Reviews : A PLACE TO BURY STRANGERS / Onwards To The Wall EP :: ox-fanzine.de

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CDs/LPs/Singles - Reviews

A PLACE TO BURY STRANGERS

Onwards To The Wall EP

Format: MCD

Label: Dead Oceans

Vertrieb: Cargo

Spielzeit: 16:41

Webseite

Wertung:


Alan Vega ist 73, Martin Rev dürfte sich in einer ähnlichen Altersklasse bewegen. Machen wir uns nichts vor, man muss sich darauf einstellen, dass es nicht mehr so viele Möglichkeiten geben wird, SUICIDE und damit eine der wichtigsten und besten Bands aller Zeiten live zu sehen, geschweige denn, dass man auf neue Aufnahmen hoffen darf.

Nun darf man A PLACE TO BURY STRANGERS aus Brooklyn keinesfalls als pure SUICIDE-Epigonen abtun, aber wer die distortionverrückte Formation um Oliver Ackermann mal live erlebt hat, kann meinen Vergleich nachvollziehen, vor allem angesichts eines so unfassbar noisigen und dennoch eingängigen und damit als Pop definierbaren Monsters wie dem Opener „I lost you“.

Da muss man anschließend zwingend sein gesamtes THE JESUS AND MARY CHAIN-Vinyl ausgraben und ebenfalls in höchster Lautstärke hören. Schon die bisherigen Releases von A PLACE TO BURY STRANGERS waren durchweg begeisternd, und nun, nach einem kurzen Gastspiel bei Mute Records, sind sie bei Dead Oceans unter Vertrag und arbeiten an ihrem dritten Album, als dessen Vorbote diese EP wohl angesehen werden darf.

Diese lässt auch mit „So far away“ nicht nach, einem für Bandverhältnisse hypermelodiösen Song (Unter dem Pflaster liegt der Strand, unter dem Stacheldrahtlärm funkeln Melodien wie Diamanten!).

Und dann „Onwards to the wall“, eine Mischung aus wattigem Elektrobeat, samtigen Female Vocals und Kreissägengitarre – wer hier keine Gänsehaut bekommt, sollte sich auf seine Fähigkeiten zu musikalischer Empathie untersuchen lassen.

„It’ll be alright“ erwischt einen dann mit einer vollen Breitseite: Wäre hier kein Drummer, sondern ein Computer im Einsatz, könnte man es für einen neuen SISTERS OF MERCY-Song halten, enthalten auf einer verlorenen 12“-EP zwischen „Alice“ und „Temple Of Love“.

Und dann noch das wummernde, die toten Nachbarn wieder zum Leben erweckende „Drill it up“ mit dem Monster-Drum-Wumms. Richtig laut kann so was nur jemand hören, der als Residenz ein freistehendes Einfamilienhaus vorweisen kann – und kommt mir nicht mit Kopfhörern und Boxen und unter 100 Liter Volumen.

Mist, erst Januar – was außer dem A PLACE TO BURY STRANGERS-Album soll diesen Release 2012 noch toppen!? (Diese Band war auf der Ox-CD #100 zu hören)

Joachim Hiller

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #100 (Februar/März 2012)

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