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CDs/LPs/Singles - Reviews

YUPPICIDE

Anthology: ’88 – ’98

Format: 2CD

Label: Dead City/Coretex

Spielzeit: 43:13

Genre: Punkrock/Hardcore

Webseite

Wertung:


Ein untrügliches Signal, dass man selbst schon ein paar Jahre länger auf Hardcore-Konzerte geht als sein Gegenüber, ist die fehlende Emotion bei der Erwähnung des Bandnamens YUPPICIDE. „Wer?“ Himmel, YUPPICIDE! Die waren Mitte der Neunziger Dauertourer in Europa, eine exzellente Live-Band, ein smarter Gegenentwurf für alle, denen New York Hardcore damals in seiner alten Form zu stumpf geworden war.

YUPPICIDE veröffentlichten auf Wreckage Records, dem Label aus Griechenland via Hamburg nach New York ausgewanderten Pavlos, der dort mit seiner Gattin Amber ein familiäres Label aufgebaut hatte, dessen Releases vielfach vom New Yorker Hardcore-Urproduzenten Don Fury aufgenommen wurden.

Zur Familie gehörte auch Jesse Jones, der als meist seltsam dämonisch geschminkt auftretender Sänger der Band eine ungewöhnliche Rolle hatte: Einerseits waren YUPPICIDE klar Teil der NYHC-Szene, doch wo andere stumpf bollerten, führte der in England aufgewachsene und mit einem entsprechenden Dialekt ausgestattete Jones das feine Florett der Ironie als Waffe.

Textlich wie vom Stage-Acting her waren YUPPICIDE bei aller Energie und Aussagekraft einfach ein anderes Kaliber als der große Rest der New Yorker, und das kam in den Squats und AJZs hierzulande entsprechend gut an.

Ende der Neunziger war es dann aber leider vorbei mit der Band wie mit Pavlos’ Label (zu den Gründen siehe Interview in Ox #92), doch seit kurzem sind YUPPICIDE wieder aktiv, und anlässlich ihrer Europatour im Herbst wurde in Form dieser Doppel-CD ihr längst nicht mehr erhältliches Gesamtwerk neu aufgelegt.

58 Somgs und damit alles, was die Band je im Studio aufgenommen hat, finden sich hier, darunter also alle drei Alben: „Fear Love“, „Shinebox“ und „Dead Man Walking“, die auch heute noch begeistern können, weil hier NYHC irgendwie smarter und eleganter umgesetzt wurde, als das damals sonst so üblich war.

Dazu kommen Demo-, Compilation- und Singletracks, und ich kann nur zum nachträglichen Entdecken (und Wiederentdecken!) der Band raten.

Joachim Hiller

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #93 (Dezember 2010/Januar 2011)

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