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Interviews & Artikel

KVELERTAK

Hanks Würgegriff

Sie kommen aus Stavanger, Norwegen, stehen zu sechst auf der Bühne, nahmen mit Kurt Ballou von CONVERGE auf und veröffentlichten ihr titelloses Debütalbum auf Indie Recordings, das schon so einige Black-Metal-Klassiker im Programm hat. Und dieses Album, dessen Artwork von BARONESS-Frontmann John Dyer Baizley stammt, ist eine schon aus der Konserve begeisternde Mischung aus solidem Rock, TURBONEGRO-likem Deathpunk und Black Metal, die erst live ihre maximalst mitreißende Wirkung entfacht. Nach dem Auftritt in Bochum, wo sie mit KYLESA und CONVERGE spielten, schaffte ich es, Sänger Erlend Hjelvik von seiner Aufgabe als T-Shirt-Verkäufer loszueisen und zu einem Interview auf meinen Beifahrersitz zu bitten.

Erlend, Norwegisch ist eine dramatisch klingende Sprache. Schon euer Bandname klingt sehr beeindruckend.

Er bedeutet „Würgegriff“, und ja, er klingt auf Norwegisch besser als auf Englisch.

Auch ein Teil der Texte ist auf Norwegisch verfasst.

Für mich ist es einfach irgendwie natürlicher, auf Norwegisch zu singen, denn das ist meine Sprache. Wenn man in Norwegen einen Film dreht, verlangt man von den Schauspielern ja auch nicht, Englisch zu sprechen, oder? Außerdem bin ich ein großer Black-Metal-Fan, und diese Musik klingt am besten mit norwegischen Texten. Ich finde, es klingt auch sehr cool, wenn brasilianische Bands auf Portugiesisch singen. Oder nimm Mike Pattons neuestes Album, das ich sehr oft angehört habe: Da singt er all diese italienischen Songs. Ja, ich weiß, das ist nicht seine Muttersprache, aber es klingt trotzdem sehr gut. Letztlich ist gute Musik aber einfach gute Musik, da ist die Sprache egal.

Und wie ist das beim Singen, macht da die Sprache einen Unterschied?

Englisch klingt weicher, Norwegisch ist irgendwie harsch. Und mit dem Verständnis ist das auch kein Problem, ich habe im Booklet ja Linernotes zu den Songs geschrieben und erkläre, worum es da geht.

Mein erster Eindruck eures Albums war: Da hat jemand eine Menge TURBONEGRO gehört.

Haha, ja, haben wir. Es ist unmöglich, TURBONEGRO nicht zu mögen, wenn du in Norwegen lebst. Ich zumindest kenne niemanden. Als Teenager haben wir sehr viel TURBONEGRO gehört – und natürlich Metal und Hardcore. Aber jeder in der Band hat einen anderen Geschmack, und Bjarte, unser Gitarrist, der alle Songs schreibt, hört wirklich alles, von Seventies-Rock bis zu Black Metal. Wir haben also ganz unterschiedliche Einflüsse.

Liest man sich die ersten Reviews eures Albums durch, stößt man in der Tat immer wieder auf die beiden Schlagworte TURBONEGRO und Black Metal. Lässt sich die Band wirklich darauf reduzieren, oder haben die Rezensenten einfach keine Ahnung und sind fantasielos?

Ich denke, da kann man durchaus selbst darauf kommen, und ich bin da ja auch nicht anderer Meinung. Irgendwie klingen wir für viele eben wie TURBONEGRO mit Schreigesang und Blastbeats. Aber du hast schon recht, ich habe diesen Vergleich in letzter Zeit sehr oft gehört, und wirklich gut ist er auch nicht. Und ich habe auch keine Lust mehr zu hören, ich sei der neue Hank, das schreiben die in Norwegen ständig. Andererseits: Solange die überhaupt über uns schreiben, ist das auch okay.

Welche Vergleiche würdest du denn gerne hören oder lesen?

Es gibt ein paar andere Bands in Norwegen, die ungefähr zur gleichen Zeit angefangen haben wie wir, zum Beispiel HAUST oder OKKULTOKRATI, das sind mehr oder weniger die gleichen Leute, und die machen so ziemlich den gleichen Sound wie wir. Oder LIFELOVER, die etwas depressiver klingen als wir, und NACHTMYSTIUM, die das von der anderen Seite her machen. Das sind alles Bands, die unserer ähneln.

Was ihr macht, ist von den musikalischen Elementen her nicht neu, aber in der Kombination. Vor ein paar Jahren hätte so was keiner gemacht.

Für uns hat sich diese Kombination ganz natürlich ergeben, denn es ist einfach eine Mischung aus den verschiedenen Stilen, die wir mögen – das ist nicht erzwungen. Ich finde es wichtig, als Band nicht einfach irgendwas zu kopieren, etwas zu spielen, das man schon unzählige Male vorher gehört hat, sondern einen eigenen Stil zu entwickeln. Ich sehe keinen Sinn darin, Musik zu machen, wenn die dann exakt so klingt wie die einer anderen Band. Dann kann man auch gleich das Original anhören.

Beeindruckt hat mich auch eure Energie auf der Bühne, da wurde von Anfang an 100% gegeben.

Danke. Wir haben da so einen kleinen Schalter in unserem Kopf, den wir umlegen, wenn wir auf die Bühne gehen. Wir schalten dann auf „Kvelertak Stage Mode“. Als wir die Band gründeten, haben wir immer eine Menge Bier getrunken, bevor wir auf die Bühne gingen, und wir waren damals zwar musikalisch viel schlechter, aber die Konzerte machten immer viel Spaß. Mittlerweile haben wir viele Shows gespielt, wir denken nicht mehr nach, was wir da tun, wir gehen einfach raus und haben Spaß. Die Konzerte kicken immer total. Wir machen das jetzt seit vier Jahren, wobei wir das erst seit zwei Jahren ernsthaft betreiben. Da bekamen wir einen neue Drummer, und davor waren wir echt nicht gut.

Wie „ernsthaft“ seht ihr die Band? Seid ihr bereit für eine richtige Bandkarriere? Derzeit geht ja jeder auf euch ab.

Ja, die Reaktionen auf das Album gehen weit über das hinaus, was wir uns vorstellen konnten. Wir hatten zu Beginn keinerlei Ambitionen, wir gründeten die Band nur so zum Spaß, doch wir sind jetzt bereit, die Sache so weit mitzugehen, wie wir können. Im Moment sehe ich allerdings keine Grenze. Wir werden sehen. Für die nächste Zeit konzentrieren wir uns darauf, so viele Konzerte und Touren zu spielen wie möglich. Und dann machen wir irgendwann ein neues Album.

Apropos Album: Ihr spielt hier heute Abend mit CONVERGE, und deren Kurt Ballou hat euch in seinem Studio aufgenommen. Ich sprach eben noch mit ihm, und auch er zeigte sich von euch beeindruckt. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?

Wir suchten ihn aus, weil wir seine Arbeit mögen und die Bands, die er aufgenommen hat, beispielsweise DISFEAR, DOOMRIDERS, TORCHE oder TRAP THEM und natürlich CONVERGE. Er stand also ganz oben auf unserer Produzenten-Wunschliste. Und so fragten wir an, ob er Lust auf uns hat, und wir flogen rüber. Ich denke, niemand hätte das Album besser hinbekommen können.

Was musste er verstehen, um euren Sound so hinzubekommen?

Er hat kapiert, was wir erreichen wollten, wie wir wollten, dass das Album klingt. Wobei ich da sicher keine große Hilfe war, denn mehr als „Klingt gut“ ist von mir als Kommentar nie zu erwarten. Ich bin jedenfalls sehr zufrieden mit den Vocals, und er gab mir direkt Feedback beim Aufnehmen: „Nein, noch mal, das klingt blöd.“ Und wenn es passte, sagte er nur „That’s cool“ – das war dann ein Lob. Er ist einfach sehr „down to earth“, man kann echt gut mit ihm arbeiten. Wir waren fünf Wochen bei ihm.

Fünf Wochen? Das war sicher ein ordentlicher Batzen Geld für ein Debütalbum. Da muss jemand sehr an euch glauben, wenn er das bezahlt hat.

Na ja, wir haben einen Manager, und unser Label sowie ein norwegischer Kulturfond haben die Rechnung bezahlt.

Geld vom Staat zur Verbreitung norwegischer Kultur?

Ja, in dieser Hinsicht ist es echt gut, in Norwegen zu leben. Wir sind auch echt froh, dass wir nicht selbst das Geld auslegen mussten, wonach es zu Beginn noch aussah. Ich hatte schon zu sparen begonnen und war echt glücklich, dass ich mein Geld behalten durfte. Ich hatte bis kurz vor dieser Tour auch noch einen ganz normalen Job, ich arbeitete in einem Kühllager, fuhr mit dem Lkw Tiefkühlpizza in der Gegend herum. Ein ziemlich öder Job, ich hoffe, ich muss da nicht wieder anfangen. Und vor allem wäre es das fünfte Mal, dass ich da wieder neu anfange, haha. Ich hasse den Job, aber es ist so einfach, da wieder genommen zu werden, und wenn man nichts Besseres findet ...

Eine Karriere mit der Band käme dir also nicht ungelegen.

Oh nein, überhaupt nicht. Für den Rest des Jahres sind wir jedenfalls mit der Band gut beschäftigt, da klappt das sowieso nicht mit einem normalen Job. Wenn ich zu Hause bin, arbeite ich als Security in einer Bar, und irgendwie komme ich schon durch. Bislang habe ich von der Band noch kein Geld gesehen. Wir müssen eben mal sehen, was passiert.

Ihr seid aus Stavanger, ganz im Westen von Norwegen. Was geht da so?

Stavanger ist weniger die Kultur- als vielmehr die Ölhauptstadt von Norwegen. Es gibt da aber ein paar gute Bands, wie unsere Freude PURIFIED IN BLOOD oder GEHENNA. An sich ist die Stadt in Sachen Musik aber ziemlich tot, da findet kaum mal ein Konzert statt. Wenn man eine tourende Band sehen will, muss man nach Bergen oder Oslo fahren. Trotzdem fühlen wir uns in Stavanger wohl, die meisten in der Band kommen auch dieser Gegend.

Du erwähntest schon eure Black-Metal-Einflüsse. Nun ist das eine Szene, die Modemetaller und Trendaufspringer nicht schätzt. Ohne euch das zu unterstellen: Wie sind die Reaktionen von dieser Seite auf eure Erweiterung des klassischen Sounds?

Ich habe keinerlei negative Reaktionen mitbekommen, nur ganz zu Beginn mussten wir uns mal anhören, wir würden ja Screamo machen, aber das ist lange her. Irgendwie läuft alles gut für uns, haha.

Was steht als Nächstes auf dem Programm?

Ein paar Konzerte, und dann gegen Ende des Jahres eine weitere Europatour, diesmal mit COLISEUM und BISON B.C. Wir freuen uns da schon darauf. Und wir arbeiten auch noch an einem US-Release des Albums nebst Tour.

Und wie läuft diese Tour bisher?

Jede Stadt ist anders. Berlin war sehr gut, und heute in Bochum auch. Mir gefällt’s hier bei euch, bis auf das Essen: Zu viel Sauce, zu viel Schnitzel. Ich stehe eher auf Sushi, wobei die Hälfte der Band sich vegetarisch ernährt. Die kommen eher aus dem Hardcore, deshalb. Und die haben am Essen in Deutschland auch nicht viel Spaß, haha.

Erschienen ist euer Album auf Indie Recordings, die auch Bands wie GEHENNA, ENSLAVED oder SATYRICON im Programm haben.

Das ist das größte und eigentlich auch beinahe das einzige norwegische Metal-Label, auf dem all die großen Bands veröffentlichen. Und es ist auch das beste, da sind viele Bands, die wir sehr schätzen, weshalb wir auch dort unterkommen wollten. Es sind coole Leute, es macht Spaß, mit ihnen zu arbeiten.

Erlend, besten Dank für das Interview.

Joachim Hiller

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #92 (Oktober/November 2010)

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