SLADE

Sladest

Was auch immer im Detail über die frühen Gehversuche von Punk Ende der Sechziger und in den frühen Siebzigern berichtet wird, für den normalen mitteleuropäischen Jugendlichen trat der erst mittels der massenmedial verbreiteten Bilder der SEX PISTOLS 1977 in Erscheinung.

Davor bedurfte es Schockrocker wie KISS oder Alice Cooper, um die Lehrer- und Elterngeneration zu provozieren, und, so berichten einem ältere Punkrocker immer wieder, auch die Glam- und Pubrocker von Mitte der Siebziger wie T.REX, SWEET und eben SLADE taugten zur Provokation, waren noch ein Stück wilder und verrückter als der normale Heavyrocker jener Tage.

SLADE (Donald Powell, Drums, David Hills, Bass, Jim Lea, Geige/Gitarre, und Noddy Holder, Gesang und Gitarre) wirken rückblickend wie optische Totalschäden – in einem Video zu „Coz I luv you“ läuft Basser David in einem orangenen Overall herum, Geiger Jim macht einen auf Romantik-Look, während Holder, der ja immer durch exquisite Kopfbedeckungen von sich reden machte, eine riesige Schiebermütze auf dem Kopf hat und dazu die Afro-Version von Koteletten trägt –, aber das war Trash, war Camp, und ja, Glam-Rock war ein optisches Verbrechen, und doch waren SLADE damals für viele die Einstiegsdroge in Sachen Punkrock, denn die Musik der Band aus den Midlands war vergleichsweise wild, ihr Auftreten extrovertiert und Songs wie „Cum on feel the noize“, „Mama weer all crazee now“ oder „Gudbuy T’Jane“ (man beachte die lautmalerische Schreibweise) waren nicht gerade Mainstream, sondern aggressiv und versprühten den Geist von Teenager-Revolte, was man von dem, was SLADE in ihrer zweiten Karriere in den Achtzigern aufnahmen, „My oh my“ von 1983 und „Run run away“ etwa, nicht mehr behaupten kann.

Nun sind Best-Of-Kopplungen oft als Stoff für Musikbanausen verschrien, aber SLADE sind definitiv eine Band, von der ich mir nicht alle Alben in den Schrank stellen muss und will, um ihre ein, zwei Handvoll echter Hits bei Bedarf abrufen zu können.

Deshalb: Empfehlenswert.