PATTI SMITH

Horses 2CD

Wer an dieser Stelle erwartet, darüber aufgeklärt zu werden, wer Patti Smith ist, den muss ich enttäuschen, denn das Lebenswerk dieser emanzipierten Frau, die eng mit der frühen New Yorker Punkszene der Mittsiebziger verbunden ist, lässt sich nicht in die wenigen Zeilen einer Rezension pressen.

Ich empfehle daher Un- oder Halbwissenden einen Blick in die Biografie auf allmusic.com zu werfen. Bei "Horses" in der 2005-Version handelt es sich um die neu gemasterte Version des 1975 mit John Cale als Produzent eingespielten Debütalbums, aufgewertet um ein dickes Booklet (nebst Klapp-Digipak) mit alten wie neuen Fotos von Patti Smith und Band sowie diversen Linernotes - und natürlich der Bonus-CD, die einen 2005 entstandenen Livemitschnitt aus der Royal Festival Hall in London enthält, bei dem Patti Smith nebst Band 1:1 das "Horses"-Album nachspielten.

Auf dem wiederum findet sich gleich als Opener der Klassiker "Gloria", im Original von Van Morrison, dem Patti Smith einen abgewandelten Text verpasste, der mit dem legendären Satz "Jesus died for somebody's sins not mine" beginnt.

Weiter geht es mit dem reggae-angehauchten "Redondo Beach", aber auch das dreigeteilte "Land" gehört zu den herausragenden Stücken, wenngleich erst das übernächste Album, "Easter" von 1978, mit "Because the night" und "Rock n roll nigger" die beiden Überhits (neben "Frederic" von "Wave") enthält.

Aus heutiger Sicht mag es schwer erscheinen, zu erkennen, was an diesem Album nun spezifisch "Punk" gewesen sein soll, denn musikalisch scheint hier keine Verbindung zu NEW YORK DOLLS, DICTATORS oder RAMONES zu bestehen, aber es war eben die eher künstlerische Seite der New Yorker Szene ("Art Punk" wird hier auch mal als Begriff angebracht) wie auch die Attitüde, das Selbstbewusstsein, das politische Engagement, die Anti-Establishment-Einstellung, die jenseits musikalischer Klischees schon damals eine Definition von Punk darstellte.

Ein unverzichtbarer Klassiker, dieses Album - wie auch die drei anderen Frühwerke. (10/10)