JOE HENRY

Civilians CD

Vier Jahre liegen zwischen Joe Henrys letztem Album "Tiny Voices" und dem neuen, erneut bei Anti- erschienenen Werk dieses Ausnahme-Singer/Songwriters, der in letzter Zeit überwiegend als Produzent in Erscheinung trat, unter anderem für Bettye LaVette oder Solomon Burke.

Ähnlich wie "Tiny Voices" ist "Civilians" eine Platte, die man schnell mal unterschätzen kann, da die Songs so kunstvoll gestrickt sind, dass einem beim ersten Hören viele Nuancen entgehen, denn Henry verzichtet auf jegliche plakative Strukturen.

Alleine schon soundtechnisch ist die Platte ein ungemein ausgefeiltes Kunstwerk, das äußerst spartanisch arrangiert zu sein scheint, aber wo dennoch unglaublich viel parallel passiert, was die meisten Songs zuerst etwas sperrig erscheinen lässt.

Denn anstatt eines diffus verdichteten Klangbildes steht jedes Instrument gleichberechtigt neben dem anderen, so als ob jeder Song gleichzeitig in unterschiedlichen Richtungen gehen würde.

Gleichzeitig erzeugt Henry eine emotionale Wärme und Intensität, die man im Singer/Songwriter-Bereich in dieser Form lange suchen kann, ohne dass man genau wüsste, was er und seine Band da eigentlich genau spielen - Rock, Folk, Pop, Jazz oder was auch immer.

Letztendlich ist "Civilians" eine wahrhaftige Soulplatte, ohne dass man typische Soul-Elemente heraushören würde oder von einem Sänger penetriert wird, der irgendwelche Gesangsakrobatik mit der Vermittlung echter Emotionen verwechselt.

Henrys Melancholie wird von einer vollkommen relaxten Gesamtatmosphäre dominiert, was die Platte zum perfekten Fluchtort von Alltagsstress macht, quasi Balsam für die Seele und der perfekte Soundtrack für Selbstfindungsprozesse bei runtergedimmter Beleuchtung - oder halt einfach eine wunderschöne Sammlung von Songs, die sich nicht so recht in irgendeine Schublade pressen lassen.

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