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Interviews & Artikel

YOUTH OF TODAY

Can’t close my eyes

Ein Interview mit dem Sänger einer Band, der auf die Frage nach dem Status seiner Band mit „No status“ antwortet – und die dennoch im Spätsommer 2010 noch einmal in Europa spielt, 21 Jahre nach der ersten Tour und sechs Jahre nach einer ersten Quasi-Reunion 2004. Ray Cappo heißt, weil Krishna-Anhänger, lange schon Raghunath Cappo, seit den genreprägenden Releases „Can’t Close My Eyes“ (1985), „Break Down The Walls“ (1987) und „We’re Not In This Alone“ (1988) sind über zwei Jahrzehnte vergangen, Straight Edge wurde vom bisweilen aggressiv vorgetragenen, oft angefeindeten rebellischen Gestus zur akzeptierten Lebensweise – und aus dem Mann, der nach Y.O.T. bis in die jüngere Vergangenheit (2006 erschien das bislang letzte Album) mit SHELTER aktiv war, wurde ein vierfacher Familienvater, der in New York City lebt und als Yoga-Lehrer arbeitet.

Ray, vor 20 Jahren waren YOUTH OF TODAY auf Europatour und beeindruckten und beeinflussten viele hierzulande in Sachen Hardcore und Straight Edge. Was für eine Erinnerung hast du daran?

Als ich das erste Mal in Europa war, war ich kurz zuvor aus Indien zurückgekehrt, wo ich als Krishna-Mönch gelebt hatte. Das war ein so tiefgehendes und mein Leben veränderndes Erlebnis, dass mir Europa damals wie eine nur leicht andere Version von Amerika vorkam. Obwohl Europa mich nach meiner Rückkehr aus Indien kulturell mehr beeindruckte als die USA, war ich davon weniger inspiriert als vielmehr deprimiert und etwas frustriert. Ganz ehrlich, es fiel mir schwer die Tour zu genießen. Außerdem waren wir in der Situation, eine der frühen Pionier-Bands in Sachen US-Hardcore in Europa zu sein, denn mal abgesehen von BLACK FLAG, DEAD KENNEDYS und solch großen Bands tourten nur wenige kleine Bands in Europa. Irgendwer verdiente an der Tour auch sicher Geld, aber nicht wir, und wir spielten viel in Squats, und manche dieser besetzten Häuser waren beeindruckend, andere nur unglaublich versifft.

Was hat sich seit damals für dich maßgeblich verändert, und wie hat sich das auf deine Musik ausgewirkt, was ist geblieben?

Ich schreibe heute nicht mehr solche Musik wie damals. Aber wenn ich heute die Texte von YOUTH OF TODAY lese, fällt es mir nicht schwer nachzuvollziehen, was damals in mir vorgegangen ist. Verdammt, über Veränderung zu singen kann einen wirklich anheizen. Sogar jemanden über vierzig.

Was nun Straight Edge betrifft: Gab es für dich das eine Schlüsselerlebnis, das dich davon überzeugte, ein Leben ohne Drogen führen zu wollen?

Nein, das eine Erlebnis gab es nicht, Drogen bedeuteten mir einfach noch nie was. Vielleicht hat das was mit einem früheren Leben zu tun. Heute allerdings gilt meine militante Abneigung vor allem der pharmazeutischen Medizin und ich bin absolut dagegen, solche zu nehmen, außer im absoluten Notfall. Ich habe meine Ernährung und meine Lebensweise radikal auf natürliche Heilmethoden umgestellt. Ich bin wirklich dankbar dafür, dass ich diesen Weg schon so lange gehen kann, denn es ist absurd, wie heute schon kleine Kinder mit Pharmazeutika behandelt werden, um Konzentrations- und Aufmerksamkeitsschwäche oder Depressionen zu behandeln. Das ist schrecklich, und Gott sei Dank waren wir damals schon Straight Edge. Dieses ganze Zeug hat furchtbare Nebenwirkungen, ob man das nun legale Medikamente betrifft oder Sachen wie Alkohol, Tabak oder Koffein. Unser Körper ist ein Tempel, und wir werden dazu ermutigt, ihn zu zerstören.

Was für ein Leben führst du heute?

Ich habe vier Kinder, die ich sehr liebe. Denen versuche ich mitzugeben, was ich von der indischen und der Yoga-Kultur gelernt habe – und auch von Hardcore. Ich weiß aber auch, dass ich meine Kinder zwar liebe, aber sie nicht besitze. Ich akzeptiere, dass jeder seinen eigenen Weg geht. Und so kann ich nur versuchen, ihnen Liebe zu geben und die meiner Meinung nach besten Entscheidungen für sie zu treffen, aber letztlich entscheiden sie selbst, was aus ihnen wird. Was meine Ernährung betrifft, so verfolge ich zu 80 bis 100 Prozent eine vegetarische Rohkost-Ernährung, und gelegentlich nehme ich Rohmilchprodukte zu mir, die von ökologisch arbeitenden Amish-Bauernhöfen beziehe. Ich faste regelmäßig, meditiere und singe.

Und zum Lebensunterhalt arbeitest du als Yogalehrer?

Ja, und meine bisherige berufliche Laufbahn war auch unglaublich erfüllend. Ich leite Yoga-Workshops und Yoga-Pilgerreisen nach Indien. Und ganz ehrlich, eine Yoga-Stunde zu leiten ist eine ähnliche Erfahrung wie mit einer Band auf der Bühne zu stehen – nur dass in einer Yoga-Stunde keiner mit leeren Flaschen nach dir wirft, wenn er mit deiner Leistung nicht zufrieden ist. Mein Leben heute ist letztlich nicht viel anders, als es mit 18 Jahren war, nur etwas verfeinerter. Und ich bin dankbar, dass Straight Edge, das seinerzeit ein so umstrittener Lebensstil war, sich heute, da ich 44 Jahre alt bin, zu einer allgemein akzeptierten Lebensweise entwickelt hat. Für mich ist diese Lebensweise immer ein guter Freund gewesen.

Was bekommst du heute noch von der Straight Edge-Szene mit?

Rein gar nichts.

Dennoch stellst du dich noch mal mit einer Hardcore-Band auf die Bühne – ein Unterschied zu deinem Leben als Yoga-Lehrer. Was verbindet diese beiden Welten?

Die Message. Die ist immer der gemeinsame Nenner bei allem, was ich tue.

Und was ist der Stand der Dinge in Sachen YOUTH OF TODAY, abgesehen von der Tour?

Es gibt keinen „Stand der Dinge“.

Joachim Hiller

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #91 (August/September 2010)

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