LORANES

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Von Berlin nach Klagenfurt

Vor zwei Jahren hieß es: Mammut, der frühere Bassist der Berliner Retro-Rocker KADAVAR hat eine neue Band. THE LORANES heißt das Trio und im Oktober 2015 veröffentlichte Noisolution das Debütalbum „Trust“. Danach folgten viele Konzerte unter anderem mit THE PICTUREBOOKS, aber dann wurde es irgendwann still um die Band. Jetzt plötzlich liegt ein neues Album namens „2nd“ in den Läden. Und irgendwie ist alles anders, bestätigt auch Sänger und Gitarrist Patrick „Pat“ Straub im Interview.

Warum ist es nach dem ersten Album irgendwann so ruhig um euch geworden?

Bei uns ging alles immer schnell. Wir kannten uns vor der Band noch nicht. Nur Mammut und Elias kannten sich von früher. Wir haben uns in Berlin getroffen, gejammt und es hat von Anfang an gepasst. Nach sechs Wochen hatten wir gerade mal fünf Songs und schon die ersten Konzerte. Das erste Album kam relativ schnell und dann sofort viele Konzerte. Und dann sind Mammut und Elias aufgrund privater Umstände wieder nach Österreich zurückgegangen. Ich war noch in Berlin und wir wussten zu diesem Zeitpunkt alle nicht so richtig, wie es weitergeht. Deshalb gab es eine Weile lang kein Lebenszeichen von uns.

War die Band kurzzeitig sogar aufgelöst oder lag sie nur auf Eis?

Die Band war wegen der großen Distanz schon ernsthaft in Frage gestellt. Zwischen Berlin und Klagenfurt sind es schlappe 1.000 Kilometer, die uns trennen. Natürlich hätte man irgendwie übers Internet trotzdem Songs schreiben und sich die Dateien hin- und herschicken können. Aber das ist nicht unser Ding. Wir arbeiten relativ schnell und sehr gerne im Proberaum. Und deshalb war die Entfernung schon ein großes Problem für uns. Dann hat es Anfang April bei mir privat gut reingepasst und ich habe mit den beiden Jungs telefoniert und sie gefragt: Wollen wir einen zweiten Versuch starten? Ich komme einfach zu euch. Dann bin ich ins Auto gestiegen, habe meine Gitarren und Amps eingepackt und wir haben sofort wieder gejammt. Das hat dann wie beim ersten Mal super funktioniert, also haben wir beschlossen: Lasst uns einfach ein zweites Album machen! Ich bleibe für ein paar Monate, bis das Album fertig ist.

Und wie geht es jetzt weiter? Kommen die beiden Jungs zurück nach Berlin und ihr macht weiter?

Nein, Mammut und Elias sind immer noch in Klagenfurt. Mammut hat seine Mammut Bar, die es damals in Berlin gab, in Klagenfurt neu aufgemacht. Und Elias arbeitet im Schuhgeschäft seiner Eltern. Als die Band auf Eis lag, hat allen irgendwas gefehlt. Deshalb war das Feuer nach dem ersten Jam gleich wieder da. Ich persönlich bin inzwischen ein bisschen heimatlos geworden. Gerade wohne ich vorübergehend bei Elias im Gästezimmer und penne dort auf einer Couch. Ich werde mich komplett danach richten, wie es mit der Band läuft. Ich muss nicht unbedingt nach Berlin zurück. Ich bin definitiv noch bis Ende des Jahres hier in Österreich, um mit den Jungs weiter Songs zu schreiben. Wir haben das Album in drei Monaten geschrieben, geprobt und waren dann einen Monat lang hier im Studio und haben alles aufgenommen, gemischt und gemastert. Während der Aufnahmen haben wir außerdem auch unsere ersten beiden Konzerte seit neun Monaten gespielt: beim Tsukahara-Festival in Aschaffenburg und einen Gig in Freiburg.

Wo habt ihr das Album aufgenommen? In eurem Proberaum?

Wir haben das Album in einem Studio in Klagenfurt aufgenommen, bei Matthias Ordner in den X-Studios. Matthias nimmt sonst vor allem seine eigene Mucke auf und hatte bei uns so eine Art Produzentenrolle inne. Das war neu für uns, denn das erste Album haben wir komplett alleine in unserem Proberaum aufgenommen. Jetzt hatten wir richtig gutes Equipment zur Verfügung und jemanden, der das Equipment auch bedienen konnte. Das war schon drei Schritte nach vorne.

Das erste LORANES-Album klang noch sehr nach BLACK REBEL MOTORCYCLE CLUB, das zweite überhaupt nicht mehr. Ich finde, es klingt sehr britisch, ich erkenne in einigen Songs auch OASIS und Bands aus den Neunzigern wie PEARL JAM. Woher kommt das?

Vielleicht liegt es einfach daran, dass wir jetzt eingespielter sind und sich unser eigener Stil im Laufe der Zeit immer mehr herausbildet. Natürlich ist es immer schwierig, wenn man Rockmusik macht. Im Prinzip wurde musikalisch und auch textlich so ziemlich jedes Thema bearbeitet. Wir versuchen es jetzt eben auf unsere Art zu machen und es dabei irgendwie neu klingen zu lassen. Die Neunziger sind mein Ding. Wir hören auch nicht alle die gleiche Musik. Ich versuche immer, dieses Grunge-Element in die Musik reinzubringen. Elias ist mehr auf der Britpop-Schiene und Mammut ist eben großer Fan von BLACK REBEL MOTORCYCLE CLUB. Vielleicht haben sich die Verhältnisse inzwischen ein bisschen verändert, im Vergleich zum ersten Album. Wir wollen eine Mischung aus Grunge, Blues, Britpop und Garage machen.

Im Herbst seid ihr vier Wochen lang mit THE PICTUREBOOKS unterwegs. Was verbindet euch mit dieser Band?

Wir haben uns schon auf unserer ersten gemeinsamen Tour super verstanden. Als ich in Klagenfurt war, hat mich Claus Grabke, der Manager der PICTUREBOOKS, angerufen und gefragt, ob wir Lust hätten, die Tour mitzuspielen. Und wir haben natürlich sofort zugesagt. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt noch nicht mal die Hälfte unserer Songs fertig und hatten wirklich einen mega großen Druck. Das Album musste ja fertig sein, wenn wir auf Tour gehen. Dann mussten wir ordentlich reinklotzen, um das zu schaffen. Und trotz Zeitdruck und Stress sind wir alle superhappy mit dem Album.