SOFT BOYS

A Can Of Bees

Es mag langweilig klingen, aber die 1976 im englischen Cambridge gegründeten THE SOFT BOYS gehören in die Sparte von Bands, die zu Lebzeiten kein Schwein interessierten, die dann aber in späteren Jahren als ungemein einflussreich für die Entwicklung von „Alternative Music“ ab den Achtzigern bezeichnet wurden, etwa für die REPLACEMENTS, R.E.M.

und die gesamte L.A.-Paisley-Underground-Szene. Das kratzte deren Gitarrist Kimberley Rew wahrscheinlich auch nicht mehr, denn der hatte mit KATRINA & THE WAVES weitaus größeren kommerziellen Erfolg, während Sänger/Gitarrist Robyn Hitchcock seitdem auf eine stattliche Anzahl Plattenveröffentlichungen zurückblicken kann, mit dabei anfangs auch noch die SOFT BOYS-Kollegen Morris Windsor und Andy Metcalfe als Teil der Begleitband THE EGYPTIANS.

„A Can Of Bees“ (1979) und „Underwater Moonlight“ (1980), die beiden einzigen echten Studioplatten von THE SOFT BOYS (sieht man mal von der untergegangenen Reunion 2002 mit „Nextdoorland“ ab) wurden jetzt von Yep Roc neu aufgelegt, zwar als hübsche Vinyl-Replica, dafür allerdings nicht mehr wie bei früheren Neuauflagen als Doppel-CD mit Bonustracks.

Die muss man sich jetzt selbst mit Download-Code runterladen, insgesamt 39 Stücke, bestehend aus vielen Alternativ-Versionen und einigen Coverstücken, die sich zum größten Teil mit den früheren Bonustracks überschneiden, aber nicht vollständig, womit das Veröffentlichungs-Wirrwarr ja mal wieder perfekt wäre.

„A Can Of Bees“ entpuppt sich dabei als recht ruppiges wie kantiges Garage-Album zwischen Punk-Nihilismus und Psychedelic-Rock, auf dem noch wenig von Hitchcocks späterem melodischen Songwriting zu spüren ist.

Und so wirkt das Ganz anfangs wie ein ziemlich grober Klotz, entfaltet aber dann doch irgendwann seine subtileren Qualitäten. Auch nicht von schlechten Eltern ist, wie die hier ganz und gar nicht zarten Jungs Lennons „Cold turkey“ durch den Wolf drehen.

Gefolgt von zwei abschließenden Live-Tracks, von denen Letzterer, „Wading through a ventilator“, wie ein seltsames Medley aus frühen WIRE und TELEVISION klingt. Wesentlich gemäßigter kommt dann „Underwater Moonlight“ daher, mit dem leider viel zu kurzen Überhit „I wanna destroy you“ als Opener.

Wie eine krachige Garage-Band klingen die SOFT BOYS zwar immer noch, aber ihr erwachtes psychedelisch angehauchtes Melodieverständnis macht deutlich, warum diese Platte dann als wichtiger Impulsgeber für den Paisley Underground galt.

Wobei natürlich auch die SOFT BOYS bereits ihre Prise BEACH BOYS, PINK FLOYD (mit Syd Barrett), VELVET UNDERGROUND oder BYRDS abbekommen hatten. Ganz sicher das bessere, weil virtuosere und vielschichtigere Album, aber ganz trennen kann man „Underwater Moonlight“ dennoch nicht von seinem Vorgänger, wenn man sich mit dieser tollen, zu Lebzeiten schmählich übersehenen Band auseinandersetzen will.