GEDRÄNGEL

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In diesem Sinne – Punk!

„Hallo und Bud Spencer“ ist die deutsche Nummer, die mich auf eine Zeitreise durch die Achtziger und Neunziger einlud. Musikalisch hingegen erinnert mich das Trio ansatzweise an einige meiner Lieblingsbands wie SURF NAZIS MUST DIE oder AFFENMESSERKAMPF. Seit 2012 sind die Herren aktiv und gerade basteln sie an ihrem ersten selbstproduzierten Vinyl mit dem einfallsreichen Titel „Dookie“. Also habe ich das GEDRÄNGEL vor ihrem Auftritt Ende Oktober in Köln etwas analysiert und in Einzelbestandteile zerlegt.

Simee (Gitarre/Gesang) und Konsti (Bass/Gesang) kennen sich schon vom Schulhof, Martin (Schlagzeug/Gesang) hat Konsti über die Arbeit kennen gelernt. „Der Kontakt wurde dann aber sehr schnell unprofessionell. Im Großen und Ganzen teilen wir die üblichen linken Szene-Ansichten. Außerdem tun wir alle so, als ob wir Skateboard fahren könnten“, so die Band über ihre kurze Gründungsgeschichte. „Es führt wohl kein Weg daran vorbei festzuhalten, dass GEDRÄNGEL eine Kölner Band sind, obwohl wir bei unserem ersten Konzert in Berlin zusammengezuckt sind, als man uns so ankündigte. Denn Martin ist in Bochum verwurzelt, während Simee und Konsti aus Bielefeld kommen.“ Sympathisch auch, dass sie sich selbst nicht allzu ernst nehmen. „Musikalisch pflegen wir einen offenen Umgang mit unserem Dilettantismus im Bereich Skatepunk/Hardcore. Eine wichtige Rolle spielt für uns außerdem Dexter Holland, Sänger von THE OFFSPRING. Wir sind ansonsten drei Amateure mit unterschiedlichsten Ansichten, Meinungen und Frisuren. Eigentlich ist es sowieso ein Wunder, dass wir überhaupt zusammen Musik machen können. Aber wir versuchen, uns zusammenzureißen und nicht alles in Grund und Boden zu diskutieren. Auf diese Weise konnten wir uns auch darauf einigen: Punk ist scheiße, nur THE OFFSPRING sind cool. Inhaltlich versuchen wir uns in Stream-of-consciousness-Lawinen mit unserer viel zu perfekten Kindheit in den Achtziger Jahren auseinanderzusetzen und darauf hinzuweisen, dass im Leben sowohl viel schiefläuft als auch einiges gut geht.“ Man kann also gespannt sein, wie die elf Songs auf „Dookie“ werden.

GEDRÄNGEL selbst bezeichnen sich übrigens „als uneheliche Adoptivkinder von Ian MacKaye, Dexter Holland und Marcus Wiebusch. Es geht in den Songs unter anderem um Trinkgewohnheiten, Til Schweiger, die Macht von Grayskull, Polizeiarbeit und eine Reise.“ Und da man gerade genug Kohle übrig und der Dreier mal Bock darauf hat, sich selbst auf Platte zu hören, wird „Dookie“ auf Vinyl veröffentlicht. Sollte sich das Teil dann nicht verkaufen, kann man daraus immer noch „so coole Obstschalen“ machen, wenn man sie kurz in den Ofen legt. „Darüber hinaus kann man wohl sagen, dass das Einzige, was in der heutigen Zeit nun wirklich nicht schnelllebig ist, durch die Punk-Szene verkörpert wird. Ob man heute, vor oder in 15 Jahren auf ein Konzert geht: viel ändern tut sich da nicht.“ Außerdem schwören GEDRÄNGEL auf die gute alte Kassette. „Simee und Konsti hören seit Jahren Mixtapes, die sie gemeinsam fürs Badezimmer ihrer Wohngemeinschaft aufgenommen haben. Tapes machen und hören ist nach wie vor die beste und intensivste Art, Musik zu konsumieren. Und die Kassette wird definitiv auch neben ihrer neuen Funktion als grafisches Enhancement von iPhone-Hüllen weiterexistieren.“ In diesem Sinne – Punk!