Interviews & Artikel : PROTOMARTYR :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

PROTOMARTYR

Hoffnungsvolle Mysterien

Detroit, die Heimatstadt von PROTOMARTYR, hat nach wie vor mit vielen Problemen zu kämpfen. Damit haben PROTOMARTYR sich bereits ausgiebig auseinandergesetzt. Inzwischen hält es Frontmann Joe Casey aber lieber etwas im Vagen. So auch auf dem jüngsten Album „Relatives In Descent“. Im Interview spricht er über Enttäuschungen, Universalideen und falsche Wahrheiten.

Joe, du hast das Artwork des Albums wie üblich selbst gestaltet. Die Frau auf dem Frontcover hat den Blick einer Sphinx und scheint die collagenhafte textliche Uneindeutig- und Rätselhaftigkeit, die das ganze Album umgibt, zu verkörpern. Womit hat der Betrachter im Inneren zu rechnen?

Ich spiele ein wenig damit. Als ich dieses Foto gesehen habe, wusste ich sofort, das muss auf das Cover des Albums. Ihr Bild gibt dir keine eindeutigen Antworten, es birgt eher eine Art Geheimnis. Wer ist diese Frau? Was sagt ihr Blick? Wie eine Wahrheit, die nach dir greifen will. Ich wollte kein glückliches oder trauriges Gesicht, sondern etwas Mysteriöses. Und das trifft ihr Ausdruck wirklich ganz genau. Ich setze mich immer erst an das Artwork, wenn das Album fertig ist, und fange an, darüber nachzudenken, was dieses Album als Ganzes bedeutet. Davor weiß ich nie wirklich genau, was der tiefere Sinn der Songs ist, während ich über sie nachdenke, ändert sich auch meine Sichtweise. Das Artwork zusammenzustellen ist also ein spannender Teil des ganzen Prozesses. Davor tappst du manchmal selbst irgendwie im Dunkeln und kannst nur darauf hoffen, dass alles irgendwie einen Sinn ergibt. Aber ich mag es auch, wenn die Dinge mal keinen eindeutigen Sinn ergeben. Dann muss man sich intensiver damit befassen. Der Hörer, aber auch ich.

Desinformation – trifft dieses Schlagwort in dem Zusammenhang zu?

Das hat mich tatsächlich sehr beschäftigt, als ich die Texte geschrieben habe. Gerade schwirren viele Fake-Ideen im System herum. Dinge, die du für wahr und richtig hältst, erweisen sich als vollkommen falsch. Damit wollte ich mich auseinandersetzen, wenn du jahrelang an etwas glaubst und dann herausfindest, dass es gar nicht stimmt. Eine Menge Leute glauben Dinge, die einfach nicht wahr sind, weil man die Tatsachen so leicht verdrehen kann. Ich würde das jetzt an keiner speziellen Stelle in irgendeinem Song festmachen, aber es schwingt unterschwellig oft mit. Während ich die Lyrics geschrieben habe, habe ich diese Grundstimmung, die mich zu der Zeit umgeben hat, einfach mit eingefangen. Und die taucht dann immer wieder in verschiedenen Songs auf. Das hat sich dann zum Hauptthema des Albums entwickelt.

Eure sozialkritische Komponente scheint mir im Laufe der Jahre immer versteckter zu sein als zu PROTOMARTYR-Anfangstagen.

Zu Beginn war eigentlich alles eher schwierig. Als ich in einer Band anfing, die laute Musik macht, wie sie im Punk eben so üblich ist, habe ich mir wirklich spannende Songtexte ausgedacht. Aber in Kombination mit der Musik bekommt niemand wirklich mit, was du da gerade sagst. Für die meisten Leute geht es hauptsächlich um den Sound, die Worte sind eher sekundär. Ich könnte irgendwas von Gemüse faseln, es würde keinen Unterschied machen. Außerdem hatte ich vor PROTOMARTYR ja noch nie Lyrics geschrieben, es hat eine Weile gedauert, bis ich wusste, was funktioniert und was nicht. Die Band hat sich im Laufe der Zeit auch weiterentwickelt, wir haben unseren Sound ein wenig aufgeräumt, so dass mein Gesang inzwischen tatsächlich besser zu verstehen ist. Früher habe ich über die Dinge geschrieben, die ich kannte, meine Welt war viel kleiner als jetzt. Was zu Beginn ja auch notwendig ist, du kannst nicht sofort nach den Sternen greifen. Mittlerweile kann ich Dinge auch mal etwas indirekter ausdrücken, nicht so geradeheraus und politisch wie zu Beginn. Das macht es etwas interessanter.

Du hast im Vorfeld der Veröffentlichung gesagt, die Erkenntnis, dass es keine gemeinsame Realität gebe, habe dich sehr beschäftigt.

Ich weiß zwar nicht hundertprozentig genau, wovon ich da rede, aber so hat es sich für mich vergangenes Jahr angefühlt. Die Dinge erschienen mir immer abgehobener und verrückter. Aber wenn ich ehrlich bin, ist das schon seit Jahren so. Vielleicht war es auch immer schon so. Es ist eine naive Vorstellung, dass es so was wie eine universelle Wahrheit gibt, die du nur finden musst. Viele Leute haben sich in die Annahme geflüchtet, dass es so was wie Universalideen gibt, die für jeden gleichermaßen gelten. Ich soll mich meinen Mitmenschen gegenüber nett verhalten etwa, haha. Oder ich soll glauben, dass alle Menschen gleich sind. Du hältst das für eine allgemeingültige Wahrheit. Und dann findest du heraus, dass das so wohl doch nicht stimmt. Das war schon recht naiv. Es ist jetzt aber nicht so, dass alle vorherigen Alben Allgemeingültigkeiten widerspiegeln. Auf dem letzten Album habe ich im Song „The devil and his youth“ beschrieben, wie es ist, wenn jemand zügellos und hasserfüllt ist, weil er eigentlich gar keine eigene Meinung oder Weltsicht hat, weil er aus einer privilegierten Welt stammt. Damals wusste ich noch nicht, wie genau ich damit meinen jetzigen Präsident beschrieben habe. Was auch zu diesen verstörenden Befindlichkeiten geführt hat, die mich im vergangenen Jahr begleitet haben. Ich versuchte, das Ganze in Texte zu fassen, aber ich weiß auch nicht, was die Wahrheit ist, ich habe keine Antwort.

Heißt das, du hast den Glauben an eine bessere Zukunft verloren?

Nein, was das angeht, bin ich nach wie vor zuversichtlich. Aber bin noch immer damit beschäftigt, über diese neue Erkenntnis hinwegzukommen. Es ist nicht so, dass die Welt vor zwei Jahren noch heil war und jetzt geht plötzlich alles zum Teufel. Bei dem Versuch zu ergründen, was das alles für mich bedeutet, komme ich mir vor wie ein Flummi, der die ganze Zeit hin und her hüpft. Ich habe es immer für selbstverständlich gehalten, dass wir uns in Richtung von etwas Besserem bewegen. Dass wir uns wie in einer Art Evolutionsprozess auf eine bessere Gesellschaft zubewegen. Und jetzt wird vieles zunichte gemacht oder zumindest teilweise zurückgenommen. Du siehst ja gerade in den USA, wie einfach es ist, jemandem seine Menschenrechte zu entziehen. Das kann ganz schön erschreckend sein. Diese Angst ist zwar berechtigt, aber wir sollten den Mut nicht verlieren. Allerdings wurmt es mich, wenn jemand so tut, als hätte er die passende Lösung. Es gibt zwar einige wenige, die wissen, wovon sie reden, aber die meisten eben nicht. Etwas, worüber man in solchen harten Zeiten sprechen kann, ist meiner Meinung nach, was man bei dem, was in der Welt passiert, empfindet. Und das ist eben auch verbunden mit meiner eigenen Sterblichkeit, oder dem, was ich gerade gegessen oder getan habe. Eine sehr persönliche Herangehensweise. Außer Binsenweisheiten könnte ich keine Antworten bieten, also beschreibe ich lieber, was mich innerlich bewegt.

Was hat sich in musikalischer Hinsicht im Vergleich zu euren letzten Alben getan?

Die Band ist selbstsicherer geworden. Ich betrachte Greg, unseren Gitarristen, als musikalischen Kopf der Band. Er ist der Soundtüftler. Vor diesem Album hatten wir alle noch einen regulären Job. Egal wie viel wir getourt sind, es musste alles mit der Arbeit vereinbar bleiben. Jetzt haben wir die Jobs wegen unserer enormen Touraktivitäten aufgegeben und hatten daher genügend Zeit, uns im Studio oder Proberaum zusammenzusetzen und an den Songs zu arbeiten. Das hat schon einen großen Unterschied ausgemacht. Greg hatte viel Raum, um an seinen Ideen zu feilen. Er brachte Demos mit und Alex, unser Drummer, und er haben am Tag fünf Stunden und mehr daran gebastelt. Später sind dann unser Bassist Scott und ich dazu gekommen und haben unseren Teil zum Ganzen beigetragen. Wir haben Mitte 2016 mit dem Schreiben der Songs angefangen und insgesamt vier Monate an dem Album gearbeitet. Für das Aufnehmen an sich haben wir zwei Wochen gebraucht, mehr Zeit, als wir jemals zuvor hatten.

Ihr bringt eure Alben auch in ausgefallenen Spezial-Editionen heraus. Ist euch das in künstlerischer Hinsicht ein Anliegen?

Weniger. Die Leute mögen farbiges Vinyl, Sammlerstücke und diese Dinge. Ich kann das nicht ganz nachvollziehen, aber sie wollen das. Aber das ist schon seit unserer ersten 7“ so, die Labels wollten eine farbige Vinylversion herausbringen. Meine Botschaft an alle da draußen lautet: Das schwarze Vinyl ist das beste!

Anke Kalau

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #134 (Oktober/November 2017)

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SKASSAPUNKA aus Mailand spielen 1a-Ska-(Street)Punk, mit politischen Texten gegen Faschismus, Staat und Kapital, in der Tradition von TALCO, LOS FASTIDIOS, NH3 und RED SKA. SKASSAPUNKA brauchen sich nicht hinter den genannten Bands verstecken. Ihre ... mehr

 
 

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