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Interviews & Artikel

DOWNTOWN BOYS

Culture is a weapon

Die DOWNTOWN BOYS, überwiegend hispanisch, teilweise auch bekennend genderqueer, mischen gerade die US-Punk-Szene auf. Mit fetten Brass-Einlagen zu wütendem Hardcore verschlüsseln sie ihre radikalen politischen Aussagen und Forderungen zwar textlich meist leicht kryptisch auf ihren Platten – teilweise auch komplett auf Spanisch –, formulieren diese aber bei Live-Auftritten dafür umso klarer und energischer. Gitarrist und Sänger Joey DeFrancesco erläutert die Bedeutung von Aktivismus und Netzwerken und erklärt, warum Musik und Politik zwangsläufig untrennbar miteinander verbunden sind. Ihr Album „Cost Of Living“ erschien im Herbst 2017 auf Sub Pop.

Joey, ihr wart 2017 viel auf Tour. Habt ihr unterwegs ein paar interessante Leute getroffen?


Ja, klar, überall, wo wir hinkommen, treffen wir interessante Leute. Das ist mit das Beste am Touren, dass du herumkommst, Menschen aus den verschiedensten Teilen der Welt begegnest und so auch mitbekommst, was anderswo passiert, wie sich ihre Lebenssituation darstellt. Auf internationaler Ebene ist das besonders spannend. Als wir in Neuseeland und Australien waren, über die ich persönlich bis dato wenig gewusst habe, habe ich beispielsweise sehr viel über die dortige kulturelle und politische Lage erfahren. Etwa dass Populismus auch dort ein Problem ist. Wenn wir unterwegs sind, ist das immer eine hervorragende Gelegenheit, Informationen auszutauschen.

Ich stelle mir das ziemlich schwierig vor, ideell gewinnbringend in Kontakt zu anderen zu treten, wenn man quasi jeden Tag an einem anderen Ort verbringt.

Klar ist das eine Herausforderung. Aber dadurch, dass wir unsere Touren über so viele Jahre hinweg selbst gebucht haben und dabei täglich bei irgendjemandem auf dem Fußboden geschlafen haben, haben wir selbst auch angefangen, in unseren Heimatstädten Konzerte für andere Bands zu organisieren, und uns so ein ganz gutes Netzwerk aufgebaut. Wir sind deshalb auch räumlich übergreifend in die Szene eingebunden, in erster Linie in unserem eigenen Land, aber mittlerweile auch auf internationaler Ebene. Natürlich ist das nicht die Art Kontakt, den du in deinem Umfeld hast, das hat aber auch seinen ganz speziellen Reiz, ist eine wirklich wichtige und auch aufschlussreiche Sache. Personen über ein Netzwerk zu verbinden, auf die man sich verlassen kann, finde ich unglaublich interessant und gleich auf mehreren Ebenen sehr ergiebig.

Ist euch auf eurer Tournee in irgendeiner Form aufgefallen, dass auch Europa derzeit mit Populismus zu kämpfen hat?

Wir waren jetzt zum zweiten Mal in Europa unterwegs und hatten dieses Jahr große Angst davor, als US-amerikanische Band allein aufgrund unserer Herkunft abgelehnt zu werden. Hat ja alles auch seine Berechtigung, unser Land muss diesen ganzen Mist so langsam in den Griff bekommen und schlägt gerade weltweit zerstörerisch um sich. Aber dem war nicht so, weil der rechte Flügel nahezu überall wieder erstarkt. Der Brexit Großbritanniens ist das Paradebeispiel, aber auch ganz allgemein greifen Rassismus, Ethnophobie und Islamophobie um sich. Vor allen Dingen habe ich da ein Gefühl der Solidarität wahrgenommen, diesen aufstrebenden Populismus gemeinsam bekämpfen zu wollen. In Großbritannien hatte kurz vor unserem Eintreffen eine große Neonaziversammlung stattgefunden und überall wo wir hinkamen, sind wir ähnlichen Problemen begegnet. Und nicht nur in Europa, das passiert weltweit. In Australien wurde gerade einen Tag vor unserer Ankunft ein Gesetz zur Zulassung der Homo-Ehe verabschiedet, was großartig ist, aber gleichzeitig auch bewirkt hat, dass sich die konservativen Stimmen wieder verstärkt zu Wort gemeldet haben. Das schlägt alles in die gleiche Kerbe wie die Vorgänge in den Vereinigten Staaten. Das ist ganz eindeutig ein internationaler Kampf und das war es auch schon immer.

Muss man die DOWNTOWN BOYS live gesehen haben, um nachvollziehen zu können, was ihr eigentlich seid und wollt?

Es ist auf jeden Fall schwierig, das, was wir live tun, auf Platte festzuhalten. Ich bin stolz auf unsere Platten, besonders auf die letzten beiden. Jedoch haben wir uns von Beginn an als Live-Band verstanden. Wir kamen aus dem Kontext der WHAT CHEER? BRIGADE, einer radikalen Brass- und Marching-Band, die in erster Linie dafür stand, Protest zu organisieren und die Leute aus dem Moment heraus mitzureißen. Aus der Mentalität heraus arbeiten wir auch als DOWNTOWN BOYS: Wir wollen ein kritisches Momentum schaffen, in dem wir sowohl ein kathartisches Erlebnis für uns verbuchen als auch bestimmte Probleme ansprechen und diskutieren können, eine Art Party und politische Kundgebung zugleich. Victorias Ansprachen zwischen den Songs sind beispielsweise ein wichtiger Teil unserer Live-Shows. Sie erklärt, wovon der Song handelt, und setzt ihn direkt in direkten Bezug zu dem jeweiligen Publikum, das ist schon eines der bedeutsamsten Dinge, die wir so tun. So was kannst du nicht so leicht auf Platte bannen. Deswegen touren wir ja auch möglichst viel, um so viele Menschen wie möglich live erreichen zu können. Dennoch: Unsere Platten haben als eigenständiges Dokument auch ihre Daseinsberechtigung.

Ist „Culture is a weapon“, der Slogan des Spark-Magazins, eines eurer Seitenprojekte, auch eure Maxime?

Genau, wir nutzen die kulturellen Mittel als eine Art Werkzeug oder auch Waffe im Kampf für das, woran wir glauben. Es ist sicherlich nicht die einzige Waffe. Niemand glaubt wohl ernsthaft daran, dass Musik alle Probleme da draußen beheben könnte, aber sie kann durchaus Teil des Instrumentariums sein, das Änderungen anstoßen kann. Ich finde es wichtig, das noch mal ganz explizit zu erwähnen und anzuerkennen, weil viel zu viele Künstler darauf bestehen, dass ihre Kunst nicht politisch sei. Tatsächlich ist es aber unmöglich, jenseits des politischen Geschehens zu existieren, du agierst immer in einem politischen Raum. Man muss das einfach verstehen und sein Handeln daran orientieren. Genau darum geht es auch im Spark Mag: Wir gehen von der Grundannahme aus, dass die Dinge, die wir featuren politischer Natur sind, und können von da aus tiefer in die Materie und die ihr zugrunde liegende politische Aussage einsteigen.

Also agieren die DOWNTOWN BOYS eher nach dem Grundsatz „form follows function“, das heißt der Inhalt ist wichtiger als die Musik?

Beides ist wichtig. Auf der einen Seite wollen wir auch als Musiker und Songwriter ernstgenommen werden, das kommt mitunter einfach zu kurz. Wenn wir Songs schreiben, kann das zum Beispiel von beiden Seiten ausgehen: Manchmal habe ich zunächst eine musikalische Idee, die noch frei von jeglichen Lyrics oder politischen Botschaften ist und die inhaltliche Füllung des Ganzen folgt später. Manchmal fangen wir mit einem Slogan, einer Idee oder Reihe von Textzeilen an und fügen dann nach und nach die Musik hinzu. Das geht also in beide Richtungen, man kann das eine nicht von dem anderen trennen. Natürlich muss dem musikalischen und künstlerischen Aspekt auch eine gewisse Aufmerksamkeit entgegengebracht werden, wenn du nur Mist machst, wird sich das auch keiner freiwillig anhören. Beides gehört zusammen.

Über das Spark Mag hinaus seid ihr noch in einige andere Projekte eingebunden.

Ja, eigentlich ist jedes unserer Mitglieder noch anderweitig in Projekte involviert, das war schon von Beginn an so. Victoria und ich haben uns beispielsweise kennen gelernt, als wir beide in demselben Hotel gearbeitet haben und dort eine Kampagne für einen gewerkschaftlichen Zusammenschlusses mit organisierten. Dann das Spark Mag auf der kreativen Seite. Oder die Initiative Demand Progress, die sich für Bürgerrechte im Netz starkmachen, aktuell besonders für die Netzneutralität, die in den USA gerade einen herben Rückschlag hinnehmen musste. Wir hoffen, diesen Kampf noch zu gewinnen. Victoria, unsere Frontfrau, arbeitet für das Center of Popular Democracy und bekämpft dort die Steuerreform der Republikaner, denn die würde dazu führen, dass das Vermögen noch stärker zugunsten der Upperclass umverteilt wird. Zudem geht sie mit massiven Einschnitten in der Gesundheitsversorgung einher. Das CPD wird in den kommenden Jahren weiterhin gegen diese katastrophale Politik vorgehen. Unser Saxophonist spielt in einer Band namens HARRY AND THE POTTERS, einer auf der Figur Harry Potter aufbauenden Band, die versucht, Energie aus der Fankultur auf die politische Ebene umzuleiten. Wir haben die Zeichen der Zeit erkannt und sind in diversen Politprojekten aktiv, denn das braucht die Gesellschaft gerade dringend.

Anke Kalau

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #136 (Februar/März 2018)

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