Micha-el Goehre

STRASSENKÖTER

Die Frau weggelaufen, den Job verloren, Stammkneipe- und Laden dicht. Was tun echte Rock’n’Roller da? Richtig, erstmal gönnen sie sich den Suff ihres Lebens. Und dann gehen Ich-Erzähler Torben, sein Hund Lemmy und der Geist seines verstorbenen Kumpels Sven auf Tour – und zwar mit der undergroundigsten Jung-Metalband des Ruhrpotts.

Darüber schreibt Micha-el Goehre als bekennender Metal-Fan einem authentischen Bericht, nein, eine Hommage an die Musik und an die Szene, ein Abgegrowle auf das Tourleben einer aufstrebenden Rockband.

In zwölf nach (Metal-)Alben und/oder Songs benannten Kapiteln nimmt Goehre eingehend Bezug auf Vergangenheit und Entwicklungen in „seiner“ Szene, nimmt sich dabei auch gerne selbst aufs Korn und lässt seinem erzählenden Ich den flapsigen Hinweis geben, er könne ja ein Buch über die Tour schreiben oder auf einem Poetry-Slam davon erzählen – was Micha-el Goehre in seinem richtigen Leben tatsächlich tut.

Sei es beim Hund namens Lemmy, Scheidungsanwalt Petrozza oder der morgendlichen Auswahl des Bandshirts, immer wieder nimmt Goehre Bezug zur Musik. Das macht den Rock’n’Roll unsterblich, lässt einen Punkrocker angesichts all des Metal-Nerd-Wissens aber manchmal etwas außen vor.

Maßlose Übertreibungen, abwertende Vergleiche und eine authentische Sprache („Ach, fick dich!“) lassen das Punkrockerherz jedoch darüber hinwegsehen und mal wieder eine ANTHRAX-Platte auflegen.

„Straßenköter“ ist nach „Jungsmusik“ und „Höllenglocken“ der gelungene Abschluss der „Jungsmusik“-Trilogie, in die man mit diesem Teil einsteigen kann, aber nicht sollte, dieser Band macht nämlich Bock auf die gesamte Lektüre.

Als „Bonustracks“ gibt’s fünf neue „Jungsmusik“-Kolumnen.