Interviews & Artikel : VAL SINESTRA :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

VAL SINESTRA

Ganz schön Druck auf dem Kessel

„Unter Druck“ heißt das Debütalbum der Hardcore-Rock’n’Roll-Band VAL SINESTRA. Vor knapp eineinhalb Jahren ließen die Berliner schon mit ihrer selbstbetitelten 6-Track-EP aufhorchen und haben seitdem einen großen Schritt nach vorne gemacht. Ihre Sprache ist direkt und geht schnörkellos nach vorne, genauso wie ihre Musik. Aufgenommen wurde im englischen Seebad Brighton, wo sich in den Sechzigern schon die Rocker und die Mods zum Prügeln getroffen haben. Bassist Max Rogall ist zuversichtlich, dass sich VAL SINESTRA bald im Haifischbecken Berliner Bands freischwimmen können.

Für mich ist das Besondere an VAL SINESTRA dieser Mix aus High Energy Rock’n’Roll wie bei GLUECIFER oder HELLACOPTERS und Deutschpunk à la KOTZREIZ. Woher kommt das?

Wir alle mögen harte und laute Musik, sind aber vom Geschmack her doch eher außerhalb der deutschen Landesgrenzen unterwegs. Wir lieben diesen britischen Punkrock, der 2007 und 2008 populär war, wie von GALLOWS oder THE GHOST OF A THOUSAND und wie in viele US-Bands wie THE BRONX oder EVERY TIME I DIE spielen. In Deutschland gibt es nicht unbedingt Bands, die uns bei unserem Sound inspiriert haben. Wir wollten aber gleichzeitig auf Deutsch singen, weil es diese Kombination einfach noch nicht gab. Wir sind keine Amis oder Engländer, wir haben aber genug Freunde dort, um zu wissen: Wenn eine deutsche Band englisch singt, klingt es immer lächerlich. Engländer und Amis singen englisch, weil sie so reden. Und KVELERTAK singen norwegisch, weil es ihre Muttersprache ist. Das funktioniert einfach. Deshalb wollten wir musikalisch machen, worauf wir Lust haben, ohne uns vorzunehmen, dass wir die härteren Brüder von KRAFTKLUB werden.

Worum geht es in euren Texten? Auf mich wirken sie ein bisschen wie der Soundtrack zu eurem Leben ...

Wir sind keine politische Band wie RADIO HAVANNA. Wir sind alle sehr davon geprägt, was um uns herum passiert. Es sind schon meistens Dinge aus unserem persönlichen Leben, die ihren Weg in unsere Texte finden. Zum Beispiel der Song „Deine Stadt“, der schon auf unserer EP drauf war und jetzt noch mal in einer neuen Variante auf dem Album ist. Den hat unser Sänger Chris im Rückblick auf Eberswalde geschrieben. Er ist bei uns der einzige Nicht-Berliner. Und wenn er Leute trifft, die Eberswalde verlassen haben, findet er immer die gleichen Gründe: Es ist nichts los, es gibt keine Perspektiven, und das hat er in dem Song verarbeitet. Wenn ich einen Song schreibe, dann ist das meistens aus irgendeiner Stimmung heraus oder behandelt das, was mir an dem Tag passiert ist. Dann bekommt der Song einen entsprechenden Arbeitstitel, und alles, was damit zu tun hat, fließt dann mit ein: ein scheiß Tag auf der Arbeit oder ein Streit mit einem Kumpel. Das wird dann einfach musikalisch und textlich verarbeitet.

Was steckt hinter dem Text von „Vitamin B“?

In diesem Song wollten wir uns über Bands auskotzen, die durch irgendeinen Hype hochgekommen und schnell wieder verschwunden sind. Oft nur, weil sie irgendwo irgendjemanden kennen und künstlich geschaffen wurden. Vielen dieser Bands geht es nicht darum, Musik zu machen, sondern darum, fünf Minuten Bühnenruhm auszukosten. Das ist aber auch in anderen Bereichen der Musik weit verbreitet. Schau dir nur mal die Gewinner der ganzen Casting-Wettbewerbe im Fernsehen an. Das sind Acts, die kein wirkliches Fundament haben. Die werden dann ausgereizt, solange es funktioniert, und ein Jahr später redet kein Mensch mehr über die Leute. Und wenn man schon lange Musik macht, dann geht einem so was einfach gegen den Strich. Wir sind nicht hier, um bei Rock am Ring oder dem Hurricane Festival zu spielen, wir existieren als Band, um Musik zu machen. Das ist unser Antrieb.

Trotz eurer offenbar sehr gesunden Einstellung als Musiker habt ihr euer Album „Unter Druck“ genannt. Das suggeriert, dass ihr Erfolgsdruck verspürt habt ...

Der Ausdruck „Unter Druck“ ist in diesem Fall völlig anders gemeint. Wir sind ziemliche Rampensäue und hören oft nach den Konzerten Sprüche wie: Ihr habt ganz schön Druck auf dem Kessel! Antrieb für uns ist, auf die Bühne zu gehen und die Sau rauszulassen. All das, was man in sich reinfrisst, kann man so abschütteln. Jeder braucht ein Ventil für sich. Der eine malt, der andere geht zum Boxen, der nächste säuft sich die Hucke voll und für uns ist es eben die halbe Stunde, die wir auf der Bühne stehen. Wir können da komplett abschalten und alles rauslassen, was uns ankotzt oder bewegt.

„Unter Druck“ ist euer erstes Album, vorher gab es nur die EP. Ist das ein besonderer Schritt für euch? Sagt ihr, jetzt wollen wir es wissen?

Definitiv. Unsere Bandgeschichte reicht ja schon ein bisschen länger zurück. Angefangen haben wir 2011 noch mit einem anderen Gitarristen und einem anderen Sänger, damals noch auf Englisch. Dann hatten wir etliche Besetzungswechsel an der Gitarre und haben auch erst 2013 Chris gefunden, der jetzt bei uns singt. Als wir 2014 ins Studio gegangen sind, haben wir die EP erst mal für uns aufgenommen. Dieser Prozess hat dann auch ewig gedauert, bis wir fertig waren. Aber als die EP rauskam, gab es sofort erste Interessenten, die gemeint haben: Jungs, wir wollen gerne mit euch arbeiten! Unter anderem Matze von Concrete Jungle, und bei ihm haben wir gleich gesagt: Da haben wir Bock drauf! Dann war der nächste logische Schritt eben das erste Album.

Aufgenommen habt ihr das Album nicht, wie man vermuten könnte, in Berlin, sondern in Brighton in England. Wie kam es dazu?

Obwohl wir eine deutschsprachige Band sind, spielen wir in der Regel nur Konzerte mit amerikanischen oder englischen Bands. Dadurch haben wir ziemlich viele Freundschaften außerhalb von Deutschland geschlossen. Und der Kontakt zum Brighton Electric Studio kam daher, dass unser Sänger mal ein Praktikum in Brighton gemacht hat, wo er ein paar Leute kennen gelernt hat, die dort arbeiten. Und ich war Anfang 2015 als Bassist mit EGOTRONIC auch in diesem Studio. So ist eine Freundschaft entstanden. Wir kennen auch eine Band aus Brighton, TIGERCUB, das sind inzwischen sehr gute Freunde von uns und die hatten uns letztes Jahr als Gäste zu ihrer Record-Release-Party eingeladen. Und so kam dann irgendwann die Idee auf: Warum eigentlich nicht Brighton? Wir können dort kostenlos bei Freunden pennen, das ist ein geiles Studio, wir kennen die Menschen, die dort arbeiten.

War die Aufnahme des Debütalbums der erste Aufenthalt in einem professionellen Studio für euch?

Die EP haben wir zusammen mit Tom Schwoll im Schaltraum-Studio in Berlin aufgenommen. Das war aber immer mal zwei Tage hier und zwei Tage da, und am Ende wurde dann alles zusammengeschustert. Jetzt war es zum ersten Mal kontinuierliche Arbeit von acht Tagen am Stück mit einem Produzenten. Wir hatten ihm vorher schon unsere Demos geschickt und er hat uns dann Tipps dazu gegeben. Für uns als Band war es das erste Mal in einem richtigen Studio. Wir alle waren schon mit anderen Bands im Studio, aber gemeinsam noch nie.

Was sagt ihr denn als Berliner zu den aktuellen Entwicklungen in Berlin?

Es ist schon ein bisschen traurig. Vieles von dieser geilen Untergrund-Szene ist weg. Vor allem im Gitarrenbereich, aber es gibt noch ein paar Clubs. Man muss sie eben nur finden. Gerade im Bereich Stoner-Rock gibt es in Berlin inzwischen so eine geile Szene. Egal, ob die Konzerte im Tiefgrund, im Bassy, im Urban Spree oder in der Jägerklause sind. Da begegnet einem immer ein fester Kern mit den gleichen Leuten, die fest zusammenhalten. Aber viele andere Locations wurden irgendwann mal kaputt gespielt. Viele Sachen, die ich in meiner Jugend geliebt habe, sind schon lange weg. Gerade was die guten, alten, verkeimten Punkclubs betrifft. Und wenn es die noch gibt, dann ist es oft nur noch ein trauriger Abklatsch.

Ist Berlin in deinen Augen immer noch eine Stadt, in die Musiker ziehen, um eine Band zu gründen?

Das ist immer noch so. Aber inzwischen sind die Musiker eher international. Es gibt vielen Bands wie PARCELS, diese Jungs kommen aus Australien, sind alle Anfang zwanzig und sind nach Berlin gezogen, um hier ihre Band zu gründen. Berlin ist immer noch Anlaufstelle für ganz viele Musiker, die hier ihr Ding versuchen wollen. Das macht es aber den Bands, die aus Berlin stammen, teilweise ganz schön schwer.

Wolfram Hanke

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #130 (Februar/März 2017)

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