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Interviews & Artikel

BEATSTEAKS

Die beste Live-Band der Welt

Vielleicht haben sie nicht mehr alle Tassen im Schrank, vielleicht sind sie aber auch einfach nur wahnsinnig kreativ. Die BEATSTEAKS veröffentlichen mit „Yours“ diesmal ein Doppelalbum. 21 Songs sind es geworden, als Gäste sind Jamie T., Chad Price von ALL, DEICHKIND, Farin Urlaub und STEREO TOTAL an Bord, es gibt kaum ein Genre, das nicht irgendwann mal angespielt wird, und auf Deutsch gesungen wird auch noch. Wir trafen Sänger Arnim Teutoburg-Weiß und Bassist Torsten Scholz in Berlin zum Interview.

Auf eurem neuen Album gibt es zahlreiche Gäste und auch bei der Produktion habt ihr verschiedene Leute rangelassen. Wart ihr nicht besorgt, dass zu viele Köche den Brei verderben?

Arnim: Die Gedanken haben wir uns wirklich nicht gemacht, weil sich das nach und nach ergeben hat. Es war nicht so, als hätten wir innerhalb einer Woche alle Kollaborationen durchgezogen. Das entstand immer aus der Situation heraus, denn die ganze Platte ist über eineinhalb Jahre aufgenommen worden, wir haben ständig neu angesetzt und Ideen verworfen. Es war eher schön, dass jemand von außen kam, wenn wir selber nicht weitergekommen sind, und uns klar gemacht hat: Passt mal auf, ist doch alles ganz einfach hier! Da war eher die Angst, dass zu wenige Köche den Brei verderben könnten.

Torsten: Es sind nur fünf Kollaborationen, das fällt bei insgesamt 21 Nummern also gar nicht so auf. Wenn das ein Album mit zwölf Songs gewesen wäre, dann hätte es auch nicht so viele Gäste gegeben. Da ist genug von den BEATSTEAKS drin, und selbst der Song mit Françoise Cactus ist immer noch ein BEATSTEAKS-Stück, auch wenn Arnim da nur im Refrain mitsingt. Das ändert ja nichts an der Tatsache, dass wir die Band sind, die da zu fünft die Musik macht.

War unter den Gästen auch jemand, mit der oder dem ihr euch einen Traum erfüllt habt?

Arnim: Mit allen! Wirklich, mit allen. Unser Gitarrist Peter singt bei „You and your memories“. Er hat immer gesagt: Das klingt wie ein ALL-Stück, das Coolste wäre, wenn wir Chad Price, den Sänger von AL, fragen, ob er das Outro singt. Vor 22 Jahren saßen Peter und ich im Auto und ich habe ihm ALL vorgespielt und er hat gesagt: „So ’ne Musik will ich machen!“ Jetzt singt Chad Price tatsächlich Jahre später bei einem Song von uns. Auch wenn das keinen da draußen interessiert, war das einer der größten Momente überhaupt in zwanzig Jahren Beatsteaks. Genauso war es mit DEICHKIND oder mit Françoise oder mit Jamie ... das sind alles große Momente in unserer kleinen Geschichte.

Gibt es jetzt noch jemanden, den ihr euch vielleicht für eine zukünftige Platte wünschen würdet?

Arnim: Nee.

Torsten: Das kommt vielleicht mal bei einem Lied irgendwann.

Arnim: Genau, das passiert bei uns über ein Lied, das ist zuerst da. Aber nee, das sollte genau so sein, wie es jetzt ist.

Bei Leuten wie Farin Urlaub oder auch DEICHKIND fragt man sich aber schon, wieso das so lange gedauert hat, dass ihr mal was zusammen gemacht habt. Die Chance muss sich doch mal aufgetan haben, allein mit DEICHKIND habt ihr doch bestimmt schon auf zig Festivals gespielt, oder?

Torsten: Wir haben irgendwann mal einen Remix von „Make a wish“ gemacht mit den KRAUTS zusammen. Da haben Casper, Marteria, Felix von KRAFTKLUB und SSIO drauf gerappt. Und du, Arnim, hattest doch damals Kontakt mit Philipp von DEICHKIND, und der meinte: „Ey, wieso habt ihr mich oder uns nicht gefragt? Ich habe doch Zeit!“ Aber irgendwie waren wir nicht drauf gekommen. Im Nachhinein finde ich es aber gut, dass das so lange gedauert hat und das nicht auf dem Remix mit verheizt wurde. Das ergibt viel mehr Sinn, jetzt gemeinsam einen Song mit denen zu machen. Farin Urlaub war zwar schon seit „Smacksmash“, unserem 2004er Album, immer mal bei uns im Proberaum und hat sich Sachen angehört, aber mitgemacht hat er nie. Irgendwann haben wir ihn wieder gefragt und dann hat Arnim diesen deutschen Text angeschleppt. Aber selbst da stand noch nicht im Raum, dass er mitmachen könnte. Farin hat eben immer seine eigene Musik gemacht.

Arnim: Wir haben erst mal sehen, ob wir einen Song schreiben können, der für uns und für ihn funktioniert. Dann hat das aber total Bock gemacht. Wir hatten die Musik schon fertig, es ging dann um die Texterei mit ihm. Uns hat das an die ganz frühen DIE ÄRZTE erinnert und wir wollten gucken, wie er das findet, dann er meinte dann: „Cool, machen wir, finde ich richtig gut, das Lied.“

In dem Song mit STEREO TOTAL singt Françoise Cactus was von einem Vélosolex – war das nicht ein kleines bisschen merkwürdig?

Arnim: Nee, gar nicht. Ich muss mir den Text auch immer wieder von Thomas erklären lassen, weil ich ihn gar nicht verstehe. Was sie da singt, klingt fantastisch, aber ich kann dir das nicht so richtig erklären. Ich weiß, dass das Vélosolex ein motorisiertes Fahrrad ist, und dass jemand mit diesem Rad auf dem Weg zur Ex ist und der wohnt auch noch in dem französischen Ort Aix. Und dann ist es auch noch so, dass Françoise über die Männer schimpft. Also sie sagt, die neumodischen Männer seien alle scheiße und Brigitte Bardot ist sowieso ’ne dumme Pute, weil sie rechts wählt. Alles das ist in diesem Text verwurstet. Wir haben das Lied mit Brezel von STEREO TOTAL in unserem Proberaum aufgenommen, und Cactus hat drüben im Aufenthaltsraum gesessen und immerzu geschimpft. Sie wollte den Text schreiben: „Es ist zu laut! Merde! Brezel! Stift!“ Es war ein riesiges Erlebnis, mit denen Musik zu machen. Wenn du es genauer haben willst, musst du Françoise fragen. Ich werde dir nicht ihren Text erklären, das gibt nur Ärger, haha.

Torsten: Irgendwann ist doch jeder von uns mal mit dem Fahrrad zur Ex-Freundin gefahren, nur hatte das keinen Hilfsmotor. Das Vélosolex ist so ein französisches Ding, den Motor klappt man aufs Vorderrad, das gibt es hier gar nicht.

Arnim: STEREO TOTAL sind auch richtige Künstler. Die hören die Musik und dann sitzt Françoise so vor dir und sagt so: „Ich höre ‚ Vélosolex‘, das klingt nach ‚Vélosolex‘.“

Ist das in euren Augen der abgefahrenste Song auf der Platte?

Arnim: Es gibt viele schräge Nummern auf der Platte, „Gap“ zum Beispiel.

Torsten: Ich finde „Yours“ ist relativ ungewöhnlich.

Arnim: „Yours“ ist auch schräg ... „Yours“ spiegelt unseren Musikgeschmack ganz gut wider. Wenn wir uns gegenseitig im Proberaum Musik vorspielen, könnte man Fäden ziehen zu dem Album, was wir da gerade gemacht haben.

Torsten: Es wird sicherlich Leute geben, die sagen, dass der Song mit DEICHKIND ungewöhnlich für uns ist. Er ist sehr poppig und auf Deutsch. Aber wie Arnim schon sagte, jedes Lied steht für irgendeinen Geschmack oder ein Gefühl, bei dem wir sagen: das ist total geil. Wir hören OASIS total gerne, wir hören gerne die BEASTIE BOYS, da ist Mark Bolan drin, T. REX ...

Arnim: Ganz viel Achtziger und Neunziger.

Torsten: Das geht bei uns ja schon immer so. Bei allen Bands, die du so raushörst, kannst du sicher sein, dass wir alle sagen können: So richtig scheiße finde ich die nicht.

Ihr habt viele Spielereien auf der Platte. Wie wollt ihr das live umsetzen?

Torsten: Na, wir spielen die einfach.

Arnim: Das ist typisch BEATSTEAKS, wir haben keinen Plan. Wir werden sehen, sicher ist aber, dass wir ganz viel spielen wollen von der Platte. Wir haben die ja nicht gemacht, um uns eineinhalb Jahre zu bespaßen, sondern wir nehmen sie sehr ernst und werden sie den Leuten live um die Ohren hauen. Was wir da treiben, ist auch noch ein bisschen ein Geheimnis ... weil wir es selber nicht wissen, haha.

Torsten: So richtig unmöglich ist da aber auch nichts. Das kriegt man hin mit fünf oder sechs Leuten. Wir sind ja oft auch zu sechst live, Dennis ist dabei. Bei den KRAUTS-Produktionen sind schon mal achtzig Spuren offen gewesen, aber wenn man sich das anhört, merkt man, dass das Wesentliche doch immer Bass, Gitarre, Schlagzeug und ein bisschen Keyboard oder Synthesizer ist. Peter ist aber mittlerweile so fit an den Tasten geworden, das kriegen wir schon hin.

Dennis war ja eigentlich die Vertretung für den verletzten Thomas und ihr wart mal mit zwei Schlagzeugern auf Tour. Bleibt das jetzt so?

Arnim: Dennis ist wie eine Hand mehr, weil wir gemerkt haben, dass wir beide Dinge mehr ausfahren wollen live. Er gehört zur Familie, er war ja jahrelang Backliner. Der kann Schlagzeug spielen, Samples, Gitarre ...

Torsten: Der Idiot kann irgendwie alles, haha.

Arnim: Deswegen ist es ganz gut, wir wollen nichts vom Band laufen lassen oder so, das soll live gespielt werden.

Ist das euer Geheimrezept? Ihr seid ganz eine großartige Live-Band, das knallt immer, wenn ihr spielt.

Arnim: Ich glaube, dass wir heute noch Platten machen, weil wir so gute Konzerte spielen. Das glaube ich wirklich. Das ist nicht andersrum.

Torsten: Vielleicht liegt das auch daran, dass die anderen nicht so knallen. Kann man ja auch sagen. Es gibt genug neumodische Musik, die live eben nicht knallt und dann fällt es auf, wenn man als Band auf die Bühne kommt und es Rumms macht.

Arnim: Live kannst du nichts faken, da kannst du den Leuten nichts vormachen. Da musst du deinen Scheiß drauf haben. Es muss klar sein, wenn du auf eine Bühne gehst, was du da oben treiben willst. Offensichtlich ist es den Leuten klar, was wir da treiben. Uns selber ist das oft gar nicht so klar, haha. Es kommt jedenfalls so rüber und das freut uns total.

Du hast es ja selber schon angesprochen, ihr macht seit über zwanzig Jahren zusammen Musik. Ich hab euch 2002 zum ersten Mal live gesehen in Ibbenbüren auf dem Parkplatz von Musik Produktiv. Hättet ihr damals gedacht, dass es euch heute noch gibt und dass ihr so erfolgreich sein könntet?

Arnim: Ja.

Torsten: Das ist ja 15 Jahre her und wir waren alle viel jünger und hatten keine Familie und so was, und das hat einfach so einen Bock gemacht, dass ich persönlich gar nicht überlegt habe: Das ist ganz gut jetzt, aber was mache ich denn danach? Es war klar, dass es Spaß macht und offensichtlich funktioniert, und da galt es einfach, dass wir weitermachen. Erst als Thomas damals den Unfall hatte, habe ich mich mal gefragt, was passiert, wenn wir nicht weitermachen können.

Beste Live-Band, zig Alben, zwei DVDs, eine Single-Kollektion und jetzt eine Doppel-LP. Das könnt ihr jetzt nicht mehr toppen, oder? Was kann da noch kommen?

Torsten: Auf alle Fälle machen wir keine DVD mehr.

Arnim: Wir haben zwei richtig krass gute DVDs gemacht, eine heißt „Muffensausen“, die andere heißt „B-Seite“ und wer sie nicht hat ...

... ist selber schuld?

Arnim: Genau, haha. Ach, ich glaube, wir werden einfach wieder ein ganz normales Album machen, wenn wir darauf Bock haben. Ich könnte auch morgen unter einen Laster kommen und alles ist super.

Du bist also zufrieden?

Arnim: Ich bin glücklich, ja. Wenn wir wieder ein Album machen wollen, werden wir insofern auf „Yours“ reagieren, dass das dann nur ein 7-Song-Ding wird.

Torsten: Mit nur einem einzigen Produzenten, der uns genau sagt, was zu machen ist. Mir wäre es sehr wichtig, dass wir sehr lange live mit diesem Album auftreten, einfach, weil es so lang ist. Wir haben gerade mal bei drei Festivals gespielt.

Arnim: Doppelalbum heißt auch Doppeltour!

Torsten: Eigentlich schon. Man kann doch jetzt noch zwei Jahre lang Festivals spielen und auch ganz viele, ganz große, ganz kleine. Vielleicht auch welche, bei denen man uns nicht erwartet. Ich würde gerne mal beim With Full Force, Splash! und Melt in einem Sommer spielen, also bei drei Festivals, bei denen keine Band bei jedem spielt. Das würde ich toll finden.

Dann könntet ihr ja direkt in Ferropolis einziehen.

Torsten: Das wäre doch praktisch!

Arnim: Wir bleiben da einfach und die Festivalbesucher kommen irgendwann mal bei uns vorbei.

Julia Brummert

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #133 (August/September 2017)

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