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Interviews & Artikel

PRONG

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Tommy Victor ist Gründer, Gitarrist und Sänger sowie einziges verbliebenes Ur-Mitglied der 1986 in New York City gegründeten PRONG. Metal, Thrash, Hardcore, Industrial – die musikalischen Einflüsse der Band waren und sind vielfältig, eine spezielle Schärfe und Härte ist das verbindende Elemente der fast durchgängig aktiven Formation. Just erschien das neue Album „Zero Days“, und ich erwische Tommy via Skype irgendwo in Finnland, wo er gerade Konzerte mit DANZIG spielt. Oberste Priorität, das machte Tommy klar, haben für ihn aber PRONG.

In einem Video-Interview, über das bei Blabbermouth berichtet wurde, hattest du dich zu dem Dickicht aus News und Fake-News geäußert. Wie sieht deine Mediennutzung aus, wie filterst du?

Das ändert sich ständig, ich bin bisweilen recht wankelmütig. Mal habe ich diese Einstellung, einen Tag später eine andere, und so was schlägt sich auch in den Songtexten nieder. In diesen Smartphone-Ära strömt permanent eine ganze Lawine von Newsmeldungen auf einen ein. Bei mir sind das CNBC, CNN und Washington Post, aber auch Fox News und Breitbart. Zu Hause höre ich viel NPR, das öffentlich-rechtliche Radioprogramm, das läuft eigentlich immer im Hintergrund. Ich finde es schwer heutzutage, sich eine Meinung zu bilden. An sich macht es mir Spaß, gut informiert zu sein über aktuelle Ereignisse, so habe ich das Gefühl zu wissen, was so läuft. Ich versuche immer moderat zu sein in meinen Ansichten und keinen seltsamen Extremen zu verfallen.

Menschen aus der Hardcore-Szene hatten immer schon eine von gesunden Zweifeln geprägte Einstellung, die den Mainstream infrage stellte.

Damals, in den Achtzigern gab es kein Internet, nur Fernsehen, Radio und Zeitungen. Wir waren noch nicht so auf das Fernsehen fixiert, wir lebten einfach unser Leben – viel mehr als heute, wie ich finde. Wer heute jung ist, der weiß ja gar nicht, wie es ist, ein Leben ohne so ein ständiges Trommelfeuer von Informationen und Meinungen zu führen. Was da über die Social Networks auf einen einprasselt, das ist doch irre. Und dann das ständige Gezanke, das da abläuft ... Ich wollte damals einfach nur Spaß haben, hatte einen gewissen Ehrgeiz, arbeitete hart an meiner Musik, sah mich nicht als direkten Teil der Hardcore-Szene an – ich war ja nicht mal straight edge. Meine Musik und die Arbeit daran war für mich wichtiger als darüber nachzudenken, wie ich andere Leute von irgendwelchen Ideen überzeugen kann. Und das spiegelte sich in unserer Band wider, wir waren anders, bezogen nicht zu allem immer gleich Stellung.

Es gibt Künstler, Musiker, die über Social Media sehr deutlich ihre Meinung kundtun. Manchmal gefällt einem das, bei anderer Gelegenheit wird man bitter enttäuscht, wenn derjenige sich durch dumme Äußerungen völlig disqualifiziert.

Ich nenne jetzt mal keine Namen, aber mich stört durchaus, wie manche Websites – manche werden ja von diversen Labels kontrolliert – die immer gleichen Typen in den Vordergrund schieben. Und die haben dann ihre Schafherde von Followern, in deren Augen diese Typen nie was Falsches sagen können. Egal, was die sagen, es gibt nur wenig Widerspruch und das Ganze dient nur dem Zweck, diesen Typen Aufmerksamkeit zu bescheren. Gut, dass du dieses Thema ansprichst, das treibt mich ehrlich gesagt schon seit einer ganzen Weile um. Ich habe die Schnauze voll von diesen Typen.

Meist hilft es schon, erst nachzudenken und dann den Mund aufzumachen.

Ich habe diesem Prinzip eine größere Popularität geopfert. Manager, Labels und Promo-Firmen kommen immer an und nerven, ich müsse dieses und jenes machen, über bestimmte Themen sprechen und über andere nicht, und man werde für einen bestimmten Tweet sicher sehr viel Aufmerksamkeit bekommen und dann vielleicht mehr Platten verkaufen oder was weiß ich was. Aber ich kann so was nicht! Oder vielleicht bin ich auch einfach nur ein Feigling, haha. Nein, ich fühle mich damit nicht wohl, und als Teil des Musikbusiness muss ich ja schon genug Dinge tun, die ich eigentlich als unangenehm empfinde. Warum sollte ich das noch schlimmer machen? Ein paar angenehme Momente sollten schon noch bleiben, hahaha. Und man darf sich selbst einfach nicht zu ernst nehmen – ich glaube, in der Hinsicht bin ich New Yorker geblieben. Nimmt man sich selbst zu ernst, wird es völlig lächerlich.

Nicht wenige Musiker halten sich irgendwann für den Nabel der Welt und ihre Äußerungen und Meinungen für essentiell.

Ach echt ...? Haha, ich hatte da schon so einige Erlebnisse aus erster Hand. Generell stören mich so einige Dinge am geschäftlichen Aspekt des Musikbusiness. Irgendwie habe ich das Gefühl, den Teil meines Lebens nie wirklich unter Kontrolle gebracht zu haben. Meine Finanzen immer im Überblick zu haben und klug zu managen, sicher zu verhandeln und so weiter. Auf so was bin ich nicht trainiert. Und dann dieses ganze Geheule von wegen: Das sind nicht mehr die Neunziger, Musiker müssen mehr Verantwortung übernehmen und mehr leisten und härter arbeiten. Klar, und wie soll das gehen, wenn man eine Platte im Jahr macht, ständig mit zwei, drei Projekten jongliert und vielleicht zwischendurch auch noch so was wie den Hauch eines Privatlebens haben will? In meinem Fall bleibt für Letzteres echt kaum Zeit, ich habe in der Hinsicht schon viele Opfer gebracht. Mein Familienleben ist ein Desaster. Und dann wollen die Leute aus dem Business, dass du ständig noch mehr Opfer bringst. Aber was ist die Belohnung, die Entschädigung dafür? Ich passe mich ständig an und mache Kompromisse, aber ich habe das Gefühl, sobald du an einer Stelle nachgibst, wollen sie nur noch mehr von dir.

Irgendwie ist das aber auch nicht anders als im „normalen“ Berufsleben. Alles wird komplexer und immer verdichteter.

Das meine ich, wenn ich vom „Smartphone-Zeitalter“ spreche. Man ist ständig erreichbar, bekommt ständig E-Mails und andere Nachrichten, und wenn du nicht gleich oder überhaupt nicht antwortest, sind die Leute beleidigt. Die Taktzahl hat sich deutlich erhöht, man bekommt keinen „Flow“ mehr hin, doch genau das ist für einen Künstler so wichtig, damit er tun kann, was er eigentlich tun will und soll: Touren, Musik machen – und Dinge tun, die dich dazu befähigen, kreativ zu sein. Damit meine ich nicht, dass Künstler etwas Besonderes sind – so was würde ich niemals behaupten! –, aber es braucht eben bestimmte Aktivitäten, um relevante Musik zu machen. Und diese Tatsache scheint keinen mehr zu interessieren. Neulich war auf CNN ein Interview mit diesem Rapper Pitbull, über das ich mich ziemlich aufgeregt habe. Der wird als Ikone der „neuen“ Art des Musikmachens präsentiert, und der sagte, es ginge hier nicht um Kunst, sondern um Business, und mit Talent habe das sowieso nichts zu tun – sondern nur mit all dem, von dem ich keine Ahnung habe! Wie man eine Marke kreiert, wie man die Leute manipuliert und all so was. Klar, KISS haben damals damit angefangen, aber irgendwie war das ja noch cool, aber heute soll das der einzige mögliche Weg sein.

Allgemein leiden immer mehr Menschen unter dem, was man pauschal als Burnout bezeichnet. Hast du erlebt, dass Musikerkollegen diesem Druck nicht mehr standhalten?

Na ja, die selbstzerstörerischen Typen sieht man ja immer links und rechts des Weges liegen. Ich will nicht auf den Weg der Selbstzerstörung geraten, will nicht depressiv werden. Ich habe das alles erlebt, alles gesehen, ich kenne die Fallstricke, und ich kann erkennen, wann ich Gefahr laufe, in diese Richtung abzudriften, und gegensteuern muss. Denn tust du das nicht, tut es keiner. Allerdings gibt es Menschen, die das nicht hinbekommen. Ich bin also in der Hinsicht schon immer ein Grenzgänger gewesen, aber habe es bislang geschafft zu überleben. Es ist ein ständiger Kampf. Mir hilft es, mich nicht ständig mit anderen zu vergleichen. Wenn du dich ständig an einem Spitzensportler misst, kannst du doch nicht gewinnen. Es gibt eben Menschen, denen von der Natur oder dem Universum besondere Fähigkeiten verliehen wurden, aber die sollten einem nicht als Maßstab dienen. Manche Menschen haben genetisch oder sozioökonomisch die Fähigkeit geschenkt bekommen, härter zu arbeiten als andere – sollen sie tun, aber andere sollten daran nicht gemessen werden. Und dennoch stellt man sich dann hin und wieder die Frage: Why the hell am I doing this? Und dann weiß ich, dass ich mich wieder mehr meiner Freundin widmen sollte, dass ich mich um meinen Körper kümmern muss, um in Form zu bleiben. Die eine Strategie allerdings, um im Musikbusiness zu überleben, die gibt es nicht, die muss jeder selbst finden. Misstrauisch werde ich allerdings immer, wenn Musiker den Eindruck vermitteln wollen, ihr Weg sei der einzig wahre – ihre Spiritualität, ihre vegane Lebensweise. Und wenn jemand sagt, Biertrinken sei der richtige Weg – schön für den, für mich ist das nichts.

Joachim Hiller

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #133 (August/September 2017)

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