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Interviews & Artikel

A TRAITOR LIKE JUDAS

Ein Benefiz-Konzert in Kenia

Als die Hardcore Help Foundation anfragt, ob wir nicht Bock hätten, ein Benefiz-Konzert für sie in Kenia zu spielen, sind wir erst mal baff! Da wir erstens gerne reisen und zweitens gerne etwas für diese Hilfsorganisation machen, überlegen wir nicht lange und sagen zu. Es ist schon toll, überhaupt auf einem anderen Kontinent spielen zu dürfen, aber das absolute Highlight ist, dass A TRAITOR LIKE JUDAS nach Angaben der Veranstalter die erste internationale Metal/Hardcore-Band sein würden, die ein Konzert in Kenia spielt. Was für eine Ehre und gleichzeitig was für ein Druck, das nicht zu versemmeln.

Doch bevor wir nach Kenia aufbrechen, haben wir noch unsere neue Split-7“ mit LIGHT YOUR ANCHOR veröffentlicht und eine zehntägige Tour quer durch Deutschland, die Schweiz und Belgien absolviert. Das einzige Problem dabei ist, dass ein paar von uns so schlimm an Grippe erkrankt sind, dass es den Afrika-Trip fast gefährdet hätte. Nach der letzten Show der Tour und einer Nachtfahrt ohne Schlaf setze ich mich mit Fieber in das Flugzeug nach Afrika. Nach zwölf Stunden Flug angekommen, bange ich bei der Einreise ein wenig vor dem riesengroßen Körpertemperatur-Scanner am Visa-Schalter. Wie wir aber im Laufe der Reise feststellen, sind die Menschen vor Ort offenbar trotz Maschinenpistolen an jeder Ecke sehr relaxt, was die Sicherheit oder ordentliche Kontrollen angeht. Nachdem der Behördenkram abgewickelt ist, nehmen uns die Jungs von der kenianischen Band LAST YEAR’S TRAGEDY in Empfang, die zusammen mit der HHF die Show in Nairobi organisiert. Wir waren super aufgeregt– und gefühlt die Jungs noch mehr. Eine so coole und nette Begrüßung hätten wir uns nicht träumen lassen. Wie sich noch herausstellen wird, bekommen wir von David, dem Sänger, das Rundum-Sorglos-Paket. Er kümmert sich so wunderbar um unser Wohlergehen, besorgt uns Medikamente, Essen, Taxis etc.

Nach einem Tag der Erholung geht es direkt mit einem Minivan Richtung Nakuru, wo Rico von der HHF schon auf uns wartet. Die Fahrt an sich ist schon atemberaubend – neben eindrucksvollen Landschaften, Kratern, Bergen sowie Zebras und Antilopen direkt am Straßenrand sind das Aufregendste wohl die Überholmanöver mancher Verkehrsteilnehmer. Nicht umsonst gilt die A 104, die die Städte Nairobi und Nakuru verbindet, als eine der gefährlichsten Straßen der Welt! Nakuru ist dann ein Ort, der wohl wieder mal mein ganzes Denken und meine Einstellung zum Leben und dem Dasein auf dieser Erde beeinflussen, wenn nicht sogar verändern sollte.

Zuerst besuchten wir das aktuelle Projekt der HHF. Es geht um einen Frachtschiff-Container, der letztes Jahr eine Vielzahl an Spenden wie Rollstühle, Gehhilfen und andere medizinische Hilfsmittel nach Kenia brachte. Dieser Container soll mit Hilfe von Spenden der HHF und einer dreiköpfigen deutschen Crew, darunter ein Architekt umgebaut werden. Etwa zwanzig kenianische Helfer unterstützen dieses Projekt. Noch nicht ganz fit, lasse ich mir es dennoch nicht nehmen, die Schubkarre in die Hand zu nehmen und große Steine zu sammeln und zu transportieren, beim Tragen der Balken für das Dach zu helfen oder die Türen zu grundieren und zu streichen. Insgesamt unterstützten wir das Projekt drei Tage lang halbtags. Später soll daraus ein Reha-Zentrum werden für Menschen mit Handicaps oder im Rollstuhl. Es ist ein einmaliges und wirklich sinnvolles Projekt, da Unterstützung von Menschen mit Behinderungen in Kenia nur sehr unzureichend vorhanden ist. Damit das Projekt auch in Zukunft weiterläuft, werden immer Spenden auch in Form von Sachgütern gesucht – entweder bei der HHF direkt oder auf der direkt dazugehörenden Crowdfounding-Seite (siehe Kasten).

An den drei anderen Tagen, als wir nicht mehr bei dem Container mitgeholfen haben, besuchen wir weitere Projekte und Schulen und übergeben ihnen mit der HHF und anderen NGOs Sachspenden in Form von Rollstühlen. Diese Eindrücke sind wirklich so „mind changing“ wie schon lange nichts mehr in meinem Leben. Als Fortbewegungsmittel in Nakuru dient uns übrigens das PikiPiki – eine Art Motorrad-Taxi. Zu zweit plus Fahrer nehmen wir jeweils Platz auf der Maschine, um für weniger als einen Euro und ohne Helm auf den krassen Schotterstraßen durch die Stadt zu brettern. Wir besuchen drei verschiedene Menschen, um ihnen Rollstühle zu übergeben. Es sind der 41 Jahre alte Joseph, der Schuhe auf der Straße repariert, die siebenjährige Malia, die gerade in der Schule ist, und der fünfjährige geistig und körperlich behinderte Dennis, der nur noch seine Urgroßmutter hat, der es Schwierigkeiten bereitet, ihren geliebten Urenkel aus dem Haus an die frische Luft zu befördern. Diese drei Begegnungen sind sowohl unendlich traurig als auch herzzerreißend, da der überbrachte Rollstuhl allen ein völlig anderes Leben bescheren wird. Die Freude und die Hoffnung, die in ihren Augen zu sehen ist, berühren mich so tief und nachhaltig, dass ich diese Momente niemals vergessen werde.

Eine andere Begegnung, die mich sehr berührt, ereignet sich auf der „Dumpside“, der große Müllkippe von Nakuru, auf der viele hundert Menschen leben und arbeiten. Wir besuchten die Dumpside mit Ross von der kenianischen Organisation ActionsNotWords. Was uns dort vor Augen geführt wird, ist unbeschreiblich. Zuerst einmal unbeschreiblich traurig. Menschen, die Hunger leiden und in kleinen Wellblechhütten leben, und Menschen jeden Alters, die auf den rauchenden Müllbergen den Müll nach Rohstoffen, verwertbarer und verrottender Nahrung durchsuchen. Dazwischen die kahlköpfigen riesigen Marabus, welche bis zu 1.40 Meter groß werden und eine Flügelspannweite von drei Metern besitzen können und die ebenfalls den Müll durchsuchen. Ein bizarres und zugleich eindrucksvolles Bild. Wir besuchen eine auf der Müllkippe errichte Schule, in der uns etwa dreißig Schülerinnen und Schüler fröhlich singend und klatschend empfangen. Einige stürzen auf uns zu und hängen sich an unsere Arme und tanzen. Eine große Freude, diese fröhlichen Kinder anzutreffen. Erschreckend ist jedoch, dass wir bis zu drei Kinder an jedem Arm ohne Probleme hochheben können, was an deren sehr geringem Körpergewicht liegt. ActionsNotWords holt diese Kids durch Sponsoring aus diesen Verhältnissen raus – die Kinder bekommen Schulbildung, medizinische Versorgung, Kleidung und Essen. 100% der Gelder geht an die Kids.

Dann besuchen wir zwei Familien auf der Müllkippe. Die eine Großmutter strahlt über das ganze Gesicht und lädt uns in ihre kleine Hütte ein. So eine Gastfreundschaft und so viel Freude habe ich lange nicht mehr gesehen. Wenn Menschen in größter Not herzlich und gastfreundlich gegenüber Fremden sind, dann ist es traurig zu sehen, wie einige Europäer mit anderen Menschen, welche in einer Notsituation sind, umgehen. Der Kontakt mit diesen freundlichen und herzlichen Menschen, von denen wir alle einiges lernen können, in dieser lebensfeindlichen, etwas unwirklichen Szenerie hat mir wieder einmal die Augen geöffnet, mein Weltbild wieder etwas verändert und mich zum weiteren Nachdenken angeregt darüber, wie wir diese Welt für alle gleichermaßen lebenswert machen können.

Zurück in Nairobi bereiten wir uns auf die Benefiz-Show in einer Sportsbar vor. Nach Stunden der Verzögerung und vier Vorbands können wir um ein Uhr nachts endlich die Bühne betreten, der Raum ist brechend voll, mit über 300 zahlenden Gästen plus Bands und Crews, und die Stimmung ist der Wahnsinn. Empfangen werden wir von einer schreienden und jubelnden Crowd. Die Show übertrifft auf jeden Fall alle Erwartungen: super Stimmung, Stagedives, Circle Pits und sogar Singalongs. Wir sind immer noch absolut geflasht von dieser Show, dieser unglaublich coolen Resonanz!

Nach gut drei Stunden Schlaf kriechen wir aus den Betten, um noch etwas Sightseeing in Nairobi zu machen. Am Abend treten wir dann den Rückflug an und sind mit sechs Stunden Verspätung wieder in Deutschland. Diese Reise hat mich so nachhaltig geprägt, dass ich getreu unserm Motte „Change the fucked up world“ weiter kämpfen werde und versuche, etwas zu verändern. Dank an Rico von der Hardcore Help Foundation für diese Möglichkeit, an die Promoter, die Zuschauer und vor allem an die Menschen und NGOs, die vor Ort sind und versuchen das Leben für alle besser zu machen!

Jasper Older, A TRAITOR LIKE JUDAS

 


Spenden

für das Rehabilitation Center Nakuru kann man auf der dazugehörenden Crowdfounding-Seite: betterplace.org/en/projects/41269

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #126 (Juni/Juli 2016)

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