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Interviews & Artikel

SONDASCHULE

Raus aus der Szene, rein in den Mainstream?

Die einen lieben sie, die anderen hassen sie – und auch ihr neues Album „Lass es uns tun“ dürfte die Hörerschaft aus der Punkrock-Szene wieder spalten: SONDASCHULE kämpfen auch im 14. Jahr ihres Bestehens um Anerkennung. Zwar sind die Ska-Punks aus dem Ruhrpott seit geraumer Zeit Stammgast auf einschlägigen Festivalbühnen wie Punk im Pott oder Ruhrpott Rodeo, aber ihr Hang zu Blödeltexten im Stile der heutzutage bestenfalls belächelten Fun-Punk-Bands aus den Achtziger Jahren sowie die auffällige Tendenz, immer mehr Pop-Elemente in ihre Songs einzubauen, macht das Streben nach der gerne beschworenen „Credibility“ für SONDASCHULE schwer. Trotzdem enterte die neue Platte, als erster Tonträger der Band überhaupt, die Charts: Platz 81 der Media-Control-Charts, Platz 19 der Alternative-Charts „DAT 20“. Heißt es für SONDASCHULE also raus aus der Szene, rein in den Mainstream? Frontmann Costa Cannabis stand uns kurz vor seiner Abreise in den Winterurlaub Rede und Antwort zur aktuellen Lage.

Costa, euer neues Album „Lass es uns tun“ ist raus – und landet prompt in den Charts. Was sagt man dazu?


Unglaublich! Das zeigt, dass CD-Käufe dann doch auch von Leuten getätigt werden, die in unserem Genre unterwegs sind. Dass so was möglich ist, damit hätten wir damals, als wir uns gegründet haben, niemals gerechnet. Allein bei unserem Namen ...

Na ja, der Name muss ja nicht immer ein Ausschlusskriterium sein – siehe die BROILERS.

Bei denen ist es das gleiche Phänomen, richtig. Da hieß es ja vor vier, fünf Jahren noch: „BROILERS? Bäh! Was ist das denn? Hau ab damit!“ Aber sobald du gut bist, ist der Name eben auch egal. DIE TOTEN HOSEN sind ja ein weiteres Beispiel dafür.

Hofft ihr, mit dem Chart-Erfolg im Rücken zukünftig auch die breite Masse der Musikhörer zu erreichen?

Na ja, so mainstreamig ist das Album nun auch nicht. Außerdem: Was ist schon die Masse? Selbst Bands wie DANKO JONES, die ja durchaus auch mal als Headliner bei Festivals auftreten, sind zwar groß, aber sie werden nicht von allen gehört und laufen nicht im Radio. Schauen wir einfach mal, was am Ende dabei rauskommt.

Was einen auf eurem neuen Album direkt anspringt, das sind diese zwei Fragen im Song „Deine Ängste“: „Was ist Punk? Was darf ich machen?“ Das ist nicht etwa ein Seitenhieb auf all die Leute, die euch zuletzt auch durchaus bösartig vorwarfen, dass ihr mit den Jahren immer seichter und poppiger geworden seid?

Doch, absolut! Das war einer der ersten Songs, den ich für die neue Platte geschrieben habe. Und der bezieht sich auf genau diese Diskussion. Beim Album „Von A bis B“, als wir „Tanz!“ als erste Single auskoppelten, hat die Szene-Polizei ja laut aufgeschrien: Das dürft ihr nicht bringen! Das ist doch kein Punk! Aber wir haben eben immer das gebracht, was man eigentlich nicht darf. Denn genau das ist für mich Punk: Das zu tun, was ich will. Auch wenn es den anderen nicht gefällt. Schließlich gibt es ja kein Buch „Die goldenen Regeln des Punk“. Punk ist ganz einfach das, was du draus machst. Und mit „Deine Ängste“ will ich den Kritikern einen Denkanstoß in genau diese Richtung geben und ihnen ein bisschen vor den Kopf stoßen.

Ganz ehrlich: Auch ich habe nach dem ersten Hören von „Lass es uns tun“ gedacht: Wo ist jetzt der Punk? Damit kann ich ja gar nichts anfangen! Denn die Platte ist meiner Meinung nach wirklich extrem poppig geraten.

Da gebe ich dir vollkommen recht. Gerade solche Elektro-Anklänge in einem Song wie „Wenn sie tanzt“ findest du nicht in reiner Punk-Musik.

Aber wer hat diesen Sound in die Band gebracht?

Da hat unser Gitarrist Chemokeule seinen Anteil dran. Er hört privat neben extremem Hardcore auch Elektromucke und spielt häufig mit Elektrosounds auf Synthesizern rum. Daher kommt das. Ja, das ist absolut Pop. Aber das ist ja auch nichts Schlimmes.

Das sicher nicht. Hinzu kommen dann allerdings noch Texte wie in „Sieh mich nicht so an“. Die könnte man sich, mit Verlaub, auch mit ganz anderer Musik unterlegt

Denkst du an „Mambo no. 5“?

Zum Beispiel. Und an Schlager.

Ja, das würde tatsächlich gehen. Ich habe auch im Nachhinein – als das Label sagte: Das wird die erste Single – gedacht: Oh, das könnte auch im Bierzelt laufen. Da haben wir aber beim Schreiben gar nicht drüber nachgedacht. Ich meine: Das ist einfach ein Zwei-Akkorde-Ska-Stück, über das ich etwas rappe und dessen Refrain dann immer schneller wird. Das kannst du vergleichen mit „Eisgekühlter Bommerlunder“ von den TOTEN HOSEN. Das war deren erster großer Hit – gerade weil es so ein komischer Schlagerpop-Song übers Saufen war. Da werden die auch nicht groß drüber nachgedacht haben.

Interessant habe ich eure Platte jedenfalls erst gefunden, nachdem ich sie mehrfach gehört hatte. Sie wurde sozusagen mit jedem Hördurchgang ein bisschen besser.

Ja. Und endlich ist das mal so! Das hat übrigens auch Frank Herbst von Crazy United-Webzine gesagt, der ja tief in der Ruhrpott-Punkszene verwurzelt ist und unseren Werdegang über all die Jahre begleitet hat. Er ist nun wirklich absolut glaubwürdig und hat die entsprechende Credibility. Aber bei den letzten Platten hat er immer so nett geschwiegen, was bedeutet: er fand sie nicht mehr so gut. Jetzt habe ich allerdings aus seinem Munde genau das gehört, was du gerade gesagt hast. Und wenn einer wie er sagt, dass ihm das Album gefällt, dann wird es auch vielen anderen aus der Szene gefallen. Daran merke ich, dass unsere Musik immer noch „real“ ist.

Ist es dir so wichtig, bei den Leuten in der Szene anerkannt zu werden – gerade nachdem du eben sagtest, dass Punk für dich heißt, nur das zu tun, was dir selber gefällt?

Nein. Aber es freut mich eben, dass einer aus der Szene wie er so etwas sagt. Mich hat es noch nie gestört, wenn irgendwer etwas Negatives zu einem Album gesagt hat. Wichtig ist, dass wir als Band dahinterstehen. Und das tun wir bei „Lass es uns tun“ – zu 100%.

Also war das bei den vergangenen Alben nicht der Fall?

Nein. Da war manchmal nur die Hälfte oder ein Dreiviertel von uns zufrieden und wir haben das Album trotzdem veröffentlicht.

In „Deine Ängste“ singst du über die Ängste anderer. Vor was hast du selber Angst?

Ich habe auf jeden Fall davor Angst, dass meine Worte, meine Texte zu ernst genommen werden.

Aber ernst genommen werden will doch jeder Künstler.

Ja. Und man kann mir das, was ich sage, auch schon glauben. Aber bei manchen Aussagen oder Texten zur neuen Platte wurden mir ja schon wieder absurde Sachen vorgeworfen. Zum Beispiel im Song „Sieh mich nicht so an“.

Das ist der, über den wir eben schon sprachen. Der, in dem du zig Namen von Frauen aufzählst, mit denen du schon was gehabt haben willst, aber nur für eine Nacht.

Genau. Da wurde mir Sexismus vorgeworfen. Und das ist Quatsch! Da sollte man meine Worte einfach nicht so auf die Goldwaage legen – das meine ich mit „zu ernst nehmen“.

Gut. Und vor was hast du noch Angst?

Zum Beispiel, dass diese ganze Nazi-Scheiße, die in Deutschland derzeit aufblüht, wieder Fuß fasst. Da wird zu salopp mit umgegangen. Das bewegt sich mittlerweile in Kreisen, in die es nicht reingehört und wo es gefährlich werden kann. Und damit meine ich nicht einmal die Politik. Damit meine ich das allgemeine Leben, die Gesellschaft. Da könnte es sich immer weiter verbreiten.

Etwa mit Leuten, die gedankenlos in „FREI.WILD“-Shirts rumrennen?

Na ja, ich will jetzt nichts gegen diese oder andere Bands sagen. Die höre ich mir nicht an. Die interessieren mich nicht. Außerdem ist für die doch jede Erwähnung nur noch mehr Werbung. Aber diese Bands sind nicht das primäre Problem. Das Problem sind vielmehr die Leute da draußen, die Leute, die zu den Konzerten gehen. Selbst bei den TOTEN HOSEN habe ich schon so welche rumlaufen sehen – und mehr links als die Hosen geht es ja schon kaum mehr. Es sei denn, man heißt SLIME. Mir wurde sogar schon berichtet, dass ZK-Songs auf Nazi-Demos liefen – weil die deren Songtexte plötzlich ihrer Meinung entsprechend umgemünzt haben. Das ist doch pervers!

Und der einzig öffentlichkeitswirksame Schutz für eine Band, sich gegen solche Vereinnahmungen zu wehren, scheint ja der klassische Anti-Nazi-Song zu sein. Wird es den bei euch irgendwann einmal geben?

Den gibt es sogar schon. Wir haben ihn eben erst fertig geschrieben und aufgenommen, aber nicht auf die aktuelle Platte gepackt.

Warum nicht?

Weil er erstens nicht gepasst hätte, von der Musik und der Thematik her. Und weil wir uns zweitens bislang noch nie politisch geäußert haben in einem Song. So was kann ja ganz schnell auch zur Fan-Hascherei werden: Schreist du einmal „Nazis raus“, kommen beim nächsten Konzert gleich doppelt so viele Leute. Und das wollen wir nicht. Wir haben lange darüber diskutiert innerhalb der Band. Und wir werden den Song irgendwann sicherlich bringen. Aber wann, das steht noch nicht fest.

Ein anderer Song, „Neue Welt“, setzt sich kritisch mit dem Internet-Wahn rund um Facebook und Co. auseinander. Dabei seid ihr eben dort mit über 11.000 „Gefällt mir“-Klicks selber recht ordentlich unterwegs.

Oh, mit Facebook kenne ich mich gar nicht aus. Die Seite macht ein anderer für uns: Chris, unser Posaunist. Und ich habe keine Ahnung, was er da macht.

Trotzdem: Ihr nutzt die Vorteile dieses sozialen Netzwerkes.

Ja. Denn das ist ja für eine Band ein geiles Medium, um mit Fans zu kommunizieren und die Fans auf dem aktuellen Stand der Dinge zu halten. In dem Song geht es ja auch um etwas anderes. Was mir nämlich suspekt ist, das ist dieses „Freundschafts“-Gebaren. Weißt du, ich war kürzlich auf einer Party und kam mir total allein vor, weil sich alle anderen untereinander schon kannten – von Facebook! Da waren Leute, die sich noch nie zuvor gesehen hatten, aber alles übereinander wussten. Leute, die du normalerweise kaum vor die Türe kriegst – und die trotzdem die ganze Welt kennen. Oder meinen zu kennen. Das ist doch verrückt!

Laut Platten-Waschzettel habt ihr vierzig Songs für das neue Album geschrieben. Da müssten ja – den Anti-Nazi-Song und die zwölf aktuellen Stücke von „Lass es uns tun“ abgezogen – noch 27 Lieder irgendwo rumliegen, oder?

Ja. Hinzu kommen noch die von vorigen Plattenaufnahmen. Das sind insgesamt so um die sechzig, siebzig Songs, die auf Halde liegen. Und diesen Rest werden wir irgendwann einmal auch rausbringen – vielleicht auf einer Special-Platte. Die werden ja nicht schlecht.

Frank Weiffen

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #106 (Februar/März 2013)

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