Interviews & Artikel : DROPKICK MURPHYS :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

DROPKICK MURPHYS

Mit dem Dudelsack nach Mexiko

Mitte März 2016 haben die DROPKICK MURPHYS ihr zwanzigjähriges Bandjubiläum gefeiert. Traditionell mit drei Shows an drei Tagen hintereinander im Bostoner House Of Blues, die so schnell ausverkauft waren wie ein 100-Meter-Sprint von Usain Bolt. Im Mai hat die Band dann ihr neuntes Studioalbum aufgenommen. Zum ersten Mal nicht zu Hause in Boston, sondern in El Paso, Texas, nur einen Kirschkernspuck entfernt von der mexikanischen Grenze. „11 Short Stories Of Pain & Glory“ heißt das neue Album und es ist randvoll mit persönlichen Geschichten der einzelnen Bandmitglieder. Sänger Al Barr erklärt im Interview, warum die Band mit den elf neuen Songs ausgetretene Pfade verlassen hat.

Al, bevor wir über euer neues Album reden, müssen wir natürlich erst mal über den neuen Typen im Weißen Haus sprechen. Was sagst du zu Donald Trump?

Ich muss sagen, mein Herz war schon seit längerer Zeit gebrochen. Und zwar seit Bernie Sanders aus dem Rennen war. Für mich ist der Wahlsieg von Donald Trump eine „Shit Show“. Ich machte mir Sorgen um viele Dinge, denn ich bin Vater von drei Kindern. Aber ehrlich gesagt wäre ich auch beunruhigt, wenn Hillary Clinton gewonnen hätte. Für mich war die Entscheidung zwischen Trump und Clinton eine Wahl zwischen Magenkrebs und Hirntumor. Was davon willst du haben? Es ist so enttäuschend, dass die beiden die Kandidaten waren, die rund 350 Millionen Amerikaner ins Rennen geschickt haben. Das ist einfach traurig. Ich hoffe, dass die Dinge besser werden, aber ich denke, das ist ziemlich unrealistisch. Ich würde mir echte Veränderungen wünschen. Aber wenn Obama schon nichts ausrichten konnte, wie soll sich das mit einem Mann ändern, der sein ganzes Leben wahrscheinlich noch nie selbst Gemüse eingekauft hat?

Donald Trump hat eine Menge versprochen vor der Wahl: eine Mauer entlang der Grenze zu Mexiko zu errichten, die gesetzliche Krankenversicherung abzuschaffen, massenhaft illegale Einwanderer auszuweisen. Was davon wird jetzt passieren?

Jedes Jahr nehme ich mir immer eine Menge Dinge vor, aber die wenigsten Vorsätze mache ich wirklich wahr. Ich denke, dieser Mann lebt nicht in der Realität. Wir reden über einen Typen, der ein sehr erfolgreicher Geschäftsmann ist. Aber er hat noch nie zuvor Regierungsverantwortung übernommen. Ich denke, er hat noch gar keinen Plan, was das eigentlich bedeutet. Wahrscheinlich wird er in seinen Plänen ganz schnell von seinen Beratern und der Administration ausgebremst. Alle Ideen, mit denen er eine andere Richtung einschlagen wollte, werden schnell relativiert. Alle vier Jahre setzen wir Amerikaner unsere Hoffnungen in eine neue Person, aber das entspricht einfach nicht der Wirklichkeit. Fährt der scheiß Bus nicht schon längst wieder auf derselben scheiß Straße? Wie können wir ernsthaft erwarten, dass sich irgendwas verändert? Es ist doch völlig egal, wer im Weißen Haus sitzt. Da müsste schon jemand kommen und sagen: Okay, wir verabschieden uns vom Kapitalismus! Wir lösen unsere Auseinandersetzungen nicht mehr mit Kriegen! So eine Person existiert gar nicht. Das wäre die einzigen Entscheidungen, die unsere Gesellschaft und die Marschrichtung der Menschheit verändern würden. Alles, was wir machen, treibt uns als Menschen auseinander. Egal, ob Religion, Politik oder sogar Sport. Alles trennt uns in verschiedene Lager. Vor einiger Zeit habe ich eine Rede über Regierungen gehört. Da wurde die Frage gestellt: Warum sitzen da eigentlich immer Richter und Anwälte? Wo sind eigentlich die Künstler und die Musiker? Wo sind die Lehrer? Wo sind all die anderen Bevölkerungsschichten, die in Regierungen nie vertreten sind? Wir denken immer: Oh, die Dinge werden sich mit diesem neuen Typen verändern. Aber wenn wir wirklich etwas verändern wollen, müssen wir alles niederreißen. So fühle ich einfach. Es wird sich nie etwas ändern, wenn wir nicht etwas völlig Neues ausprobieren.

Viele Künstler wie zum Beispiel Bruce Springsteen haben Hillary Clinton in ihrem Wahlkampf unterstützt ...

An diesem Punkt werde ich immer stinksauer. Nichts gegen Bruce Springsteen, aber all diese millionenschweren Stars, die sich für Hillary Clinton engagiert haben, wie Beyoncé, Jay Z oder Bon Jovi, haben doch keine Ahnung, was der normale Amerikaner von der Straße will oder braucht. Diese Celebrities leben doch genauso wenig in der Realität. Mit diesen Stars den Otto Normalverbraucher zu erreichen, war einfach der falsche Weg. Hillary Clinton wird finanziert von der Wall Street, von all diesen Unternehmen und Ländern, gegen die sie eigentlich kämpfen wollte. Sie sagt, sie setzt sich für Schwule ein, und dann nimmt sie 25 Millionen Dollar aus Saudi-Arabien, wo man vergangenes Jahr hundert Homosexuelle hingerichtet hat, nur weil sie schwul waren. Das ist in meinen Augen sehr heuchlerisch. Du kannst nicht in Amerika behaupten, schwulenfreundlich zu sein, und dann in ein Flugzeug steigen und alle Moralvorstellungen über Bord werfen. Und was mich wirklich verrückt gemacht hat: in Amerika haben viele Schwule Hillary gewählt, sie haben einfach nicht ihre Hausaufgaben gemacht. Ich denke, Hillary ist nicht wirklich pro-gay und anti-racist, wie sie immer behauptet hat. Ich denke, sie ist einfach kein guter Mensch. Auf der anderen Seite gibt es einen Mann wie Bernie Sanders, der immer auf der richtigen Seite stand und keine Chance hatte. Für mich waren die Demokraten genauso gruselig wie die Republikaner bei dieser Wahl. Wir werden jetzt so oder so gefickt. Hillary Clinton wollte einen Krieg mit dem Iran anfangen, das hat sie in einem Interview gesagt. Sie sagte, sie will eine Flugverbotszone über Syrien einrichten, und alle Militärexperten haben gesagt, wenn das durchgesetzt wird, endet das im Dritten Weltkrieg mit Russland. An alle gegenwärtigen und zukünftigen Machthaber da draußen, ich habe eine Botschaft an euch: Ich gebe euch nicht meine Söhne für eure Scheißkriege ums Öl. Meine Kinder bekommt ihr nicht!

Viele Punkbands haben sich gegen Donald Trump stark gemacht. NOFX zum Beispiel verkaufen T-Shirts mit der Aufschrift „Not my President!“. Vor zwölf Jahren wart ihr auch bei der Punkvoter-Kampagne gegen George W. Bush dabei. Denkst du, es ist jetzt Zeit für eine neue Initiative?

Jeder, der die Geschichte der DROPKICK MURPHYS kennt, weiß, dass wir nie zu einem Präsidenten wie Donald Trump stehen würden. Aber gleichzeitig ist es jetzt viel wichtiger, dass die Leute wieder zusammenkommen. Ich sage nicht, dass Trump Antworten auf irgendeine Frage unserer Zeit hat, und das Kabinett, das er um sich schart, ist ziemlich beängstigend. Aber ich denke, es ist jetzt wirklich Zeit, dass wir auf einer menschlichen Ebene zusammenarbeiten müssen. Und dass echter Wandel auf diesem Planeten nur stattfinden kann, wenn wir erkennen, was richtig und was falsch ist. Egal, ob wir Amerikaner, Deutsche, Japaner oder Schweden sind. Wir sind schon mit so viel Bullshit vollgestopft, dass wir das gar nicht mehr erkennen können. Und ich habe das Gefühl, dass wir den richtigen Weg verloren haben. Eine beängstigende Zeit!

Viele Künstler wie Samuel L. Jackson, Cher oder auch Stephen King haben angekündigt, dass sie aus den USA auswandern, wenn Donald Trump Präsident wird. Was hältst du davon?

Das ist absolut lächerlich! Diese Statements haben die Menschen zu einem Zeitpunkt gemacht, als niemand Trumps Kandidatur ernst genommen hat. Samuel L. Jackson ist ein großartiger Schauspieler, aber was soll das? Als Robert De Niro gedroht hat, Donald Trump zu verprügeln, dachte ich: Warte mal eine Sekunde, Mann! Du bist hier nicht im Film „Taxi Driver“! Du bist einfach nur ein Schauspieler! Es wird keinen Stuntman geben, der Donald Trump für dich verprügeln wird. Wenn Schauspieler böse und gemein tun und drohen, ist das ein Witz. Wenn ich Donald Trump wäre, hätte ich viel mehr Angst, wenn mir ein Navy Seal in einem Video drohen würde. Solche Sprüche von Schauspielern regen mich einfach auf. Nicht weil ich Donald Trump gut finde, sondern weil es einfach lächerlich ist. Da geht es nur um die Befriedigung von Egos. Ich zeige es euch allen und verlasse euer Land. Was soll das ausdrücken? So kann man Auseinandersetzungen nicht führen. Das versteht einfach keiner. Das hört sich für mich an wie die Reaktion eines kleinen Kindes. Edward Snowden hat neulich gesagt: Die Leute sollten sich nicht so viele Gedanken über Donald Trump machen, sondern darüber, dass es unter der aktuellen Regierung viel mehr Dronen-Attacken gab als früher. Die Regierung, die unter einem Typen angetreten ist, der versprochen hatte, dass es weniger von all dem geben wird. Es ist sehr naiv zu glauben, dass ein Mensch alles verändern kann.

Themenwechsel. Lass uns über euer neues Album reden. Es heißt „11 Short Stories Of Pain & Glory“. Was sind das für Geschichten, die ihr erzählt?

Mit den DROPKICK MURPHYS singen wir schon immer über die Reise durchs Leben. Und zu dieser Reise gehören eben auch die Schmerzen, genauso wie man auch den Ruhm genießen kann. Es gibt immer beides. Wir erzählen so persönliche Geschichten wie noch nie. Wir sprechen etwa über die Opiat- und Heroin-Krise speziell in Massachusetts und New Hampshire. Das ist total verrückt gerade. Fast täglich verlieren wir in unserer Nachbarschaft hunderte Kids. Dazu gehört das System der Pharmaindustrie, die unsere Kinder mit Medikamenten wie Suboxone abhängig macht, und wenn sie dann keine Rezepte mehr bekommen, gehen sie auf die Straße und holen sich die Drogen, von der denen sie sich eine ähnliche Wirkung versprechen. Dann werden sie entweder erwischt und landen im Knast, weil sie illegale Drogen gekauft haben, oder sie sterben einfach. Das ist so oder so ein Horrorszenario und nur eins der Themen, die wir mit dem neuen Album aufgreifen.

Im Track „Paying my way“ geht es um eine persönliche Erfahrung von dir. Du hast deinen Schwager durch eine Überdosis verloren ...

Wir sind alle tief in unseren Familien verwurzelt. Wir leben alle noch in der Gegend, in der wir aufgewachsen sind. Du gehst immer noch durch die Straßen, die du schon als Kind entlanggegangen bist. Du kennst noch die Bushaltestelle, wo du den Bus verpasst hast, weil du kein Geld mehr hattest. Es geht in dem Song auch darum, nicht zu vergessen, wo du herkommst. Und um alle Dinge, die du durchgemacht hast, die dich zu dem gemacht haben, was du bist. Und diese harten Zeiten lassen dich die besseren Tage viel mehr schätzen.

Ihr habt auch einen Song über das Attentat auf den Boston Marathon im Jahr 2013 gemacht.

Als wir uns über die Songs für das neue Album unterhalten haben, stand das noch nicht auf unserem Plan. Es war keine bewusste Entscheidung. Das Thema kam irgendwie von selbst auf den Tisch. Dieses schreckliche Ereignis ist gerade mal drei Jahre her, wir haben große Mühe darauf verwendet, möglichst sensibel damit umzugehen, damit es nicht falsch bei den Leuten ankommt, die für immer von dem Attentat gezeichnet sind. Wir alle kennen Leute, die damals verletzt wurden oder ein Familienmitglied verloren haben, und wir wollen trotz all des Horrors auch über die Schönheit sprechen, die der Zusammenhalt nach dem Attentat hatte. Wie alle sich gegenseitig geholfen haben. Es ist immer inspirierend zu sehen, wie Menschen sich in so schweren Stunden zusammenraufen. Wir selbst waren an diesem Tag auf Tour und haben mit drei Stunden Zeitverschiebung eine Show in Santa Cruz, Kalifornien gespielt. Ich hatte am frühen Morgen einen Arzttermin, habe mein Handy wieder eingeschaltet und hatte vierzig entgangene Anrufe und unzählige Textnachrichten. Der Fernseher im Wartezimmer war eingeschaltet, aber der Ton war aus. Und ich habe nur Rettungswagen, Rauch und flüchtende Menschen gesehen. Wir wollten sofort zurück nach Boston, aber nach reiflicher Überlegung haben wir entschieden, dass wir jetzt sowieso nicht helfen können. Wir haben dann ein Benefiz-Shirt für die Opfer des Attentats verkauft und es hagelte Bestellungen aus allen Teilen der Welt. Es war unglaublich! Dadurch kamen allein in einer Woche fast 400.000 Dollar zusammen. Und es ging immer weiter. Die T-Shirt-Firma musste extra Aushilfen für Nachtschichten einstellen, weil die Nachfrage nicht befriedigt werden konnte. Unsere Fans haben sofort verstanden, dass es dabei nicht um die Band ging, sondern dass wir alle eine große Familie sind. Das wissen wir sehr zu schätzen.

Das ist nicht die erste Charity-Aktion der DROPKICK MURPHYS. Vor sieben Jahren habt ihr sogar eine eigene Wohltätigkeitsstiftung namens The Claddagh Fund gegründet.

Wir haben uns schon immer für lokale Sammelaktionen stark gemacht, wenn unsere Fans auf uns zugekommen sind. Egal, ob es um jemanden geht, der Geld braucht für eine Behandlung gegen Krebs oder irgendwelche Schicksalsschläge. Dann haben wir immer Durchsagen auf der Bühne gemacht. Es gibt überall Bedarf und deswegen haben wir uns vor sieben Jahren überlegt, einen wohltätigen Arm der Band zu gründen. Unser Bassist Ken kam mit der Idee für The Clannagh Fund und seitdem können wir alle Wohltätigkeitsaktionen unterstützen, die wir für wichtig halten. Außerdem ist es ein weiterer Weg für uns, mit der Szene in New England und Boston in Kontakt zu bleiben. Wir haben uns so den Zugang zur Basis erhalten, obwohl die DROPKICK MURPHYS inzwischen weltweit erfolgreich sind. Darum ging es uns immer. Wir sind ein paar ganz normale Typen, die das Glück haben, viel reisen und Musik machen zu können. Mit der Stiftung wollten wir etwas zurückgeben und diesen Weg wollen wir weiter verfolgen.

Diese Stiftung zeigt eure enge Verbindung zu Boston. Warum fühlt ihr euch als Band eurer Heimatstadt so nah?

Dort wurden die DROPKICK MURPHYS gegründet und fast alle Bandmitglieder leben immer noch in Boston. Ich bin in dieser Stadt aufgewachsen und habe meine ersten Punk- und Hardcore-Shows dort erlebt. Das ist einfach unsere Heimat. In unseren Texten singen wir von Dingen, die unser tägliches Leben beeinflussen. Deshalb ist diese starke Verbindung zu Boston auch immer wieder Thema. Es war aber nicht immer so. Der Track „Blood“ behandelt zum Beispiel, dass wir nicht immer die geliebten Söhne der Stadt waren. Es gab eine Zeit, in der wir in Boston Auftrittsverbot hatten. Es hat also eine Weile gedauert, bis sich diese Liebe entwickelt hat. Aber die Liebe zu unserer Heimatstadt teilen wir inzwischen alle in der Band mit unseren Fans. Es geht dabei nicht so sehr um die Stadt, sondern eher um die Menschen, die dort wohnen und uns ans Herz gewachsen sind.

Ihr habt auch einen Song aufgenommen, der speziell für Fußballfans in Europa eine besondere Bedeutung hat: „You’ll never walk alone“. Der Song wird vor allem von Fans des FC Liverpool gesungen, aber auch bei den linksgerichteten St. Pauli-Fans in Hamburg ist er sehr beliebt.

Wir haben diesen Song schon immer geliebt und es war uns durchaus bewusst, welche Bedeutung dieser Song für Fußballfans in Europa hat. Wir haben aber einen anderen Zugang dazu. Mitten in der Opiat-Krise kamen wir gerade von einer Beerdigung und dann lief „You’ll never walk alone“ im Radio, als wir ins Auto stiegen. Und uns kam es vor, als würden wir diesen Song in diesem Moment zum allerersten Mal hören. Das gab uns das Gefühl, dass es Licht am anderen Ende des Tunnels gibt. Wir wollen also nicht eure neue Fußball-Band sein, sondern haben eine völlig andere Intention. Wir wissen aber, dass es bei Konzerten Leute geben wird, die diesen Song hassen werden, weil er für das falsche Fußballteam steht. Andere werden leidenschaftlich mitsingen, weil es der Song ihres favorisierten Clubs ist. Das ist uns aber egal. Letztendlich haben wir keine Kontrolle darüber, wer zu unseren Shows kommt. Du weißt sicher, dass die DROPKICK MURPHYS auch immer wieder mal Probleme mit rechten Arschlöchern bei den Konzerten hatten. Von daher freuen wir uns besonders über die Left-Wing-Supporters.

„11 Short Stories Of Pain & Glory“ ist das erste Album, das die DROPKICK MURPHYS nicht in Boston aufgenommen haben. Ihr habt euer ganzes Equipment eingepackt und seid nach El Paso, Texas bis an die mexikanische Grenze gefahren. Warum der Aufwand?

Wir haben bisher jede Platte auf dieselbe Weise aufgenommen. Und nach zwanzig Jahren wollten wir das einfach mal anders machen. Es ist genauso wie in der Politik: wenn du etwas verändern willst, musst du es anpacken. Deshalb haben wir gemeinsam entschieden, die Stadt für die Aufnahmen zu verlassen. Denn wenn du in Boston lebst und dort ins Studio gehst, hast du immer die Uhr im Kopf. Du musst immer noch was anderes erledigen. Dein anderes Leben mit Frau und Kindern verlangt nach dir. Dann verlässt du immer wieder die Blase, die das Studio bildet. Dadurch kommt es immer wieder zu Brüchen im Fluss der Kreativität und der engen Verbindung zu den anderen in der Band während der Aufnahmen. Anfangs hatten wir noch Angst vor der Vorstellung, mitten in die Wüste zu gehen und dort das Album aufzunehmen, aber nach ein paar Tagen entstand dort eine besondere Magie, die wirklich erstaunlich war. Wir waren immer alle zusammen und hatten nur ein paar kurze Pausen für Schlaf oder Essen. Diese Kameradschaft hatten wir zwar sonst auch immer, aber noch nie quasi 24 Stunden am Stück. Und das zweieinhalb Wochen lang. Das hat uns dabei geholfen, eine der besten Platten zu machen, die wir je veröffentlicht haben.

Ihr seid alle auch ziemlich beschäftigt, wenn ihr nicht mit den DROPKICK MURPHYS unterwegs seid. Speziell euer Bassist Ken Casey, er betreibt nebenbei eine Bar in Boston, ist aber auch als Boxpromoter tätig. Was macht er da genau?

Ken hat fünf zusätzliche Minuten in seinem Tagesablauf entdeckt und sich entschlossen, sich auch noch ums Boxen zu kümmern. Wir sind alle große Boxfans, aber Kenny war schon immer intensiver dabei als alle anderen. Ich habe ihn auch selbst auf der Straße kämpfen sehen und er ist einer der besseren Boxer. Er kann das richtig gut und das sage ich nicht, weil ich mit ihm in einer Band spiele. Ich würde niemandem empfehlen, sich mit ihm anzulegen. Er hat sich vorgenommen, die irischen Boxer zurück in die Erfolgsspur zu bringen und hat vor zwei Jahren Murphys Boxing gegründet. Er kümmert sich seit einer Weile um eine Handvoll Boxer und es läuft sehr gut. Er ist aber nicht der Mann, der mit dem Handtuch in der Ecke steht. Er ist ein Promoter, der sein eigenes Geld und seine Zeit investiert. Einmal fragte ich ihn bei einem Kampf, was dort seine Aufgabe ist. Da sagte er: Sie lassen mich den Spucknapf halten!

Anfang Oktober hat Ken angekündigt, dass es 2017 zwei Alben von den DROPKICK MURPHYS geben wird. Was ist damit gemeint?

Bei jedem DROPKICK MURPHYS-Album nehmen wir viel mehr Songs auf, als wir eigentlich brauchen. Normalerweise werden daraus B-Seiten oder Extratracks für Veröffentlichungen in Europa, Japan oder Australien. Und einige davon landen auf dem Misthaufen und werden nie veröffentlicht. Diesmal hatten wir viel zu viele Songs, von denen wir uns nicht trennen wollten. Deshalb haben wir uns überlegt, einfach ein zweites Album mit diesen Stücken herauszubringen. Wir hoffen also, dass wir noch im November ein weiteres Album nachschieben können. Sieben Songs sind schon fertig und wir haben noch Musik für weitere Tracks. Wir müssen nur noch die Texte schreiben und sie aufnehmen. Seit dem letzten Album sind etwa drei Jahre vergangen, deshalb freuen sich die Fans jetzt über zwei Releases in einem Jahr.

Ich dachte schon, es handelt sich um das schon lange versprochene Akustikalbum der DROPKICK MURPHYS ...[b]

Über das Akustikalbum sprechen wir schon sehr lange. Und ich glaube wirklich, dass wir irgendwann eines aufnehmen werden. Ich habe aber keine Ahnung wann. Solange wir immer noch großartige Rocksongs schreiben, habe ich immer das Gefühl, wir sollten sie auch als Rocksongs veröffentlichen.

 


[b]Diskografie


Do Or Die (Hellcat, 1997) • The Gang’s All Here (Hellcat, 1999) • Sing Loud, Sing Proud! (Hellcat, 2000) • Blackout (Hellcat, 2003) • The Warrior’s Code (Hellcat, 2005)

The Meanest Of Times (Born & Bred, 2007) • Going Out In Style (Born & Bred, 2011) • Signed And Sealed In Blood (Born & Bred, 2013) • 11 Short Stories Of Pain & Glory (Born & Bred, 2016)

Wolfram Hanke

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #130 (Februar/März 2017)

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MOBINA GALORE

MOBINA GALORE leben und arbeiten in einem Umfeld, einer Szene, einem Genre, das immer noch von Männern dominiert wird. Seit ihrer Gründung im Jahr 2010 mussten sie sich immer wieder mit den widerlichsten Äußerungen, doofen Kommentaren wie „ihr seid ... mehr

 
 

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