die damals die ganze Sache predigten oder ein Haufen verrückter Sachen taten, sind längst verschwunden, gerade die ganzen militanten Leute. Ich war niemals militant. Der Song „Still here“ von unserer letzten Scheibe war unser erster „Straight Edge“-Song und er setzt sich genau mit diesem Thema auseinander.

Bei MINOR THREAT hört man ganz klar ihre Punkrock-Roots heraus, allerdings können viele Leute in der heutigen Straight-Edge-Szene nichts mit dem Begriff Punk anfangen.

Sie kennen einfach nicht ihre Roots. Sie wissen nichts über die Anfänge. Eines ist klar: wenn du positiv denkst, ist es gut für dein gesamtes Leben. Das ist Straight Edge. Wenn man Straight Edge ist und Hardcore hört, aber nicht weiß, wo seine Wurzeln liegen, ist das schlecht. Es gibt sehr viele Bands und man muss nicht alles kennen, aber zumindest sollte man mal was von MINOR THREAT, YOUTH OF TODAY und GORILLA BISCUITS gehört haben. Aber das ist nicht nur im Straight Edge so, sondern generell in der Punkszene. Als ich jung war gab es das Internet nicht und man hat sich mit den ganzen Sachen mehr auseinandergesetzt. Um neue Bands kennenzulernen, habe ich Grußlisten in den LPs gelesen oder kam durch Fanzines darauf. Wenn man eine neue Platte bekam, war man extrem aufgeregt und hat sich sehr darauf gefreut. Das gehörte für mich zum Hardcore. Durch das Internet ist das alles verschwunden. Du kannst dort alles über jede Band und jeden einzelnen Song finden. Das ist nicht mehr das gleiche wie früher und wird es nie wieder werden. Die Zeiten haben sich geändert.

Durch meinen älteren Bruder wurde ich auf Punk und HC aufmerksam, wie kamst du dazu?

Bei mir war es ähnlich. Ich habe zwei ältere Brüder. Ich war 11 oder 12 Jahre alt, als sie mich mit auf Punk-Konzerte, Partys und zum Skaten nahmen. Meine Mom musste mehrere Jobs annehmen, um uns drei zu versorgen und so nahmen mich meine Brüder unter ihre Fittiche.

Der Song „What happened“ auf eurem letzten Album „Nothing To Prove“ ist sehr kritisch. Hält er der heutigen HC-Szene den Spiegel vor, in der Aussehen mehr zählt als die Einstellung, wo die Texte keine Rolle mehr spielen und die einstige Rebellion verloren gegangen ist? Es hat sich viel geändert seit den Anfangstagen. Wie beurteilst du die Entwicklung?

Nein, es geht nicht nur um die HC-Szene. Es geht um jede Art von Musik, auch um HipHop. Im HipHop geht es heutzutage nur noch um den gleichen Scheiß, um Autos und ähnliches. Im HC genau ist es das Gleiche, alles verkommt immer mehr zu Metal bzw. Screamo und es geht nur um perfekte Frisuren, perfekte Sprünge und dass die Schreie perfekt sind. Es ist nur noch ein Imagebewusstsein. In Wirklichkeit ist das doch zweitrangig. Bei der Musik geht es um mehr. Es geht vielmehr darum, was in dir selbst vorgeht und nicht, was du für scheiß Klamotten trägst. Diese Musik gab mir immer die Kraft zum Leben. Es war unsere Musik.

Toby, du hast einst als Roadie für SICK OF IT ALL gearbeitet. War das dein Einstieg in die musikalische Karriere? Hast du vor H2O noch in anderen Bands gespielt?

Nein, ich hatte vorher keine andere Band. Ich habe damals einen Song namens „My love is real“ geschrieben, der wurde immer beim Soundcheck gespielt. Nach einer Tour versuchte ich dann, selbst eine Band zu gründen. Allerdings sprachen wir nur darüber. Irgendwann haben Eric und Rusty angerufen und wir begannen, einige Songs zu schreiben, allerdings ohne Erwartungen bzw. Aussicht darauf, eine richtige Band zu sein. Wir wollten nur live spielen und mit Bands wie SICK OF IT ALL, GORILLA BISCUITS und KILLING TIME auf Tour gehen.

Warum findet man nirgendwo den Text für den Song „My love is real“?

Es gibt keinen wirklichen Text. Es war immer frei interpretiert. Es geht um meine Ex-Freundin, die mir mein Herz gebrochen hat. Sie hatte mich verlassen und ich tat daraufhin einige dumme Sachen.

Habt ihr den Song mit H2O jemals live gespielt?

Ja, aber nur in den frühen Neunzigern.

Ihr habt seit 1996 stetig Platten veröffentlicht, zuerst auf Indielabels und 2001 dann seid ihr sogar auf einem Major gelandet. Danach war erst mal Schluss und ihr habt euch sieben Jahre Zeit gelassen bis zur nächsten Veröffentlichung. Was war der Grund dafür?

Wir habe eine Tour nach der anderen gemacht. Dazu kam, dass meine Frau und ich von New York City nach Kalifornien gezogen sind. Wir bekamen ein Kind und wohnten in einem kleinen Apartment, wir brauchten mehr Platz und entschieden uns für ein Haus. Mein Bruder folgte mir später. Dann bekamen wir einen neuen Job – irgendwie war jedes Jahr etwas anderes. Wir spielten in Europa, Asien und Südamerika. So verging eine Menge Zeit.

Warum habt ihr euch wieder für ein Indielabel entschieden und warum gerade Bridge Nine?

Wir begannen irgendwann wieder, Songs zu schreiben und ein Demo aufzunehmen. Wir sprachen mit einer Menge Labels, unter anderem Epitaph und auch kleineren Labels, aber ein Major kam für uns nicht mehr in Frage. Bridge 9 nahm mit uns Kontakt auf und irgendwie hat alles gepasst. Am Ende ist es meine Lieblingsplatte geworden und der Meinung sind auch viele andere Leute auf der ganzen Welt. Als wir dieses Jahr in Belgien auf dem Groezrock Festival spielten, konnten wir gar nicht glauben, was dort abging. Hunderte von Leuten haben unsere Songs gesungen und der Großteil waren junge Leute, die uns von früher nicht kannten. Bei unserem letzten Song „What happened“ stürmten 250 Menschen auf die Bühne. Es war einfach unglaublich und wir spielten eine unserer besten Shows in Europa überhaupt. Wir fühlten uns wie eine junge neue Band. Es war echt abgefahren. Ich denke, das haben wir Bridge 9 zu verdanken, denn dieses Label wird hat viele Fans unter jungen HC Kids. Es war eine gute Entscheidung.

Du spielst seit Jahren in einer Band, bist auf der ganzen Welt unterwegs, hast mehrere Projekte am laufen und ganz nebenbei hast du eine Familie zu versorgen. Wie bekommst du das alles unter einen Hut?

Es ist eigentlich ganz einfach: Wenn ich unterwegs bin, organisiere ich viele Dinge übers Telefon oder Laptop. Somit erspare ich mir den Aufwand zu Hause und habe mehr Zeit für meine Familie.

Dein neuestes Projekt nennt sich „One Life One Chance“. Es ist eine Kampagne, bei der du an Schulen Vorträge hältst und über die Möglichkeiten eines drogenfreien Lebens aufklärst. Erzähl uns mehr darüber.

Ja, ich gehe an Schulen und erzähle den Kids etwas über die Art, wie ich lebe. Ich zeige ihnen, dass man auch cool sein kann, ohne zu trinken oder Drogen zu nehmen. Ich erzähle ihnen vom Leben auf Tour und von meinen Freunden, besonders von meinen bekannten Freunden. Wenn die Kids hören, dass bekannte Leute auch Straight Edge sind, ist es sehr beeindruckend für sie und sie wollen genauso sein. Bei meinem ersten Vortrag waren 900 Kids anwesend. Das war echt verrückt und ich war sehr aufgeregt.

Andreas Zengler

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #91 (August/September 2010)

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