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CDs/LPs/Singles - Reviews

WINO

Adrift

Format: CD

Label: Exile On Mainstream

Vertrieb: Soulfood

Spielzeit: 41:58

Genre: Singer/Songwriter

Webseite

Wertung:


Mein größtes Problem mit dem Schaffen von Scott Weinrich in den letzten Jahren war, dass eigentlich alles, was der Mann anpackte, egal, unter welchem Namen er es dann letztendlich veröffentlichte, zu großen Teilen auf das verwies, was er bereits bei SAINT VITUS Mitte der Achtziger praktiziert hatte.

Weinrich kopierte sich permanent selbst und das gefiel einem – oder eben nicht. Ein charakteristischer Künstler mit prägnantem Stil war er dabei dennoch immer. Also Stillstand auf hohem Niveau, und das galt auch für sein erstes, etwas enttäuschendes Solo-Album „Punctuated Equilibrium“ aus dem letzten Jahr, bei dem man nur begrenzt das Gefühl hatte, Wino hätte sich tatsächlich neu erfunden.

Und jetzt ein weiteres Werk unter dem eigenen Namen, das Wino quasi im Alleingang nur mit Akustikgitarre bewaffnet eingespielt hat, teilweise um eine weitere Gitarre ergänzt, wo dann auch mal elektrisch verstärkte Momente ins Spiel kommen.

Ansonsten ist das hier BLACK SABBATH in der Johnny Cash-Variante, ein folkiges Singer/Songwriter-Album mit bluesigen Parts (wie bei dem großartigen „Shot in the head“, einer Coverversion von SAVOY BROWN).

Aber ebenso beseelt von einem düsteren Gothic-Pathos, den man auch auf den Solo-Platten des NEUROSIS-Sängers/Gitarristen Scott Kelly finden kann, was Wino angenehm von den ganzen Ex-Punkern abhebt, die plötzlich beginnen, Lagerfeuermusik zu machen.

Seinen Songs verleiht er jedenfalls genau die Intensität und den persönlichen Stempel, was ja bei Platten dieser Art immer so gerne behauptet wird, aber selten tatsächlich zu hören ist. Man ist wirklich überrascht, wie Wino hier, von allem Band-Ballast befreit, seinem bisherigen Schaffens neue Facetten abgewinnen kann und in diesem Zusammenhang selbst fremde Songs, wie „Iron horse/Born to lose“ von MOTÖRHEAD, zu seinen eigenen macht.

Auch „Adrift“ ist dabei immer durch und durch Wino, aber eben doch ein bisschen anders, und das macht die Platte berührender als viele seiner anderen Platten, wo einem dann tatsächlich der eine oder andere wohlige Schauer den Rücken hinunter läuft.

Thomas Kerpen

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #92 (Oktober/November 2010)

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