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Interviews & Artikel

BOXHAMSTERS

Es gibt nur wenige Bands, denen die Ehre erwiesen wird, mehrmals vom Ox interviewt zu werden. Und wenn es andere vielleicht doch auch mal zu einem zweiten Feature auf diesen Seiten bringen, so ist es die absolute Ausnahme, eine Band sogar ein drittes Mal ins Heft zu nehmen. Doch keine Entschuldigungen: schon als ich (protz!) im Studio die ersten Aufnahmen für das neue Boxies-Album hörte, war klar, daß die "tupperparty" ein Knaller werden würde. Das Album ist mittlerweile erschienen, die hohen Erwartungen werden voll erfüllt, und so machte ich mich mit Uschi am Ostersonntag auf nach Gießen in Coburgers Führerbunker, um ein bißchen zu plaudern. Anwesend waren beim Interview außer Uschi und mir die Herren Co, Nils und Ulf sowie als stiller Beobachter Thorsten, der Ex-UNBEZAHLBARE. Und los.

Beim letzten Interview war Weilo noch dabei, jetzt spielt Nils die zweite Geige, äh, Gitarre. Wie kommst du zu der Ehre, Nils?

Nils: Das mußt du den Co fragen. Der hat mich gefragt, ob ich nicht mitspielen will, obwohl er wußte, daß ich gar nicht Gitarre spiele. Ich dachte mir, ich probiere das einfach mal.

Ulf: War bei mir genauso. Ich konnte auch nicht Schlagzeug spielen, aber dachte mir, warum nein sagen, wenn mich jemand fragt.

Es gibt ja viele Bands, die über neue Mitglieder danach entscheiden, wie frickelig etwa ein Gitarrist spielen kann. Kommt es für einen Boxhamster eher auf die Persönlichkeit an?

Co: Ja klar, das ist bei uns das A und O. Wir kennen uns alle sehr gut, was freilich nicht bedeutet, daß wir miteinander "verheiratet" sind. Es ist nur wichtig, daß man auf einem Level ist, sich versteht und...

Nils: ...sich gegenseitig Ouzos ausgibt...

Co: ...die Gitarre stimmt...

Ulf: ...den Verstärkersound einstellt...

Co: Mit einem Wort: Freundschaft vor Können. Nils und ich kennen uns schon seit der Schule, das heißt, ich war mit seinem Bruder in einer Klasse. Irgendwann ist Nils dann sitzengeblieben und war auch in meiner Klasse.

Dann ist Nils noch älter als Co.

Nils: Wir sind der gleiche Jahrgang, aber ich bin ein paar Monate älter. Co ist spät eingeschult worden, deshalb.

Co: Ich bin ein Spätentwickler, stimmt.

Und deshalb ist aus dir auch nichts geworden.

Co: Doch, ich bin professioneller Nichtsnutz.

Nils: Und ich bin Taxifahrer und angebrochener Student.

Co: Das liegt daran, daß selbst 1984 die Abitur machen durften, die 1954 das Abi nicht geschafft hätten. Und 1934 wären sie sofort erschossen worden.

Bei den BOXHAMSTERS steht Co als Sänger, Songschreiber, Texter und Organisator nach außen hin meist im Vordergrund. Doch wer euch kennt, der weiß, daß die anderen drei für die Band genauso wichtig sind. Wie sehen das die anderen in der Band?

Co: Ja, also... (Gelächter)

Nils: Mir war diese Situation klar, als ich einstieg. Natürlich, da ist einer, der schreibt die Songs, aber das eigentliche Spielen ist doch wieder ein Gruppending. Denn so eine Band ist viel mehr als nur die Songs: dazu gehört das Hinfahren zu einem Konzert, das Zurückfahren, das gemeinsame Essengehen, das Trinken, das gemeinsame Rumhängen. Und ich müßte Lügen, wenn es einem nicht wie Öl runterginge, zusammen auf der Bühne zu spielen und die Leute vor dir gehen voll ab. Da ziehen wir drei anderen uns so die Kicks raus, denke ich.

Co: Wir haben auch im Übungsraum so ein rundes Regal mit Deckel, wo die ganzen abgelehnten Songvorschläge von Philipp, Ulf und Nils reinkommen. Nein, wenn die anderen nichts auf die Reihe kriegen, ist es doch nicht meine Schuld, wenn alle Songs von mir sind. Ehrlich, ich habe mich da nie drum gerissen. Ich würde zum Beispiel tierisch gerne mal in einer Band spielen, wo ich nur mitspiele. Ich habe das auch mal versucht - bei den SCHLÜSSELKINDERN -, aber letztendlich blieb das Stückeschreiben und Texten doch an mir hängen.

Der Eindruck, daß in einer Band nur einer das Sagen hat, entsteht natürlich sehr schnell. So muß ich natürlich alle Fragen, die sich in diesem Interview auf die Musik und die Texte beziehen, dem Co stellen.

Co: Ja, das ist blöd. Ich bin da in einer Rolle, die manchmal Spaß macht und sich hervorragend für Witze eignet, aber auch verdammt nerven kann. Etwa wenn wir im Studio sind, eine Frage auftaucht und sich alle Augen auf mich richten. Da bin ich wieder der "Bandhitler". Und es ist auch möglich, daß es die BOXHAMSTERS nur deshalb schon so lange gibt, weil die Konstellation so ist. Ich erwarte auch von den anderen, daß sie mir sagen, wenn sie keinen Spaß mehr haben. Bisher ist das nicht der Fall, und deshalb denke ich mir, daß es auch sehr angenehm sein kann, sich in so eine vorhandene Struktur einzufügen. Außerdem sind die drei anderen auch nicht so oft damit konfrontiert. Denn erst seit neuestem proben wir wieder wöchentlich - davor zwei Jahre lang nur monatlich.

Und das funktioniert? Andere Bands stellen sich vor einer Tour wochenlang in den Proberaum.

Ulf: Klar, aber bei uns hört man auch, daß wir nicht perfekt zusammenspielen.

Nils: Bei uns ist es ein bandinterner Gag, die Konzerte alle paar Wochen als "öffentliche Probe" zu bezeichnen. Und da passiert es dann schon mal, daß du mitten im Song rausfliegst und nicht weißt, wie es weitergeht.

Co: Tatsache ist, daß wir 1995 die meisten Proben auf Bühnen irgendwo im Land draußen gemacht.

Würdet ihr sagen, daß diese bewußte Unprofessionalität die Sache lebendig hält?

Co: Ja.

Ulf: Ich denke, wir würden uns tierisch nerven, wenn wir jeden Tag Probe hätten.

Co: Es ist auch übel, wenn man sich und seine Musik zu ernst nimmt. Wir waren nie Musiker und sind auch jetzt keine. Klar, jeder kann so ein bißchen sein Instrument spielen, manche von uns auch ziemlich gut, aber nur etwas, was man nicht zu oft macht, macht auch Spaß. Wir sind keine Berufsband und spielen keine "Shows", sondern haben einen Auftritt. Und ähnlich ist es mit den Proben. Das ist eine Gelegenheit, daß wir vier uns einmal die Woche sehen, und so reden wir bei der Gelegenheit genauso lange, wie wir spielen.

Die BOXHAMSTERS sind mit EA 80 oder DACKELBLUT eine der wenigen Bands, die sich zum einen sämtlichen Einordnungsversuchen widersetzen, und zum anderen ohne die üblichen Vermarktungsspielchen relativ groß geworden sind.

Ulf: Ja, und ich denke, das liegt genau daran, daß wir so selten spielen. Je mehr du machst, desto mehr rutscht du in so Strukturen rein. EA 80 etwa machen vielleicht zwölf Auftritte im Jahr und sind gerade deshalb so gut und beliebt. Wenn man in eine Kategorie wie Deutschpunk reinrutscht, dann kommt das sicher auch davon, wenn man vor entsprechendem Publikum ständig live spielt. Wir halten uns dagegen sehr zurück.

Co: Ich würde das jetzt gar nicht so heroisieren, denn natürlich schalten auch wir Anzeigen, sind mit unseren Platten und CDs präsent. Aber irgendwie machen wir das eben anders als andere. Wir sind keine "Uffschäpper", wie man auf Hessisch sagt, keine Aufdränger und Angeber. So kann man nämlich viele peinliche Fehler vermeiden.

Ein Phänomen ist, wie viele ausgesprochene Fans die BOXHAMSTERS haben - Leute, die zu jedem greifbaren Konzert fahren und, wie du mir erzählt hast, dir regelmäßig schreiben.

Co: Das hat was damit zu tun, daß wir von Anfang an Wert darauf legten, greifbar zu sein. Auf unseren Platten ist deshalb immer unsere Adresse und Telefonnummer abgedruckt, und nicht nur die des Labels. Wer mit uns in Kontakt treten will, der kann das auch, und ich bemühe mich immer darum, die Briefe möglichst schnell und ehrlich zu beantworten. Ich finde das wichtig, und auch, daß wir immer sympathisch und nie unhöflich und arrogant daherkommen.

Eure Fans und, äh, Faninnen stelle ich mir als dünne, nickelbrillige Hinterbänklerpunks und kleine Mädchen mit Janoschenten am Rucksack vor.

Co: Die sind halt wie wir.

Nils: Aber so über einen Kamm scheren kann man unser Publikum nicht. Da sind auch mal Irokesenträger oder Oberlippenbärte dabei.

Co: So unrecht hast du aber nicht, denn wir machen im Prinzip ja so ´ne Art "Weichspülerpunk". Die harte Schiene war noch nie unser Ding. Sowieso fand ich an der Punk- und Hardcore-Szene dieses aggressive Härte-Zeigen schon immer voll zum Kotzen: Zum einen durch Äußerlichkeiten wie die Kleidung, zum anderen aber auch durch vollgepiercte Augenbrauen. Ich für mich und wohl auch die andere in der Band haben nie Wert darauf gelegt, Härte zu zeigen. Keiner von uns lief jemals in einer Lederjacke rum mit flotten Sprüchen wie "Schieß doch, Bulle" und Millionen von Nieten. Um auf den Begriff "Fan" zu sprechen zu kommen, so muß ich sagen, daß ich den total blöd finde. Fan, das kommt von Fanatismus, das ist ein Abhängiger, ein winziges Nichts und der Star ist das große, leuchtende Alles. Wir wollen keine Stars sein, und bei einem Konzert unterscheidet uns von den Leuten im Publikum nur, daß wir vierzig Zentimeter höher stehen. Und ich denke, wer uns mag, merkt genau, wie wir drauf sind. Was die Mädchenfraktion mit Janosch-Enten und schmalschultrige Jungs betrifft, so sind mir die ehrlich gesagt viel lieber als so "Uffschäpper". Man kann laute Musik machen, die aber irgendwie leise und bescheiden rüberbringen. Aber ich will hier jetzt auch nicht mit irgendwelchen Supertugenden auftrumpfen. Wir geben uns nur nicht oberproletenhaft, nicht predigermäßig wie so viele in der Hardcore-Szene, und das spricht wohl eine bestimmte Zielgruppe an.

Wenn du schon vom "Predigen" sprichts, mußt du natürlich was zum Text von "Mono" auf der neuen Platte sagen. Da kommen Textzeilen wie "Dummparolen rauszuschreien hass ich einfach wie die Pest", "Überall PC-Verbote, autonome Prüderie" oder "Wer muß in den Flammen sterben, roter Volksgerichtshof tagt" vor, die sehr deutlich Stellung beziehen.

Co: Wir sind einfach in den letzten zwei, drei Jahren immer wieder mit superschrecklichen Geschichten aus der sogenannten linksautonomen Szene konfrontiert worden. Ich will jetzt allerdings nicht wieder alte Kamellen aufwärmen, die uns passiert sind, deshalb ein Beispiel, das mit der befreundeten Hamburger Band ...BUT ALIVE zu tun hat. Die haben Ärger bekommen, weil sie einen Song haben namens "Ich möchte Ilona Christens die Brille von der Nase schlagen": Irgendwelche Frauen kamen damit an, das würde Gewalt gegen Frauen verherrlichen. Dabei ist das Blödsinn: Wer Scheiße ist, ist eben Scheiße, und da kenne ich keinen Geschlechterunterschied. Und die, die bei sowas am lautesten kreischen, sind doch am ehesten bereit, Gewalt gegen andere anzuwenden. Und ich finde es auch superschlimm, wenn in Hamburg auf einer Demo ein Vegetarier von militanten Veganern eins aufs Maul kriegt. Die hatten sich wohl provoziert gefühlt, weil der mit einem Milchspeiseeis rumlief. Das sind doch Faschisten! Das ist nicht zum Lachen, das ist zum Angstkriegen.

Nils: Dabei darf man das auch schon wieder nicht sagen, daß man so ein Verhalten für faschistisch hält. Letztendlich sind aber da doch Parallelen da.

Co: Laß uns da aber nicht so drauf rumreiten, denn deshalb habe ich neulich in der Kneipe schon beinahe ´ne Schlägerei ausgelöst. Das Ding ist, daß diese Typen, die selbst so super intolerant sind und alles kaputthauen wollen, was nicht linientreu ist, genau die verdienen für ihr Verhalten die Bezeichnung faschistoid. Das Problem ist, daß der Begriff aber nicht so ganz paßt.

Nils: Der wird sofort mit der deutschen Geschichte in Verbindung gebracht, und dabei übersieht man die ursprüngliche Bedeutung des Wortes völlig. Diese Leute sind völlig undemokratisch, das ist das Problem. Man muß ja nicht die Meinung von jemand anderem vertreten, aber sollte sie zumindest akzeptieren.

Co: Aber das genau ist doch ein altes Problem der Linken: Die war schon immer eifrig damit beschäftigt, vermeintliche Feinde vor allem in den eigenen Reihen zu suchen und dann über ihre Strukturen, etwa die Infoläden, zu outen, zu dissen und zu verbannen. Da kommt niemand auf die Idee, sich mit Leuten, die einem vielleicht ideell doch noch recht nahestehen, zu verbünden, sondern man bekämpft die lieber wegen Kleinigkeiten. Da paßt diese Szene aus "Das Leben des Brian" wieder hervorragend, wo die "Volksfront von Judäa" gegen die "Judäische Volksfront kämpft", statt gemeinsam gegen die Römer vorzugehen. In der Politszene gehen ständig solche Schildbürgeraktionen ab, da kann ich mich nur kopfschüttelnd raushalten. Und wenn auf der "Prinz Albert" eine Politisierung der BOXHAMSTERS zu verzeichnen war, dann lag das daran, daß damals jeden zweiten Abend ein Asylbewerberheim gebrannt hat. Ich gehöre ganz sicher nicht zu den Leuten, die sagen, das Faschoding sei gelaufen, aber ich habe in den letzten zwei Jahren doch mehr Probleme in der "eigenen" Politszene. Ich habe festgestellt, daß das nicht meine Welt ist. Wahrscheinlich stehe ich für viele engagierte Hardliner als Weichspüler da, aber dazu stehe ich. Ich bin jetzt nicht zum SPDler oder Grünen geworden, sondern insgesamt unpolitischer.

Eure neue Platte ist rein musikalisch die bisher beste geworden. Mit Songs wie "Geisel" oder "Radio" oder "Klostein" ist sie vielseitiger als die vorherigen, und die Produktion ist verdammt gut.

Co: Es ist natürlich gefährlich für mich, dazu was zu sagen, denn jede Band hält immer ihre neue Platte für die beste. Klar, ich empfinde "tupperparty" als unser bestes Album, aber ich behaupte das niemandem gegenüber. Wir haben 1996, ich bin jetzt 31 Jahre alt, und genau das, was jetzt ist, ist diese Platte. Und deshalb muß diese Platte für mich die amtlichste sein. Wir haben aber natürlich mit dem Dreamteam - Olaf vom Studio und Martin von EA 80 - ganze Arbeit geleistet. Ich will jetzt nicht den Begriff "Produzenten" verwenden, denn wir machen das alles zusammen, aber so ein paar helfende Händchen und Öhrchen sind schon ganz praktisch. Und ich finde es auch schön, wenn ein paar Freunde der Band eine Platte mitgestalten. Die Platte hat jedenfalls den transparentesten Klang von allen, und es findet kein so heftiger Gitarrenoverkill mehr statt wie bei der "Tötensen". Im Nachhinein finde ich, daß da zu viel Gitarre drauf war, aber im Studio war ich damals nur am schreien "Gitarren lauter, Gitarren lauter!". Das Wort "erwachsen" ist ja immer so schrecklich unmodern, aber wenn Martin Büsser, wir seien reifer und nicht erwachsener geworden, weil Punks nicht erwachsen werden, dann stimmt das irgendwie. Wir sind heute andere Menschen als vor fünf oder acht Jahren.

Bei der ersten Platte werdet ihr auch rein handwerklich noch ganz anders draufgewesen sein, und im Studio zu stehen ist doch was anderes, als im Proberaum oder auf einer Bühne.

Nils: Für mich war es das erste Mal, daß ich im Studio war, und es war schon erstaunlich, was man mit der Technik aus den ursprünglichen Aufnahmen so machen kann. Ich hatte davon vorher keine Ahnung, da bin ich völliger Laie. Dazu kommt, daß wir die Songs vorher fast alle nur ohne Gesang kannten, weil die Texte teilweise erst im Studio entstehen und dann der Gesang dazugemischt wird. Erst im Studio bekommst du mit, wie der Song so richtig ist, denn die Gesangsmelodie verändert den ganzen Song.

Co: Die neue Platte ist sicher unsere liebevollste. Und das liegt daran, daß wir diesmal nicht in panischer Geldnot ständig auf die Uhr schauen mußten. Letztendlich waren trotzdem nur vier Tage länger im Studio, aber der Druck war weg. Außerdem hatten wir diesmal richtig Spaß beim Aufnehmen. Und weil wir mehr Zeit hatten, kamen so Ideen wie die, diese Schweineorgel einzubauen.

"Geisel", der Song mit den Bläsern, der auch auf der Ox-CD drauf ist, ist ziemlich untypisch. Wie kamt ihr auf den?

Co: Wir hatten die Idee, mal einen Song mit Bläsern zu machen, weil wir so Band eigentlich alle ganz gerne mögen. Das hat allerdings weniger was mit den MIGHTY MIGHTY BOSSTONES als eher was mit FAMILY FIVE zu tun. Naja, und da haben wir ein paar befreundete Musiker eingeladen, nämlich Alex und Beppo von KICK JONESES, H.G. von IHSKA und Wolfgang Finke, der früher mal bei WELL WELL WELL war. Philipp hatte zwar auch seine Trompete dabei, aber den haben wir wohlweislich nicht spielen lassen. Der Song hat uns ´nen ganzen Tag gekostet, aber das war´s wert.

Daß Martin von EA 80 dabei war, hört man doch raus: Der dichte Gitarrensound, der teilweise verzerrte Gesang, das hat durchaus was von THE DEVIL IN MISS JONES und EA 80.

Co: Der Gesang war allein meine Sache, und wenn der ungewohnt klingt, dann deshalb, weil wir diesmal fast keinen Effekt draufgelegt haben. Mit dem Gitarrensound ist Martin gar nicht so glücklich, der hätte es gerne noch punkrockiger gehabt, aber Philipp und Olaf waren da anderer Meinung. So klingen die Gitarre jetzt ziemlich "tiefergelegt".

Auch auf "tupperparty" sind wieder ein paar Zitate aus den Filmen "Der große Dikator" und "Das Boot" versteckt.

Co: Naja, Chaplins "Der große Dikator" ist natürlich immer noch eine selbstironische Anspielung auf meine Rolle in der Band. Ich kokettiere damit ein bißchen rum, und das ist lang nicht so ernst gemeint, wie das vielleicht rüberkommt. "Das Boot" ist und bleibt unser Lieblingsfilm, und als wir im Studio waren, lief der mal wieder im Fernsehen. Die Idee, diese Szene mit "Na Philipp, das ist nicht mehr die alten Gang" einzubauen, war schon länger da, weil das so perfekt paßt, und in Zusammenhang mit "Mono" paßt das erst recht.

In "Arschbombe" tauchen die Sänger von EA 80 und DACKELBLUT sowie du auf. Ist das das Triumvirat des deutschen Punkrocks?

Co: Das sind jedenfalls die einzigen deutschen Punkbands, die ich so richtig mag. Von EA 80 finde ich sehr viele Platten und Songs gut, und auch wenn ich BLUMEN AM ARSCH DER HÖLLE ´nen Tick besser finde, so sind DACKELBLUT doch auch große Klasse. Außerdem kommt da noch sehr viel persönliches dazu. Ich finde, daß alle drei Bands irgendwie für sich stehen. Aber es gibt auch noch andere gute Bands, etwa ...BUT ALIVE, HOUSE OF SUFFERING, DEVIL IN MISS JONES, KICK JONESES und noch ein paar. Gar nix anfangen kann ich mit diesen ganzen deutschsprachigen Spex-Bands, diesem Hamburger Krempel. Da wird zuviel gedacht und zuwenig gemacht. Die haben so einen Ansprach, um eine Fernseh-Metapher zu verwenden, gleich auf Arte laufen zu wollen, während wir mit SuperRTL zufrieden sind.

Eine Sache, die endlich mal geklärt werden sollte, ist die Aussprache eures Namens: Die einen sagen BOXHAMSTERS, die anderen BOXHÄMSTERS.

Co: Die einzig richtige Aussprache ist BOXHAMSTERS.

Uschi Herzer & Joachim Hiller

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #23 (II 1996)

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