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Interviews & Artikel

CASUALTIES

Wut, die raus muss

Das Ox ebenso wie THE CASUALTIES gibt es jetzt schon mehr als 25 Jahre. Geradezu absurd, dass bisher nie ein Interview mit den New Yorker Streetpunkern zustande gekommen ist. Dies sei hiermit nachgeholt. Bassist Rick und Gitarrist Jake traf ich im Oktober vergangenen Jahres in Berlin vor ihrem Konzert im SO36 und wir unterhielten uns über Sellout-Vorwürfe, ihr neues Album „Chaos Sound“ – und über Deutschpunk.

Ihr spielt heute nur Songs aus den Neunzigern. Wie kommt’s?

Jake:
Wir haben ja gerade eine neue Platte aufgenommen, „Chaos Sound“, und es hat etwas länger als ursprünglich geplant gedauert, das Album aufzunehmen. Die Tour dazu war allerdings schon gebucht. Deshalb haben wir uns entschieden, noch nicht die neue Platte vorzustellen, sondern ein Neunziger-Set zu spielen. Das haben wir auf unserer letzten US-Tour schon mal gemacht und es hat gut funktioniert. Eine anschließende separate Tour, die dann der Präsentation von „Chaos Sound“ dienen soll, wird es 2016 geben.

Rick: Wir spielen allerdings nicht nur Lieder aus den Neunzigern. Es haben sich auch zwei, drei spätere Songs darunter gemischt. Lieder, die die Leute unbedingt hören wollen. „We are all we have“ zum Beispiel.

Rückblickend fand nach eurem 2001er Album „Die Hards“ eine Zäsur statt, denn ihr habt auf den nachfolgenden Platten mehr und mehr Metal-Elemente in euren Sound einfließen lassen. Können wir so etwas auch auf „Chaos Sound“ erwarten?

Jake: Deine Beobachtung ist ganz richtig. Gerade unser letztes Album „Resistance“ hatte viele Thrash-Metal-Parts. Bei „Chaos Sound“ habe ich aber das Gefühl, dass es wieder etwas „rougher“ ist. Aber das stellt keinen Rückschritt dar, es ist ja nicht so, dass wir als Band aufhören uns zu entwickeln. Wir können nur nicht einfach immer wieder aus denselben drei Akkorden neue Songs bauen.

Rick: „Chaos Sound“ orientiert sich aber schon wieder ein bisschen mehr an den älteren Platten.

Jake: Es klingt mehr nach unserem Album „On The Frontline“ und erinnert weniger an „Resistance“, aber nicht wie unsere frühen Sachen aus der „For The Punx“-Ära.

Rick: Wir gehen auch nicht ins Studio und sagen: Hey, lass uns mal wieder so oder so klingen. Das Ergebnis wäre dann auch sicher schlecht.

Ist es mittlerweile schwieriger für euch, ein ganzes Album zu schreiben?

Jake:
Nein, wir sind immer noch reichlich angepisst. In uns steckt noch jede Menge Wut, die raus muss. Außerdem lassen wir uns Zeit. Schritt für Schritt werden die Riffs entwickelt und im Studio arbeiten wir dann zusammen daran. Diesmal haben wir die Instrumente in L.A. aufgenommen und Jorge den Gesang dann in New York.

Ihr habt in der Vergangenheit im Studio mit Bill Stevenson gearbeitet. Wen hattet ihr diesmal an Bord?

Jake:
Mit Bill haben wir zweimal gearbeitet, das letzte Mal für das Album „We Are All We Have“. „Chaos Sound“ haben wir mit Paul Miner aufgenommen. Er hat vor kurzem auch die neue AGNOSTIC FRONT-Platte betreut.

Lebt noch jemand von euch in NYC? Wenn ich richtig informiert bin, seid ihr alle nach und nach abgewandert.

Jake:
Ich wohne mittlerweile in Jersey City. Quasi über den Fluss rüber. Ich wohne also noch in direkter Nähe zu NYC. Aber ich habe auch nie richtig in New York gelebt. In den Neunzigern habe ich, wenn ich dort war, auf irgendwelchen Sofas geschlafen. Jersey City ist einfach praktischer: Es ist quasi „next door“, aber dafür zahlst du nur halb so viel Miete. Jorge lebt auch in New Jersey.

Rick: Jorge ist quasi ein Pionier, was Jersey City angeht. Er lebt da mittlerweile schon ewig. Meggers, unser Drummer, wohnt zur Zeit in Brooklyn. Und ich ...

Jake: Du hast im Grunde keinen festen Wohnsitz.

Rick: Ich habe meine Plattensammlung und meinen Gitarrenkram in einem Lagerraum und bin ansonsten obdachlos, wenn du so willst. Alles andere lohnt sich für mich persönlich im Moment nicht, weil wir so viel auf Tour sind.

Was ist eigentlich aus deinen Sideprojects geworden, Rick?

Rick:
Ich mache dauernd Musik mit Freunden. Mit THE KICKSTARTS war ich eine Weile unterwegs. Und ich hatte noch eine Band vor THE CASUALTIES, die hieß THE MANIX. Mike Virus hat gerade die MANIX-Platte über sein Label Evacuate Records veröffentlicht. Die Aufnahmen stammen noch aus den Neunzigern, nur ist die Platte damals nie erschienen. Alaine von THE DEVOTCHKAS ist auf dem Album auch vertreten, sie spielte Bass für THE MANIX, während ich damals Gitarre spielte. Unser Sänger Stuart lebt leider nicht mehr. Das war auch ein Grund, warum Mike die Platte machen wollte: Um unserem verstorbenen Freund ein Denkmal zu setzen. Es ist eine coole Sache geworden.

Jake, du bist mittlerweile ins Tattoo-Business eingestiegen. Wie muss man sich das vorstellen?

Jake:
Es ist einer der wenigen Berufe, wo man für eine Weile abhauen kann, um auf Tour zu gehen und kann danach wieder problemlos einsteigen. Aber am Ende hat es doch nicht hingehauen. Ich war einfach zu viel unterwegs. Ich war mit dem Besitzer des Shops befreundet und wir sind es immer noch. Doch durch das berufliche Verhältnis leidet irgendwann auch die Freundschaft. Also zog ich da die Reißleine. Berufliches mit Freundschaftlichem zu vermischen, ist riskant. Ich habe stattdessen all mein Geld genommen und bin nun an einer Bar mit Restaurant in NYC beteiligt als stiller Teilhaber. Hoffentlich wirft das was ab.

Spielt da schon der Gedanke eine Rolle, dass man wohl doch nicht ewig mit einer Rockband unterwegs sein kann, um seine Brötchen zu verdienen?

Rick:
Was, Gedanken an die Zukunft? Nur fürs Protokoll: An die Zukunft zu denken, ist nicht cool, Kids! Wir machen das nicht, hehe!

Jake: Je älter man wird, desto härter wird die ganze Bandsache. Es kann auch passieren, dass man sich trennt, weil die Vorstellungen irgendwann auseinandergehen. Dann ist es besser, man hat noch was in der Hinterhand und ist nicht nur der Typ, der eine Gitarre halten kann.

Rick: Wir sind nicht Bob Dylan, wir sind eine verdammte Hardcore-Punk-Band. Ich weiß nicht, ob wir uns mit sechzig noch auf eine Bühne stellen können, ohne dass das lächerlich aussieht. Es ist gut, wenn man weiß, dass man nicht so reduziert ist und im Fall der Fälle auch noch was anderes machen kann.

Jake: Aber im Moment läuft alles bestens und wir wollen in unserem Line-up am liebsten ewig weitermachen. Wir sind jetzt in der aktuellen Besetzung auch schon sehr lange unterwegs.

Was gerade im Streetpunk selten ist, denn die meisten eurer Genrekollegen aus den Neunziger haben ihre Bands aufgelöst. Aber THE CASUALTIES waren immer am Start.

Jake:
Wir haben nie vor Entscheidungen zurückgeschreckt, mit denen wir uns auch unbeliebt machen könnten. Nur deswegen gibt es die Band immer noch. Wir haben zum Beispiel die Warped Tour mitgenommen und vor Kids gespielt, die wegen BAD RELIGION da waren. Wir haben gesagt: Cool, dann liefern wir die Antwort darauf. Wir können für diese Kids das Tor zu einem heftigeren Sound sein. Parallel dazu haben wir uns ein größeres Label gesucht und mit SideOneDummy auch ein gutes gefunden.

Rick: Das war auch direkt die nächste Sache, wofür uns ans Bein gepisst wurde: Ihr seid eine Punkband, warum seid ihr auf einem großen Label? Blah, blah, blah ... Ihr müsst im Underground bleiben, nur kleine Shows spielen ... Okay, machen wir auch und wir lieben es, aber wir spielen jetzt nicht mehr ausschließlich in Kellern.

Jake: Das haben wir ewig gemacht, aber ich will, dass meine Musik von mehr Menschen gehört wird. Und es gehen nun mal nicht alle Leute zu Konzerten in besetzten Häusern, manche sind dafür auch schlicht zu jung und haben noch keinen Plan, wo sie gute Live-Shows finden können.

Mittlerweile seid ihr bei Season of Mist unter Vertrag, einem reinen Metal-Label aus Frankreich. Seitdem spielt ihr auch viel auf Metal-Festivals. Wie kommt ihr da so an als Punkband?

Jake:
Die mögen uns. Punkrock hat so viele Subgenres und wir sind nicht gerade eine 77er-Band. Obwohl ich den Sound auch liebe! Ich liebe eigentlich jede Form von Punk! Aber wir haben ja diesen Metal-Einfluss in unserem Sound, mit dem die Metalheads natürlich etwas anfangen können. Deshalb harmoniert das gut.

Rick: Nach so einem Festivalauftritt kommen auch Leute zu mir, die sagen: Ich habe mich nie mit deiner Band oder Punk befasst. Aber ich habe euch gesehen und fand das super. Ich werde mir eure Platte im Laden holen! Das ist so cool. Und dann finden die im Plattenregal neben THE CASUALTIES auch LPs von THE EXPLOITED oder GBH und schon hat sich ein neuer Kosmos für sie eröffnet. Das hilft doch unserer Szene. Trotzdem finden manche das scheiße, obwohl so doch die gute Message von Punk verbreitet wird. Ich kann doch nicht immer vor denselben hundert Leuten spielen. Deshalb sind wir auch mit Bands wie FLOGGING MOLLY getourt. Natürlich ist das nicht unser Style, was die machen, und nicht unbedingt unser Publikum. Aber wenn da in der Menge Leute sind, denen unser Sound gefällt, dann ist das für alle Beteiligten super.

Jake: Ich will auch Kids im Publikum haben. Gestern haben wir in Ostdeutschland gespielt. Da waren sehr viele junge Leute. Das ist großartig! Mir haben dort zwei Mädels erklärt, wie sehr sie THE CAUALTIES lieben. Die waren gerade mal 18 Jahre alt und noch sehr euphorisch.

Ihr seid selbst auch immer Fans geblieben, richtig?

Rick:
Ja, auf jeden Fall. Wenn wir heute mit Bands auftreten, die wir selber in unserer Jugend verehrt haben, die uns freundlich grüßen und als ebenbürtig betrachten, ist das für uns immer noch eine richtig große Sache. Ich bin Fan und auch totaler Nerd, was Punk angeht.

Ausverkaufsvorwürfe musstet ihr euch ja immer gefallen lassen. Ist das immer noch so ein großes Thema? Stichwort: „Cash-ulties“.

Rick:
Ja, so was kommt nach wie vor immer wieder auf. Dabei ist das der totale Witz. Es gibt wirklich Leute, die glauben, wir wären reich. Das ist so was von lächerlich. Wenn wir von der Tour nach Hause kommen, arbeiten wir, weil wir sonst nicht über die Runden kommen. Viele glauben, nur weil wir viele Shirts und einiges an Merchandise haben, machen wir viel Kohle. Wenn die wüssten, wie viele andere Leute daran mitverdienen, würden sie merken, wie falsch ihre Annahme ist.

Jake: Wenn die Leute mehr Platten kaufen würden – was sie mal getan haben –, müssten wir weniger anderes Zeug unter die Leute bringen. Aber die meisten Konzertbesucher kaufen lieber ein T-Shirt als ein Album. Das Wichtigste ist immer noch, eine gute Live-Band zu sein. Wenn du es live nicht bringst, hast du es auch in allen anderen Belangen schwerer.

Was ist aus eurem abgefuckten Tourvan geworden, den man auf einer eurer DVDs bewundern kann?

Rick:
Hahaha! Wir haben mittlerweile einen neuen Van. Aber der sieht schon genauso beschissen aus wie der alte.

Jake: Dabei war er so schön, als wir ihn neu gekauft hatten!

Rick: Die Lady, die ihn uns verkauft hat, war so stolz auf den Wagen und darauf, wie sauber sie ihn bisher gehalten hatte. „Seht mal, wie sauber alles ist,“ meinte sie. „Ich sauge dreimal die Woche Staub im Wagen. Schaut euch den Teppich an, die Kinder dürfen da nicht mit den Schuhen drauf.“ Hahaha! Ich habe es damals nicht übers Herz gebracht, ihr zu sagen, dass die Karre in spätestens einem Jahr ein einziges Dreckloch sein wird.

Jake, du trägst das Logo von NORMAHL auf der Lederjacke. Wie bist du mit deutschem Punk in Berührung gekommen?

Jake: Ich liebe bekanntermaßen besonders den UK-82-Sound. Und es gab und gibt in Deutschland jede Menge Bands, die diesen Stil spielen. Ein Freund von mir hatte damals Platten von SLIME und anderen deutschen Punks, die du in den USA nicht so leicht finden konntest. Darüber bin ich auf den ganzen Rock-o-Rama-Kram aufmerksam geworden, also die Bands, die auf dem Label waren, bevor es eine Nazi-Firma wurde. Meine absoluten Favoriten sind DAILY TERROR, TOXOPLASMA und OHL. STOSSTRUPP und CANAL TERROR sind auch sehr gut. Deutsch ist eine super Sprache für Punk, weil sie so hart klingt. Der Ostpunk ist auch super, vor allem SCHLEIM-KEIM.

Rick: Und ich stehe total auf die SHOCKS aus Berlin.

Ein Abschlusswort?

Rick:
Kauft das neue Album „Chaos Sound“.

Jake: Ich geh jetzt Platten shoppen!

Henning v. Bassi

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #124 (Februar/März 2016)

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