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Interviews

SWINGIN' UTTERS

Auf Tour, ohne Frau und Kinder

Seit 1987 sind die SWINGIN’ UTTERS schon aktiv, mal mehr, mal weniger. In den letzten paar Jahren hatten sie sich eher rar gemacht, ihr letztes richtiges Album kam 2007, aber mit den beiden zentralen Mitgliedern Johnny Bonnel und Darius Koski waren und sind auch wichtige Akteure parallel mit den FILTHY THIEVING BASTARDS beschäftigt. Mit „Here, Under Protest“ erscheint im Herbst 2010 nun endlich ein neues Album der Kalifornier, natürlich auf Fat Wreck, und ein paar Konzerte in Europa gibt es auch.

Endlich ein neues SWINGIN‘ UTTERS-Album! Das wurde auch Zeit. Eure Kommentare?

Darius: Es ist unser erstes neues Material in sieben Jahren, weshalb wir alle ziemlich aufgeregt sind. Ich wollte seit Jahren wieder etwas aufnehmen und eigentlich eine Tour in den Staaten und in Europa machen, aber irgendwie ist da bis jetzt nicht passiert ...

Johnny: Es ist unser erstes Album mit Jack Dalrymple. Darius schrieb die meisten Songs, aber ich war auch bei einigen beteiligt. Es klingt wie ein SWINGIN’ UTTERS-Album, hauptsächlich mit Punk-Einflüssen.

Was hat euch die letzten Jahre beschäftigt, abgesehen von den FILTHY THIEVING BASTARDS?

Johnny: Die Familie und die Arbeit, aber ich habe noch eine andere Band, die DRUGLORDS OF THE AVENUES. Wir haben eine Platte auf Red Scare veröffentlicht und sind momentan dabei, eine weitere aufzunehmen.

Darius: Ich, Johnny und Jack haben alle Kinder. Jack wird gerade zum ersten Mal Vater, und vier von uns sind verheiratet. Wir arbeiten alle, ziehen Kinder groß ... Und ein paar von uns wollten einfach nicht mehr touren, aber glücklicherweise hat sich das geändert.

Musstet ihr die Band für das neue Album erst wieder reaktivieren?

Darius: Wir haben nie aufgehört zu spielen, wir haben es nur beschränkt auf lange Wochenenden, meistens in Kalifornien.

Johnny: Weniger reaktivieren, es ging darum, wieder in Tourform zu kommen, geistig wie auch körperlich. Aber wir sind alle alt genug, um zu wissen, was getan werden muss.

Ihr wart früher oft in Europa, besonders auch in Deutschland. Was mögt ihr am Touren hier und was nicht?

Darius: Ich komme immer extrem gerne nach Europa. Ich habe mich immer sehr wohl in Europa gefühlt. Ich habe es im Blut, schätze ich, denn mein Vater wurde in Finnland geboren. Ich mag alles, was mit Touren und Europa zu tun hat und bin regelrecht reisesüchtig.

Johnny: Ich mag einfach die Tatsache, dass die Reaktionen auf unsere Songs komplett anders sind als in den Staaten. Es fühlt sich ein bisschen gefährlicher an in einem anderem Land. Was ich nicht mag, ist so weit von meiner Frau und meinen Kindern weg zu sein, und ich neige dazu, mir lauter furchtbare Dinge auszumalen.

Was können wir von eurer Tour erwarten?

Darius: Du kannst das erwarten, was du in der Vergangenheit wahrscheinlich schon mal gesehen hast, nämlich eine SWINGIN’ UTTERS-Show. Keinen Bullshit und nichts wirklich Bahnbrechendes, einfach eine SWINGIN’ UTTERS-Show mit vielen neuen Songs.

Johnny: Macht euch gefasst auf viele alte Songs, ein paar neue und sehr viel Schweiß. Vielleicht schwitze ich auch Blut und Wasser, es ist immer sehr aufregend für mich, unsere Songs zu spielen

Was geht aktuell bei den FILTHY THIEVING BASTARDS?

Darius: Im Moment passiert nicht viel bei den FILTHY THIEVING BASTARDS. Wir spielen hier und da ein paar Konzerte, aber wir konzentrieren uns gerade auf die SWINGIN’ UTTERS. Wahrscheinlich werden wir für eine Weile nicht aufnehmen und touren können.

Mit den FILTHY THIEVING BASTARDS habt ihr einen Mix aus irischem Folk und Punk gespielt, bevor dieser Stil mit FLOGGING MOLLY groß rauskam. Wie seht ihr die Entwicklung von dem Stil und dieser Szene?

Darius: Ich betrachte uns insgesamt nicht wirklich als Teil dieser Szene. Ich habe mit den FILTHY THIEVING BASTARDS nie beabsichtigt, eine „irische“ Band zu sein. Ich denke, wir sind auch vielfältiger. Wir sind aber definitiv stark von den POGUES beeinflusst, wobei die Leute dann bloß das hören und urplötzlich sind wir noch so eine irische Band. Nicht, dass da irgendetwas falsch dran wäre, aber das ist nicht meine Szene.

Johnny: Um dir die Wahrheit zu sagen: Ich beobachte diese Szene nicht sonderlich. Ich würde lieber als Vorband für die SHINS, die PIXIES oder aber auch WILCO spielen. Ich weiß, es gibt zwar nicht den Funken einer Chance, dass es dazu kommt, aber ich bin neugierig, wie die Fans dieser großartigen Bands auf FILTHY THIEVING BASTARDS reagieren würden. Abgesehen davon: Dieser irische Folkpunk-Kram übertreibt es schon irgendwie. Stolz auf seine Herkunft zu sein, schön und gut, aber letztlich sind wir hier in Amerika doch alle nur Promadenmischungen verschiedenster Herkunft.

Joachim Hiller

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #92 (Oktober/November 2010)

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