TINY FINGERS

Megafauna / We Are Being Held By The Dispatcher / The Fall

Wer sich der Einordnung in ein bereits bestehendes und ausformulierten Genre entsagt und stattdessen Ingredienzien unterschiedlichster Herkunft panscht, sieht sich ebenso vielen Freiheiten wie Gefahren ausgesetzt: Wo endet authentische Stilvermischung, wo beginnt Persiflage? Ab wann wirkt ein Mosaik zwanghaft zusammengeklebt, wie weit kann es die Form eines kohärenten Bildes wahren? TINY FINGERS aus Israel stellen sich ins Schussfeld dieser Fragen, indem sie ins Niemandsland zwischen Post-, Math-Rock und Electronic begeben und dort eine große Grube zu buddeln beginnen.

Auf ihrem Album „Megafauna“ (2012) entscheiden sie sich dafür, den drei bearbeiteten Genres jeweils die kraftvollsten Aspekte zu entlocken und sie in jedem einzelnen Song kulminieren zu lassen: Eine Schlagzeugexplosion jagt die nächste, Synthie-Kanonenkugeln treffen im Flug auf verzerrt kreischende Basslines und tanzen vor aus dem Dubstep geliehenen Rhythmen miteinander.

Die nachfolgende Platte „We Are Being Held By The Dispatcher“ (2013) verlagert stattdessen die Energie nun von der Rhythmus- in die Melodiesektion und fokussiert sich auf Soundexperimente.

Und die aktuellste Veröffentlichung „The Fall“ (2015) geht noch einen Schritt weiter und übersetzt den initialen Bombast der Musik in sphärische Klangwüsten. In diesem bezieht die Musik ihre Stärke nun nicht mehr aus Eindringlichkeit und Lautstärke, sondern aus der Kraft der Wiederholungen und der subtilen Abwandlungen.

TINY FINGERS schaffen es mit diesen drei Alben nicht nur, auf ein bisher wenig beachtetes Klangfeld hinzuweisen, sondern auch, dieses auf drei unterschiedliche Arten zu beackern und auszukosten.