Interviews & Artikel : KAMIKAZE GIRLS :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

KAMIKAZE GIRLS

Sad girls to the front

Bitter-süßer noisiger Post-Punk: Traurigkeit als Lebensinhalt? Vielleicht auch nicht, wie „I don’t want to be sad forever“, der Titel des letzten Tracks des KAMIKAZE GIRLS-Debütalbums „Seafoam“ vermuten lässt. Also Resetknopf gedrückt und alles auf Neustart? Möglicherweise, wie Lucinda Livingstone, Sängerin und Gitarristin des von ihr und Drummer Conor Dawson vor drei Jahren gegründeten Duos aus Leeds, in ihren Bemerkungen zu sechs Schlagwörtern aus dem KAMIKAZE GIRLS-Kosmos durchklingen lässt.

Unsicherheit

In vielen KAMIKAZE GIRLS-Songs geht es um verschiedene Arten von Unsicherheiten und Ängsten. Die Lyrics sind sehr selbstreflexiv und ziemlich persönlich. Vieles fließt direkt aus mir heraus in die Musik.

Ernsthaftigkeit

Einerseits hat vieles in unserer Musik, unserer Band und den Dingen, über die wir sprechen, einen sehr ernsten Grundton. Andererseits nehmen Connor und ich uns im normalen Leben selbst nicht allzu ernst. Was unser Verhalten auf Tour oder so angeht zum Beispiel, wir haben gerne Spaß und gerne viel davon. Besonders beim Spielen, wir genießen das einfach. Wenn du in einer Band bist, kommst du manchmal an einen Punkt, an dem du dich selbst zu ernst nimmst und dann kannst du das nicht mehr genießen. Das ist mir in den vergangenen Jahren häufig passiert, da habe ich meine Bands und meine kreativen Projekte zu ernst genommen. Selbst wenn du über ernsthafte Themen singst oder sprichst, heißt das ja nicht, dass man das ganze Drumherum wie Touren, Pressearbeit oder auch einfach Leute treffen bierernst durchziehen muss. Viel wichtiger ist, dass das für dich selbst eine angenehme Sache bleibt und du mit allen klarkommst. Es ist zum Beispiel wichtig, auf Tour so locker wie möglich zu bleiben, weil einfach immer irgendwo was schiefgeht. Und wenn du das zu ernst nimmst, fühlst du dich einfach nur schlecht. Bei KAMIKAZE GIRLS geht mir das zum Glück nicht so, aber in der Vergangenheit war das definitiv oft der Fall. Als Mensch bin ich inzwischen viel entspannter als noch vor etwa fünf Jahren. Das hilft bei Stress und Ängsten enorm. Wenn du aus simplen und eigentlich erfreulichen Situationen etwas zu Ernstes machst, kannst du keinen Spaß mehr daran haben.

Grenzen

Im letzten Jahr haben wir uns keinerlei Grenzen gesetzt. Wir sind nicht davor zurückgeschreckt, die Dinge zu tun, auf die wir Lust hatten, nur weil wir nicht genügend Labelunterstützung, kein richtiges Management, Bookingagenten oder so hatten. Wir sind eine ziemliche D.I.Y.-Band. Als wir unsere erste EP „SAD“ veröffentlicht haben, haben wir beschlossen, ein halbes Jahr lang auf Tour zu gehen. Wir haben in sieben oder acht verschiedenen Ländern gespielt und alles selbst gebucht. Hätte ich ein Jahr zuvor darüber nachgedacht, hätte das nach dem härtesten Vorhaben auf der ganzen Welt geklungen und ich hätte nicht geglaubt, dass wir das schaffen könnten. Aber wenn ich jetzt darauf zurückblicke, hat uns das Überschreiten der Grenzen und der Wunsch, andere Länder wie die USA, Kanada, Belgien oder Deutschland zu besuchen, viele neue Türen geöffnet. Wir haben einige coole Dinge erlebt, viele Shows gespielt und auch neue Orte gesehen. Wenn man es so betrachtet, sind die meisten Sachen, die du mit einer Band tun willst, auch umsetzbar. Keine Limits. Auch das Dasein als Duo ist kein Limit, sondern eine Herausforderung. Live willst du auch zu zweit so voll wie möglich klingen und das ist eine echte Herausforderung. Aber wir genießen das. Außerdem hast du zu zweit einen viel stärkeren sozialen Druck. Du musst gut miteinander auskommen, während du dich in einer größeren Band an verschiedene Leute halten oder auch mal ganz zurückziehen kannst.

Offenheit

Wir sind als Band wohl, was die Dinge angeht, die wir in unseren Texte ansprechen, ziemlich offen. Ich tendiere dazu, offene und ehrliche Lyrics zu schreiben, so offen und ehrlich, wie es nur geht. Ich tarne Dinge nicht gerne, benutze keine Metaphern oder so. Ich spreche einfach aus meinen eigenen Erfahrungen heraus. Das führt in Interviews immer wieder dazu, dass mir sehr persönliche Fragen gestellt werden, aber das fordere ich mit meinen Lyrics eben auch irgendwie heraus. Ich finde es wichtig, offen und ehrlich zu sprechen. Es ist gut, über Dinge zu sprechen, über die nicht jeder sprechen will, psychische Probleme, Ängste oder auch Frauenfeindlichkeit und Sexismus. Es ist gut, darüber zu sprechen, wenn du eine Plattform dafür hast. Ich weiß zwar nicht, wie viel ich damit ausrichten kann, aber wenn ich einen Song schreibe und eine Person ihn sich anhört, sich damit identifizieren kann und es ihr auf irgendeine Art und Weise hilft, bin ich voll zufrieden. Ich glaube zwar nicht, dass ich zu einer riesig großen Veränderung beitragen kann, aber je mehr Leute über die Probleme unserer Zeit sprechen, desto wahrscheinlich wird es, dass sich tatsächlich etwas tut.

Helden

Als Kind hatte ich keine Ahnung von Gitarren- und Rockmusik. Ich wuchs mit Popmusik wie den SPICE GIRLS auf, haha. Irgendwo auf dem Weg habe ich dann Michael Jackson entdeckt, der so anders war als alle, von denen ich bis dahin gehört hatte. Er schien so einzigartig und besonders zu sein, ich vergötterte ihn und seine Kindheit. Poster von ihm pflasterten meine Kinderzimmerwand, als Teenager zog ich mich sogar wie er an. Er hat mir beigebracht, keine Angst davor zu haben, anders zu sein. Als Kind hatte ich immer das Gefühl, ein wenig komisch zu sein, in meiner Schule bin ich irgendwie aus dem Rahmen gefallen und ich mochte das gar nicht. Er hat mir gezeigt, dass das in Ordnung so ist, und als ich älter wurde, habe ich dann festgestellt, dass es Leute gibt, die genauso seltsam sind wie ich. Da fühlte ich mich dann ein wenig wohler, haha. Aus diesem Grund ist Michael Jackson einer meiner größten Helden, auch wenn andere das oft belächeln. Dass er es ist, ist eigentlich wirklich Zufall, aber so ist das eben im Leben. Bowie ist zum Beispiel auch so ein Kandidat, der anders ist und den viele Leute dann entweder für total scheiße oder einfach nur großartig halten. An Künstlern wie David Bowie, Michael Jackson oder Madonna liebe ich so, dass sie sich mit jedem Album neu erfinden. Jedes ihrer Alben ist anders, andere Musik, ein anderes Image. Wir haben ja jetzt selbst erst ein Album herausgebracht, aber ich liebe Bands und Künstler, die das so tun, und David Bowie hat das unglaublich toll hinbekommen. Ich weiß noch nicht so ganz, wo wir uns selbst gerade hinbewegen, wir haben ja auf der ersten EP eher mit Riot Grrrl-Sachen angefangen, uns auf dem Album aber ein paar Türen aufgestoßen, durch die wir dann gehen können. Shoegaze zum Beispiel, das würde ich gerne in Zukunft noch mehr ausbauen. Auf der anderen Seite mögen sowohl Connor als auch ich Popmusik, einen tollen Chorus und Mitsinghymnen. Ich bin selbst neugierig, was als Nächstes mit uns passiert.

Musik

Wenn ich an Musik denke und wie sie mein Leben beeinflusst hat, war sie ein sehr positiver Faktor. Mit vier Jahren habe ich angefangen, Klavier zu spielen. Ich war ein Einzelkind und hatte nicht wirklich viel zu tun, keine Brüder oder Schwestern zum Spielen, viel Zeit für mich allein. Ich habe also viel gesungen und Klavier gespielt, bis ich eines Tages die Gitarre für mich entdeckte. Mit 13 bin ich dann in eine Band eingestiegen und ziehe das jetzt seit 13 Jahren durch. Ohne etwas Musikbezogenes kann ich mir mein Leben gar nicht vorstellen. Als Teenager hatte ich viele Ängste, vor allen Dingen Angst davor, verlassen zu werden, wie ich später herausfinden sollte, und die Musik hat mir geholfen, damit fertig zu werden. Musik zu hören, laut Gitarre zu spielen oder Songs zu schreiben. An einem bestimmten Punkt war mein Sony Walkman mein bester Freund. Musik ist die einzige Konstante in meinem Leben. Ohne sie wäre nichts mehr so wie vorher.

Singles

Das Internet hat dazu geführt, dass jeder alles sofort haben will. Was meiner Meinung nach einer der Gründe dafür ist, dass viele Mainstream-Künstler eine Single nach der anderen veröffentlichen. Ich bin ein Verfechter des Albumformats und einige andere Leute da draußen scheinbar auch. Ich möchte gerne, dass man ein Album von Anfang bis Ende hört und nicht nur die Singles. Es wäre schön, wenn das Album in Zukunft eine Art Comeback erleben würde. Klar haben wir selbst auch schon einige Singles veröffentlicht, was aber nichts daran ändert, dass man unser Album von Track 1 bis 10 hören sollte. Wir können auch Singles schreiben, die für sich selbst stehen, aber bei dem Album zählt jeder einzelne Song.

Anke Kalau

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #134 (Oktober/November 2017)

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