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GILGAMESCH

Jens Harder

Mit seiner 2004 begonnenen Serie zur Erd- und Kulturgeschichte ist Jens Harder schon bald durch, nach „Alpha“ (Evolution) und „Beta 1“ (Kulturgeschichte bis Christi Geburt), soll 2020 der zweite „Beta“-Band folgen und auch „Gamma“ (Zukunft) ist bereits in Vorbereitung.

Alle kiloschwer und bis ins kleinste Detail durchdacht. Merke: Harder macht keine halben Sachen. Bis es soweit ist, hangelt er sich auch an anderen historischen Themen entlang, so zum Beispiel in diesem schönen Band, der das älteste schriftlich überlieferte Epos der Menschheitsgeschichte zur Graphic Novel zusammenfasst.

Auf das Thema stieß Harder in den Neunziger Jahren im Zuge einer Recherche zum griechischen Herkules-Mythos als Vorbild der Superheldencomics. Vorläufer des Herkules-Mythos wiederum war das Gilgamesch-Epos, das etwa auf das 2.

Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung zurückdatiert werden kann. Und im Übrigen auch Homers „Odyssee“ und dem Alten Testament (Sintfluterzählung um die Arche Noah) reichlich Stoff lieferte.

Optisch sind Harders Zeichnungen an alt-assyrische Darstellungen auf Rollsiegeln oder Wandreliefs angelehnt, durchgehend ockerfarben koloriert, statisch und an den damals gängigen formalen Vorlieben ausgerichtet.

Das ist zunächst gewöhnungsbedürftig, zumal der dazugehörige Erzähltext entsprechend auch in einer sehr altertümlichen Sprache gehalten ist. Wenn man sich ein wenig eingelesen hat, ist das insbesondere für Geschichtsinteressierte eine spannende Sache: Ein Einblick in die Ausgangspunkte des römisch-griechischen und jüdisch-christlichen Weltbildes – mit reichlich Action und Herzschmerz.

Und überraschenderweise auch das frühe Zeugnis einer gleichgeschlechtlichen Liebesbeziehung.