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Interviews & Artikel

MOVEMENT

Ich wuchs mit THE JAM und CLASH auf, deshalb ist es gut zu wissen, dass es nun eine Band in Dänemark gibt, die sich auf deren Tradition besinnt. Obwohl THE MOVEMENT erst seit 1998 existieren, hat sich dieses Mod-Trio schon als eine von Kopenhagens härtest rockenden und vor allem best angezogensten Livebands etabliert! In einer schäbigen Bar im Rotlichtviertel hatte ich ein langes Gespräch mit Sänger/Songwriter/Gitarrist Lukas Scherfig über Musik, Politik, Mod-Philosophie/Geschichte etc. Diese Jungs haben sich ihrer Bestimmung und ihren Idealen wie keine andere Band verschrieben! Die anderen MOVEMENT-Musiker sind Kalle Mathiasen am Schlagzeug und Lars Schaedler am Bass.

Wann wurden THE MOVEMENT gegründet, und waren Kalle und Lars schon von Beginn an Teil der Band?


Alles fing vor knapp drei Jahren an. Ich habe bei den ROOSTERS gespielt, aber da gab es ein paar Probleme...

Kalle und Lars waren nicht bei den ROOSTERS?

Nein. Nach den ROOSTERS ging ich mit meiner Gitarre nach London und wollte einfach nur spielen. Ich traf mich mit einigen Bands. Eine Band war eine Cover-Band, welche sich bei den FACES bediente und ein wenig Geld damit verdiente. Und eine andere Band hieß THE FEW, welche eigene Sachen schrieb, sehr von THE JAM beeinflusst. Aber während dieses Jahres wollte ich eigentlich lieber alles selber machen; singen, schreiben etc. Daraufhin habe ich beschlossen, wieder zurück nach Dänmark zu gehen, und eine eigene Band ins Leben zu rufen, vor allem da London ein sehr teurer Ort zum Leben ist. Kurz darauf nahm ich ein Demo mit einem anderen Schlagzeuger auf, bevor ich Kalle traf.

Das war vor eurer 4-Track-CD?

Ja, das war mit Lars am Bass. Und dann haben wir Kalle kennengelernt.

Lass uns über THE ROOSTERS sprechen mit denen du 1994/95 ein komplettes Album und ein paar Singles. aufgenommen hast. THE ROOSTERS sind sehr von den STONES inspiriert...

Ja, ziemlich. Und von den FACES.

Aber die Presse war damals nicht gerade davon beeindruckt, während heute alle wie blöd hinter den 60er-Retrobands her sind...

Es gab da ein paar Schreiberlinge, die uns mochten, aber das Publikum konnte uns nicht richtig leiden. Sie glaubten, wir würden zu dieser Britpop-Welle gehören, aber dafür waren wir zu sehr Rock´n´Roll.

Was kannst du mir über deine Anfänge bei den NEW VALUES erzählen, bei denen du 1991 warst?

Lars war auch in der Band. Wir gingen zur Schule, wir trafen uns und gründeten diese Coverband. Wir hatten zwei eigene Songs und der Rest war von Iggy Pop und so weiter.

Also ist THE MOVEMENT deine persönliche Angelegenheit, in die du mehr Herzblut steckst?

Ja, ich habe gute Erfahrungen mit den Bands gemacht, aber bei THE ROOSTERS haperte es einfach in punkto Demokratie und Kreativität. Danach wollte ich eine Band mit mehr Zielstrebigkeit und einem klaren Konzept. Es gibt mehr Möglichkeiten, wenn nicht nur einer für drei Leute entscheiden muss. Nun hat es mehr was von einer Band als die Jahre davor. Am Anfang stand noch auf den Postern: Lukas Schrefigs THE MOVEMENT, wir haben jetzt alle unsere Rolle in der Band gefunden und es funktioniert besser als bei THE ROOSTERS. Der Name MOVEMENT bedeutet Bewegung auf der Bühne, aber auch Bewegung beim Publikum. Aber nun steckt ein richtiges Konzept dahinter, und wir stehen hinter den Wertvorstellungen der Band und wissen, was wir wollen. Natürlich bin ich der Kopf, inzwischen kommt auch mehr Input von Kalle und Lars. Ich bin sehr viel politischer als die beiden, aber nun teilen sie mir auch ihre Meinung mit, wo wir spielen sollten etc. Das ist toll.

Du bist musikalisch sehr von THE WHO und THE JAM beeinflusst, aber ebenso von THE CLASH und deren Ansichten über die Arbeiterklasse und Politik. Zu allererst geht es aber um eine coole Rockshow. Das schätze ich an THE MOVEMENT sehr, dass sie nicht wie 100 andere politische Punkbands auf der Bühne predigen und Reden halten.

Hmm, wir wollen nicht irgendeiner politischen Partei angehören, es geht mehr um eine generelle Bewegung. Wie THE (INTERNATIONAL) NOISE CONSPIRACY, die darüber reden, Musik wieder radikaler zu machen, ohne jegliche Regeln, an denen du dich orientieren musst. Das Coole am Rock´n´Roll ist, dass es sich um eine Art Revolution handelt.

Ihr habt 2001 auf dem "First May"-Festival der dänischen Kommunisten-Szene gespielt.

Ja, aber wir haben keine Verbindung zu dieser Partei. Nächsten Sommer werden wir in Aarhus für eine junge, sozialistische Organisation spielen, und falls die Anarcho-Szene auf uns zukommt, würden wir auch für die spielen. Ich habe eine eigene politische Meinung, aber ich unterstütze generell den linken Flügel. Wir planen mit der dänischen Flagge aufzutreten wie die englischen Mods mit ihrer Union Jack-Flagge. Sozusagen die Arbeiterklasse kombiniert mit der dänischen Flagge – schließlich sind wir auch ein Teil von Dänemark.

Benutzt der rechte Flügel heutzutage nicht meistens die dänische Flagge?

Ja, und das würden wir gerne ändern. Wie es schon in der Mod-Philosophie geschrieben steht, die Arbeiterklasse unterstützen und zur gleichen Zeit auf ein gepflegtes Äußeres achten, anstatt wie ein Ausgestoßener der Gesellschaft auszusehen. Basierend auf den Symbolen der Arbeiterklasse, welche immer am 1. Mai-Festival ihre besten Anzüge trugen. Wir haben darüber gesprochen, einige Fotos von uns mit für Dänmark so typischen und wichtigen historischen Plätzen zu schießen. Ich mag auch einige Ansätze der Hippie- und Punkbewegung. Aber beide waren viel zu sehr damit beschäftigt, bestimmte Werte zu verwerfen, als dass sich der normale Arbeiter damit hätte identifizieren können, um mit ihnen zu demonstrieren. Die Leute, die dahinter steckten, schauten zu sehr auf die äußere Erscheinung der Leute, statt sich für die Arbeiterklasse einzusetzen. Das ist einer der negativen Punkte, die die Hippiebewegung dem linken Spektrum einbrachte. Ich mag den Kontrast, sich elegant und gepflegt anzuziehen und dabei immer noch seine eigene Meinung zu vertreten. Die autonomen Punks haben mit ihrem Äußeren eine Menge engagierter Menschen verschreckt. Sie untermauerten die Vorurteile der Arbeiterklasse damit, so dass kein Dialog stattfindet.

Wollt ihr keine von diesen Undergroundbands sein, die in besetzten Häusern spielt?

Wir haben nichts dagegen in besetzten Häusern zu spielen.

Was haltet ihr von Plattenverträgen mit größeren Labels? Müsstet ihr einige eurer Ideen dann verwerfen?

Uns wurde ein Deal von NMW angeboten, die BAD RELIGION und solche Sachen vertreiben, aber bisher ist noch nichts unterzeichnet. Auch EMI kamen auf uns zu, und sagten uns, sie hätten uns live gesehen, obwohl das nicht stimmte. Zuerst wollen wir aber einen Manager, der sich um das stressige Booken, PR etc. für uns kümmert, so dass wir uns besser auf´s Musikersein konzentrieren und uns mehr um die Arbeiterklasse kümmern können, ohne dabei auf die Vorurteile einiger Punks zu achten.

Du redest sehr viel über Klassen, aber ist die Arbeiterklasse nicht schon längst tot? Ich meine, jeder kämpft um einen fetteren Gehaltsscheck und kümmert sich wenig um seine Mitmenschen.

Ja, da hast du recht. Die Arbeiterklasse ist sehr vom Materialismus besessen und einige von ihnen teilen sogar rassistische Ansichten etc., aber meiner Meinung nach kann man ohne die Arbeiterklasse nichts verändern.

Aber soweit ich das sehe, kommen mehr Studenten als Arbeiter zu euren Shows, oder?

Stimmt, aber das Ding mit der Arbeiterklasse ist, dass diese darüber entscheidet, wem das Vermögen und die Fabriken gehören, indem sie ihre Arbeit niederlegen und streiken. Das ist Power. Die, die es haben, gegen die, die es nicht haben. Mein Songwriting spielt sich mehr auf einer persönlicheren Ebene ab, so als ob man über seine täglichen Erlebnisse auf einer emotionalen Ebene berichten würde.

Ihr habt jetzt eine weibliche Backgroundsängerin bei euren Liveshows dabei?

Wir wollten mal was Neues ausprobieren. Wir haben darüber nachgedacht mit einer Orgel aufzutreten, aber das hängt ganz davon ab, wo man gerade spielt.

In den 90ern gab es ein 77er-Punk-Revival durch Streetpunk, Oi usw. Was hältst du davon?

Alles kommt wieder, auch was die Kleidung betrifft. Wir identifizieren uns eher mit der Mod-Kultur und Paul Weller als mit Punk. THE JAM haben mal gesagt: Sauberes Leben unter schwierigen Umständen. Ich halte das für einen guten Slogan. Außerdem waren Mods die ersten, die in Straßenkrawallen gegen Rockers/Teddy Boys verwickelt waren. Ich steh auch auf das ganze Motown-Zeug.

Aber THE MOVEMENT fahren nicht auf Motorrollern durch die Gegend?

Nein, aber wir hätten nichts dagegen, haha. Ich halte es für großartig, sich gepflegt anzuziehen und Ausschau nach Action zu halten. Aber es ist eher eine britische Angelegenheit, da es in Dänemark heutzutage nicht mehr viele Mods gibt.

Also seid ihr mehr von England als von Amerika beeinflußt?

Absolut, aber auch von britischen Kapellen wie den STONES. Natürlich liebe ich Otis Redding, ebenso wie den scharfen Sound, den die KINKS hatten.

Wie sehen eure Zukunftspläne aus?

Ein Typ in Schweden stellt ein paar Gigs für uns zusammen. Wir werden definitiv sehr bald nach Polen fahren, um drei Gigs in Warschau zu spielen, zwei Clubgigs und einen in einem besetzten Haus. Außerdem wollen wir uns um einen vernünftigen Plattendeal kümmern. Aber zuerst nehmen wir auf eigene Kosten eine Single in einem richtigen Aufnahmestudio auf.

Jens Kofoed-Pihl

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #46 (März/April/Mai 2002)

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