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UNLUCKY YOUNG MEN 1

Kamui Fujiwara, Eiji Otsuka

Die 1968er-Studentenrevolte war ein weltumspannendes Phänomen, das auch vor Japan nicht Halt machte. Genau diese Zeit deckt „Unlucky Young Men“ ab, das, wie inzwischen ja bei Übersetzungen aus dem Japanischen vermehrt verbreitet, zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig von hinten nach vorn und rechts nach links zu lesen ist.

Szenarist Eiji Otsuka und Zeichner Kamui Fujiwara setzen damit nicht nur einer Szene ein Denkmal, die so vielschichtig war wie ihre Akteure, sondern greifen dabei optisch auf die damals in Untergrundkunstkreisen vorherrschende Ästhetik der Art Theatre Guild (ATG) zurück.

Diverse reale zeitgeschichtliche Ereignisse wie der legendäre 300-Millionen-Yen-Raub werden dem Durchschnitts-Westeuropäer dankenswerterweise in einem kompakten Glossar erläutert. Einen wahren Kern gibt es sowohl hinsichtlich der Ereignisse als auch der porträtierten Personen tatsächlich, allerdings verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Fiktion, und nur wenig ist genauso passiert, wie es hier wiedergegeben wird.

So oder so eine wirklich interessante Sache, zumal Japans junge Nachkriegsgeneration Ende der Sechziger ja mit einem ähnlichen Phänomen zu kämpfen hatte wie die Deutschlands. Übrigens auch unter den verewigten echten Charakteren: Literaturnobelpreisträger Kenzaburō Ōe und der Schauspieler, Film- und Fernsehmacher Takeshi Kitano („Takeshi’s Castle“ anyone?), der sich damals als gesellschaftskritischer Komiker erste Lorbeeren verdiente.

„Wenn alle bei Rot über die Straße gehen, ist es ungefährlich“? Aber klar doch. Wer das zwischen den Episoden eingestreute Takuboku Ishikawa-Gedicht in Gänze lesen will, blättert zum Inhaltsverzeichnis.