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Interviews & Artikel

OFFENDERS

Eine gemeinsame Sprache

„Hooligan Reggae“ heißt die ewige Schublade für THE OFFENDERS, seitdem der gleichnamige Titelsong ihres Debütalbums von 2007 unzählige Dr. Martens-Sohlen zum Qualmen gebracht hat. Auf dem Ende 2015 erschienenen sechsten Studioalbum „X“ hat die Band um den kreativen Kopf, Sänger und Gitarrist Valerio ihren ureigenen Soundmix selbstbewusst präzisiert und verfeinert: 70s-Punk meets 2Tone-Ska meets Mod-Revival. Locker-flockig öffnet die vor zehn Jahren in Cosenza, Italien gegründete Band neue Türen, ohne alte zu verschließen. Mit Valerio gab es also einiges zu erörtern.

Ihr habt offenbar gerade einen kreativen Lauf, das letzte Album „Generation Nowhere“ liegt ja gar nicht so weit zurück. Dennoch nehme ich mal schwer an, dass der Nachfolger „X“ sicher euer bisher bestes Album ist. Nicht lügen!


Okay, ich bin ehrlich: Es ist das beste Album! Bisher, denn das beste kommt noch! Ich weiß nicht, warum man zwischen zwei Alben unbedingt eine lange Zeit verstreichen lassen muss. Ich meine, ich schreibe jeden Tag Songs, und glücklicherweise habe ich kein kreatives Loch. Im Gegenteil: Wir haben jeden Tag genügend Drama und Themen zur Inspiration da draußen, es kommt also ganz automatisch eins zum anderen. Gut für uns, haha. Einige unserer Kollegen benötigen Jahre, um eine einzige Single zu veröffentlichen ... die dann übermäßig abgefeiert wird. Spaß beiseite! Ich möchte nur festhalten, dass es auch Bands, die eine höhere Veröffentlichungsfrequenz haben, wert sind, objektiv und fair besprochen zu werden. Es ist ja so, dass jede einzelne Meinung von Kritikern und Journalisten dich gerade in der heutigen Zeit entweder hoch- oder eben runterziehen kann. Und wer viel veröffentlicht, hat mehr Chancen zu gewinnen – oder auch zu verlieren. Aber solange noch genügend Leute zu den Konzerten kommen und Tonträger kaufen und ich Labels finde, die ein Album von uns veröffentlichen, sind wir wohl auf dem richtigen Weg und machen ganz einfach immer weiter.

Was ist dein Lieblingsstück auf „X“, welches insgesamt?

Würdest du in aller Öffentlichkeit sagen, welches deiner Kinder du am liebsten hast? Alle meine Songs sind – in guten wie in schlechten Zeiten – ein Teil von mir, und ganz ehrlich, ich kann dir nicht sagen, welcher davon mein liebster ist. Nicht weil es mir an Selbstvertrauen mangelt, haha, oder ich mich nicht entscheiden kann, eher weil ich viel lieber nach vorn und auf kommende Dinge schaue. Ohne jetzt allzu romantisch zu klingen, aber Musik ist für mich pure Emotion und bis wir alle irgendwann sterben müssen, fühlen und empfinden wir. Mal so und mal so. Und so wird es immer noch den einen Song geben, der besser ist als alle anderen davor. Was jetzt die Hits sind, das empfindet sowieso jeder anders, obwohl wir immer schon einige Stücke explizit als „Single-Hits“ platziert haben und uns gemeinsam mit unserem Produzenten darüber die Köpfe zerbrechen. Bei „X“ haben wir uns für „Alles muss raus“ entschieden. Aber wie gesagt, ob nun Hit oder nicht, das entscheidet jeder für sich. Ich will jedenfalls keinen einzigen meiner Songs missen. Doch natürlich braucht es immer die Nummern, die sich von Anfang an und spontan im Ohr festsetzen, klar.

Mit „Alles muss raus“ und „1000 Mal vergessen“ sind erstmals auch zwei deutschsprachige Songs auf einem Album. Für mich zählen sie zu den Highlights von „X“. Ist das eine Hommage an deine neue Homebase Berlin und die deutschen Fans? Dürfen wir in Zukunft mehr derlei Experimente erwarten? Und wann kommt der erste Song auf Italienisch, deiner Muttersprache?

Hm, ich fühle mich irgendwie als Auswanderer. Auswanderer aus einer zunehmend implodierenden EU. Also eine Union in dem Sinne ist das ja schon lange keine mehr. Wir alle fokussieren uns viel zu sehr auf die Unterschiede, auf die verschiedenen Sprachen, statt auf unsere Gemeinsamkeiten. Eine Gemeinschaft ist es doch nur in finanzieller Hinsicht, also zumindest auf den Euro bezogen. Es wäre schön, wenn wir eine gemeinsame „Muttersprache“ hätten, eine europäische Sprache, so hätten wir in Zukunft vielleicht weniger von diesen sinnlosen Diskussionen, könnten auf „Experimente“ verzichten. Aber gut, das wird nie passieren. Ich für meinen Teil schreibe Songs in jeder Sprache, die ich halbwegs verstehen und sprechen kann. Solange das letztlich einen Sinn ergibt und gut klingt, wieso auch nicht ... Lange vor Gründung der OFFENDERS 2005 schrieb ich Songs auf Italienisch, die wir aber nie aufgenommen haben. Aber man soll ja nie nie sagen.

Hat sich über die letzten zehn Jahre hinweg deine Art Songs zu schreiben verändert?

Wirklich viel hat sich seit meinen ersten Gehversuchen nicht geändert. Immer wenn ich mit 14, 15 Jahren eine coole Melodie im Kopf hatte, rannte ich in mein Zimmer, schnappte mir meine Akustikgitarre und was zum Schreiben. So ähnlich mache ich das heute noch, nur dass ich mittlerweile in einer eigenen Wohnung wohne und die „Nation“ gewechselt habe. Auch die Gitarre ist eine andere. Zum Songschreiben nehme ich meine Gretsch Electromatic, ohne sie allerdings an den Verstärker anzuschließen. Außerdem schreibe ich meistens in der Nacht. Ich liebe die Ruhe. Sorry, Nachbarn! Aufschreiben muss ich mir fast nichts mehr, ich nutze meinen Laptop und versuche alles rasch aufzunehmen, denn gute Ideen kommen meist spontan und sind leider auch ruckzuck wieder weg. Da ich langsam älter werde, haha, machen wir uns seit einiger Zeit grobe Audiospuren von jedem Song, bevor wir ins Studio gehen. Sämtliche Stücke der ersten drei Alben habe ich noch lässig aus dem Gedächtnis heraus gespielt ... Wenn man Technik richtig einsetzt, kann sie echt hilfreich sein.

Lass uns noch mal nach Italien blicken. Wie wird die Band südlich der Alpen wahrgenommen? Hierzulande seid ihr unter dem Subgenre „Hooligan Reggae“ weitläufig etabliert. Bis zur „deutschen“ Band fehlt nicht mehr viel ...

Wir sind Berliner, kein Zweifel! Schau dir die Fakten an. Gerade einmal drei Jahre unserer Bandgeschichte bezieht sich auf Italien, die weit größere Zeitspanne auf Berlin. Klar, Berlin hat mich und meine Art Songs zu schreiben enorm geprägt und inspiriert mich jeden einzelnen Tag aufs Neue. In Italien sind wir nicht wirklich bekannt. Überhaupt sind unser Stil und die zugehörigen Subkulturen dort längst nicht mehr so populär wie zu Zeiten der Bandgründung. Das ist klar daran zu erkennen, dass es immer die gleichen Acts sind, die in den immer gleichen Clubs und auf Festivals spielen, die zudem überwiegend in Norditalien liegen. Aber ich denke, das Blatt wird sich bald wieder wenden. Glaub mir, auch wenn ich jetzt wie ein altkluger Mann klinge, aber es wird garantiert eine neue Generation Kids kommen, die aus dem aktuellen Weltgeschehen ihre Inspiration zieht und die nächste Welle lostritt. Ich sehe das positiv.

Für wie vital hältst du die derzeitige Punk-Ska-Szene? Was ist der beste Ort für „Hooligan Reggae“, mal abgesehen von Berlin?

Deutschland ist immer noch eines der besten Länder in Europa dafür, absolut. Aber es gibt überall coole Städte, wo es mal mehr, mal weniger Zuspruch gibt. In Nordeuropa haben wir leider noch nicht so viel gespielt, aber das wollen wir bald nachholen. Frankreich, Russland, Tschechien, Polen, Österreich, Schweiz ... die Liste ist unendlich lang. In Großbritannien haben wir allerdings bisher noch kein großes Glück. Da haben andere Bands mehr Erfolg oder eben bessere Beziehungen. Wir auch keinen Bock darauf, für „Erfolg“ fremde Hintern zu küssen. Wir nehmen alles, wie es kommt, basta. Wie vital eine Szene ist, hängt immer von den lokalen Machern und Protagonisten ab und den Leuten, die für dich den Rücken krumm machen, also sprichwörtlich „das Feld bestellen“. Hast du Glück, schießt es dich ruckzuck nach oben, hast du Pech, dann siechst du bis zur Bandauflösung dahin. Ganz ehrlich, ich halte „unsere Szene“ für einen undurchdringlichen Dschungel, in dem es immer auch ums Geschäft geht und sich viel zu viele Hunde um einen einzigen Knochen streiten. Ich sage mir immer, lass doch die anderen streiten, wir kochen derweil unser eigenes Süppchen, und holen uns den Knochen dann, wenn die anderen nicht mehr da sind. Man darf das alles nicht zu ernst und egoistisch sehen und muss sich auf die Gemeinschaft besinnen, sonst geht alles irgendwann den Bach herunter. United we stand!

Hast du jemals darüber nachgedacht, eine Bläsersektion ins Live-Set zu integrieren?

Danke der Nachfrage, aber hey: wir sind keine Ska-Band! Okay, wir spielen einige Offbeats und die Marke „Hooligan Reggae“ ist mit uns verbunden, schließlich ist es immer noch unser vielleicht bekanntester Song. Aber ganz ehrlich, seit unserem Debüt hat sich unser Sound gehörig verändert, finde ich zumindest. Wir sind viel mehr von Punk, Mod-Revival oder sogar Powerpop beeinflusst als jede andere aktuelle Band des Genres. Wir haben es ja auch schon mit der Bezeichnung Ska Rockers probiert, aber irgendwie werden wir unser Image nur schwer wieder los. „Hooligan Reggae“ habe ich mit 21 geschrieben. Jetzt bin ich 32, ganze fünf Alben und vier Singles weiter, und Ska beschreibt nur noch in Ansätzen unseren Stil. Übrigens haben wir erst kürzlich unseren Organisten zugunsten eines zweiten Gitarristen ausgetauscht! Es ist unumkehrbar mehr CLASH als SKATALITES. Aber wer weiß ...

Das klingt, als sei eure Soundentwicklung noch lange nicht abgeschlossen und wir müssten schon bald wieder miteinander sprechen, haha.

Wir gehen seit einiger Zeit ganz bewusst in diese Richtung, und wie du vielleicht heraushören kannst, liebe ich den typisch britischen Sound Mitte der Siebziger, Anfang der Achtziger, also alles, was sich eben zwischen Pubrock, Northern Soul, Punk, Mod-Revival und 2Tone so abspielte. Unser Haupteinfluss ist jedenfalls nicht die jamaikanische Musik der Sechziger.

Hast du du noch eine persönliche Message für die LeserInnen, auch bezogen auf die gegenwärtige Weltlage?

In erster Linie mache ich Musik, Punkt! Ich bin kein Messias, der auf alle Probleme die passende Antwort hat. Auch verzichte ich auf sinnfreie Slogans, anders als manche selbsternannten Intellektuellen, die cool und schlau wirken wollen oder müssen. Ohne mich! Was ich mit Sicherheit sagen kann: Barrikaden bauen, Grenzen, Flaggen, Nationen zu glorifizieren und stets die Unterschiede über die Gemeinsamkeiten zu stellen, nur um gewisse politische Denkweisen zu füttern, dabei ständig neue Feindbilder zu produzieren – ob nun Gott, Satan oder wen auch immer – kann nicht ansatzweise zu einer Lösung führen. Ich hoffe wirklich sehr, dass die Menschen letztlich doch clever genug sind, um nicht die Fehler der Geschichte immer wieder aufs Neue zu wiederholen, wo wir doch alle wissen, wie das irgendwann enden wird. Ich glaube daran oder versuche es jedenfalls. Obwohl ... Kann man einer Generation vertrauen, die in endlosen Schlangen auf das neues iPhone wartet, die Justin Bieber hört oder blind den „Wahrheiten“ von AfD, FN, Lega Nord hinterherrennt? Nein! Trotzdem: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Lars Weigelt

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #125 (April/Mai 2016)

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