V.A.

Spend An Evening With Saddle Creek DVD

Der große Hype ist zum Glück vorbei: Ist es zwei, drei oder schon mehr Jahre her, als diverse Musikmagazine versuchten, sich ein neues Seattle herbeizutexten? Diesmal sollte es Omaha, Nebraska sein, das konsequent nach oben geschrieben wurde, Bands wie CURSIVE, THE FAINT und natürlich Conor Obersts BRIGHT EYES.

Nun, der Versuch glückte nur zum Teil, er traf grundsympathische Menschen, und heute ist sensationsbereinigt ein Label übrig geblieben, das in konstanten Abständen sehr schöne Platten veröffentlicht.

Diese Dokumentation von Jason Kulbel und Rob Walters rekapituliert die ersten zehn Jahre des 1993 unter dem Namen Lumberjack Records im provinziellen Omaha gegründeten Labels, das zu Beginn nur Cassetten veröffentlichte - ein Format, das seinerzeit in den USA mysteriöserweise noch überlebt hatte.

Aus Lumberjack wurde dann zwei Jahre später Saddle Creek, weil die Verwechslungsgefahr mit dem Großhändler Lumberjack zu groß wurde. Bands wie der CURSIVE-Vorgänger SLOWDOWN VIRGINIA erfreuten sich wachsender Beliebtheit, und aus einer intimen Szene von guten Freunden heraus wurde ein Label geboren, zu dessen damals unerreichbar scheinenden Vorbildern Sub Pop und Matador gehörten.

Saddle Creek wuchs langsam, aber nachhaltig, und wurde schließlich zu dem Kultlabel, das es heute ist. Die Doku beginnt mit Aufnahmen aus dem winterlichen Omaha, und man empfindet spontan nur ein Gefühl: Da will ich nicht wohnen! Provinz-Amerika, so spannend wie Hattingen, Heidenheim oder Hameln, die Art von Stadt, die ihre kreativen Köpfe normalerweise an die nächste Metropole verliert.

Und dann folgen Interviews mit allen Beteiligten, sie erzählen die Geschichte des Labels und damit auch ihrer Bands, die Zeitspanne reicht beinahe bis in die Gegenwart, und selbst wenn man sich nicht übermäßig für das Saddle Creek-Universum interessiert, so wird hier doch beinahe prototypisch dokumentiert, wie solche Entwicklungen ablaufen.

Saddle Creek war nicht das erste Label dieser Art, davor gab es andere und es wird in Zukunft noch viele andere geben, denn was die Beteiligten hier bezeugen ist die Gültigkeit des D.I.Y.-Gedankens, seine Überlegenheit gegenüber kalten (Musik-)Business-Mechanismen.

Dazwischen Ausschnitte aus Konzerten, Bilder aus dem Saddle Creek-Büro, aus dem Studio, aber ehrlich gesagt sind mir die Aufnahmen an sich zu statisch: Nach einer halben Stunde "Menschen auf dem Sofa" wird's in der Hinsicht etwas langweilig.