Interviews & Artikel : GOGOL BORDELLO :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

GOGOL BORDELLO

Suchen und Finden

Die Gypsypunk-Band GOGOL BORDELLO meldet sich nach „Pura Vida Conspiracy“ von 2013 mit einem neuen, ihrem siebten Album zurück. „Seekers And Finders“ ist ein ausgestreckter Mittelfinger gegen den Spruch des französischen Philosophen René Descartes „Ich denke, also bin ich.“ Ein Hommage an den Moment. Ein Absage an Sorgen über die Zukunft und Hadern mit der Vergangenheit. Frontmann Eugene Hütz ist Anfang der Neunziger als politischer Flüchtling aus der Ukraine in die USA gekommen und hat dort seine Karriere als Künstler vorangetrieben, als Musiker, DJ und Schauspieler.

Eugene, was steckt hinter dem Albumtitel „Seekers And Finders“?

In den meisten Songs geht es darum, falsche Spiritualität zu entlarven. Dinge, die heute an jeder Ecke verkauft werden. Es geht also darum, ob du als Sucher jemals etwas finden wirst. Gibt es eine Garantie dafür? Und damit sind wir beim zentralen Thema das Albums: „Telepathic Love“. Wenn also Suchen und Finden schiefgehen, können wir immer noch Liebe aussenden. Um dieses Thema geht es in vier oder fünf Songs auf dem Album.

Gibt es eine Form von Spiritualität, mit der du dich beschäftigst?

Jeder bei GOGOL BORDELLO praktiziert eine gewisse Form von Spiritualität. Einige machen Tai Chi, andere üben sich im Yoga, andere nehmen psychedelische Drogen. Für mich ist es Songwriting. Ich denke jede Form von kreativer Arbeit ist ein Dialog mit der anderen Seite. Du verarbeitest Informationen, die dich durch intuitive Kanäle erreichen. Ich habe aber auch lange Zeit Chigong praktiziert, eine spirituelle Kampfsportart. Und viele von uns in der Band meditieren regelmäßig.

Wie viele verschiedene Kulturkreise arbeiten aktuell bei GOGOL BORDELLO zusammen?

Der Kern der Band bestand schon immer aus Osteuropäern. Sergey und Boris kommen aus Russland. Pasha kommt aus Weißrussland und ich stamme aus der Ukraine. Das ist die osteuropäische Gang in der Band. Elisabeth ist aus Schottland, ihre Familie stammt aber aus Hongkong. Thomas kommt aus Äthiopien, Pedro aus Ecuador und Alfredo ist ein Mexikaner, der in Los Angeles lebt.

Und wo ist die Homebase der Band aktuell?

Immer noch New York City. So wie es immer war. Ich habe die letzten sechs Jahre in Brasilien gelebt, bin aber vor einem Jahr wieder nach New York gezogen, weil ich ein spezielles Angebot bekommen habe, zu schreiben und zu komponieren. Ich darf über dieses Projekt aktuell aber noch nichts verraten. Ich liebe Brasilien, aber das ist nicht der Ort, an dem es vorwärts geht. Brasilien ist der perfekte Ort zum Durchschnaufen und die Sonne auf seiner Haut zu fühlen. In dieser Nation steckt ein sehr hedonistischer Vibe. Das macht wirklich Spaß.

Die Songs für „Seekers And Finders“ sind auf drei verschiedenen Kontinenten entstanden. Wie kam das?

Für mich ist das völlig normal. Als die Songs entstanden sind, war ich lange Zeit immer zwischen Osteuropa und Lateinamerika unterwegs. Brasilien, USA und Ukraine. Ich bin über Jahre in diesem Dreieck herumgereist. Als ich aber nach New York zurückgezogen bin, ist alles zusammengewachsen und hat einen Sinn ergeben. Als ich 15 oder 20 Songs mit Potenzial hatte, habe ich ein Studio gebucht und die Band hat angefangen, diese Songs viel besser zu machen, als ich es für möglich gehalten habe. Ich bin selbst immer wieder überrascht, wie sich die Songs entwickeln können. Ich schreibe zum Beispiel eine Ballade, lege sie der Band vor und die machen daraus eine Highspeed-Hymne. Oder ich schreibe eine schamanistische Schimpftirade und die Band formt daraus eine psychedelische Klanglandschaft. Diesen Prozess genieße ich total, weil es ein Abenteuer in der Welt meiner eigenen Kreativität ist.

Für die Aufnahmen habt ihr euch zwei prominente Studios ausgesucht. Der erste Teil wurde in den Inner Ear Studios in Washington eingespielt, wo unter anderem einst FUGAZI aufnahmen. Der zweite Teil entstand im alten Studio der BEASTIE BOYS in New York.

FUGAZI hatten sehr großen Einfluss auf mich. Sie haben mich vom europäischen Kunstsnob zum Fan amerikanischer Musik gemacht. Als ich von der Ukraine nach New York übergesiedelt bin, kannte ich vor allem Nick Cave, JOY DIVISION oder EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN. Sehr intellektuelle Bands. Und ich war fast resistent gegen Punkrock. Und mit FUGAZI habe ich eine ganze Reihe von intelligenten, alternativen Musikformen entdeckt. Es war für mich persönlich ein Wendepunkt, an dem ich erkannt habe, dass es auch amerikanische Musik mit Tiefgang und mehreren Dimensionen gibt. So habe ich auch Henry Rollins entdeckt und all das, was Iggy Pop in den frühen Siebzigern losgetreten hat.

War Ian MacKaye mal im Studio, als ihr aufgenommen habt?

Ja, Ian hat öfter mal vorbei geschaut. Das war sehr schön. Ich habe FUGAZI in den Neunzigern oft live gesehen. Und ich fand es immer faszinierend, wie eine Band auf der Bühne völlig ohne Lightshow auskommt und quasi bei Tageslicht spielt. Frei von allen Rock’n’Roll-Klischees. Für mich hatte die Band immer einen fast schamanistischen Vibe und eine sehr kraftvolle Ausstrahlung. Lustigerweise habe ich fast alle Mitglieder von FUGAZI nach und nach backstage bei unseren Shows getroffen. Da wurde mir bewusst, dass sie uns kennen und mögen, was wir machen. Deshalb wollte ich dort aufnehmen, wo auch die FUGAZI-Alben entstanden sind.

Die zweite Hälfte der Songs wurde in New York aufgenommen, im Oscilloscope Recording Studio der BEASTIE BOYS.

Der Vibe dort war auch sehr gut. Unser Drummer Alfredo Ortiz saß jahrelang für die BEASTIE BOYS am Schlagzeug. So ist die Idee und der Kontakt entstanden. Ein kurzes Telefonat, das war es. Uns hat die Idee von Anfang an gefallen, dort aufzunehmen. Deshalb gab es keine langen Diskussionen.

Bei GOGOL BORDELLO habt ihr schon mit so prominenten Produzenten wie Steve Albini oder Rick Rubin gearbeitet. Diesmal hast du dich entschieden, das Album selbst zu produzieren. Warum?

Dafür gibt es eine Menge Gründe. Wenn man mit so großartigen Leuten zusammengearbeitet hat, ist es nur eine Frage der Zeit, bis man es auch selbst versuchen will. Ich habe mir im Lauf der Jahre viele Dinge abgeschaut, die die Magie einfangen können. Für mich ist es außerdem wichtig, mich immer weiterzuentwickeln. Es ist mir also wichtig, dieses Pioniergefühl zu spüren. Unerforschtes Gebiet zu erkunden ist immer aufregend.

Im März habt ihr euch an einem Projekt namens Immigraniada Boat beteiligt. Worum ging es dabei?

Ich habe mich während der Präsidentenwahl immer von Politik ferngehalten. Ich habe das Ganze einfach ignoriert. Aber eines Morgens bin ich aufgewacht und dachte: Wir müssen die ACLU unterstützen, eine US-Organisation, die für die Rechte von Immigranten kämpft. Die Aktion mit dem Boot war also ein Versuch, diese Sache zu supporten. Denn die Menschenrechte müssen unter allen Umständen gewahrt bleiben. Wir spielten also auf einem riesengroßen Schiff, das um Ellis Island schipperte. Eine Insel, die für lange Zeit Sitz der Einreisebehörde für New York und über dreißig Jahre die zentrale Sammelstelle für Immigranten in die USA war. Und außerdem wurden dort immer die Piraten hingerichtet, haha. Wir haben auf dem Schiff zusammen mit DEVOTCHKA gespielt, einer befreundeten Band aus Dänemark. Und das Boot war vollgestopft mit Hardcore-Fans, die extra mit dem Flugzeug aus Mexiko, Kanada oder anderen Teilen der Staaten angereist sind.

Du bist immer wieder mal als Schauspieler tätig, warst etwa in „Alles ist erleuchtet“ zu sehen. Hast du aktuell irgendwelche Filmprojekte?

Nein. Momentan bin ich nicht besonders interessiert am Schauspielern. Wir leben in einer Welt, in der die Menschen Kinofilme für die höchste Kunstform halten. Ich sehe das anders, da gibt es eine Menge Müll. Es ist unglaublich schwer, in dieser Branche etwas Gehaltvolles zu finden. Schauspielern war das Langweiligste, was ich jemals in meinem Leben gemacht habe. Den ganzen Tag warten, um dann immer wieder dieselbe Szene zu spielen. Das ist nicht mein Lifestyle.

Wolfram Hanke

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #133 (August/September 2017)

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