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Interviews & Artikel

MONTREAL

Alles schackilacki oder was?

MONTREAL, drei grundsympathische Typen, seit 2003 als Band unterwegs, seitdem mehr als 600 Konzerte in über 15 Ländern absolviert und seit 2011 Betreiber des eigenen Labels Amigo Records. Ende Juni erscheint mit „Schackilacki“ ihr sechstes Album. Kam es zu einer Weiterentwicklung oder gar Neuerfindung der Band oder gibt es weiterhin das, wofür man Yonas (Gitarre, Gesang), Hirsch (Bass, Gesang) und Max Power (Schlagzeug) seit vielen Jahren liebt: eingängige Pop-Punk-Hymnen und deutsche Texte mit Wortwitz und Tiefgang? Diese und weitere Fragen klären wir mit Hirsch.

Euer letztes Album „Sonic Ballroom“ ist vor drei Jahren erschienen. Was ist in der Zwischenzeit passiert?

In erster Linie haben wir sehr viel live gespielt. Die Konzerte sind nach wie vor der Hauptgrund für uns, in einer Band zu sein. Darunter waren in der Tat auch zwei ganz besondere Perlen, wir waren letztes Jahr mit Viva Con Agua in Äthiopien und haben da zwei Konzerte in Addis Abeba gegeben, eins davon in einer kleinen, vollgepackten Kneipe, das waren schon unglaubliche Erlebnisse.

„Schackilacki“ ist ein typisches MONTREAL-Werk. Oder siehst du doch Unterschiede zu euren früheren Alben?

Da wir der klassischen Gitarre-Bass-Schlagzeug-Besetzung treu geblieben sind und nur ein Lied länger ist als drei Minuten, ist es in der Tat nicht allzu weit weg von dem, was wir bisher betrieben haben und das auch mit voller Absicht. Wir mochten und mögen es ja, was wir da fabrizieren. Wir haben aber noch konsequenter versucht, alles Unnötige wegzulassen: keine Balladen, kein Gefrickel in den C-Teilen. Wir wollten ’ne zackige Platte machen, die auf den Punkt kommt.

Viele Bands müssen immer darauf hinweisen, dass ihr neuestes Album das beste ist, was sie je an den Start gebracht haben.

Die meisten Bands fühlen und glauben das dann sicher auch, wenn sie frisch aus dem Studio kommen: Man hat sich über einen langen Zeitraum sehr intensiv mit den neuen Liedern beschäftigt, sich über Refrains gestritten, Texte geschrieben und wieder verworfen, Melodien und Abläufe gefummelt. Da muss man schon einen ausgeprägten Reflexions-Fetisch oder dem eigenen musikalischen Treiben gegenüber eine große Egalität entwickelt haben, wenn man drei Wochen nach Studioende zu der Erkenntnis kommt: Jau, wir haben hier vielleicht die zweitschlechteste Platte unserer Laufbahn abgeliefert.

Ihr seid bekannt für fröhliche, eher unpolitische Songs, die die kleinen privaten Tragödien und Freuden des Alltags abhandeln. Mit „Idioten der Saison“ und „Glaubensfragen“ greift ihr auf dem neuen Album aber auch aktuelle Themen wie Wutbürger und Religionsfanatiker auf.

Auf unseren Alben haben öfter schon auch „ernstere Themen“ stattgefunden, aber wir versuchen eben immer, das nicht so sperrig, parolenhaft und plump zu verpacken. Nur weil es in einem Lied um ein ernstes Thema geht, muss es erstens nicht todernst und in Moll sein und zweitens nicht automatisch gut werden. Im Gegenteil, die meisten politischen Lieder sind ungelenk und furchtbar. Der vermeintlich gute Zweck heiligt dann auch nicht ansatzweise die mageren musikalischen und textlichen Mittel. Diesmal hatten wir aber gleich drei Kandidaten, wo wir das Gefühl hatten, das recht gut hinbekommen zu haben. War nicht so geplant und ist auch nicht zwingend immer so ab jetzt.

Warum sollte man eigentlich immer auf seine Freunde hören? In welchen Situationen hättet ihr das besser mal gemacht?

Das dürfte unter den großen Oberbegriff der Schwarmintelligenz fallen. Der Freundeskreis quasi als Ganzjahres-Publikumsjoker, der einen hier und da vor hormonell beeinflussten potenziellen Fehlern bewahrt. Freunde haben sich damals sehr früh für Label-, Management-, Produzentenwechsel ausgesprochen. Hätten wir rückblickend besser auch gern vor Album Nummer drei drauf gehört.

Aus Anlass des neuen Albums wird es auch wieder einige Konzertaktivitäten geben, auch einige Festivals sind dabei.

Wir legen direkt am Veröffentlichungswochenende mit einem Traumstart los: Hurricane und Southside Festival, unter anderem mit RANCID! Da hoffen und flehen wir, den selben Tag zu erwischen. Außerdem freuen wir uns besonders auf das Karben Open Air mit TERRORGRUPPE, das Großefehn-Festival mit unseren Freunden MADSEN und natürlich das Highfield mit DIE TOTEN HOSEN, DONOTS, FEINE SAHNE FISCHFILET etc.

Ist das ganze Handyfotogemache des Publikums während der Konzerte mit ständigen Selfies für euch als Band nicht auch furchtbar nervig?

Das geht bei uns noch, von der Bühne sieht man ja letztlich auch nur ein paar Arme, die Telefone hochhalten. Die Leidtragenden sind da eher die Leute hinter den eifrigen Filmern, die das leuchtende Display vor der Nase und im Sichtfeld haben. Zudem sind einige ja auch sehr unterhaltsam: mitunter kommt jemand auf die Bühne geklettert, stellt sich in die Mitte und macht ein Selfie von sich mit Publikum im Hintergrund und krabbelt dann behutsam wieder zurück ins Publikum, beim Stagediven könnte ja das wertvolle Gerät beschädigt werden.

Bei euren Konzerten hängen immer Trinkbecher mit alkoholischen Mixgetränken an den Mikroständern. Was ist aktuell angesagt?

Wir variieren recht viel: Klassiker wie Rum-Cola oder Whisky-Ginger Ale sind bei Yonas gern genommen, ich neige zur Vermeidung von Überraschungsrülpsern beim Singen zu Wodka-Saft-Geschichten, aber ist natürlich auch sehr stark davon abhängig, was man uns hinstellt, da basteln wir uns dann was zusammen.

Seit gut zwanzig Jahren betreibt ihr gemeinsam die Band und jetzt auch noch das eigene Label. Ist es schwer, gute Freunde zu bleiben und Abnutzungserscheinungen zu vermeiden?

Mehr als die Hälfte unseres Lebens hängen wir jetzt in dieser Formation sehr intensiv aufeinander herum und können uns nicht so wirklich erinnern, wie das vorher war oder wie es ohne die beiden anderen wäre. Klar gibt es da hier und da auch mal Reibereien, aber wir treffen uns auch nach wie vor jenseits der Band- und Labelaktivitäten sehr oft und fahren sogar auch mal zu dritt in den Urlaub, aktuell ist da noch keine Auseinanderlebensgefahr in Sicht.

Euer Gitarrist Yonas ist Sozialrichter in Berlin und damit schon mehrfach als „Deutschlands Punkrock-Richter“ in der Presse gewesen.

Die ganze „Punkrock-Richter“-Nummer kam durch einen Artikel auf Zeit-Online und hat sich dann verselbständigt bis hin ins ZDF. Uns hat das bestens unterhalten. Wenn zum Beispiel die Berliner Zeitung so herrliche Klopper gebracht hat wie „Nach seinen Urteilen geht der Punk ab“, haben wir das schon mit diebischer Freude weggeheftet. Tatsächlich gab es da so gut wie keine negativen Reaktionen uns oder Yonas gegenüber, im Gegenteil. Dass Yonas als Richter am Sozialgericht arbeitet, da niemanden zum Tode verurteilt und nicht jeder Mensch mit einem abgeschlossenen Jurastudium automatisch mittellose Verlierer der Finanzkrise im Namen der Deutschen Bank aus ihren Eigenheimen rausklagt, haben offenbar doch die meisten geschnallt.

Wenn ihr mit DIE ÄRZTE verglichen werdet, stört euch das?

Nö, bei drei Leuten auf der Bühne, die zwischen den Liedern mehr sagen als „Hallo“, „Danke“ und „Auf Wiedersehen, Dortmund“, zudem deutschsprachige Texte haben, in denen es um Mädchen, Bankräuber und den Öffentlichen Nahverkehr geht, wem sollen wir den Vergleich ernsthaft übelnehmen? Freuen tun wir uns, wenn er sich auf die frühe Schaffensperiode der Berliner bezieht, das kommt ja dann schon in die Nähe eines Kompliments. Bands wollen zwar generell eher ungern mit irgendwem verglichen werden, aber wenn es schon sein muss, kann man es einen wahrhaftig schlimmer treffen: Onkelz, PRINZEN, ZSK zum Beispiel.

Heute sind die Tonträgerverkaufszahlen so niedrig, dass man auch als Punkband in die Top 50 einsteigen kann. Wie seht ihr eure Charts-Chancen?

Zum einen haben wir keine von diesen unnötigen „Limited Fan-Boxen“ gemacht, in denen Bands Plunder wie Poster, Autogrammkarten, Kompasse, Sticker etc. fürn Fuffi verscherbeln, um eine Woche lang derbe abzucharten, zum anderen bieten wir unsere Platten im eigenen Webshop an, von daher haben wir da nicht zu viel zu erwarten. Unser Ehrgeiz in diese Richtung hält sich aber auch sehr in Grenzen. Charten ist so was von Neunziger.

Axel M. Gundlach

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #132 (Juni/Juli 2017)

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