ASTA KASK

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Platte für Platte

ASTA KASK sind für viele DIE schwedische Punkband schlechthin. 1978 in Töreboda gegründet, nahmen sie 1981 ihre erste Platte auf – und lösten sich auf. 1982 ging es weiter, mit „Med Is I Magen“ und „Aldrig En LP“ nahmen sie zwei absolute Klassiker des Schwedenpunks auf – und lösten sich 1986 erneut auf. 1989: Reunion, 1993: Auflösung. 2003: Reunion – und seitdem läuft es wieder. Mit „Handen På Hjärtat“ hat die Band unter Mithilfe von Ex-Burning Heart-Labelboss Peter Ahlqvist gerade eine neues Album aufgenommen und für uns versucht, sich an all ihre Platten und ihre Entstehung zu erinnern.

„För Kung Och Fosterland“ (EP, 1981)
Micke: Diese Platte wurde unter Alkoholeinfluss und im Streit mit der ersten Besetzung von ASTA KASK in Stockholm innerhalb von drei Stunden aufgenommen. Wir haben das Studio wutentbrannt verlassen und ließen dem Tontechniker freie Hand.
Bonni : Danach haben wir uns aufgelöst.

„En Tyst Minut ...“ (EP, 1983)
Micke: „En Tyst Minut ...“ ist etwas Besonderes, sie wurde in neuer Besetzung in unserem Proberaum aufgenommen – und wir dachten, dass Punk eben Punk ist. Auch wenn es schlecht klingt, es ist immer noch Punk. Interessant ist, dass nur ein Song einen Refrain hat, und der war ein Cover von Bonnis alter Band PRODUCT ASSAR.
Bonni: Genau, das war die allererste Scheibe, die ich je veröffentlicht habe. Wir hörten sie zum ersten Mal in einer regionalen Radiosendung, die Platte war frisch gepresst. Wir saßen da und beantworteten einige Fragen, und als man uns endlich ein Lied vorgespielt hatte, sahen wir uns gegenseitig an und waren ehrlich gesagt vom Sound sehr enttäuscht. Heute finde ich, dass es ziemlich punkig und cool klingt, absolut D.I.Y.

„Plikten Framför Allt“ (EP, 1984)
Micke: Aufgenommen wurde im Tonstudio einer Kaserne. Wir haben quasi antimilitärische Lieder bei unseren Feinden aufgenommen.
Bonni: An eine Situation erinnere ich mich noch genau: Während der Gesangsaufnahmen wollte ich, dass der Tontechniker meine Kopfhörer lauter stellt, was er auch getan hat. Plötzlich haben meine Ohren begonnen, höllisch weh zu tun. Für die anderen war’s ein echter Lacher!

„Med Is I Magen“ (Mini-LP, 1985)
Micke: Die 12“ wurde im selben Studio wie „Plikten Framför Allt“ aufgenommen. Die Tontechniker hatten absolut keine Ahnung, wie sich Punk anhören soll, deshalb klang es eher nach schneller Popmusik. Einige der Songs wurden zu Klassikern, frag mich nicht warum.
Bonni: Ich bin nie über diesen Sound weggekommen. Ich weiß, dass er vielen gefällt, aber ich weiß nicht ...

„Än Finns Det Hopp“ (EP, 1986)
Micke: Die wohl schnellste Platte von uns. Der Tontechniker war ein fast blinder Heavy-Metal-Produzent. Die Aufnahmen machten riesigen Spaß!
Bonni: Ich mag den Sound gern, er ist sehr hart und aggressiv!

„Aldrig En LP“ (LP, 1986)
Micke: Wir hatten uns dazu entschlossen, die Band aufzulösen. In den Achtzigern hatten wir uns immer geweigert, ein komplettes Album aufzunehmen. Diesmal hatten wir uns aber dazu entschlossen, die „Niemals eine LP“ zu machen. Wir wollten eine Platte haben, für die uns alle Punks hassen würden. Außerdem wollten wir niemals ein Comeback starten. Aber das ging nach hinten los ... Viele der Lieder wurden zu Klassikern, aber wir haben sie nie live gespielt – außer auf unserer „Farewell“-Tour 1986.
Bonni: Ja, unser Ziel war, es mit vielen seltsamen Instrumenten, Chören und solchen Dingen zu übertreiben. Aber wir hatten dazu weder die Zeit noch die Fähigkeiten ... wir waren eine Punkband!

„Till Sista Droppen“ (EP, 2000)
Micke: Absolut keine Ahnung ... Unser altes Label Rosa Honung machte einen Deal mit einem deutschen Label und veröffentlichte alte Demos von Songs, die wir schon Jahre vorher begraben hatten. Ich habe die Scheibe erst Jahre später in Deutschland in die Finger bekommen ... schrecklich. Hier fängt es an, schlecht zu werden.
Bonni: Ich war damals an der Veröffentlichung beteiligt und ich glaube, der Titel „Till Sista Droppen“ stammte sogar von mir. Aber wie Micke schon gesagt hat: Der Vertrag wurde mit Rosa Honung abgeschlossen. Hätte ich damals gewusst, was ich heute weiß, hätte es die niemals gegeben.

„Precis Som Far/Lilla Frida“ (EP, 2006)
Micke: Ich mag diese Single. Dadde hatte nachts im Studio den brillanten Songtext zu „Lilla Frida“ geschrieben. Es ist wirklich schade, dass es nicht auf dem Album veröffentlicht wurde.
Bonni: Ich mag das wirklich sehr, mehr gibt es da nicht zu sagen.
Dadde: Das war meine erste Veröffentlichung als Schlagzeuger von ASTA KASK. Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich mich sehr dafür engagiert habe, dass „Precis som far“ der erste neue Song war, der veröffentlicht wurde. Es war ein klassischer ASTA KASK-Song, aber trotzdem zeitgemäß. Bei der B-Seite „Lilla Frida“ hatten wir sehr mit dem Text zu kämpfen, bis ich sagte, ich hätte ein paar Zeilen dazu geschrieben ... Und dann haben wir gemeinsam alles zusammengesetzt. Ich mag den Song.

„En För Alla Ingen För Nån“ (LP, 2007)
Micke: Was zur Hölle, ein neues Album von ASTA KASK? Wir haben es im Studio mit Mattias Färm als Produzent aufgenommen. Wir bekamen tolles Feedback von den Musikmagazinen und selbst überregionale schwedische Zeitungen mochten es. Es waren die neuen ASTA KASK, die jedem sagten, er könne sich verpissen. Die Zeitungen meinten, man könnte hören, dass wir zwanzig Jahre daran gearbeitet haben. Nein, eigentlich hatten wir nur ein paar Bier getrunken und nahmen dabei ein Album auf, wie immer.
Bonni: Haha, ja. Wir haben viel darüber diskutiert, wie wir an die Sache herangehen. Einerseits gab es die fanatischen Hüter der ASTA KASK-Hinterlassenschaft, die es hassen würden, wenn wir ein neues Album machen würden. Andererseits wollten wir unbedingt wieder zusammen Musik machen. Also haben wir uns dazu entschlossen, es so zu machen wie immer. Wir taten es einfach und kümmerten uns nicht um die Meinung der anderen. Unser Produzent meinte, wir sollten mindestens 13 Lieder fertig haben, bevor wir ins Studio gehen. Als wir ankamen, hatten wir gerade mal fünf oder sechs Songs am Start. Dann kauften wir Bier und schrieben in der ersten Nacht die restlichen Lieder und in der folgenden Nacht die Texte dazu, haha. Okay, vielleicht habe ich etwas übertrieben, aber so ungefähr war es schon.
Dadde: Als man mich fragte, ob ich bei ASTA KASK Schlagzeug spielen wollen, war ich hin- und hergerissen. Zum einen dachte ich an die ursprüngliche Besetzung, die alten Lieder und wie verdammt schwierig es werden würde, den Stil des alten Drummers hinzubekommen. Andererseits fühlte ich mich wie ein aufgeregter 14-jähriger Fan, der die Chance bekommt, mit seiner alten Lieblingsband zu spielen. Nach einigen Konzerten kam die Idee auf, ein neues Album aufzunehmen und somit ich wurde noch unsicherer. Ich hatte richtig Angst, der Schlagzeuger zu sein, der in den Augen bestimmter Leute das ASTA KASK-Erbe zerstört. Vielleicht wäre ich dann mitschuldig an einem schlechten und erbärmlichen Comeback-Album. Aber ich war auch total begeistert und dachte: „Ja verdammt, lass uns das machen! Das ist der einzige Weg, wie wir eine echte und aktive Band sein können und nicht nur bloße Nostalgie.“ Ich war derjenige, der im Proberaum Sachen sagte wie: „Nein! Es muss mehr nach ASTA KASK klingen!“ Die anderen waren davon ab und zu genervt, aber ich denke, heute sind sie mir dankbar. Letztendlich gingen wir keine Kompromisse ein, wir machten die Platte so, wie wir es wollten und wie wir es konnten – sehr spontan und lustig. Soundlab ist ein tolles Studio und Matte Färm ist ein wirklich guter Produzent, auch wenn wir ihm nicht viel Einfluss erlaubten. Wenn er eine andere Meinung bei einem Demo oder einem Lied hatte, spielten wir es bei einer Probe anders und beim nächsten Mal dann wieder so, wie wir es eigentlich wollten, haha. Im Allgemeinen mochten die Leute das Album, sowohl die alten Fans als auch neue, die ASTA KASK gerade erst für sich entdeckten. Die bevorzugen vielleicht sogar eher die neue Platte, weil da der Sound besser ist. Wenn wir heute Konzerte spielen, wollen die Leute diese Lieder hören. Das bedeutet uns viel. Im Jahr der Veröffentlichung bekam „En För Alla Ingen För Nån“ den Preis für das beste Punk/Metal-Album bei den Manifest Awards in Schweden, eine Art schwedische Indie-Version der Grammys.

„Handen På Hjärtat“ (LP, 2013)
Micke: Mein Lieblingsalbum!
Bonni: Daran erinnere ich mich nicht mehr so gut. Wir nahmen es innerhalb von zwei Wochen auf. In der ersten Woche hatte ich Fieber und das in Kombination mit viel Bier hat mich sozusagen in eine andere Dimension befördert. Es war sogar etwas überraschend für mich, das Endergebnis zu hören. „Was zur Hölle? Das wurde daraus? Cool, gefällt mir echt gut!“ Dieses Mal nahmen wir überhaupt keine Rücksicht auf irgendeine Tradition. Meiner Meinung nach ist ASTA KASK damit im 21. Jahrhundert angekommen. Vielleicht haben wir dadurch, was ich nicht hoffe, einige Fans verloren, aber letztendlich sind wir immer noch ASTA KASK.
Dadde: Sieben lange Jahre nach „En För Alla“ und Tourneen quer durch Schweden, Europa, Amerika, Japan und Kolumbien haben wir uns dazu entschlossen, wieder etwas aufzunehmen. Der Unterschied war diesmal allerdings, dass es schwieriger war, denn die Lieder und Ideen kamen nicht wie letztes Mal einfach von selbst. Da wurden wir schon etwas panisch. Als wir mit der Arbeit an dem Album anfingen, hatten wir vor, im November 2012 fertig zu sein, und als wir im Februar 2013 dann endlich ins Fredman Studio gingen, hatten wir gerade mal an vier oder fünf Wochenenden geprobt und unsere Songs waren noch nicht fertig. Also taten wir das, was wir immer machten. Wir kauften Bier und probten zwei Nächte durch. Dann hatten wir endlich 13 Lieder zusammen und konnten mit den Aufnahmen loslegen. Diesmal waren wir eine eingespielte Truppe, uns gibt es jetzt seit neun Jahren in dieser Konstellation – bei dem vorigen Album gerade mal drei. Wir kannten uns auch aus musikalischer Sicht ziemlich gut. Und obwohl es wohl das improvisierteste Album ist, das wir je gemacht haben, ist es auch das am besten ausgearbeitete. Das hat jeder Takt seine Berechtigung. Und weil wir es, abgesehen vom Gesang und Overdubs, live eingespielt haben, besitzt es auch eine Menge Energie. Dieses ASTA KASK-Album unterscheidet sich von früheren, aber dieses Mal schlummerten nicht zwei Seelen in meiner Brust. Ich wollte einfach Spaß haben und neue Musik mit meinen besten Freunden machen. Dieses Album ist anders, wütend, politisch und 100% ASTA KASK, so wie wir heute sind.