Wir befinden uns im Jahre 2000. IGNITE sind zurück und veröffentlichen nach „Call on my brothers“ ihr zweites reguläres Full Length Album („Past our means“ und diverse L&F-Verarschungs-CDs mal nicht mitgerechnet).
Viele Hardcore-Dogmatiker werden jetzt die Hände über dem Kopf zusmammenschlagen, natürlich von Ausverkauf sprechen, von Verweichlichung, von Verrätern und so weiter...Ja richtig, Ignite sind jetzt beim Satan Major (TVT Records) untergekommen.
Ja richtig, die IGNITE-Lieder gehen nun mehr in die melodische Punkecke als die Old School-Hardcore-Schiene. Ist das nun Weiterentwicklung, wie man das immer so schön nennt oder einfach nur die Hoffnung auf grö§eres Publikum? Diese Frage bleibt erst mal unbeantwortet.
Wir hören uns einfach ganz nüchtern und unvoreingenommen das neue Machwerk von IGNITE an. Der Opener „Who sold out now“ geht klar in Richtung alte IGNITE, Zoli Teglas erhebt den Zeigefinger und zerreisst die Hardcore Szene („I care about Hardcore but I hate the scene!“).
Der zweite Track heisst „Veteran“ und ist der vermeintliche Hit der CD, die potentielle Singleauskopplung, die eigentlich gar nichts mehr mit Hardcore-Musik zu tun hat und mich eher an THE OFFSPRING erinnert als eben an den typischen IGNITE-Sound.
Der Song ist nicht schlecht, geht ins Ohr, jedoch fehlt ihm wie vielen anderen Tracks auf dieser CD das Aussergewöhnliche, was damals jedes Lied von „Call on my brothers“ zum Lieblingslied werden ließ.
Die Stimme ist unverändert Zoli und durch die Texte heben sich IGNITE mal wieder von der breiten Hardcore-Stumpfsinnmasse ab (der Titeltrack behandelt den Jugoslawienkrieg), es fehlt jedoch vielleicht doch ein Mann wie Joe D.
Foster an der Gitarre und desöfteren sehne ich mich auch nach den göttlichen Bassläufe des Brett Rasmussen von einst... Nicht , dass ich dieses IGNITE-Album schlechtreden will, es ist auf jeden Fall ein Hardcore-Highlight, wenn nicht DAS Highlight des laufenden Jahres, doch kommt es leider in keinem Moment an „Call on my brothers“ ran! Da ich nun auch auf diesem Album meine Lieblingslieder habe, hier meine Anspieltips: „Bullets included no thoughts required“, „No regrets“, „Who sold out now?“.
© by - Ausgabe # und 21. März 2022
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