Interviews & Artikel : T.S.O.L. :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

T.S.O.L.

Hypnosetherapie und Polizeikontrollen

Die 1978 gegründeten T.S.O.L. – kurz für True Sounds of Liberty – aus Long Beach veröffentlichten nach ihrem legendären 1981er „Dance With Me“-Album (Frontier Records) 1982 den zweiten Longplayer „Beneath The Shadows“ auf Alternative Tentacles und entwickelten sich damit in Richtung dunklerer Goth-Klänge, doch dann begann es zu kriseln und die Gründungsmitglieder Jack Grisham und Todd Barnes verließen die Band. Ron Emory und Mike Roche machten mit Joe Wood als neuem Sänger und Mitch Dean als Drummer weiter und veröffentlichten 1984 auf Enigma mit „Change Today?“ ein Album, das für lange Zeit der letzte brauchbare Release war unter dem Namen T.S.O.L. war. Es folgten zig Besetzungswechsel, es wurde immer mehr Rock und schließlich Metal, und irgendwann war kein Originalmitglied mehr in der Band. Der Tiefpunkt war dann in den Neunzigern erreicht, als die Typen, die unter dem Namen T.S.O.L. spielten, Grisham und anderen Urmitgliedern untersagen ließen, unter dem Namen T.S.O.L. Konzerte zu spielen. Ende der Neunziger hatten Grisham und Co. den Namen zurück, und seitdem sind die echten (Punk-)T.S.O.L. wieder aktiv. Mit „The Trigger Complex“ erscheint nun ein neues Album auf Rise Records, das interessanterweise so klingt, als habe Grisham seine famose Neunziger-Band JOYKILLER wiederbelebt.

Jack, was tust du gerade?

Ich sitze hier rum und warte, dass es aufhört zu regnen, damit ich mit den Hunden rausgehen kann. Eigentlich regnet es hier in Huntington Beach nie, was völlig normal ist, denn hätten die Menschen hier nicht Bäume gepflanzt, wäre das immer noch eine Wüste. Aber ich mag Bäume, und deshalb bin ich auch Mitglied der Huntington Beach Tree Society.

Was macht man da so?

Bäume retten. Wenn ein Grundstücksbesitzer alte Bäume fällen will, um irgendwas zu bauen, benachrichtigen wir die Stadtverwaltung und sind auch vor Ort, um zu protestieren. Und wenn die Stadt neue Bäume pflanzen will, mischen wir uns ein, wenn die nicht zur Vegetation hier passen.

Und das hält dich den ganzen Tag beschäftigt?

Nein, ich arbeite auch noch als nichtzugelassener Therapeut, haha. Ich bin Hypnosetherapeut, ich habe das gelernt, aber ich praktiziere nicht. Das ist typisch für mich: Ich bin neugierig, lerne irgendwas, und dann mache ich davon keinen Gebrauch mehr. Das Lernen an sich macht mir Spaß. Hypnosetherapie wende ich meist an, wenn ich mit Leuten rede und die gar nicht merken, was ich da tue, haha.

Deine Bandmitglieder?

Nein, die schauen mir aus dem Grund schon gar nicht mehr in die Augen, wenn wir reden. Genau wie meine Kinder. Wenn ich die was frage, schauen die beim Antworten woanders hin, weil sie wissen, dass ich gerne Spielchen mit ihnen mache.

Was stellst du an?

Es geht um bestimmte Wortkombinationen. Du kennst den Film „Blade Runner“? Da muss der Typ rausfinden, ob die Frau ihm gegenüber eine Replikantin ist, also kein echter Mensch. Er stellt ihr Fragen und beobachtet ihre Augen. Und genau das mache ich auch. Ich rede mit Menschen und dabei lerne ich sie kennen, finde heraus, welche Worte „hot words“ für sie sind. Das merke ich daran, wie sie reden, ich achte genau darauf. Nach einer Weile erkenne ich, welche Worte für sie angenehm sind, und dann kann ich damit arbeiten. Das eröffnet Möglichkeiten, andere zu manipulieren oder auch zu ärgern. Im Extremfall kann man mit dieser Methode sogar jemanden seelisch verkrüppeln. Das habe ich bei einer Vorlesung zu dem Thema auch erzählt, und daraufhin fragte eine Teilnehmerin, ob man mit dieser Methode anderen Menschen nicht auch helfen könne. Ich antwortete – im Scherz –, dass ich daran noch gar nie gedacht hätte, haha. Im Grunde geht es bei Hypnose wirklich nur um Worte, und so kann man jemanden dazu bringen sich zu entspannen.

Wenn du nicht praktizierst, was treibst du dann den ganzen Tag?

Das fragt sich jeder, hahaha. Neulich habe ich im Lotto gewonnen. Und ich fotografiere. Verkaufe meine Bücher. Spiele Konzerte. Ich bin bescheiden, ich brauche nicht viel, habe nicht viel, fahre ein altes Auto. Ich mache mich mir nichts aus Besitz, und wenn ich die wichtigen Rechnungen bezahlt bekomme, bin ich zufrieden. Und was immer sich an Gelegenheiten bietet, nutze ich.

Gab es einen bestimmten Punkt, an dem du erkannt hast, dass du bei diesem „Spiel“ um immer mehr Besitz und Geld nicht mitmachen willst?

Ich sage immer: Wenn ich jetzt sterbe, sterbe ich glücklich und zufrieden. Ich bin ein Gewinner! Ich habe die 55 Jahre meines Lebens damit verbracht, immer genau das zu machen, was ich machen will. Was ich machen wollte, habe ich auch getan. Ich habe das Leben eines Menschen geführt, der völlig frei ist. Andererseits ... wenn ich ein Jahr in die Zukunft schaue, weiß ich auch nicht, wie ich meine Rechnungen zahlen soll, haha. Klar, ich mache mir auch Gedanken, wie ich das alles hinbekommen soll, aber wäre jetzt sofort alles vorbei, würde jemand anderes über mich sagen: That son of a bitch went out on top! Motherfucker did what he wanted!

Die meisten Menschen ackern sich krumm, um es später mal besser zu haben. Dann gehen sie in Rente, werden krank, und das war’s.

Dazu fällt mir nur diese Redewendung über die Stuttgarter ein, die nur arbeiten, um sich ein Haus zu bauen.

„Schaffe, schaffe, Häusle baue“ heißt das.

Genau! Die rackern sich ab und planen für dieses und jenes und wenn sie dann alt sind, sind sie krank und kaputt und haben ihr ganzes Leben für jemand anderen geschuftet. Das habe ich nicht getan, ich habe fast immer nur getan, was ich wollte. Ja, ich habe auch viel Scheiß gebaut, aber seit vielen Jahren schon kümmere ich mich um Menschen, die Alkohol- oder Drogenprobleme haben. Wenn sie Hilfe wollen, helfe ich ihnen und ihrer Familie. Ich bin so eine Art Mutter Teresa der Drogenabhängigen, haha.

Du hast da selbst eine sehr wilde Vergangenheit, ja die ganze südkalifornische Punk-Szene war wohl in Sachen Alkohol und Drogen einst sehr extrem.

Der Switch bei mir kam vor 28 Jahren. Seitdem bin ich clean. Und ich will da jetzt echt nicht zu wichtig klingen, aber über dieses ganze Thema wird viel zu wenig geredet in der Öffentlichkeit. Der Egoismus ist das große Problem der US-amerikanischen Gesellschaft. Die Menschen müssen endlich aufwachen und erkennen, wie schädlich ihr egoistisches Verhalten für sie selbst ist, wie sehr sie anderen damit schaden. Ich wachte in dieser Hinsicht vor 28 Jahren auf, realisierte, was ich mir und den Menschen um mich herum, meiner Familie, meinen Freunden antue. Ich hörte auf, immer nur an mich selbst zu denken und beschloss stattdessen mich meine Familie, meine Community, meine Stadt, mein Land, die Welt zu kümmern. Mir wurde klar, wie mein Verhalten sich auf alle anderen auswirkt. Was ich heute hier mache, hat letztlich auch Auswirkungen auf dich, 6.000 Meilen entfernt. Dieser Verantwortung muss man sich stellen!

Für solch positive, verantwortungsvolle Worte waren Punks nicht immer bekannt, speziell in den frühen Jahren ...

Es geht darum, man selbst zu sein, ohne andere dafür anzugreifen, was sie sind. Das macht den Unterschied aus. Viele Punks attackieren die Rechten, die Faschisten, tun das aber mit den gleichen Mitteln, mit denen die Faschos die Punks angreifen. Und damit sind sie auch nicht besser als die. Es geht darum, seinen eigenen Weg zu gehen unabhängig davon, was um einen herum passiert. Einfluss auf andere hat man nur durch sein Verhalten. Ein gutes Beispiel dafür waren die Präsidentschaftswahlen neulich: Da haben die Linken nicht mal ansatzweise zugehört, was die Rechten für Argumente vorbrachten. Die waren nicht erwachsen genug, den anderen zumindest mal zuzuhören. Und gleichzeitig waren sie überzeugt, dass ihr Weg der richtige ist. Zwei völlig verschiedene Positionen, die aber mit exakt der gleichen Uneinsichtigkeit vorgetragen werden. Genau darum geht es auch im Son „The right side“ vom neuen Album. Ach, sorry, wenn ich mich bei dem Thema aufrege. Aber ich sage ja nichts Neues, schon Pete Townshend von THE WHO sagte einst „Meet the new boss, same as the old boss“. Wirkliche Veränderung gibt es nicht, und auch all die Versprechungen, die jetzt im Wahlkampf gemacht wurden, wurden schon viele Male zuvor gemacht. Solange sich das Bewusstsein der Menschen nicht verändert, werden wir diese Versprechen immer wieder zu hören bekommen und immer wieder enttäuscht werden. Aber ... wie findest du denn das neue Album?

Mir gefällt es – und vor allem erinnert es mich an eine gewisse Band, mit der du in den Neunzigern aktiv warst: THE JOYKILLER. Ehrlich gesagt klingen T.S.O.L. heute mehr nach THE JOYKILLER als nach den T.S.O.L. der ersten beiden Alben.

Ich stehe auf den Punkrock der späten Siebziger und frühen Achtziger. THE JAM, THE DAMNED, BUZZCOCKS, MAGAZINE ... alles Bands mit so einer gewissen Pop-Kante. Hör dir die JOYKILLER-Platten an und du weißt genau, was ich meine. Beim neuen T.S.O.L.-Album hatte ich in Sachen Songwriting weitgehend freie Hand, während wir uns da früher viel stritten, und das erklärt vielleicht, warum die Platte so klingt, wie sie klingt. Wäre es nach dem Bassisten gegangen, wäre die Platte softer geworden, der Gitarrist hätte einen stärkeren Country-Rock-Einfluss gehabt, und ich wollte eben diesen JOYKILLER-Sound.

„Overproduced by Thom Wilson“ stand auf dem Backcover von „Three“ und das charakterisiert dieses wundervoll poppige JOYKILLER-Album bestens.

Hahaha! Thom Wilson hat als Produzent eine interessante Arbeitsweise: Er lässt dich einfach machen, er sagte nie nein. Er war eher in der Rolle eines Fotografen, der nur abbildet, was sich vor ihm ereignet. Der ein Tier so abbildet, wie es sich ganz natürlich verhält. Thom produzierte auch die frühen T.S.O.L. Alben „Dance With Me“ und „Beneath The Shadows“, und damals schon korrigierte er beispielsweise unsere Fehler nicht, weil er wollte, dass die Alben ehrlich sind.

Nun hättet ihr auch ein Album machen können, das den düsteren, oft als Goth-beeinflusst bezeichneten Sound der als Klassiker geltenden ersten beiden Platten aufgreift. Ich schätze, das hätte nicht wenige Fans jenes Sounds begeistert.

Pass auf: Frag einen Punk, ob er sich als Freigeist bezeichnet, und er wird zustimmen: „Klar habe ich meinen eigenen Kopf! Ich bin Punk!“ Von wegen! Nein, die Punks sind schnell dabei, alles in irgendeine Schublade zu stecken und einzuordnen. Die sind nicht so offen und frei, wie sie glauben wollen. Ist jemand nicht so gekleidet, wie sie erwarten, ist er kein Punk. Klingt eine Band anders als erwartet, ist es kein Punk. Nicht schnell genug? Kein Punk. Klavier mit dabei? Kein Punk! Und so sind diese Freidenker genauso schlimm wie jene, die sie kritisieren. Nein, Punk in meiner Definition hat was mit Experimentieren, mit Freiheit, dem Nichtbefolgen von Regeln zu tun, mit Ehrlichkeit gegenüber sich selbst und damit, dass dir egal ist, was die anderen um dich herum denken und sagen. Diesen Prinzipien bin ich treu geblieben, und deshalb klingt jede T.S.O.L.-Platte anders. Absichtlich. Klar könnte ich einen Sound schaffen, der genau dem entspricht, was die Leute an den alten Platten mögen, einfach zehn Songs in diesem Stil schreiben. Aber wäre ich mir selbst gegenüber dann ehrlich? Nein, dann hätte ich mich verkauft und genau das gemacht, wovon ich weiß, dass es jemand kaufen wird. Stattdessen sage ich „Fuck you!“ und mache, was ich will, kümmere mich einen Scheiß darum, ob das jemand kauft. Natürlich wird jeder gerne gemocht, klar, aber deshalb mache ich das nicht! Das nehme ich als Bonus, wenn es denn eintritt.

Was bedeuten dir eure Auftritte?

Manchmal bin ich auch einfach nur gerne ein Fucker! Hahahaha. Stell dir mich mal mit 18 vor. Rauf auf die Bühne, die Situation eskaliert allmählich, die Leute rasten aus ... Heute auf die Bühne zu gehen, ermöglicht es mir, mich wieder wie damals zu fühlen. Like being a kid! Wenn ich als Kind Musik hörte, hüpfte ich dazu auf dem Bett herum, und mein Vater kam rein, sagte mir, ich solle aufhören, sonst würde ich mich am Ende noch verletzen. Ich hörte aber nie auf, nie, und natürlich flog ich vom Bett und schlug mir den Kopf am Kleiderschrank blutig. Und mein Vater sagte: „Ich hab’s dir doch gesagt!“ Aber ich erinnere mich, dass ich damals, in so jungen Jahren, erkannte, dass ich mich zwar verletzt hatte, aber bis dahin so viel Spaß gehabt hatte wie nur möglich. Wenn du Spaß hast und dich dabei verletzt, dann weißt du, dass es besser nicht hätte sein können. Zum Spaß haben gehört, dass die Situation außer Kontrolle gerät, ansonsten bleibt da immer der Zweifel, dass da vielleicht noch mehr drin gewesen wäre. Und mit dieser Prämisse gehe ich bis heute raus auf die Bühne, will mich mit den Leuten verbunden fühlen. Die Musik schafft die Verbindung. Jemand, der etwas mag, das ich geschaffen habe, wird zum Freund, denn es gibt ein Band zwischen uns. Ich will diese Leute treffen, mit ihnen reden, herausfinden, was sie sonst so mögen. Deshalb liebe ich Interviews, bin leicht zu erreichen. Warum soll ich mich verstecken, nicht mit den Menschen reden wollen? Ich kapiere nicht, warum sich manche Bands so absondern.

Wie geht deine unmittelbare Umgebung mit deiner Zweitexistenz als Punk-Frontmann um? Verstehen die, warum du das immer noch machst?

Ich bin ein großer, beeindruckender Kerl, 1,95 Meter lang. Bei mir beschwert sich selten jemand über irgendwas. Hahahahaha! Nein, im Ernst, die nehmen das hin. Es glaubt doch keiner, mich jetzt noch ändern zu können. Ich bin schon mein ganzes Leben so. Da soll jemand glauben, er könne mich dazu bringen, mich endlich mal zu benehmen? Nein ... Meine Familie und Freunde kümmert das nicht, denen ist das egal. Und meine Kinder ... hm, wie erkläre ich das? Ich bin hier in der Gemeinde so was wie eine respektierte Persönlichkeit. Die Klassenkameraden meiner Töchter tragen T-Shirts von meiner Band. Und der Lehrer fragt, wer von den Schülern denn am Samstag zur T.S.O.L.-Show geht. Und ist selbst da. Und wenn die Eltern der Freunde meiner Kinder sie bei uns zu Hause abholen, stellen die sich oft als Fan meiner Musik vor. Neulich winkte mich ein Polizist raus, weil ich zu schnell gefahren war, dabei nicht angeschnallt war und auch noch eine SMS geschrieben hatte. Eine kaputte Windschutzscheibe habe ich auch noch ... Der Cop läuft um mein Auto rum, sieht das alles, schaut mir ins Gesicht, und meint, er kenne mich doch von irgendwoher. Ich: „Äh, keine Ahnung. Haben wir uns mal auf dem Wochenmarkt gesehen?“ Er: „Nee ... Sind Sie in einer Band?“ Ich: „Ja, T.S.O.L.“ Er: „Warum hast du das nicht gleich gesagt, als ich dich rausgewunken habe?!“ Ich: „Hm, na ja,, also ...“ Er: „Mann, ich bin T.S.O.L.-Fan!“. Er sagte noch, er finde es cool, was ich mache, nicht nur die Band, sondern auch mein Engagement in der Stadt. Ich sei mir treu geblieben und hätte klare Überzeugungen, helfe anderen, das imponiere ihm. Dafür wolle er mir danken, auch wenn er nicht in allem mit mir übereinstimme. Kein Strafzettel, ich erlaubte mir weiterzufahren.

Aber sicher nicht ohne dich zu ermahnen, künftig langsamer zu fahren und dich anzuschnallen.

Genau! Aber weißt du, was dann passierte? Ich machte dazu einen Post, und sofort kommentieren irgendwelche Punks „Fuck the police!“, „Wie kannst du nur mit so einem Typen reden!“ Ehrlich: Diese Leute sind das verdammte Problem! Die Polizei an sich ist nicht das Problem – der Rassismus in den Reihen der Polizei ist das Problem. Ich fände Anarchismus als Gesellschaftsform gut, aber wir beide wissen, dass es dazu nicht kommen wird. So, wie die Menschen heute drauf sind, geht es nicht ohne eine Art von Polizei. Und das sagt dir ein bekehrter Krimineller. Ich habe geklaut, habe genommen, was dir gehört. Wer hätte mich stoppen sollen, wenn nicht die Polizei? Ein Therapeut fragte mich mal, ob ich wisse, das Stehlen falsch ist. Ich antwortete damals ja, weil man dann ins Gefängnis muss. Sie antwortete, das sei der falsche Ansatz: Es ist nicht falsch, weil man sonst in den Knast kommt, sondern weil man den Besitz eines anderen nimmt. Diesen Unterschied muss man kapieren. Ohne eine Form von Recht und Gesetz können wir als Gesellschaft nicht existieren – solange wir alle so ticken, wie wir heute ticken. Und deshalb schrieb ich dem Typen mit dem Post: Solange du denkst, dass die Polizei das Problem ist, bist du Teil des Problems.

Hat diese Einsicht etwas mit dem Alter zu tun?

Nein. Okay, das Alter hat da sicher einen Effekt, aber es liegt nicht nur daran. Manche Menschen sind mit zunehmendem Alter immer weniger offen für neue Gedanken. Es braucht wohl eine Art von „Erweckungserlebnis“. Ich finde, heute drehen sich die Gedanken vieler Menschen, auch in der Punk-Szene, nur um sich selbst, ja sie glauben, die ganze Welt drehe sich nur um sie. Und das hat nichts mit dem Alter zu tun. Ganz ehrlich, manche Punks sind schlimmer als die Spießer. Ich habe schon darüber nachgedacht, eine neue politische Bewegung ins Leben zu rufen hier in den USA. Ich bin drauf und dran, ein Manifest zu verfassen.

Und 2020 ziehst du in den Kampf um die Präsidentschaft.

Meine Frau sagt, in der Politik sei viel Geld zu holen. Mal sehen, ob ich daran Geschmack finde! Hahahahaha!

 


Diskografie

Dance With Me (LP, Frontier Records, 1981) • Beneath The Shadows (LP, Alternative Tentacles, 1982) • Change Today? (LP, Enigma, 1984) • Revenge (CD, Enigma, 1986) • Hit And Run (CD, Enigma, 1987) • Live (CD, Restless, 1988) • Strange Love (CD, Enigma, 1990) • Disappear (CD, Nitro, 2001) • Divided We Stand (CD, Nitro, 2003) • Who’s Screwin’ Who? (CD, Anarchy Music, 2005) • Live From Long Beach (CD, Cider City, 2007) • Life, Liberty & The Pursuit Of Free Downloads (CD, DC Jam, 2009) • Code Blue (LP, Anarchy Music, 2011) • The Trigger Complex (LP, Rise, 2017)

Joachim Hiller

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #130 (Februar/März 2017)

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