Karl Brausch (LOVE A)

Foto

MY LITTLE DRUMMER BOY, Folge 40

Seit der Gründung von LOVE A vor sieben Jahren hat Drummer Karl Brausch eine erstaunliche Entwicklung durchgemacht. Vom zunächst sehr minimalistischen Stil der ersten Veröffentlichungen hat er sich im Laufe der Zeit über nunmehr vier Alben zu einem der besten, wenngleich unterbewertetesten Drummer im Lande entwickelt. Variables Spiel auf reduziertem Drumkit zeichnet ihn aus und so wurde es Zeit, ihn im Rahmen der LOVE A-Minitour in Leipzig zum Gespräch zu bitten.

Karl, wolltest du schon als kleiner Junge Schlagzeuger werden oder hattest du früher andere Interessen?

Eigentlich wollte ich immer Gitarre spielen und habe damit auch schon relativ früh angefangen. Ich habe dann ein- oder zweimal so einen Akustikgitarrenkurs besucht, aber das war so langweilig, dass ich nicht mehr hingegangen bin. Dann habe ich noch eine Weile auf der akustischen Gitarre weiter gespielt, bis ich gemerkt habe, dass das nicht so das richtige Ding für mich ist und ich lieber elektrische Gitarre spielen wollte. Richtigen Unterricht hatte ich also nie, weder mit der Gitarre noch beim Schlagzeug, sondern habe immer bei meinen Eltern im Keller geprobt. Zunächst nur für mich alleine und dann später mit meinen ersten Bands. Wenn ich mich heute daran zurückerinnere, dann ist es wirklich erstaunlich, dass meine Eltern das alles mitgemacht haben, denn wir waren schon echt brutal laut.

Für welche Musik hast du dich damals interessiert?

Meine Mutter hatte viele DEEP PUPRLE- und PINK FLOYD-Platten zu Hause stehen und das war dann auch die erste Musik, die ich intensiver und nicht nur nebenbei gehört habe. Die erste selbstgekaufte Platte war irgendwas von AC/DC, aber so genau erinnere ich mich nicht.

Wie bist du dann vom Gitarristen zum Schlagzeuger geworden?

Noch zu Schulzeiten, als ich so 14 oder 15 war, brauchten wir für unsere erste Band einen Schlagzeuger, und weil sich niemand sonst dafür interessierte, habe ich dann eben angefangen, Schlagzeug zu spielen. Irgendwie gab es immer zu viele Gitarristen. Wir haben damals Deutschpunk gespielt und erst viel später haben wir herausgefunden, dass unser Sänger einfach nur Texte von anderen Deutschpunk-Bands gesungen hat. Der kam immer zu den Proben und hat uns gesagt, wie wir spielen sollten, und erst als ich Jahre später einige der Lieder woanders zu hören bekam, fiel mir auf, dass wir denselben Song auch gespielt hatten. Neben den Deutschpunk-Songs haben wir auch noch CIRCLE JERKS gecovert und haben es tatsächlich zu einem Auftritt bei uns im Dorfpark gebracht. Dieser Auftritt war auch der eigentliche Grund, die Band zu gründen, denn wir hatten sechs Wochen zuvor erfahren, dass im Dorfpark ein Konzert stattfinden sollte, und fanden es cool, dort auch mit einer eigenen Band am Start zu sein. Es waren Sommerferien, wir hatten alle Zeit und so haben wir dann versucht, in sechs Wochen was hinzubekommen. Das Ergebnis war jedenfalls grauenhaft.

Hast du immer nur mit der Band zusammen geprobt oder auch allein bei dir im Keller?

Ich habe eigentlich immer nur mit der Band zusammen geprobt und habe viel zu selten geübt. Ich übe auch heute noch nicht, und leider hört man das auch sehr deutlich. Ich wäre froh, wenn ich damals, als ich mit 18 oder 19 zum Schlagzeug gewechselt bin, mehr Ehrgeiz entwickelt hätte. Wenn ich damals wenigstens ein paar Stunden in der Woche geübt hätte, würden mir heute bestimmt einige Sachen leichter fallen, aber ich habe wirklich immer nur zusammen mit der Band geprobt. Ich hatte und habe einfach immer keinen Bock zu üben. Geändert hat sich das erst, als wir für die letzten zwei Platten Demos aufgenommen hatten und ich hinterher nicht mehr sicher war, ob ich die Songs so spielen wollte, wie wir sie zusammen aufgenommen hatten. Da habe ich mich dann tatsächlich allein mit einem Click-Track und den Gitarrenspuren in den Übungsraum gesetzt und ausprobiert, ob ich vielleicht andere Sachen zu den Songs spielen könnte. Dabei ist zwar nicht viel herumgekommen, aber das waren meine letzten Versuche, allein zu proben.

Zu Beginn von LOVE A hast du noch ein sehr reduziertes Drumset ohne Toms gespielt. War das damals eine bewusste Entscheidung oder wie kam es dazu?

Das war eine ganz bewusste Entscheidung von mir, denn in unseren Anfangstagen war die Musik von LOVE A ja noch viel minimalistischer und es passierte in den Songs noch nicht so viel. Da waren Bassdrum, Snare und Hi-Hat eigentlich völlig ausreichend. Mehr brauchte ich nicht, und außer einem Ride-Becken hatte ich auch keine weiteren Becken. Bei der zweiten Platte meinte unser Produzent Robert Whiteley dann, dass ich vielleicht hier und da mal ein paar Toms spielen könnte, und als ich dann anfing, damit zu experimentieren, gefiel mir das eigentlich auch ganz gut. Die zweite Platte hätte ich wohl auch ohne Toms aufnehmen können, aber ab der dritten waren sie nicht mehr wegzudenken. Ich habe später manchmal keine Toms zu den Konzerten mitgenommen und dann mitten im Lied gedacht: Oh, die Tom ist weg, was mache ich denn jetzt?

Bist du als Drummer auch in das Songwriting der Band involviert?

Die meisten unserer Songs schreiben wir alle zusammen im Proberaum. Das geht auch viel schneller, als wenn ein Musiker mit einem fertigen Song zur Probe kommt und alle anderen müssen sich erst langwierig in den Track hineindenken. Es kommt schon mal vor, dass unser Gitarrist Stefan oder ich zu Hause neue Songideen haben und dann mit Gitarre, Bass und Drumcomputer aufnehmen. Dann bringen wir die Songs mit in den Übungsraum und entweder es wird was draus oder eben nicht. Aber so arbeiten wir eher selten. Ich würde sagen, dass 90% unserer Songs durch gemeinsames Spielen entstehen. Die Songs sind also ein Gemeinschaftsprodukt von uns dreien, und unser Sänger Jörkk kann dann auch mal meckern und seine Meinung sagen, aber eigentlich redet er uns in die Musik nicht rein. Wenn wir zusammen proben, entstehen seine Texte auch häufig parallel zur Musik und er geht dann öfter nach draußen, um Textzeilen aufzuschreiben. So laufen die Proben schon manchmal sehr chaotisch ab, aber es bleibt immer spannend.

Magst du die Arbeit im Studio oder bist du eher der typische Live-Schlagzeuger?

Ich mag die Arbeit im Studio total gerne. Das macht mir sehr viel Spaß und ich könnte das ganze Jahr im Studio verbringen. Mich interessiert da nicht nur das Schlagzeug, sondern eben der ganze Produktionsprozess. Man hat da so viele Möglichkeiten, die Dinge genau so umzusetzen, wie man sie sich vorgestellt hat, und das Schlagzeug ist nur ein kleiner Teil davon. Wenn ich die Drumparts einspiele, bin ich schon manchmal genervt, wenn es nicht so rund läuft, wie ich es mir gedacht habe, und ich bin immer sehr froh, wenn ein Song endlich fertig ist. Es gibt immer wieder Stücke, die nicht passen wollen und durch die man sich wirklich durchquälen muss. Dazu kommt, dass unser Produzent Robert immer wieder Ideen hat, wie ich Parts anders spielen könnte, und mich animiert, andere Dinge einfach mal auszuprobieren. Wenn sich die Dinge hinziehen, kann das schon manchmal nervig sein, aber am Ende hat er meistens doch recht. Live spielen macht mir auch total viel Spaß, aber durch die ganze Fahrerei kann das auch ganz schön stressig sein. Wenn man sich von Show zu Show beamen könnte, wäre es perfekt, denn die Auftritte selbst sind natürlich großartig. Es gehört eben irgendwie beides zusammen, denn ich könnte mir nicht vorstellen, in einer Coverband zu spielen, die nur live spielt und genauso wenig ist eine Band denkbar, die nur Platten aufnimmt, ohne die Songs live zu präsentieren. Das sind eben zwei Seiten derselben Medaille.

Hast du dir als Jugendlicher oder später mal überlegt, von der Musik leben zu können?

Nein, damals nicht und heute auch nicht, denn wir arbeiten alle ganz normal und machen die Band nur am Wochenende beziehungsweise in unserer Freizeit. Das ist natürlich ein sehr zeitintensives Hobby, aber es hat auch keiner von uns Bock darauf, nur noch für die Band zu leben und immer auf Tour zu sein. Wir sind alle schon ein bisschen älter, und als wir mit der Band angefangen haben, hatten wir auch schon alle einen Job und ein Leben neben der Band. Wären wir alle frisch aus der Schule gekommen und hätte sich zu Studentenzeiten jemand für unsere Musik interessiert, wäre das vielleicht anders gewesen. Dann hätte man sagen können: Egal, wir probieren das jetzt mal und sehen, wohin die Reise geht. Außerdem glaube ich, dass dann der Spaß an der Sache schnell verloren geht, denn manchmal ist es schon jetzt stressig genug, und wenn wir auf Tour jeden Morgen im Bus sitzen, frage ich mich immer wieder, warum wir den Scheiß eigentlich machen. Wenn man dann nachmittags irgendwo angekommen ist, macht es auch wieder Spaß, aber morgens ist es echt schlimm.

Gibt es irgendwelche Drummer, die dich begeistern oder denen du nacheiferst?

Mario Rubalcaba, der bei OFF! und den HOT SNAKES spielt, finde ich großartig. Der ist schon wahnsinnig gut. Und als Jugendlicher war ich tatsächlich vom HAMMERHEAD-Drummer sehr beeindruckt. Der spielte ultrabrutal und präzise und einmal habe ich erlebt, wie der beim Spielen gekotzt und einfach weitergetrommelt hat. Sehr beeindruckend. Ansonsten hatte und habe ich keine wirklichen Vorbilder. Ich war auch nie John Bonham-Fan, was wohl daran liegt, dass ich mich nicht wirklich für das Schlagzeugspielen als solches interessiere. Ich bin eben zufällig der Typ, der bei unserer Band hinter dem Schlagzeug sitzt, was daran liegt, dass Stefan Gitarre spielte und wir zusammen im Proberaum etwas machen wollten. Deswegen spiele ich jetzt immer noch Schlagzeug.

Wie würdest du deinen eigenen Stil bezeichnen?

Mittelmäßig in allen Belangen, würde ich sagen. Wenn ich bei unseren Konzerten nicht weiß, wie ein Song von uns anfängt, dann fange ich einfach so an, wie fast alle unserer Lieder anfangen. Dann merke ich nach ein paar Takten, ob ich im jeweiligen Song ein bisschen schneller oder langsamer spielen muss, aber das fällt zum Glück nicht großartig auf, weil ja die Unterschiede bei uns nicht so groß sind. Das ist der Vorteil für mich.

Bist du mit der Band ausgelastet oder würdest du gern noch andere musikalische Projekte ausprobieren?

Tatsächlich habe ich seit zwei Monaten mit unserem Bassisten Dominik noch eine Band, in der ich Gitarre spiele und mit der wir verzerrten, schnellen Garagenrock spielen. Da wir ja mit LOVE A nicht regelmäßig proben können, weil wir alle weit voneinander entfernt wohnen, fehlte Dominik und mir einfach dieses Gefühl, einmal in der Woche im Übungsraum zusammen Musik zu machen. Jetzt können wir uns ein- bis zweimal in der Woche treffen und mit zusammen Freunden Musik zu machen. Wir haben jetzt schon ein paar Songs geschrieben und irgendwann im Sommer werden wir sicherlich auch einige Konzerte spielen. Wir werden bestimmt nicht oft auf Tour sein, weil wir alle Familie und andere Verpflichtungen haben. Aber Spaß machen die Treffen im Übungsraum auf alle Fälle.